Silikonfuge

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Applikation einer Silikonfuge an einer Stoßleiste
Silikonmasse

Eine Silikonfuge ist eine elastische Fugenabdichtung im Baubereich, die mit Dichtstoffen auf Silikonbasis ausgeführt ist. Diese gehören in die Gruppe der Elastomere. Sie sind elastisch und schlecht elektrisch leitend.

Elastizität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Fuge im Sanitärbereich dient in erster Linie dazu, Bewegungen (z. B. durch Erschütterungen, Verformungen) zwischen den Baumaterialien (z. B. Fliesen, Badewannen, Türrahmen usw.) zu kompensieren und das Eindringen von Feuchtigkeit in Fugen bzw. den Baukörper zu verhindern.[1] Man unterscheidet zwischen elastischem oder plastischem Fugmaterial. Die Elastizität ist hierbei abhängig vom Vernetzungsgrad des jeweiligen Materials. Je nach Einsatzgebiet kommen dabei unterschiedliche Materialien zum Einsatz von denen die bekanntesten das Acetatsilikon und das Alkoxysilikon sind. Das Wort „dauerelastisch“ wird zwar oft für Silikonfugen benutzt, ist aber in diesem Zusammenhang falsch, da auch Silikone ihre Elastizität im Laufe der Zeit verlieren. Zu den Einflussfaktoren gehören UV-Licht, mikrobiologische Besiedlung (wie z. B Schimmel) und Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Deshalb spricht man besser von elastischen Fugmaterialien.

Zusammendrückbarkeit von Silikon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der sogenannte ZGV–Wert (ZGV = Zulässige Gesamtverformung) gibt an, in welchem Maße der Silikondichtstoff Bewegungen aufnehmen kann. Bei einem Wert von 20 % bedeutet es z. B. 10 % Zug- und 10 % Druckaufnahme. Bei einer Breite von 10 mm ergibt sich also eine Verformbarkeit von +/- 1 mm.

Bestimmung der notwendigen Fugenbreite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die für einzelne Vorhaben zu wählende Fugenbreite ist abhängig von den oben genannten Materialeigenschaften. In dem Merkblatt „Abdichtung von Bodenfugen mit elastischen Dichtstoffen“, herausgegeben vom Industrieverband Dichtstoffe, sind die Mindestfugenbreiten in Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz und dem Fugenabstand festgelegt. Ein Beispiel: Bei einem Fugenabstand von 6 mm, Temperaturschwankungen von 40 °C, und einer ZGV von 20 % ergibt sich eine Mindestbreite der Fuge von 14 mm. In Außenbereichen mit einer Temperaturdifferenz von 80 °C sind es im gleichen Fall 25 mm. Eine Übersichtstabelle gibt es vom Industrieverband Dichtstoffe (siehe Weblinks).

Material[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalkhaltige Natursteine wie Marmor dürfen nicht mit essigvernetzendem Silikon in Kontakt kommen, da Kalk im sauren Milieu angelöst wird. Zur Verwendung mit Naturstein werden spezielle Silikone angeboten. Auch Gegenstände aus Zinn oder Messing sollten nicht mit sauer vernetzende Silikon verfugt werden, da diese Metalle angegriffen werden können.

Die meisten Silikondichtstoffe, die häufig mit Wasser in Kontakt kommen, werden mit Fungiziden versehen, um eine Schimmelbildung hinauszuzögern. Zum Bau von Aquarien wird in der Regel essigvernetzendes Silikon verwendet, welches jedoch kein Fungizid enthalten darf.

Verarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Einbringen ist die Haftung des Dichtstoffs am Grund der Fuge zu vermeiden, die sogenannte „Dreiflankenhaftung“. Der Dichtstoff soll nur an den (ungefähr parallel) gegenüberliegenden Flächen der Bauteile haften, um weitere Spannungen, die vom Grund der Fuge ausgehen können zu vermeiden. Idealerweise wird vor dem Eintrag des Dichtstoffs eine Rundschnur aus Schaumstoff oder ähnlichem Material in den Spalt geschoben. Dieser entkoppelt den Dichtstoff vom Grund und bewirkt ein Uhrglas-förmiges Profil des Silikons. Dadurch ist die Silikonfuge in der Mitte schlank und elastisch und weitet sich zur Flanke hin auf, wo es auf eine gute Haftung ankommt. (Gemäß IVD-Merkblatt sind Dichtstoffdicken größer als 20 mm hierbei zu vermeiden.)

Verhinderung von Schimmel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sanitärsilikone sind in der Regel fungizid ausgerüstet. Das bedeutet, dass durch geeignete Zutaten eine mikrobiologische Besiedlung reduziert, allerdings nicht völlig verhindert wird. Im Laufe der Zeit schwächt sich dieser Effekt ab. Je nach Umgebungsbedingungen und der Behandlung des Dichtstoffs (Reinigungsmittel, Feuchtigkeit, angrenzende Baustoffe usw.) kann der Verlust der fungiziden Wirkung beschleunigt werden.

Pflege von Silikonfugen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Duschen und Baden sollte die Fuge abgespült und mit einem Schwamm oder Tuch abgetrocknet werden. Dabei werden auch organische Partikel entfernt, die dem Schimmel als Nahrung dienen. Gelegentlich sollten die Fugen mit etwas Reinigungsmittel gesäubert und anschließend wieder abgespült und getrocknet werden.[2]

Um das Auftreten von Schimmel zu verzögern, sollte nach der Badbenutzung gründlich gelüftet werden, um die Luftfeuchte zu senken.[2]

Bei Bädern wird üblicherweise „sauer“ gereinigt, zumeist mit Reinigungsmitteln, die Essigsäure sowie im professionellen Bereich auch Phosphor- oder Amidosulfonsäure enthalten. Die Säuren lösen Kalkablagerungen, beugen dem Schimmelbefall jedoch nicht vor. Zu diesem Zwecke können die Fugen mit Glukoprotaminen oder quartären Ammoniumverbindungen einzustreichen, um die mikrobiologische Besiedlung zu vermindern. Fruchtkörper der Schimmelpilze (oft sichtbar in Form von schwarzen Punkten) können mit Chlorbleichlauge abgetötet werden. Allerdings ist der Schimmel auch in diesem Fall immer noch in den tieferen Schichten des Silikons vorhanden. Einzig wirkliche Sanierungsmöglichkeit ist daher, die Fuge zu erneuern.

Randverfärbungen bei Natursteinen und deren Entfernung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Verarbeitung von Silikon und Naturstein kommt es gelegentlich zu unschönen Verfärbungen an den Rändern des Steins. Diese haben folgende Ursachen:

  1. Manche Arten von Silikon sind für Naturstein grundsätzlich nicht geeignet. Acetatvernetzende Silikone sind für carbonathaltige Natursteine wie z. B. Marmor nicht geeignet, da sie beim Aushärten Essigsäure freisetzen, der die Oberfläche angreift und eine Vernetzung mit derselben unterbindet. Fenstersilikone enthalten zur Erhöhung der Elastizität bei hohen Temperaturdifferenzen fetthaltige Füllstoffe, welche in den Naturstein einwandern können. Derartige Fettflecken können oft mit einer speziellen Ölentfernerpaste reduziert werden. Diese bestehen i. d. R. aus einem Lösemittel und einem Trägerstoff. Ziel ist es, das Öl anzulösen und zu verteilen. Das Öl wird dabei nicht entfernt.
  2. Es wurde bei der Verarbeitung zu viel Spülmittel zum Glätten benutzt. Ein Tropfen auf 10 Liter Wasser reicht in der Regel völlig aus. Es wird jedoch häufig reines Spülmittel verwendet. Dann wandern die darin enthaltenen reinigungsaktiven Stoffe (Tenside) in den Stein ein und führen zu einer „fettig“ aussehenden Verfärbung. Bei unimprägnierten Flächen hilft es oft, wenn man einen nassen Lappen mehrere Tage auf der betroffenen Stelle liegen lässt. Dann können sich die Tenside langsam im Stein verteilen und fallen nicht mehr auf.
  3. Auf unpolierten Flächen entsteht durch die Glättung der Fugen öfter auch eine dünne Silikonschicht, die später einen „Nasseffekt“ erzeugt. Diese Schicht kann man nur mechanisch entfernen, z. B. mit einem Messer und einem Glaskeramikhobel. Durch ordentliche Abklebung ist ein solcher Effekt vermeidbar.

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silikonfugen sind auch bei guter Ausführung nicht langfristig wasserdicht und müssen regelmäßig erneuert werden. Silikonfugen werden nicht als dauerhafte Abdichtungen gegen Wassereinwirkung im Sinne der DIN 18534-5/A1 2018-09 "Abdichtung von Innenräumen" anerkannt.[3]

  • DIN 52460 – "Fugen und Glasabdichtungen – Begriffe", 12/2015. „Verschließen eines beabsichtigten oder toleranzbedingten Bauteilzwischenraums mit einem elastischen Füllstoff“
  • DIN EN 15651 – „Fugendichtstoffe für nicht tragende Anwendungen in Gebäuden und Fußgängerwegen – Teil 3: Dichtstoffe für Fugen im Sanitärbereich“, 12/2012
  • IVD-Merkblatt Nr. 3 – 1: „Konstruktive Ausführung und Abdichtung von Fugen in Sanitär- und Feuchträumen. Teil 1: Abdichtung mit spritzbaren Dichtstoffen“, 11/2014, Industrieverband Dichtstoffe e.V. (IVD) – Gibt den Stand der Technik wieder.[2]
  • IVD-Merkblatt Nr. 15: „Die Wartung von hochbelasteten bewegungsausgleichenden Dichtstoffen und aufgeklebten elastischen Fugenbändern“, 11/2014, Industrieverband Dichtstoffe e.V. (IVD)

Historische Fugendichtstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Entwicklung von dauerhaft elastischen Fugenfüllstoffen gab es wenige Möglichkeiten zur Ausführung von Bewegungsfugen. Wenn nur geringe Bewegungen aufzunehmen waren, konnte die Fuge mit Werg aus Pflanzenfasern (wie Kokos- oder Hanffasern) ausgestopft werden, die mit Öl, Fett, Pech, Holzteer oder einer Gummimischung wasserabweisend imprägniert wurden.

Fugen, die keine Bewegung aufzunehmen hatten, wurden oft mit feinem Mörtel, Blei oder mit Glaserkitt ausgefüllt, der aus 85 % Schlämmkreide und 15 % Leinölfirnis besteht und stundenlang zu einem zähen Teig geknetet wird. Durch die Oxidation des Leinöls an der Luft verfestigt sich der Kitt allmählich. Leinölhaltiger Dichtstoff kann Verfärbungen verursachen, wenn er überarbeitet wird. Wenn eine Probe des Materials in eine Flamme gehalten wird, riecht es nach Leinöl.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rendl T. - Untersuchungen zum ergebnisorientierten Umgang mit typischen Baumängeln im Wohnungsbau. Grin Verlag, 2009
  2. a b c Dr. Sven Bornholdt: Silikonfugen - Elastische Fugenabdichtungen richtig ausführen, pflegen und warten, Merkblatt Leitungswasserschäden, Juli 2018, Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e.V.
  3. Jürgen Wendnagel: 5 Fragen zur DIN 18534: Boden- und Wandflächen in Bad & Co abdichten, In: Haustec.de, 03.08.2017 - Aktualisiert am 07.09.2018