Silbergras

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Silbergras
Silbergras (Corynephorus canescens)

Silbergras (Corynephorus canescens)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Corynephorus
Art: Silbergras
Wissenschaftlicher Name
Corynephorus canescens
(L.) P.Beauv.

Das Silbergras (Corynephorus canescens) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Corynephorus innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 13
Blütenstand

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Silbergras ist eine überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 35 Zentimetern. Dieses Gras wächst in dichten Horsten. Die aufrechten, etwas abgespreizten Halme sind auffallend dünn, unbehaart, leicht angeraut und verfügen unterhalb der Mitte über zwei bis sieben Knoten.

Die Blattscheiden sind rötlich-purpurfarben, leicht rau und unbehaart. Die silbrig graugrünen Blattspreiten sind sehr steif, borstenförmig zusammengerollt, scharf zugespitzt, rau und zirka 6 Zentimeter lang sowie etwa 0,5 Millimeter breit.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis August, gelegentlich bis in den Oktober. Der fein verzweigte, rispige Blütenstand ist bei einer Länge von 2 bis 8 Zentimetern schmal-länglich und purpurfarben oder bunt gefärbt, zuweilen auch bleichgrün. Der Blütenstand ist nur während der Anthese locker ausgebreitet, sonst zusammengezogen. Die 4 Millimeter langen Ährchen sind zweiblütig, sehr schmal und leicht zusammengedrückt. Die Deckspelzen werden von den Hüllspelzen beinahe vollständig eingeschlossen. Sie sind undeutlich genervt und tragen eine hellbraune schon am Grund freie Granne. Die Granne ist charakteristisch keulenförmig verdickt und trägt etwa in der Mitte einen borstlichen Haarkranz.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Silbergras handelt es sich um einen skleromorphen Hemikryptophyten.

Das Silbergras ist ein Intensivwurzler und kann bis zu 15 Zentimeter in den Boden eindringen. Aufgrund dieser Eigenschaft ist es zur Erstberasung von lockerem Sand geeignet und spielt bei der Festlegung von Wanderdünen eine entscheidende Rolle. Ferner gelangt es so auch bei starker Trockenheit an tiefliegende Wasserreserven. Weitere morphologische Eigenschaften sind besonders für ein Leben an trockene und warme Lebensräume entwickelt. Die Oberflächen der Wurzeln sind durch die samtige Behaarung vergrößert. Dieses befähigt die Pflanze dazu, genügend Wasser aufzunehmen. Ferner funktionieren die starren aufrechten Halme der Horste gewissermaßen wie Tau- und Regensammler und leiten Wasser zu den Wurzeln. Schließlich schränken die gerollten Blätter den Wasserverlust durch Verdunstung ein, indem die Spaltöffnungen verborgen liegen. Das Silbergras erträgt im Sommer bis zu 60 °C, stirbt jedoch bei scharfem Frost ab. Das Silbergras wächst extrem langsam und wird nicht einmal von Schafen gefressen, weil sein Nährstoffgehalt so gering ist.

Pionierbesiedlung eines Sandweges

Bei Trockenheit krümmen sich die Deck- und Hüllspelzen ein beziehungsweise sie spreizen sich, bei Feuchtigkeit hingegen strecken sich die hygroskopisch reagierenden Haare und Grannen. Dadurch erfolgt die Selbstausbreitung als Bodenkriecher und Bohrfrucht. Die Karyopse kann auch als Klettfrucht beispielsweise im Fell von Schafen ausgebreitet werden.

Silbergrasflur
Habitat in der Lieberoser Wüste

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Silbergras ist vom südlichen Skandinavien über Nordwesteuropa bis in den Mittelmeerraum weit verbreitet. Es ist ein subatlantisch-submediterranes Florenelement. Im küstenferneren Binnenland ist es dagegen sehr selten. Es fehlt in den Alpen und in höheren Mittelgebirgslagen. Ferner kommt es in Marokko vor. In der Neuen Welt ist es ein Neophyt.

Das Silbergras wächst auf warmen und trockenen, nährstoff- und basenarmen, neutralen bis sauren, meist humus- und feinerdearmen, lockeren, durchlässigen Sandrohböden der tieferen Lagen. Als Erstbesiedler kommt es auf Flugsanden der Küsten- und Binnendünen, Flugsanddecken, auf Brachen, an Wegen, Sandgruben, lichten Kiefern- und Birkenwäldern vor. Auf offenen Sandflächen, wo der Boden im Sommer extrem austrocknet, ist es oft die einzige bestandsbildende Blütenpflanze. Es ist eine Pionierpflanze auf offenen, vegetationsarmen, lockeren, humusfreien Flugsandfeldern. Es ist an die extremen Umweltbedingungen seiner natürlichen Standorte (Hitze, Trockenheit, Nährstoffarmut) angepasst. Die Pflanze ist mit ihren kleinen büscheligen Horsten eine kennzeichnende Art der Silbergrasfluren (Corynephorion canescentis). Das Silbergras dient der Erstberasung von lockerem Sand und spielt bei der Festlegung von Wanderdünen eine entscheidende Rolle.

Sein Hauptvorkommen liegt in Sand-Trockenrasen. Hier ist es die Charakterart des Verbandes der Silbergrasfluren beziehungsweise Silbergras-Pionierrasen (Corynephorion canescentis). Die Pflanzengesellschaften setzen sich aus Magerkeits- und Trockenheitszeigern zusammen. Diese sind neben dem Silbergras das Sand-Straußgras (Agrostis vinealis), der Schmalblättrige Ampfer (Rumex tenuifolius), der Frühlings-Spark (Spergularia morisonii) und Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis). An Moosen finden sich das Purpurstielige Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus) und das Frauenhaarmoos (Polytrichum piliferum). Kennzeichnend sind eine Vielzahl an Flechten wie beispielsweise die Elchgeweih-Becherflechte (Cladonia alcicornis) oder Floerkes Becherflechte (Cladonia floerceana).

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Silbergras gilt in Deutschland als nicht gefährdet. Es ist jedoch in den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg als gefährdet eingestuft. In Thüringen gilt die Art als vom Aussterben bedroht. In Österreich ist das Silbergras ebenfalls vom Aussterben bedroht. Durch die Zerstörung der meisten mageren Sandflächen in den vergangenen Jahrzehnten ist auch der Lebensraum des Silbergrases weitgehend verloren gegangen. Die aktuell verbliebenen kleinflächigen Standorte sind besonders stark durch den Stickstoffeintrag von benachbarten Agrarflächen bedroht.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Aira canescens durch Carl von Linné.[2] Die Neukombination zu Corynephorus canescens (L.) P.Beauv. wurde 1812 durch Ambroise Marie François Joseph Palisot de Beauvois veröffentlicht. Der Gattungsname Corynephorus leitet sich von den griechischen Wörtern korýne für Keule und phoréin für tragen ab und bezieht sich auf die kennzeichnende keulenförmige Granne. Das Artepitheton canescens ist lateinischen Ursprungs und bedeutet ergrauend beziehungsweise grau aussehend und nimmt auf die Farbe der Pflanze Bezug. Weitere Synonyme für Corynephorus canescens (L.) P.Beauv. sind: Agrostis canescens (L.) Salisb., Aira variegata St.-Amans, Avena canescens (L.) Web. ex Wigg., Weingaertneria canescens (L.) Bernh., Corynephorus incanescens Bubani, Corynephorus canescens var. andinus Hack. ex Sodiro.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Trivialname Silbergras bezieht sich auf die im Licht silbrig glänzenden Blütenstände.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. Schubert, W. Hilbig, S. Klotz: Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Mittel- und Nordostdeutschlands. Gustav Fischer, Jena 1995, ISBN 3-334-60910-3.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 7., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
  • Jürke Grau, Bruno P. Kremer, Bodo M. Möseler, Gerhard Rambold, Dagmar Triebel: Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsengewächse und grasähnliche Familien Europas (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe Auflage. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10702-9.
  • W. D. Clayton, K. T. Harman, H. Williamson: World Grass Species: Descriptions, Identification, and Information Retrieval. online seit 2002, Zugriff am 9. Dezember 2006.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 248.
  2. Carl von Linné: Species Plantarum 1, 1753, S. 65. Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Silbergras (Corynephorus canescens) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien