St. Gumbertus (Ansbach)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
St.-Gumbertus-Kirche Ansbach
Innenansicht
1484 von Albrecht Achilles gestifteter Schwanenordensaltar, auf dessen linker Predella er sich und seine zweite Gemahlin Anna von Sachsen abbilden ließ.

St. Gumbertus gehört zusammen mit ihrer Nachbarkirche St. Johannis zu den zentralen Innenstadtkirchen von Ansbach in Bayern.

Das St. Gumbert, der Heiligen Maria und St. Salvator geweihte Kloster St. Gumbert wurde durch den Hl. Gumbert gegründet. 748 bis 911/1012 war es ein Benediktinerkloster; später war es ein Kollegiatstift. Es wurde 1563 aufgelöst, die Propstei nicht mehr besetzt. Die Stiftsgüter bildeten einen Fonds für Kirchen- und Schulzwecke unter staatlicher Verwaltung, der erst unter Maximilian von Montgelas säkularisiert wurde. Die St.-Gumbertus-Kirche dient als Evangelisch-Lutherische Stadtpfarrkirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte von St. Gumbertus reicht zurück bis in die Uranfänge der einstigen Residenz. Der Name der Kirche erinnert an den fränkischen Edelfreien Gumbert, der um 748 am Zusammenfluss der Rezat und des Onoldsbaches ein Marienkloster errichten ließ, dessen Mönche der benediktinischen Ordensregel „ora et labora“ folgten. Im 11. Jahrhundert wurde das Kloster St. Gumbert in ein Kollegiatstift umgewandelt und erlebte eine große Zeit (siehe auch Liste der Pröpste des Kollegiatstifts St. Gumbertus in Ansbach); so war es namengebender Besitzer der Gumbertusbibel.[1] Schließlich trat 1528 durch einen Landtagsbeschluss unter Markgraf Georg dem Frommen die Kirche zusammen mit der Markgrafschaft Ansbach der evangelisch-lutherischen Reformation bei.

Die St.-Gumbertus-Kirche vereint in sich die wechselnden Baustilepochen von nicht weniger als einem Jahrtausend, angefangen von den heute noch sichtbaren ältesten Bauteilen Ansbachs (Krypta um 1040) über die Georgskapelle (14. Jahrhundert), den hohen Chor der einstigen spätromanischen Hauptkirche (der heutigen Schwanenritterkapelle aus dem 16. Jahrhundert) bis zum markgräflichen Repräsentationskirchenbau, den Markgraf Carl Wilhelm Friedrich 1738 durch Leopoldo Retti errichten ließ. Dem Bildhauer, der die Epitaphen der Schwanenritter schuf, gab man als Notnamen die Bezeichnung Meister der Ansbacher Schwanenritter. 1484 stiftete der Kurfürst von Brandenburg Albrecht Achilles den sogenannten Schwanenordensaltar, auf dessen linker Predella er sich und seine zweite Gemahlin Anna von Sachsen abbilden ließ.[2]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Markgraftums wurde aus der ehemaligen Hofkirche eine Gemeindekirche. Deren drei Sprengel umfassen heute die östliche Stadthälfte mit rund 6.000 Gemeindegliedern.

Heute dient St. Gumbertus als Ort für eine Vielzahl von Konzerten und kirchlichen Veranstaltungen, wie z. B. kirchenmusikalische Aufführungen durch die Ansbacher Kirchenmusik und den Windsbacher Knabenchor oder Konzertveranstaltungen der Bachwoche. Spirituelles Leben ermöglicht die stets offene Kirche mit vielen liturgischen Formen, von denen, neben den Gottesdiensten, vor allem die kleineren Formen wie „Zeit für Dich“, „Taizé-Gebet“, „Gute-Nacht-Kirche“ und die „Bismarckturm-Andachten“ zu nennen sind.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde in den Jahren 1736 bis 1739 durch Johann Christoph Wiegleb erbaut und das Gehäuse von Leopoldo Retty geschaffen. Im Jahr 1884 baute Georg Friedrich Steinmeyer ein neues Innenwerk, in das 18 Register von Wiegleb einbezogen wurden. Die Prospektpfeifen wurden stillgelegt. Bei einem weiteren Neubau durch G. F. Steinmeyer & Co. im Jahr 1961 gingen bis auf wenige Pfeifen die bis dahin erhaltenen originalen Register verloren. Nach der Deinstallation der abgängigen Orgel rekonstruierte die niederländische Orgelbaufirma Orgelmakerij Reil aus Heerde von 2004 bis 2007 das ursprüngliche Werk.[3] Die Orgel besitzt heute wieder 47 Register auf drei Manualen und Pedal.

I Unteres Werk C–d3
01. Quintatön 16′
02. Principal 08′
03. Salacional 08′
04. Grob Gedakt 08′
05. Gembshorn 08′
06. Viola di Gamba 08′
07. Flaut travers (ab c0) 08′
08. Octava 04′
09. Flöth 04′
10. Quinta 03′
11. Superoctava 02′
12. Mixtur XIII–X 02′
13. Cijmbel II 02′
14. Sesquialtra II–III 0112
15. Trompete 08′
16. Oboe d‘amour 08′
II Oberes Werk C–d3
17. Fugara 08′
18. Grobgedakt 08′
19. Quintatön 08′
20. Principal 04′
21. Rohrflöthen 04′
22. Blockflöthen 04′
23. Octava 02′
24. Waldflöthen 02′
25. Flaschiolet 02′
26. Quinta 0112
27. Mixtur IV 01′
28. Fagott 16′
29. Vox humana 0 08′
III Mittleres Werk C–d3
30. Quintaten 8′
31. Principal 4′
32. Petitt 4′
33. Spitzflöth 4′
34. Nassat 3′
35. Sallicinet 2′
36. Nachthorn 2′
37. Echo V (ab C) 0 8′[A 1]
Tremulant
Accordstern
Bässe C–d1
38. Subbass [A 2] 32′
39. Principal Bass 16′
40. Violon Bass 16′
41. Quintadenen Baß 0 16'
42. Octaven Bass 08′
43. Quint Bass 06′
44. Bassetgen 04′
45. Mixtur Bass VI 04′
46. Cymbel Bass II 02′
47. Posaunen Bass 16′
  • Spielhilfen:
    • Unteres Werk: Sperrventil, Schiebekoppel zum mittleren Manual
    • Mittleres Werk: „Echo“, „Machin Zug zum Echo“, „Sperr Ventil zum obern Manual“
    • Oberes Werk: „Sperr Ventil zum mittlern Manual“, Schiebekoppel zum obern Manual
    • Bässe: Sperrventil zum Pedal
    • Calcant: Manuelle Aktivierung einer Glocke am Balg für manuelle Winderzeugung (historisch)
  • Anmerkungen:
  1. 8’, 4’, 3’, 2’, 135’.
  2. Holz, offen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 7–17.
  • Hans Sommer mit e. Arbeitskreis d. Dekanates (Hrsg.): Es geschah im Namen des Glaubens: evangelisch im Dekanat Ansbach (= Reihe Porträts bayerischer Dekanatsbezirke). Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, Erlangen 1991, ISBN 3-87214-248-8, S. 58–63.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Gumbertus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950; 2. Auflage, Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 99.
  2. Die Mark Brandenburg unter den frühen Hohenzollern: Peter Knüvener,Dirk Schumann (Hrsg.): Beiträge zu Geschichte, Kunst und Architektur im 15. Jahrhundert (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Näheres zur Wiegleb-Orgel

Koordinaten: 49° 18′ 10″ N, 10° 34′ 24″ O