Marihuana

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Marihuana, Gras oder Weed bezeichnen in der deutschen Umgangssprache ein Kraut­produkt der weiblichen Hanfpflanze (Cannabis). Meist ist damit eine getrocknete Mischung aus Blüten mit den unbefruchteten weiblichen Blütenständen (mit oder ohne anhängende Blätter) gemeint.[1][2]

Marihuana muss von Haschisch unterschieden werden. Haschisch ist zwar ebenfalls ein Cannabisprodukt, besteht jedoch meist aus dem gepressten Harz der weiterverarbeiteten Pflanzenteile.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marihuana wird sowohl als Rauschmittel und wie auch als Arzneimittel genutzt. Es wird meist nach unvollständiger Verbrennung geraucht oder nach Verdampfung inhaliert, selten wird es auch oral aufgenommen (z. B. durch Lebensmittel).[3]

THC-Gehalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die berauschende Wirkung ist hauptsächlich auf den psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) zurückzuführen. Der THC-Gehalt kann stark variieren: Er liegt nach Zahlen von 2006 der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in Europa zwischen weit unter einem und 17,7 Prozent.[4] Für 2015 gibt die EBDD, basierend auf nationalen Durchschnittswerten, einen Wirkstoffgehalt von 3 % als Mindestwert, von 22 % als Höchstwert und einen Quartilabstand von 7 bis 11 % an.[5]

Ein Wirkstoffgehalt von bis über 30 Prozent ist mit bestimmten Cannabissorten unter Bestbedingungen möglich. Aktuell bietet medizinisches Cannabis in Deutschland je nach Sorte THC-Werte zwischen unter einem und bis zu 22 Prozent. Der CBD-Gehalt liegt bei offiziellem medizinischem Cannabis in Deutschland zwischen unter 0,05 und 10,2 Prozent.[6]

Zum Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gesetzestext des Betäubungsmittelgesetzes ist der Name Marihuana als Trivialname für die gesamte Pflanze verankert. Es heißt dort: Cannabis (Marihuana, Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen).[7] Der Name Marihuana kam ursprünglich aus den USA nach Deutschland und spielte dort bei dem Verbot der Cannabis-Pflanze eine wichtige Rolle.

Das Wort marihuana, teilweise auch mariguana geschrieben, stammt aus dem mexikanischen Spanisch. Die weitere Herleitung ist ungewiss, möglicherweise stammt das Wort aus einer Indianersprache. Die häufig kolportierte Herleitung vom spanischen Vornamen María Juana („Mary Jane“) ist eine irrige Volksetymologie, die nach der Entlehnung des Wortes ins Englische wohl in den USA aufkam. So erklärt sich auch die Schreibvariante marijuana, die erst im englischen Sprachraum entstand und im spanischen nur selten anzutreffen ist.[8] Oft wird Marihuana auch mit dem Anglizismus „Mary Jane“ bezeichnet.

Gras ist eine der geläufigsten umgangssprachlichen Bezeichnungen für Marihuana. Weed ist ein auch in deutschsprachigen Ländern benutzter Begriff.

In Jamaika und der restlichen Karibik wird Marihuana nach der aus der Sprache Sanskrit stammenden Bezeichnung für Hanf auf Hindi und Urdu[9] auch als Ganja bezeichnet.[10] Sinsemilla, fälschlicherweise auch Sensimilla (span. sin semilla ‚ohne Samen‘), besteht ausschließlich aus weiblichen, unbestäubten Blütenständen, die keine Samen enthalten. Sinsemilla gewinnt man, indem die männlichen Pflanzen entfernt werden, sobald das Geschlecht erkennbar ist. Man kann dafür aber auch Stecklinge einer weiblichen Mutterpflanze heranziehen.

Hasch, Haschisch, Marihuana und Cannabis werden auch fälschlicherweise synonym verwendet. Cannabis ist der lateinische Name der Gattung Hanf.

Marihuana-Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paraguay: Größter Marihuana-Produzent Südamerikas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paraguay ist mit geschätzten 50 000 Tonnen jährlich Südamerikas größter Marihuana-Produzent. Dabei werden allerdings nur ungefähr fünf Prozent im eigenen Land konsumiert, der Rest wird aus dem Land rausgeschmuggelt. 80 Prozent des Marihuanas werden illegal nach Brasilien gebracht, vor allem in die Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo, der Rest geht nach Chile, Argentinien und Uruguay. Die paraguayanischen Bauern sind im illeglaen Handel wie so oft die Ärmsten. Sie bekommen für ein Kilogramm Marihuana ungefähr 30 Dollar, während der Straßenpreis in Chile bis zu 2800 Dollar beträgt und die Bootscrew pro Schmuggel um die 10 000 Dollar verdient. Im Norden des Landes gibt es Gebiete, in denen acht von zehn Familien vom Cannabisanbau leben. Es ergibt sich ein Teufelskreis, denn die Jugendlichen dieser Familien müssen oft früh schon beim Anbau und der Ernte des Rauschmittels mithelfen und können meist nicht zur Schule gehen. Ihnen bleibt dann auch nichts anders übrig, als den Familienbetrieb zu übernehmen und selbst Cannabis zu kultivieren. Paraguay versucht durch Eradikation Felder an der Grenze zu Brasilien zu zerstören und konnte damit auch teilweise Erfolge erzielen. Dennoch tut sich das Land im Kampf gegen die Drogen schwer, vor allem auch durch den Schiffsschmuggel. Da in Uruguay 2013 der Konsum von Cannabis legalisiert wurde, geht auch ein großer Teil des Rauschmittels aus Paraguay in dieses Land, da der Preis für Cannabis aus Paraguay deutlich geringer ist.[11]

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Rechtliche Aspekte von Hanf

Der Besitz, Handel und Konsum von Marihuana und anderen Cannabisprodukten wie Haschisch und Haschöl ist in den meisten Ländern verboten. Uruguay ist das erste Land der Welt, das bereits 2013 eine vollständige Legalisierung von Cannabis beschloss. Start des regulären Cannabishandels war jedoch erst der 1. Juli 2017.[12] Kanada wird im Jahr 2018 nachziehen. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass auch die Niederlande Cannabis legalisiert hätten. Dort ist allerdings nur der Besitz von bis zu fünf Gramm Cannabis sowie der Verkauf nach engen Regeln an private Abnehmer durch Coffeeshops toleriert.[13]

Schadstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bestimmung von Schadstoffen im Marihuana eignen sich chromatographische Verfahren, wie z. B. die Kopplung der Gaschromatographie mit der Massenspektrometrie.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hainer Hai: Das Definitive Deutsche Hanf Handbuch. (= Der Grüne Zweig. 73). Löhrbach 1982, ISBN 3-922708-73-0, S. 143–144.
  • Sinsemilla – Königin des Cannabis. Raymond Martin Verlag, Markt Erlbach 1995, ISBN 3-88631-219-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marihuana – Bilder und Mediendateien
 Wiktionary: Marihuana – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dudenredaktion: Duden - Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. Bibliographisches Institut, 2014, ISBN 978-3-411-90267-5, S. 484 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (Hrsg.): Stand der Drogenproblematik in Europa. 2006, ISBN 92-9168-252-7, S. 40 (PDF; 1,5 MB).
  3. Hans-Dieter Klimm: Allgemeinmedizin. Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 3-13-155424-X, S. 86.
  4. Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (Hrsg.): Stand der Drogenproblematik in Europa. 2006, ISBN 92-9168-252-7, S. 40 (PDF; 1,5 MB).
  5. Europäischer Drogenbericht 2017. Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, S. 21, abgerufen am 12. November 2017 (PDF).
  6. Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Cannabis als Medizin: Was kommt auf die Apotheken zu? In: Pharmazeutische Zeitung online. Abgerufen am 12. November 2017.
  7. Anlage I BtMG - (zu § 1 Abs. 1) „nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel“ und Gesetzesbeschluss des Deutschen Bundestages – Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften Bundesrat Drucksache 21/17 20. Januar 2017, Abruf 17. Februar 2017.
  8. Dudenredaktion: Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Bibliographisches Institut, 2015, ISBN 978-3-411-90539-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. ganja. In: merriam-webster.com. Merriam-Webster, abgerufen am 16. November 2013 (englisch).
  10. Report of the National Commission on Ganja (Jamaika). In: cannabislegal.de. Verein für Drogenpolitik, abgerufen am 4. August 2016 (englisch).
  11. Paraguay: Größter Marihuana-Produzent Südamerikas,Drogen Macht Welt Schmerz: Eine entwicklungspolitische Infokampagne von earthlink e.V., publiziert am 4. Januar 2017 von Lorina, abgerufen am 12. Januar 2017
  12. Cannabis in Uruguay: offizieller Verkauf startet endlich am 1. Juli - Highway – Das Cannabismagazin. Abgerufen am 30. Mai 2017.
  13. Maximilian Plenert: Ist Cannabis in den Niederlanden legal? In: Deutscher Hanfverband. 6. November 2014 (hanfverband.de [abgerufen am 30. Mai 2017]).
  14. N. Sullivan, S. Elzinga, J. C. Raber: Determination of pesticide residues in cannabis smoke. In: J Toxicol. 12. Mai 2013, S. 378168. PMID 23737769
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