Spanischer Name

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Spanische Namen: Häufigster Familienname nach Provinz
Die Konzentrationen bestimmter spanischer Nachnamen in den einzelnen Provinzen: Anteil der Bevölkerung mit den zehn meist genannten Nachnamen für jede Provinz. (Quelle: Instituto Nacional de Estadística 2006)

Dieser Artikel über spanische Namen befasst sich mit den in der Spanisch sprechenden Welt gebräuchlichen Vor- und Nachnamen und ihrer Verbreitung sowie den dort angewandten grundlegenden Gebräuchen und Regeln der Namensbildung und Namensführung von Personen.

Grundsätzliches zu Namensführung und -gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein spanischer Personenname besteht aus einem oder mehreren Vornamen, nombre („Name“) oder nombre de pila (wörtlich „Taufname“) genannt, und im Regelfall zwei Nachnamen, so genannte apellidos (wörtlich „Rufnamen“). Der zweiteilige Nachname, der insgesamt ebenfalls apellido („Rufname“) genannt wird, setzt sich aus dem Vatersnamen (Patronym) und dem Muttersnamen (Matronym) zusammen. Beide Namen werden ohne Bindestrich zusammengefügt, im standesamtlichen und gelegentlich im sehr formellen Gebrauch auch mit der Konjunktion y („und“) verbunden, was eigentlich ein Adelsprädikat ist.

Die neutrale und förmliche Anrede erfolgt bei Frauen und Männern gleichermaßen mit „Señora“ (Frau) bzw. „Señor“ (Herr) plus erstem Nachnamen.[1] Als Höflichkeitsanrede benutzt man in Spanien allerdings häufiger den Vornamen mit einem vorangestellten „Doña“ (Frau) bzw. „Don“ (Herr). Dies ist auch im schriftlichen, besonders auch amtlichen Gebrauch üblich, wobei auf den Vornamen die Nachnamen folgen können. Auch in anderen spanischsprachigen Ländern ist die Anrede mit Don plus Vornamen (und ggf. Nachnamen) noch üblich (beispielsweise in Chile), die dagegen andernorts (beispielsweise in Venezuela) als Hispanizismus oder als zu aristokratisch wahrgenommen wird. In manchen lateinamerikanischen Ländern, besonders Mexiko, wird anstelle der Anreden „Herr“ und „Frau“ vor allem im amtlichen Gebrauch nur die egalisierende Anrede mit „Bürger“ oder „Bürgerin“ (ciudadano/-a) plus Vor- und Nachname verwendet.

Im Alltag wird nur ein Nachname verwendet, normalerweise der erste. Personen, deren erster Nachname sehr häufig ist, werden zur besseren Unterscheidung mit ihrem zweiten Nachnamen bezeichnet (so zum Beispiel der ehemalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero). Dieser Usus gilt auch für Zitierregeln im wissenschaftlichen Sprachgebrauch und wird auch in fremdsprachigen (deutschen, englischen) Publikationen für Autoren mit spanischen Namen angewandt.[2] Im formellen Schriftverkehr und in amtlichen Angelegenheiten werden stets beide Namensteile in der korrekten Reihenfolge benutzt.

Im Normalfall erhält man als ersten Nachnamen den ersten Nachnamen des Vaters (Vatersname), der dessen väterliche Abstammungslinie fortsetzt, und als zweiten Nachnamen den ersten Nachnamen der Mutter, der deren väterliche Abstammung kennzeichnet. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 1999 können spanische Eltern die Reihenfolge heute jedoch frei wählen. Volljährige können seitdem in Spanien auch nachträglich eine Änderung der Reihenfolge beantragen. Mit Änderung einer Verwaltungsvorschrift im Juni 2017 wurde die ausdrückliche Wahl der Eltern zur Regel, sodass eine stillschweigende Fortgeltung der patrilinearen Nachnamensweitergabe in Spanien jetzt ausgeschlossen ist.[3]

Die Namensführung in der spanischsprachigen Welt ist von Veränderungen des Familienstands weitgehend unabhängig. Der zweigliedrige Nachname ist in der Regel individuell und unveränderlich, Eheleute behalten nach der Heirat also ihre Geburtsnamen; einen gemeinsamen Familiennamen für Ehepaare und deren Kinder gibt es nicht. Allerdings kann in vielen Ländern der erste Nachname des Ehegatten dem eigenen ersten Nachnamen verbunden mit einem de („von“) nachgestellt werden. Solche Heiratsnamen sind in weiten Teilen Lateinamerikas für Ehefrauen üblich, muten aber in Spanien selbst heute veraltet an.

Römische Ursprünge der Namensführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zu römischen Zeiten gab es die Dreinamigkeit. Ab etwa 200 v. Chr. trat das Cognomen als drittes Element hinzu, da die Kombination von praenomen und nomen gentile keine Eindeutigkeit mehr gewährleistete. Immer mehr Römer trugen somit drei Namen. Die „typische“ Namensform war dann etwa 300 Jahre lang die der tria nomina („drei Namen“), zum Beispiel: Marcus (praenomen) Tullius (nomen gentile) Cicero (cognomen). Ursprünglich waren Cognomina wohl den einzelnen Träger charakterisierende Bei- oder Spottnamen (z. B. Cicero, abgeleitet von cicer „Kichererbse“; Crassus von crassus „fett“), wurden später aber teilweise innerhalb einer Familie (gens) erblich, wobei meist nur der älteste Sohn das Cognomen des Vaters übernahm (siehe auch agnatische Stammlinien). Ein jüngerer Sohn musste sein Cognomen dann vom Namen der Mutter oder anderswie ableiten.

Vornamen, nombres de pila[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibliche Vornamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der verbreitetste weibliche Vorname ist María. Mehr als ein Viertel der weiblichen Bevölkerung Spaniens führt in irgendeiner Form diesen Vornamen. Er erinnert an Maria, die Mutter Jesu, die als Muttergottes besonders im römisch-katholischen Christentum verehrt wird. Der Name María ist in der Regel mit einem Marientitel oder Beinamen verbunden, sodass die meisten Trägerinnen nicht einfach nach Maria, sondern nach einer bestimmten marianischen Anrufung bzw. einem bestimmten Gnadenort oder Heiligtum benannt sind. Typische Beispiele sind María de los Ángeles (Unsere Liebe Frau von den Engeln), María de la Anunciación (nach der Verkündigung des Herrn), María del Carmen (nach Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel), María de la Concepción (Mariä Empfängnis), María del Consuelo (Trösterin der Betrübten), María de los Dolores (nach der Mater Dolorosa), María Inmaculada (Unbefleckte Empfängnis), María de los Mercedes (Maria vom Loskauf der Gefangenen), María del Montserrat (Unsere Liebe Frau von Montserrat), María del Pilar (Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler), María del Rosario (Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz), in jüngerer Zeit auch María de Lourdes oder María de Fátima (nach den Marienerscheinungen in Lourdes und Fátima). Als Rufname wird überwiegend nicht María, sondern der jeweilige Zusatz verwendet (also Carmen, Dolores, Pilar, Fátima usw.). Die Beinamen werden daher heute auch als eigenständige Vornamen vergeben. So führten zum 1. Januar 2012 in Spanien ca. 670.000 Mädchen und Frauen den zusammengesetzten Namen María del Carmen, aber auch ca. 440.000 den Einfachnamen Carmen. In manchen Fällen überwiegt auch die alleinige Namensgebung, so im Fall des Namens Consuelo, der in Südamerika verbreitet ist und sehr häufig ohne den Bestandteil María geführt wird.

Eine Auffälligkeit liegt darin, dass viele weibliche Vornamen im Spanischen aus einem grammatikalisch männlichen Substantiv bestehen, neben schon genannten Namen wie Consuelo („Trost“), Pilar („Säule“) oder Rosario („Rosenkranz“) etwa auch der Name Sagrario („Tabernakel“). Wie andere verbreitete (allerdings grammatikalisch weibliche) Frauennamen, z. B. Encarnación („Fleischwerdung“) oder Asunción („Mariä Himmelfahrt“), bezeichnen alle diese Namen katholische Festgeheimnisse, werden nur an Mädchen vergeben und besitzen kein männliches Gegenstück.

Die zehn häufigsten weiblichen Vornamen sind (Stand: 1. Januar 2012):

Genauer Name
(Einfachname oder
bestimmte Namenskombination)
Einzelner Name
(als Einfachname oder
als Bestandteil einer Namenskombination verwendet)
Name Häufigkeit Name Häufigkeit
absolut relativ (in ‰) absolut relativ (in ‰)
María Carmen 677.777 28,3 María 6.398.966 267,0
María 660.385 27,6 Carmen 1.269.989 53,0
Carmen 439.387 18,3 Ana 824.301 34,4
Josefa 318.980 13,3 Isabel 692.137 28,9
Isabel 291.919 12,2 Dolores 535.145 22,3
Ana María 280.799 11,7 Pilar 490.145 20,5
María Dolores 271.184 11,3 Josefa 447.440 18,7
María Pilar 270.853 11,3 Teresa 443.098 18,5
María Teresa 261.597 10,9 Rosa 420.612 17,5
Ana 260.060 10,9 Cristina 335.410 14,0

Die zehn beliebtesten Namen für Neugeborene im Jahr 2011 waren in Spanien (in dieser Reihenfolge): Lucía, Paula, María, Sara, Daniela, Carla, Sofía, Alba, Claudia, Martina.

Männliche Vornamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den männlichen Vornamen kommen in Spanien die Entsprechungen von Josef (spanisch: José; katalanisch: Josep; galicisch: Xosé; baskisch: Joseba) am häufigsten vor. Etwa 13 % der männlichen Bevölkerung führt diesen Namen (davon etwa ein Viertel allein, der Rest als einen Bestandteil des Vornamens, z. B. José Antonio, José Luis, etc.).

Genauer Name
(Einfachname oder
bestimmte Namenskombination)
Einzelner Name
(als Einfachname oder
als Bestandteil einer Namenskombination verwendet)
Name Häufigkeit Name Häufigkeit
absolut relativ (in ‰) absolut relativ (in ‰)
Antonio 752.596 32,3 José 2.897.410 124,4
José 689.554 29,6 Antonio 1.527.877 65,6
Manuel 648.131 27,8 Juan 1.383.489 59,4
Francisco 561.332 24,1 Manuel 1.356.733 58,2
Juan 388.323 16,7 Francisco 1.225.169 52,6
David 354.156 15,2 Luis 857.437 36,8
José Antonio 321.317 13,8 Javier 741.054 31,8
José Luis 309.769 13,3 Miguel 720.948 30,9
Javier 299.226 12,8 Ángel 655.975 28,2
Jesús 292.893 12,6 Carlos 643.344 27,6

Die zehn beliebtesten Namen für männliche Neugeborene im Jahr 2011 waren in Spanien (in dieser Reihenfolge): Alejandro, Daniel, Pablo, Hugo, Álvaro, Adrián, David, Diego, Javier, Mario.[4]

Hypokoristika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele spanische Vornamen haben eine Kurz- oder Koseform (Hypokoristikum), die im vertrauten Kreis (etwa innerhalb der Familie) verwendet wird und in einigen Fällen stark vom eigentlichen Namen abweicht. Diese Namensformen und ihre Gebräuchlichkeit können sich regional und in den verschiedenen spanischsprachigen Ländern stark unterscheiden. Beispiele:

Vorname Spitzname/Kosename deutsche Entsprechung
Antonio Tuco, Toni, Toño Anton, Toni
(María) Concepción Concha, Conchi, Conchita
Consuelo Chelo
(María) Dolores Lola, Loli
Enrique Quique Heinrich, Heinz
Felipa Feli Philippa
Felipe Pipe (Chile) Philipp
Francisca Paca (diminutiv Paquita), Curra (Andalusien), Kika*) Franziska, Franzi
Francisco Paco, Pancho, Curro (Andalusien), Kiko*) Franz, Frank
Ignacio Nacho Ignaz
Jesús Chucho, Chus
Joaquín Chimo, Quino Joachim, Jockel
José Pepe Josef, Sepp
Josefa Pepa Josefine, Finchen
José María Chema, Josema Josef Maria
Juan José Juanjo Hans-Josef
Luis Lucho (Chile) Ludwig
María José / María Josefa Coté, Mai, Majo, Marijó Maria Josephine
María Luisa Meli Marie-Luise
María Teresa Maite, Mayte Maria Theresia
Mercedes Merche
(María) Montserrat Montse
(María) Rosario Charo
Sebastián Chano, Seba, Tatán (Chile) Sebastian, Sebi
*) Dieser Name kam mit den heimkehrenden Nachfahren der kanarischen Auswanderungswellen nach Venezuela nach Spanien zurück.

Regionale Besonderheiten in Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wahl der Vornamen existieren ausgeprägte regionale Besonderheiten, insbesondere in den Landesteilen mit einer eigenen Regionalsprache. So lagen etwa in Katalonien und im Baskenland im Jahr 2011 bei den männlichen Neugeborenen ausschließlich katalanische bzw. baskische Vornamen auf den ersten zehn Plätzen, wobei es sich teilweise um die Formen in der jeweiligen Regionalsprache handelt (z. B. katalanisch Martí statt spanisch Martín oder baskisch Mikel statt spanisch Miguel).

Ein weiteres Phänomen sind die auf regionale oder lokale Schutzpatrone zurückgehenden Namen. So kommt der weibliche Vorname Montserrat, der auf die Schutzheilige von Katalonien zurückgeht, in dieser Region fünfmal häufiger vor als im gesamtspanischen Durchschnitt. Der Frauenname Candelaria (zurückgehend auf die Jungfrau von Candelaria) ist in der Provinz Santa Cruz de Tenerife sogar 14-mal häufiger als im gesamtspanischen Durchschnitt.

Auf Antrag des Namensträgers ersetzt der Standesbeamte den spanischen Vornamen durch dessen Entsprechung in einer Regionalsprache oder umgekehrt. Eine Person mit dem spanischen Vornamen José kann also die Umbenennung in Joseba (baskisch), Josep (katalanisch) oder Xosé (galicisch) verlangen. Für den Nachnamen gibt es diesen Anspruch nach gemeinspanischem Recht grundsätzlich nicht. Für dessen Führung kann aber die persönliche Zivilrechtszugehörigkeit zu einem der partikulären Foralrechte ausschlaggebend sein, da einige Foralrechte ein eigenes Personenstandsrecht kennen und für das betreffende Sprachgebiet Wahl- oder Wandlungsmöglichkeiten vorsehen.

Nachnamen, apellidos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 11. Jahrhundert wurde es in Kastilien üblich, bei adeligen Personen neben dem Rufnamen auch einen Zunamen aufzuzeichnen. Zunächst wurde als Nachname ein Patronym verwendet, bekanntes Beispiel ist der spanische Nationalheld Rodrigo Díaz („El Cid“), dessen Vater Diego (Díaz = „Sohn von Diego“) hieß. Solche Nachnamen wurden unterschiedslos für Frauen wie Männer genutzt, so hieß Rodrigos Ehefrau Jimena Díaz, aber nicht, weil sie mit Rodrigo verheiratet war und seinen Nachnamen übernommen hätte, sondern weil auch ihr Vater zufällig ebenfalls Diego hieß. Der einzige Sohn des Paares hieß Diego Rodríguez (Rodríguez = „Sohn von Rodrigo“).

Heute gelten in Spanien die folgenden Grundsätze:

  • Alle Spanier haben zwei Nachnamen.
  • Bei der Heirat behalten beide Ehegatten ihre Nachnamen, es gibt keinen gemeinsamen Ehenamen.
  • Kinder (gleich ob ehelich oder nichtehelich) erhalten als Nachnamen im Normalfall den ersten Nachnamen des Vaters und den ersten Nachnamen der Mutter.

Die Reihenfolge dieser beiden Namen kann in Spanien neuerdings frei bestimmt werden, war früher aber festgelegt. Die Tradition der zwei Nachnamen stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde mit dem spanischen Personenstandsgesetz von 1870 verpflichtend. Mit dem System sollten vor allem Verwechslungen zwischen Personen mit gleichen Vor- und Nachnamen reduziert werden.[5]

Beispiel:

  • Großvater (vät.): José García Pérez
  • Großmutter (vät.): María Díaz González
  • Vater: Juan García Díaz
  • Mutter: María Álvarez Sánchez
  • Sohn: Pedro García Álvarez
  • Tochter: Carmen García Álvarez


Seit 1999 können Eltern in Spanien bei der Eintragung ihres ersten Kindes in das Personenstandsregister (Registro Civil) gemeinsam beantragen, dass ihre Kinder an erster Stelle den Nachnamen der Mutter und nicht wie traditionell üblich des Vaters führen sollen. Der erste Nachname des Vaters wird dann zweiter Nachname des Kindes. Alle weiteren Kinder desselben Paares erhalten die gleiche Nachnamenreihung wie das erste. Wenn die Eltern keine Änderung der Reihenfolge der Nachnamen beantragten, galt bislang, dass dann wie gewöhnlich der Nachname des Vaters an die erste Stelle tritt. Seit Juni 2017 gilt dieser Automatismus nicht mehr, nun müssen Eltern eine explizite Wahl treffen.[6] Können sie sich nicht einigen, ist die Reihenfolge schon seit 2013 vom Standesbeamten festzulegen, der sich dabei am Kindeswohl zu orientieren hat. Wird das Kind volljährig, kann es eine Umstellung der Reihenfolge beantragen.

Seit 2007 hat man bei der Einbürgerung nach Spanien einen doppelten Nachnamen anzunehmen.[7] Dies betrifft Bürger aus Ländern, in welchen lediglich der Name eines Elternteils an die Nachkommen weitergegeben wurde. Früher setzte man bei solchen Personen in amtlichen Listen die Abkürzung s/s („sin segundo“) hinter den alleinigen Nachnamen, um kenntlich zu machen, dass die Person keinen zweiten Nachnamen besitzt. Derartige Anpassungen ausländischer Namen an die spanischen Namensgepflogenheiten waren auch in anderen spanischsprachigen Ländern üblich. So erhielten in der Zeit zwischen 1890 und 1914 zahlreiche deutsche Militärberater, Wissenschaftler und andere Deutschchilenen im Verkehr mit chilenischen Stellen einen aus Vater- und Muttersnamen zusammengesetzten, neuen Nachnamen. Entsprechend hieß der bekannte deutsche Militärreformer Emil Körner in Chile Emilio Körner Henze; Henze war der Mädchenname seiner Mutter.

Alle Namensregeln gelten auch für nichteheliche Kinder gleichermaßen, sofern die Vaterschaft anerkannt bzw. festgestellt ist. Bei unbekanntem Vater erhielt das Kind früher traditionell den ersten Nachnamen der Mutter doppelt, wodurch „vaterlos“ geborene Personen im gesellschaftlichen Verkehr leicht erkennbar waren. Das führte dazu, dass Menschen, deren Vater und Mutter zufällig denselben ersten Nachnamen hatten, mitunter eine Namensänderung veranlassten, um nicht aufgrund des verdoppelten Namens für „Bastarde“ gehalten zu werden. Heute erhält ein Kind mit unbekanntem Vater in den meisten spanischsprachigen Rechtsordnungen die beiden Nachnamen der Mutter.

Im Ausland verbinden manche Spanier und Lateinamerikaner ihre beiden Nachnamen mit einem Bindestrich, um Verwechslungen mit Vornamen oder Mittelnamen auszuschließen. Es gibt auch spanische Doppelnamen mit Bindestrich, die dann zusammen nur einen der beiden Namensbestandteile bilden. So heißt etwa ein ehemaliger spanischer Justizminister Alberto Ruiz-Gallardón Jiménez, wobei Ruiz-Gallardón der erste und Jiménez der zweite Nachname ist.

Früher war es auch in Spanien üblich, dass verheiratete Frauen, besonders Witwen, ihrem eigenen Vatersnamen den ersten Nachnamen des Ehemannes mit de („von“) anfügten, wobei der eigene Muttersname (zweiter Nachname) der Frau meistens wegfällt. Im obigen Beispiel hieße das für die 2. Ehefrau: Dolores Fernández de García. Diese Praxis hat sich in zahlreichen lateinamerikanischen Namensrechtsordnungen erhalten.

Nach heutigem spanischen Recht kann beantragt werden, dem ersten Nachnamen ein de voranzustellen, wenn dieser gleichzeitig ein geläufiger Vorname ist. Der Partikel hat hier die Funktion anzuzeigen, wo der Nachname beginnt (z. B. José de Martín González statt José Martín González). Auch diese Regelung geht auf alte, aus der Frühneuzeit stammende Schreibgebräuche zurück.

Weiter kann ein y („und“) zwischen die beiden Nachnamen gesetzt werden. In standesamtlichen Urkunden wurde und wird dieser Partikel in Spanien immer gesetzt, aber im Alltag außerhalb des Adels praktisch nie verwendet. Anders als für spanische Namen ist dies für katalanische Namen auch im bürgerlichen Gebrauch üblich, sodass bei katalanischer Namensschreibweise immer ein i („und“ auf Katalanisch) zwischen den ersten und den zweiten Nachnamen tritt.

Die Nachnamensführung ist in den meisten spanischsprachigen Ländern sehr ähnlich geregelt, überall gibt es klassischerweise zwei Nachnamen. Eine Ausnahme ist Argentinien, dessen Namensrecht aufgrund der starken italienischen Einwanderung von italienischen Gebräuchen beeinflusst ist und wo der Nachname des Vaters dominiert. Ähnliche Namenssysteme herrschen auch in lusophonen Ländern, wobei hier häufig mehr als nur zwei Nachnamen (in Portugal maximal vier) verwendet werden.[8][9]

Nachnamen mit Endung auf -ez, -és, -iz, -az, -oz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den zehn häufigsten Nachnamen in Spanien im Jahre 2017 haben acht das patronymische Suffix -ez (die zehn Namen sind: García, López, Pérez, González, Sánchez, Martínez, Rodríguez, Fernández, Gómez, Martín).

Die ursprüngliche Bedeutung der meisten spanischen Nachnamen, die auf -ez enden (eine Ausnahme ist z. B. Chávez), ist „Sohn von“ (Patronym), ein ähnliches Phänomen wie bei nordischen Namen wie Peters oder Petersen. Somit bedeutet Pérez „Sohn von Pe(d)ro“, Sánchez „Sohn von Sancho“, Álvarez „Sohn von Álvaro“ usw. Auch Namen mit der Endung -és, -iz, -az und -oz haben oft diese Funktion, z. B. Garcés („Sohn von García“), Ruiz („Sohn von Ruy“, eine Kurzform für „Rodrigo“), dgl. Díaz von Diego (Tiago = Santiago = Jakob), Muñoz von Muño usw.

Dass es sich bei diesen Namen um patronymisch gebildete Zunamen handelt, ist in der Wissenschaft unbestritten. Zur genauen Herkunft gibt es allerdings verschiedene Hypothesen. Eine besagt, dass das Phänomen auf die Herrschaft der Westgoten auf der iberischen Halbinsel in der Spätantike zurückgeht. Auch Vornamen wie Rodrigo (Roderich) und dessen Patronym Rodríguez („Roderichs Sohn“), einer der häufigsten spanischen Nachnamen, stammen aus dem Gotischen.

Aufgrund der Regeln für die Akzentsetzung im modernen Spanischen tragen solche Namen einen Akut auf der betonten, in der Regel vorletzten Silbe (Díaz, Hernández, Rodríguez etc.), da nach heutigen Betonungsregeln ansonsten die letzte Silbe betont werden müsste. Bei Ableitungen von einem selbst schon unregelmäßig betonten Namen (z. B. Álvaro/Álvarez) wird die Betonung und Akzentsetzung aus dem Ursprungsnamen beibehalten.

Häufigste Familiennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 14 häufigsten Familiennamen sind sämtlich patronymischen Ursprungs (die meisten mit Endung auf -ez). Es sind in dieser Reihenfolge: García, González, Rodríguez, Fernández, López, Martínez, Sánchez, Pérez, Gómez, Martín, Jiménez, Ruiz, Hernández und Díaz. Über ein Drittel der Bevölkerung trägt wenigstens einen dieser Namen in seinem Familiennamen.

Nachnamen baskischer Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als bei den spanischen (kastilischen) Nachnamen, sind die häufigsten Namen baskischer Herkunft Wohnstättennamen, so etwa Agirre (spanische Schreibweise: Aguirre, Bedeutung: Feld/offene Fläche) oder Larrañaga ("Tennen"). Diese sind oft aus zwei oder mehreren Bestandteilen zusammengesetzt, z.B.: Goikoetxea (span.: Goicoechea, "oberes Haus"), Etxebarria (Echebarría, "neues Haus"), Agirrezabal (Aguirrezabal, "weites Feld"), Garmendia ("Farn-Berg"), Uriarte ("zwischen den Städten"), Uribe ("Unterstadt"), Uribelarrea ("Weide unterhalb der Stadt"), Uribeetxebarria (Uribeechebarría, "neues Haus in der Unterstadt").

Expósito[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Zeiten erhielten Kinder unbekannter Abstammung, die ausgesetzt aufgefunden wurden, den Nachnamen "Expósito" (übersetzt: "ausgesetzt"). Da dieser Nachname als diskriminierend empfunden wird, kann seine Änderung noch heute unter erleichterten Voraussetzungen erfolgen. Die katalanische Entsprechung ist der Nachname Deulofeu (übersetzt: "Gott hat ihn gemacht").

Orthographische Korrektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Antrag sind in der jeweiligen Sprache falsch eingetragene Nachnamen durch die korrekte Form zu ersetzen. Wer also mit dem katalanischen Nachnamen Marti eingetragen ist, kann dessen Änderung in die orthographisch korrekte Schreibweise Martí (mit Akzent auf dem i) verlangen. Es besteht jedoch kein Recht auf Übersetzung in eine andere spanische Amtssprache, also etwa den spanischen Nachnamen Martín durch dessen katalanische Version Martí oder Etxebarria (baskisch: "neues Haus") durch Casanueva (spanisch: "neues Haus") zu ersetzen oder umgekehrt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Francisco de Cardenas y Allende: Escuela de genealogía; Heráldica y Nobiliaria. Apuntes de nobiliaria y nociones de genealogía y heráldica: Primer curso. (2nd ed.). Editorial Hidalguía, Madrid 1984, S. 205–213, ISBN 978-84-00-05669-8.
  • Vicente de Cadenas y Vicent: Heráldica patronímica española y sus patronímicos compuestos: Ensayo heráldico de apellidos originados en los nombres. Editorial Hidalguía, Madrid 1976, ISBN 84-00-04279-4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter: Business-Etikette in Europa: Stilsicher auftreten, Umgangsformen beherrschen. Springer-Verlag, Berlin 2012, ISBN 3-6580-1030-4, S. 143–145.
  2. Ricardo Padrón: Spacious Word. Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. Chicago 2004, ISBN 0-226-64433-2, S. XV.
  3. Carola Frentzen: Mamas Name darf nach vorne. In: heute.de (dpa-Meldung vom 18. Juni 2017). Abgerufen am 18. Juni 2017.
  4. El Instituto Nacional de Estadística, Datos procedentes de la Estadística de Nacimientos 2015 (23 junio 2016)
  5. Mariela Sagel: Los apellidos compuestos. In: marielasagel.com. 20. April 2008, abgerufen am 28. Dezember 2012 (HTML, spanisch).
  6. Drei Millionen Mal "García": Wie Spanien seine Nachnamen revolutionieren will. In: Stern, 17. Juni 2017, abgerufen am 27. September 2017.
  7. Spanien ändert Namensrecht bei Annahme der Staatsangehörigkeit. In: spanien-bilder.com. Juli 2007, abgerufen am 28. Dezember 2012 (HTML, deutsch).
  8. Familienname des Kindes nach ausländischem Recht. Bundesministerium des Inneren (Deutschland), 22. November 2010, abgerufen am 28. Dezember 2012 (HTML, deutsch).
  9. Familienname des Kindes nach ausländischem Recht. Bundesministerium des Inneren (Deutschland), 22. November 2010, abgerufen am 29. März 2017 (PDF, deutsch).