Sperrylith

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Sperrylith
Sperrylite-195702.jpg
Sperrylith aus der Talnakh Cu-Ni-Lagerstätte bei Norilsk, Ostsibirien, Russland (Gesamtgröße: 2,8 cm × 1,9 cm × 0,9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel PtAs2
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.EB.05a (8. Auflage: II/D.17)
02.12.01.13
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol disdodekaedrisch; 2/m3
Raumgruppe (Nr.) Pa3[1] (Nr. 205)
Gitterparameter a = 5,97 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Häufige Kristallflächen {100}, {111}, {110}, {210}[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 7 (VHN100 = 960 bis 1277 ⊥ (100) und (111))[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 10,58; berechnet: 10,78[3]
Spaltbarkeit undeutlich nach {001}[3]
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe zinnweiß
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz starker Metallglanz

Sperrylith ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze (einschließlich Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite, Sulfbismuthite)“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung PtAs2, ist also ein Platin-Arsenid oder genauer ein Platinbiarsenid.

Sperrylith entwickelt meist komplexe Kombinationen kubischer Kristalle, kommt aber auch in Form massiger Mineral-Aggregate vor. Das Mineral ist auch in dünnen Schichten undurchsichtig (opak) und die Oberflächen der zinnweißen Kristalle zeigen einen starken Metallglanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Sperrylith allerdings einen schwarzen Strich.

Mit einer Mohshärte von 6 bis 7 gehört Sperrylith zu den mittelharten bis harten Mineralen, das heißt, er ist gerade noch mit einer Stahlfeile ritzbar, kann aber selbst einfaches Fensterglas ritzen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sperrylith aus der Typlokalität „Vermilion Mine“, Sudbury, Kanada (Gesamtgröße: 1,2 cm × 0,7 cm × 0,2 cm)

Erstmals entdeckt wurde Sperrylith in der „Vermilion Mine“ bei Denison Township im Sudbury District der kanadischen Provinz Ontario und beschrieben 1889 durch Horace Lemuel Wells (1855–1924)[4], der das Mineral nach seinem Entdecker, dem Chemiker Francis Louis Sperry (1861–1906)[5], und dem griechischen Wort λίθος [lithos] für „Stein“ benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird im Royal Ontario Museum in Kanada und in der Yale University in New Haven (Connecticut, Register-Nr. 1.2950, 1.5895) aufbewahrt.[3]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Sperrylith zur allgemeinen Abteilung der „Sulfide und Sulfosalze mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er zusammen mit Aurostibit, Cattierit, Changchengit, Dzharkenit, Erlichmanit, Fukuchilit, Geversit, Hauerit, Insizwait, Kruťait, Laurit, Maslovit, Mayingit, Michenerit, Padmait, Penroseit, Pyrit, Testibiopalladit, Trogtalit, Vaesit und Villamanínit die „Pyrit-Gruppe“ mit der System-Nr. II/D.17 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Sperrylith in die Abteilung der „Metallsulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel ≤ 1 : 2“ ein. Diese Abteilung ist allerdings noch weiter unterteilt nach dem genauen Metall-Schwefel-Verhältnis und den in der Formel enthaltenen Metallionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es Mitglied der nach wie vor existierenden Pyritgruppe mit der System-Nr. 2.EB.05a und den weiteren Mitgliedern Aurostibit, Cattierit, Dzharkenit, Erlichmanit, Fukuchilit, Gaotaiit, Geversit, Hauerit, Insizwait, Iridisit, Kruťait, Laurit, Penroseit, Pyrit, Trogtalit, Vaesit und Villamanínit ist.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Sperrylith in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein, wo er ebenfalls in der „Pyritgruppe (Isometrisch: Pa3)“ mit der System-Nr. 02.12.01 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der Zusammensetzung Am Bn Xp, mit (m+n):p=1:2“ zu finden ist.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sperrylith kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Pa3 (Raumgruppen-Nr. 205) mit dem Gitterparameter a = 5,97 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sperrylith ist sehr stabil gegenüber Säuren und wird von ihnen nicht angegriffen.[6]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sperrylith auf Chalkopyrit aus der Cu-Ni-Lagerstätte Talnakh, Ostsibirien, Russland (Größe: 2,6 cm × 2,4 cm × 1,8 cm)

Sperrylith ist das am weitesten verbreitete Platinmineral und bildet sich als zugleich verwitterungsbeständigstes Arseniderz in jeder Art von Platin-Lagerstätte, aber auch in intramagmatischen Chromit-Lagerstätten, das heißt in chromitführendem ultrabasischem Gestein. Dort tritt es in Paragenese mit vielen anderen Mineralen wie unter anderem Bleiamalgam, Bornit, Chalkopyrit, Cooperit, Cubanit, Danbait, Galenit, Gersdorffit, Gold, Ilmenit, Iridosmin, Kotulskit, Laurit, Linneit, Magnetit, Merenskyit, Millerit, Niggliit, Omeiit, Pentlandit, gediegen Platin, Pyrit, Pyrrhotin, Sphalerit, Stibnit, Sudburyit, Testibiopalladit, Violarit,

Insgesamt gesehen ist Sperrylith allerdings eine eher seltene Mineralbildung, das heißt, er kann an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, ist ansonsten aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand 2013) rund 260 Fundorte.[7] Neben seiner Typlokalität „Vermilion Mine“ trat das Mineral in Kanada noch in vielen weiteren Bergwerken im Sudbury District, Rainy River District, Thunder Bay District und Timiskaming District in Ontario sowie in mehreren Gruben in British Columbia und Québec zutage. Einzelne Fundpunkte sind auch in anderen Bundesstaaten von Kanada bekannt.

In Deutschland konnte Sperrylith bisher nur bei Wittichen und Todtmoos in Baden-Württemberg, in den Schwermineral-Seifen der Donau bei Straubing in Bayern und in der Nickelerz-Lagerstätte am Hornsberg bei Äußerstmittelsohland in Sachsen gefunden werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist Kraubath an der Mur im österreichischen Bundesland Steiermark und in der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur aus dem Turtmanntal.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Sperrylithfunde ist vor allem die Cu-Ni-Lagerstätte Talnakh bei Norilsk auf der Taimyrhalbinsel in Ostsibirien (Russland), in der die am besten entwickelten und mit etwa fünf Zentimetern Durchmesser die größten Kristalle gefunden werden. Bis etwa vier Zentimeter große Kristalle fand man auf der „Tweefontein Farm“ bei Mokopane (ehemals Potgietersrus) im östlichen Bushveld Komplex (Limpopo) in Südafrika.[8]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Äthiopien, Albanien, Argentinien, Australien, Botswana, Brasilien, Bulgarien, China, Tschechien, Ecuador, Finnland, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Madagaskar, Marokko, Mongolei, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Russland, Schweden, Simbabwe, Spanien, Südafrika, der Ukraine, im Vereinigten Königreich (UK), den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und in Vietnam.[9]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sperrylith ist als Hauptträger des Platingehaltes (max. 56,56 %[10]) vieler „Nickelmagnetkies“-Lagerstätten (Verwachsungsaggregat aus Pyrrhotin und Pentlandit) ein wichtiges Platinerz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horace L. Wells: Sperrylite, a new mineral. In: American Journal of Science. (1889), Band 137, S. 67–70 (PDF 434 kB)
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 459 (Erstausgabe: 1891).
  • Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 253–254.
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 320–321.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sperrylite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 104.
  2. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 253.
  3. a b c d Sperrylite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 62,6 kB)
  4. Russel H. Chittenden: Biographical Memoir of Horace Lemuel Wells. In: National Academy of Sciences 1925 (PDF 762,9 kB)
  5. Mindat - Sperrylith (englisch)
  6. Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 321.
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Sperrylith
  8. Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 44 (Dörfler Natur).
  9. Fundortliste für Sperrylith beim Mineralienatlas und bei Mindat
  10. Webmineral - Strunzite (englisch)