Michenerit

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Michenerit
Michenerite - Bunkerville, ClarkCounty, Nevada, USA - 1.3mm.jpg
Silbermetallisch glänzender Michenerit aus Bunkerville, Virgin Mountains,
Clark County (Nevada), USA (Bildbreite: 1,3 mm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel PdBiTe[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.EB.25 (8. Auflage: II/D.17)
02.12.03.11
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol tetraedrisch-pentagondodekaedrisch; 23
Raumgruppe P213 (Nr. 198)Vorlage:Raumgruppe/198
Gitterparameter a = 6,64 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 (VHN25 = 306–317)[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: ≈ 9,5; berechnet: ≈ 10,0[2]
Spaltbarkeit muschelig
Bruch; Tenazität spröde
Farbe silberweiß bis grauweiß
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Michenerit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung PdBiTe[1], das zu gleichen Teilen aus Palladium, Bismut und Tellur besteht. Chemisch gesehen gehört das Mineral damit zu den mit den Sulfiden verwandten Telluriden.

Michenerit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur mikroskopisch kleine Kristalle in körnigen Mineral-Aggregaten. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und von silberweißer bis grauweißer Farbe mit metallischem Glanz auf den Oberflächen. Auf der Strichtafel hinterlässt es jedoch einen schwarzen Strich.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Michenerit zusammen mit Froodit in der Frood Mine bei McKim (Township) (heute Greater Sudbury) im Sudbury-Becken in der kanadischen Provinz Ontario. Da für die Analyse der Zusammensetzung von Michenerit jedoch auch Mineralproben aus der nahe gelegenen Vermilion Mine bei Denison (Township) (heute ebenso Greater Sudbury) herangezogen wurden, gilt dieser Fundort als Co-Typlokalität für dieses Mineral.

Analysiert und erstmals beschrieben wurde Michenerit 1958 von James Edwin Hawley und Leonard G. Berry.[3] Sie benannten das Mineral nach Charles Edward Michener (1907–2004), um einerseits seine Entdeckung vieler wichtiger Erzlagerstätten zu ehren, aber auch, weil er das neue Mineral als Erster entdeckt und studiert hatte.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Michenerit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo er zusammen mit Aurostibit, Cattierit, Changchengit, Dzharkenit, Erlichmanit, Fukuchilit, Geversit, Hauerit, Insizwait, Kruťait (Krut’ait, Krut'ait, Krutait), Laurit, Maslovit, Mayingit, Padmait, Penroseit, Pyrit, Sperrylith, Testibiopalladit, Trogtalit, Vaesit und Villamanínit die „Pyrit-Gruppe“ mit der System-Nr. II/D.17 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Michenerit in die neu definierte Abteilung der „Metallsulfide mit dem Stoffmengenverhältnis von M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Changchengit, Cobaltit, Gersdorffit-P213, Gersdorffit-Pa3, Gersdorffit-Pca21, Hollingworthit, Irarsit, Jolliffeit, Kalungait, Krutovit, Maslovit, Mayingit, Milotait, Padmait, Platarsit, Testibiopalladit, Tolovkit, Ullmannit und Willyamit die „Gersdorffitgruppe“ mit der System-Nr. 2.EB.25 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Michenerit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er in der „Cobaltitgruppe (Kubische oder pseudokubische Kristalle)“ mit der System-Nr. 02.12.03 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michenerit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe P213 (Raumgruppen-Nr. 198)Vorlage:Raumgruppe/198 mit dem Gitterparameter a = 6,64 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michenerit bildet sich in Kupfer-Nickel-Sulfid-Lagerstätten, wo er in Paragenese mit vielen anderen Sulfid-Mineralen wie Chalkopyrit, Cubanit, Hessit, Hollingworthit, Kotulskit, Melonit, Merenskyit, Moncheit, Pentlandit, Pyrrhotin, Sobolevskit, Sperrylith und Testibiopalladit auftreten kann.

Als seltene Mineralbildung konnte Michenerit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2016) rund 100 Fundorte[4] als bekannt gelten. Neben seinen Typlokalitäten Frood Mine und Vermilion Mine fand sich das Mineral noch in vielen weiteren Minen im Sudbury District. Daneben kennt man in Ontario noch einige Fundorte in den Distrikten Kenora und Thunder Bay. Weitere kanadische Provinzen mit bekannten Fundorten sind Manitoba, New Brunswick, Neufundland und Labrador, Québec, Saskatchewan und Yukon.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Argentinien, Australien, Botswana, Brasilien, Bulgarien, China, der Elfenbeinküste, Finnland, Indien, Kasachstan, Madagaskar, Norwegen, Russland, Simbabwe, Spanien, Südafrika, Tschechien, im Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten und Vietnam.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. E. Hawley, L. G. Berry: Michenerite and froodite, palladium bismuthide minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band 6, 1958, S. 200–209 (englisch, rruff.info [PDF; 768 kB]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michenerite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 105 (englisch).
  2. a b Michenerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (PDF 59,9 kB).
  3. James Edwin Hawley, Leonard Gascoigne Berry: Michenerite and froodite, palladium bismuthide minerals [Ontario]. In: The Canadian Mineralogist. Band 6, Nr. 2, Dezember 1958 (englisch, researchgate.net).
  4. Mindat – Anzahl der Fundorte für Michenerit.
  5. Fundortliste für Michenerit beim Mineralienatlas und bei Mindat.