Siethen

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Siethen ist ein Ortsteil der im Landkreis Teltow-Fläming im Bundesland Brandenburg gelegenen Stadt Ludwigsfelde.

Siethen hat 592 Einwohner (Stand April 2012), eine Fläche von 14,48 km² und liegt etwa 3 Kilometer westlich der Kernstadt von Ludwigsfelde, in das Siethen seit dem 31. Dezember 1997 eingemeindet ist.[1] Der Ort befindet sich am Ortsrand des Naturparks Nuthe-Nieplitz in Nachbarschaft zum historisch verbundenen „Schwesterdorf“ Gröben. Die Entfernung zur südwestlichen Stadtgrenze Berlins beträgt rund 10 Kilometer.

Siethener Schloss

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Siethen heißt übersetzt wahrscheinlich so viel wie Kornland und dürfte auf das slawische zit'n für Ort, wo Getreide geerntet wird zurückgehen. Der Namenexperte für den Teltow, Gerhard Schlimpert, schließt allerdings eine Übertragung beispielsweise aus dem westfälischen Ort Sythen bei Coesfeld nicht aus.

Kirche aus dem 13./14. Jahrhundert

Kirche [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Dorfkirche Siethen
Kirche, Altar und Apsis
Tabea-Haus, ehemaliges Kinderasyl von 1855

Die inmitten des Friedhofs an der Siethener Dorfstraße gelegene Kirche wurde im späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert als Rechteckbau mit nachträglich angebauter Apsis und einem etwas eingezogenen, annähernd quadratischen Westturm errichtet. Die Kirche hat einen Sakristeianbau im Nordosten und einen kleinen Vorbau über dem Nordportal. Die Orgel wurde 1882 von dem Potsdamer Carl Eduard Gesell gebaut und mit einem Manual, Pedal und sechs Registern ausgestattet.[2][3]

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gut befand sich von 1416 bis 1859 im Besitz der Familie von Schlabrendorf, wie auch das Gut Gröben. Im Herbst 1859 erwarb Karl von Jagow, Erbjägermeister der Kurmark, die Gröbener und Siethener Besitzungen für 120.000 Taler von Johanna von Scharnhorst, geb. von Schlabrendorff. 1879 verkaufte er sie für 180.000 Taler an den Berliner Großkaufmann Badewitz. 1897 fielen die Besitzungen an dessen Sohn, den Königlichen Regierungsassessor und Juristen Gottfried von Badewitz (1866–1944), der 1914 in den Adelsstand erhoben wurde.

Die wechselvolle Geschichte des durch die Familie Badewitz zum Ausgang des 19. Jahrhunderts errichteten Schlosses reicht von der Zweckentfremdung als Lazarett, über Flüchtlingsunterkunft hin zum heutigen Jugendheim. Im Zuge dieser Nutzungen wurde das äußerst imposante Dachgeschoss baulich verändert.

Tabea-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die letzten beiden adligen Damen derer von Scharnhorst (siehe Gröben) als Eigentümer von Gut Siethen richteten 1855 ein Kinderasyl ein, das Tabea-Haus. Es wurde als Kleinkinderstube für die Tagelöhnerkinder, Kranke und Waisen genutzt und beherbergt heute einen Kindergarten.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einigen Gewerbe- und Handwerksbetrieben ist der Spargelanbau bedeutend. Ansonsten gewinnt der Bereich der Naherholung auf Grund des Sees und der umgebenden Landschaft an Bedeutung. Rad- oder Wanderungen führen auch durch das Erholungsgebiet des Siethener Sees. Dabei stößt man in Richtung Gröben auf das ehemalige Märkische Wanderdorf, das unmittelbar am Siethener See gelegen ist.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siethen liegt unweit der Bundesautobahn 10, Ausfahrt Ludwigsfelde-West. Bis zum südlichen Stadtrand von Berlin benötigt man über die neue Bundesstraße 101, Ausfahrt Ludwigsfelde-Ost, etwa 12 Minuten. Es sind Radwege nach Ludwigsfelde und Ahrensdorf vorhanden.

Siethener See [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Siethener Elsbruch
Siethener See an einem Sommerabend

Der Siethener See hat eine Fläche von rund 80 Hektar. An seinen Ufern wachsen zahlreiche Laubbäume. Mit zwei öffentlichen Badestellen und Angelmöglichkeiten ist er jedes Jahr wieder ein Anziehungspunkt für Wasserfreunde. Die landschaftliche Lage fand schon Theodor Fontane vortrefflich, denn in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg schreibt er: „… und erreichen schon nach halbstündigem Marsch eine mäßige Hügelhöhe, von der aus wir zwei Seeflächen und zwei Dörfer überblicken: «Groeben» und «Siethen». Ein märkisches Idyll. Aber auch ein Stück märkische Geschichte.“ Das rund 240 Hektar umfassende Landschaftsgebiet trägt den Namen „Siethener Elsbruch“ und ist Bestandteil des Naturschutzgebietes Nuthe-Nieplitz-Niederung. Es zieht sich bis zum Dorf Ahrensdorf, das gleichfalls zu Ludwigsfelde gehört sowie den Dörfern Fahlhorst und Nudow aus der Gemeinde Nuthetal hin.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eiche südlich von Siethen mit einem Brusthöhenumfang von 7,00 m (2016).[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Schlimpert, Brandenburgisches Namenbuch, Teil 3, Die Ortsnamen des Teltow , Hermann Böhlaus Nachf., Weimar, 1972; siehe Seiten 169f.
  • Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Teil 4. Spreeland. Zitat (S. 384) nach der Ausgabe 1998, Frankfurt/M, Berlin. ISBN 3-548-24381-9
  • Anita Eichholz: Lebensbilder aus Siethen und Wernstein, ISBN 3-8442-8441-9, Verlag epubli GmbH, 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Siethen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  2. Werkverzeichnis der Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH (Memento vom 23. April 2004 im Internet Archive)
  3. Theo Engeser und Konstanze Stehr, Dorfkirche Siethen
  4. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017

Koordinaten: 52° 17′ N, 13° 13′ O