St. Heinrich (Fürth)

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Außenansicht der Pfarrkirche St. Heinrich von Süden

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Heinrich (ursprünglich St. Heinrich und Kunigunde) ist eine Stadtkirche in Fürth. Das Gemeindegebiet der Pfarrei umfasst die gesamte Fürther Südstadt. Am 23. Oktober 1910 wurde sie vom Bamberger Erzbischof Friedrich Philipp von Abert dem heiligen Heinrich, dem Gründer des Bistums Bamberg, und seiner Gemahlin, der späteren Kaiserin Kunigunde, geweiht.[1] Heute wird jedoch größtenteils auf die Nennung des zweiten Patroziniums verzichtet, Kirche und Pfarrei also kompakt mit „St. Heinrich“ tituliert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltarbild von Paul Thalheimer

Im April 1906 wurde der Neubau einer zweiten katholischen Kirche in Fürth beschlossen, nachdem 1829 mit der Kirche Unsere Liebe Frau an der Königstraße bereits die erste nachreformatorische katholische Kirche geweiht worden war. Zwischen 1840 und 1900 steig die Zahl der Katholiken in Fürth durch Zuwanderung von Arbeitskräften aus der Oberpfalz und katholisch geprägten Regionen Frankens rasant von 750 auf rund 11.000, bis zum Zeitpunkt der Einweihung der Heinrichskirche im Jahr 1910 bereits auf über 16.000.[2]

Der Bau erfolgte von 1908 bis 1910 nach Plänen des Münchner Architekten Hans Schurr als neobarocke Wandpfeilerkirche mit kurzem Querhaus. Da Schurr etwa zur gleichen Zeit die Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Bayerisch Eisenstein vollendete, weisen die beiden Kirchen erstaunliche Parallelen auf. Der neobarocke Stil sollte das Aufleben des römisch-katholischen Glaubens im überwiegend protestantischen Fürth widerspiegeln und den aus Altbayern zugezogenen Katholiken ein Heimatgefühl vermitteln.

Im Jahr 1919 wurde die Grünanlage rund um die Kirche angelegt. 1922 wurde die Fürther Heinrichskirche zur Pfarrkirche erhoben; zuvor war sie eine Filialkirche der bereits bestehenden Fürther Pfarrei Unsere Liebe Frau. Im Jahr 1926 errichtete man auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Kaiserstraße 113) das Pfarrhaus; es wurde ebenfalls im neubarocken Stil ausgeführt. Das Hochaltarbild St. Heinrich ist ein Werk des Malers Paul Thalheimer.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Orgel der Heinrichskirche wurde im Jahr 1911 von der Firma Johannes Strebel aus Nürnberg erbaut. Sie war mit nur sieben Registern jedoch für den Kirchenraum viel zu klein und wurde deshalb 1931 diese durch ein Instrument von Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen mit 32 Registern auf zwei Manualen und Pedal erworben. Die erste siebenregistrige Orgel des Heinrichskirche gelangte in die 1932 neu erbaute Herz-Jesu-Kirche im Fürther Stadtteil Mannhof.[3]

Die heutige Orgel – ein neues, größeres Instrument der Firma Orgelbau Eisenbarth aus Passau – konnte am 11. September 1965 eingeweiht werden. Sie verfügt über 44 Register auf drei Manualen und Pedal und insgesamt etwa 3000 Pfeifen. Das Schleifladeninstrument mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur besitzt folgende Disposition:[3][4]

I Hauptwerk
1. Quintade 16′
2. Prinzipal 8′
3. Gemshorn 8′
4. Holzflöte 8′
5. Octav 4′
6. Rohrflöte 4′
7. Quinte 223
8. Octav 2′
9. Mixtur 113
10. Trompete 8′
II Schwellwerk
11. Lieblich gedeckt 16′
12. Weidenpfeife 8′
13. Rohrgedeckt 8′
14. Singend Prinzipal 8′
15. Koppelflöte 4′
16. Prinzipal 4′
17. Nasat 223
18. Waldflöte 2′
19. Terz 135
20. Mixtur V 2′
21. Septime 117
22. Schwiegel 1′
23. Zimbel III 14
24. Dulzian 16′
25. Französische Oboe 8′
Tremulant
III Kronpositiv
26. Gedackt 8′
27. Quintade 8′
28. Blockflöte 4′
29. Prinzipal 2′
30. Spitzquinte 113
31. Scharff IV 1’
32. Krummhorn 8′
33. Schalmey 4′
Tremulant
Pedal
34. Prinzipalbaß 16′
35. Subbaß 16′
36. Zartbaß 16′
37. Octavbaß 8′
38. Gedackt 8′
39. Pommer 4′
40. Dolkan-Piffaro 4′ + 2′
41. Hintersatz V 223
42. Nachthorn 2′
43. Posaune 16′
44. Clairon 4′
  • Koppeln: III/I, II/I, III/II, III/P, II/P, I/P
  • Spielhilfen: 4 freie Manualkombinationen, 6 freie Pedalkombinationen, Zungeneinzelabsteller, Einzelabsteller für Quintade 16′ und Lieblich gedeckt 16′, Handregister ab, Zungen aus Walze, Zungen ab, Auslöser, Organo pleno, Generaltutti, Crescendo, Walze ab
  • Effektregister: Zimbelstern

In den Jahren 1993/94 wurde die Orgel generalsaniert und teilweise umgebaut. So besitzt sie seither einen neuen Spieltisch und eine elektronische Setzeranlage mit Diskettenlaufwerk. Außerdem wurde auf Holzabstrakten umgestellt und der Winddruck erhöht.[3]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heinrichskirche verfügt über ein vierstimmiges Geläut mit der Tonfolge c1–es1–f1–as1. Die kleinste Glocke stammt noch aus dem Jahr 1910, also der Erbauungszeit der Kirche. Damals hatten die Gebrüder Oberascher aus München vier Glocken für St. Heinrich gefertigt, wovon die drei größeren (2900, 1450 und 850 Kilogramm) 1942 zu Kriegszwecken eingezogen wurden. Diese wurden 1953 durch drei neue Glocken der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher in Westfalen ersetzt. Das heutige Geläut im Einzelnen:[5][6]

Nr. Name Gussjahr Gießer Gewicht [kg] Schlagton Aufschrift
1. Kaiserglocke 1953 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 2700 c1 Schwere Kriegszeit ließ mich vergehen
der Gemeinde Treue mich wieder auferstehen
aus Liebesgaben bin ich geflossen
Petit und Gebr. Edelbrock haben mich gegossen
2. Marienglocke 1600 es1 Ich grüße Dich, Maria rein
laß St. Heinrich Dir empfohlen sein
3. Kreuzesglocke 1100 f1 Trauernd denk ich jener,
die ihr Leben haben für den Frieden hingegeben
allen aber, die hinieden,
gib, o Jesu, deinen Frieden
4. Petrusglocke 1910 Gebr. Oberascher, München 650 as1 Reliefdarstellung des heiligen Petrus mit Schlüssel und umgekehrtem Kreuz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Ohm: „Ein zwingendes Bedürfnis“ – Zum Bau der katholischen St. Heinrichs-Kirche vor 100 Jahren. Fürther Geschichtsblätter 4/2010 (Download)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Heinrich (Fürth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kath. Pfarramt St. Heinrich Fürth: Kirchenbau. Online auf www.st-heinrich-fuerth.de; abgerufen am 24. Mai 2018.
  2. Kath. Pfarramt St. Heinrich Fürth: Entwicklung der Katholiken in Fürth. Online auf www.st-heinrich-fuerth.de; abgerufen am 24. Mai 2018.
  3. a b c Kath. Pfarramt St. Heinrich Fürth: Orgel von St. Heinrich. Online auf www.st-heinrich-fuerth.de; abgerufen am 24. Mai 2018.
  4. Orgeldatenbank Bayern online
  5. Kath. Pfarramt St. Heinrich Fürth: Glocken von St. Heinrich. Online auf www.st-heinrich-fuerth.de; abgerufen am 24. Mai 2018.
  6. FÜRTH (FÜ), Pfarrkirche St. Heinrich – Vollgeläut. Online auf www.youtube.com; abgerufen am 24. Mai 2018.

Koordinaten: 49° 27′ 51,2″ N, 10° 59′ 48,2″ O