Lusophonie

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Verbreitung der portugiesischen Sprache
  • Muttersprache
  • Offizielle und administrative Sprache
  • Kultur- oder Zweitsprache
  • Portugiesischsprachige Minderheiten
  • Portugiesischbasierte Kreolsprache

Lusophonie (Lusofonia) ist die Bezeichnung für den portugiesischsprachigen Raum.

Als international bekanntestes Aushängeschild der Lusophonie kann der Literaturpreis Prémio Camões, für portugiesischsprachige Literatur aus aller Welt gelten.

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff der Lusophonie wurde analog der Bezeichnung Frankophonie für den französischsprachigen Raum gebildet und leitet sich von der römischen Bezeichnung Lusitania für das heutige Portugal ab. Im Gegensatz zur Frankophonie ist die Lusophonie kein politisches Konzept, sondern umfasst alle Sprecher des Portugiesischen.

So meint der Begriff im engeren Sinn die Staaten mit portugiesischer Landessprache, parallel zur Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP). Im erweiterten Sinn dient er als Oberbegriff für die internationale Sprachfamilie des Portugiesischen, also alle Sprecher des Portugiesischen und seinen Varianten.[1]

Die Lusophonie umfasst folgende politische Staaten und Gebiete:

Auch Gebiete, in denen historisch begründet noch Minderheiten Portugiesisch sprechen, oder Varianten des Portugiesischen existieren, werden zur Lusophonie gezählt, etwa in Indien (Goa, Daman und Diu) oder Indonesien (Malakka), oder die Gebiete mit Kreolsprachen in Afrika, etwa in Casamance (Senegal) oder auf Annobon (Äquatorialguinea) mit seiner Annobonesischen Sprache. Oft wird auch das nordspanische Galicien zum lusophonen Raum gezählt, mit Bezug auf die Galicisch-portugiesische Sprache.

Organisationen[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Idee der Lusophonie sind eine Reihe zwischenstaatliche und nichtstaatliche Organisationen entstanden.

Die offiziellen lusophonen Länder sind seit 1996 in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder zusammengefasst, nach dem Muster des englischsprachigen Commonwealth of Nations. Daneben haben sich die afrikanischen Länder portugiesischer Sprache in der PALOP (Países Africanos de Língua Oficial Portuguesa) organisiert.

Es existieren darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Institutionen. Es folgt eine Auswahl:

  • Associação de Cultura Lusófona (ACLUS), der Kulturverein der Lusophonie
  • Associação de Universidades de Língua Portuguesa (AULP), Organisation der portugiesischsprachige Universitäten, 1986 gegründet
  • União das Cidades Capitais Luso-Afro-Américo-Asiáticas (UCCLA) Vereinigung der portugiesischsprachigen Hauptstädte, 1985 gegründet
  • Fundação Luso-Brasileira para o Desenvolvimento do Mundo da Língua Portuguesa portugiesisch-brasilianische Entwicklungs-Stiftung
  • Associação dos Arquivistas dos Países de Língua Portuguesa, Verein der Archivare der portugiesischsprachigen Länder
  • Associação dos Engenheiros Agrónomos dos Países de Língua Portuguesa, Verein der Agraringenieure der portugiesischsprachigen Länder
  • Association pour le Développement des Etudes Portugaises, Brésiliennes, d´Afrique et d´Asie Lusophones (ADEPBA), französischer Studienverband
  • Federação Lusófona de Ciências da Comunicação (LUSOCOM), Lusofoner Verband der Kommunikationswissenschaften
  • Associação dos Publicitários, Verband der Werbefachleute

Bedeutung für die Entwicklung der Lusophonie haben zudem Initiativen wie die portugiesischen Fernsehsender RTP Internacional und für die PALOP insbesondere RTP África, die Projekte des portugiesischen Instituto Camões und der Stiftung Calouste Gulbenkian, und die afrikanischen Projekte der portugiesischen Entwicklungshilfe (Instituto Português de Apoio ao Desenvolvimento, IPAD). Zu nennen sind auch die Zusammenarbeit im Rahmen von Städtepartnerschaften lusophoner Städte oder die Verbreitung brasilianischer, meist evangelikaler Kirchen.

Sport[Bearbeiten]

Seit 2006 werden, ähnlich der Commonwealth Games und der Jeux de la Francophonie, die „Spiele der Lusophonie“ durchgeführt.

Unter den weiteren Sportveranstaltungen lusophoner Länder ist der Basketballpokal Supertaça Luso-Angolana zu nennen, der von aktuell drei Teilnehmerstaaten (Angola, Mosambik und Portugal) auf weitere portugiesischsprachige Länder ausgeweitet werden soll.

Zu nennen ist zudem die Aufmerksamkeit insbesondere in den ehemaligen portugiesischen Kolonien für den Fußball in Portugal. So haben insbesondere die drei großen Vereine Portugals eine Vielzahl Fanclubs dort, mit eigenen Vereinshäusern (Casas do Benfica im Falle von Benfica Lissabon), und mit Filialvereinen, insbesondere von Sporting Lissabon.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fernando Cristóvão (hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006, ISBN 972-47-2935-4
  • Luís Graça, Luis Morais: Dicionário de Gestão & Desenvolvimento para a Lusofonia. Escolar Editora, Lissabon 2014, ISBN 978-972-59-2450-1
  • Antonio Bondoso: Lusofonia e CPLP. Edições Esgotadas, Viseu 2013, ISBN 978-989-85-1467-7
  • Anuário Internacional de Comunicação Lusófona 2011 Lusofonia e Cultura-Mundo. Grácio Editor, Lissabon 2012, ISBN 978-989-83-7726-5
  • Vamireh Chaconn Nacimento: O Futuro Político da Lusofonia. Verbo, Lissabon 2002, ISBN 978-972-22-2171-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zur Lusofonia in der Infopédia, der Online-Enzyklopädie der Porto Editora, abgerufen am 26. Juni 2015