StadtRAD Hamburg

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StadRAD-Station mit Rädern

StadtRAD Hamburg ist ein öffentliches Fahrradverleihsystem, das von Deutsche Bahn Connect im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg betrieben wird.

Das System wurde am 10. Juli 2009 in Betrieb genommen und ist mit rund 2,5 Millionen Nutzungen pro Jahr und über 450.000[1] angemeldeten Nutzern das am stärksten genutzte Leihfahrradsystem Deutschlands. StadtRAD Hamburg hat über 200 Leihstationen mit 2.450 Rädern (Stand: Oktober 2016).[2][3]

System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

StadtRAD Hamburg basiert auf einem modifizierten Call-a-Bike-fix-System der Deutschen Bahn, das zuvor bereits ähnlich in Stuttgart installiert wurde. Entleihe und Rückgabe erfolgen dabei ausschließlich an festgelegten Leihstationen.

Die Entleihe erfolgt über ein Terminal an der Station, telefonisch oder per Applikation für Smartphones und Tablets. Nutzer buchen sich mit ihrer EC-, Kreditkarte oder einem RFID-Identifikationsmedium in Form eines Schlüsselanhängers am Terminal ein und wählen ein Fahrrad aus, das daraufhin vom System freigegeben wird. Bei einer telefonischen Entleihung ruft der Nutzer mit dem Telefon, dessen Nummer er bei seiner Registrierung angegeben hat, eine auf dem StadtRAD angegebene Nummer an, woraufhin dieses vom System freigegeben wird. Bei Verwendung der App können Räder direkt über das Smartphone entliehen werden. Nach der Freigabe entsperrt der Nutzer das Fahrrad durch Berühren eines Bedienfeldes am Rad selbst. Wird ein freigeschaltetes StadtRAD nicht innerhalb einer von etwa fünf Minuten von der Station abgeholt, storniert das System die Buchung automatisch.

Die Rückgabe kann an jeder beliebigen Station erfolgen, das Rad muss dazu lediglich an einer Station angeschlossen werden und ist damit automatisch wieder ausgebucht. Falls alle festen Plätze belegt sind, ist es ausreichend, das Rad in unmittelbarer Nähe der Station abzustellen und mit dem am Fahrrad selbst befindlichen Schloss zu sichern.

Grundsätzlich kann ein Nutzer maximal zwei Räder gleichzeitig ausleihen.

Registrierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nutzung des Systems erfordert eine einmalige Anmeldung, die entweder direkt über das Terminal an der Station, telefonisch oder im Internet erfolgen kann. Nutzer registrieren sich dabei mit ihrer EC- oder Kreditkarte und ihrer (Mobil-)Telefonnummer, anhand derer sie bei der Entleihe identifiziert werden können. Die Leihgebühren werden direkt über die Karten abgerechnet. Das System ist darüber hinaus kompatibel mit Call-a-Bike-Angeboten anderer Städte. Nutzer, die sich bei StadtRAD Hamburg registriert haben, können in anderen Städten ebenfalls Call-a-Bike-Fahrräder entleihen, zahlen hierfür allerdings die dort jeweils üblichen Leihgebühren. Entsprechend können registrierte Nutzer aus anderen Städten ebenfalls das StadtRAD nutzen.

Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leihstation am Alten Wall, unmittelbar neben Rathaus und Börse

Das System verfügt über mehr als 200 Stationen (Stand: Juli 2016) mit insgesamt rund 2.300 Fahrrädern. Die größte Einzelstation ist Hauptbahnhof West/Glockengießerwall mit 47 Stellplätzen, die kleinste ist Gustav-Falke-Straße/Beim Schlump mit 16 Plätzen. Die Stationen befinden sich schwerpunktmäßig innerhalb des Wallrings, in den Stadtteilen um die Alster und entlang der Elbe von Rothenburgsort bis Ottensen. In diesem Gebiet wohnen rund 360.000 Menschen. Die Standorte sind häufig mit Haltestellen des S- und U-Bahn-Netzes verbunden oder liegen an besonderen Anziehungspunkten wie etwa der Alsterschwimmhalle. Nach und nach werden auch Standorte außerhalb des Stadtkerns erschlossen, so gibt es auch ein Netz an Stationen in Hamburg-Harburg oder Hamburg-Bergedorf.

Sämtliche Stationen sind mit einem Touch-Screen-Terminal mit Kartenleser und einer RFID-Leseinheit zur Benutzeridentifizierung über Kredit- oder EC-Karten oder über einen RFID-Identifikationsmedium ausgestattet.[4] Zum Einsatz kommen zwei verschiedene Terminals; im Großteil des Netzes wird eine stelenförmige Anlage verwendet, an den zwei Stationen Neumühlen/Övelgönne und Auf dem Sande/Kehrwieder wird ein anderes, hochwassersicheres Modell eingesetzt, da diese beiden Stationen außerhalb der Hauptdeichlinie und damit außerhalb des hochwassergeschützten Bereiches liegen und im Rahmen des periodisch auftretenden Hochwassers überflutet werden können.

Ende Februar 2011 wurde der Entleihmodus erheblich vereinfacht und die Terminals wurden funktional erweitert. Sie bieten seitdem unter anderem eine interaktive Karte der Stationsstandorte mit Angabe der jeweils verfügbaren Räder (auch bei Apps und Internet-Auftritt verfügbar).

Seit Oktober 2011 werden für registrierte StadtRAD-Nutzer personalisierte Kundenidentifikationsmedien (Mifare-1-Karten auf HF-Basis) in Form von Schlüsselanhängern angeboten, die den Ausleihvorgang per Radiofrequenz-Identification (RFID) mit Nahfeldkopplung (NFC) am Ausleihterminal weiter vereinfachen.[5] Das System ist derzeit nicht kompatibel mit dem eTicket Deutschland oder Touch and Travel.[6][7]

Ausbau des Netzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der positiven Resonanz wurde das Netz seit seiner Eröffnung mehrfach erweitert.

Das System umfasste zur Eröffnung 67 Stationen und wurde bis Juli 2010 auf 79 Stationen, bis Ende März 2012 auf 116 Stationen erweitert, seit Juli 2012 werden 128 Stationen betrieben, bis Oktober 2014 wurde das Netz auf 131 Stationen ausgebaut. Das System wurde dabei deutlich über das Stadtzentrum hinaus ausgedehnt und erreichte den Museumshafen Övelgönne, den Tierpark Hagenbeck, die City Nord, Wandsbek Markt und, seit 2015, Harburg und Langenhorn. Zudem wird das Netz in den bereits bedienten Gebieten kontinuierlich verdichtet und erschließt nach und nach weitere Stadtteile, wie etwa Bahrenfeld und Barmbek-Nord und seit April 2016 auch Bergedorf.

Mit der Verlängerung des Vertrages im Juni 2018 bleibt die DB Connect für weitere zehn Jahre Betreiber der Stadträder. Es soll eine schrittweise Erweiterung auf bis zu 350 Stationen geben, mit der sämtliche U- und S-Bahn-Haltestellen sowie die Stadt- bzw. Ortsteilzentren angebunden werden sollen. Dabei wird eine Vollabdeckung des Hamburger Stadtgebiets angestrebt.[8]

Tarif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstanmeldung kostet 5,00 Euro, die dem Benutzer jedoch als Guthaben angerechnet werden. Die erste halbe Stunde jeder Entleihung ist kostenfrei, ab der 31. Minute fallen 8 Cent pro Minute an. Der Betrag wird jedoch nach 3 Stunden Entleihdauer gedeckelt, sodass maximal 12,00 Euro für 24 Stunden berechnet werden.

Es gibt daneben verschiedene Möglichkeiten zur Ermäßigung der Tarife:

  • Inhaber von Zeitkarten des Hamburger Verkehrsverbundes oder einer Bahncard erhalten nach entsprechender Anmeldung einen um 25 Prozent ermäßigten Tarif von 6 Cent pro Minute.
  • Inhaber einer Kundenkarte der Hamburger Drogeriekette Budnikowsky können gegen eine Jahresgebühr von 10,00 Euro die ersten 60 Minuten pro Fahrt kostenlos fahren.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beliebtes Transportmittel in der Freizeit. Hier beim Hafengeburtstag 2018

Nach den ersten 100 Tagen des Betriebs hatte das System rund 33.000 angemeldete Nutzer, die insgesamt mehr als 223.000 Fahrten zurückgelegt hatten. Drei Viertel der Fahrten dauerten weniger als 30 Minuten und waren somit für die Nutzer kostenfrei. Nach dem ersten Jahr des Betriebs hatte das System mehr als 53.000 angemeldete Benutzer, die zusammen mehr als eine halbe Million Fahrten gemacht haben. Jedes der damals etwa 1.500 Räder wird durchschnittlich 2,3 Mal pro Tag genutzt,[9] an Tagen mit Spitzennachfrage inzwischen über sieben Mal. Im Juli 2011 gab es über 100.000 angemeldete Kunden,[10] im Februar 2012 waren 130.000 Kunden registriert,[11] im April 2015 285.000 und im Juli 2016 lag die Zahl an angemeldeten Nutzern bei gut 355.000.[12] Die meisten angemeldeten Nutzer sind zwischen 26 und 35 Jahre alt, in der Nutzerschaft überwiegen die männlichen geringfügig (56 % männlich, 44 % weiblich).

Die Einnahmen aus Registrierungs- und Leihvorgängen sowie aus Serviceentgelten betrugen für das Jahr 2009 198.500 Euro, 2010 waren es 490.100 Euro. Das Betreiberentgelt gibt der Senat für 2011 mit 1.310.421 Euro (mit damals 103 Stationen) und für 2012 mit 1.700.349 Euro an (mit damals 123 Stationen).[13]

Im Jahr 2010 wurden 726.000 Ausleihvorgänge registriert. 2012 lag die Fahrtenanzahl mit über zwei Million Fahrten sehr deutlich über den Erwartungen, 2015 bei 2,5 Millionen und 2016 bereits bei über drei Millionen Nutzungen.

In Bezug auf die Kunden- und Nutzungszahlen sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis (Fahrten pro Rad pro Tag, Kunden pro Rad pro Tag, Kosten pro Nutzung) war Stadt-RAD Hamburg 2011 erfolgreicher als alle anderen von der Deutsche Bahn Connect-Vorgängergesellschaft DB Rent GmbH betriebenen Fahrradleihsysteme in Deutschland zusammen (darunter Berlin, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart).[14]

Außendarstellung und Vermarktung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu anderen Städten, in denen Call-a-Bike-Produkte angeboten werden, wird das StadtRAD vornehmlich als städtisches Angebot positioniert. Dass das Angebot technisch, materiell und organisatorisch durch die Deutsche Bahn bereitgestellt wird, wird hingegen weniger offensiv kommuniziert. Dies zeigt sich bereits im Produktnamen sowie daran, dass die Fahrräder das Signet der Stadt Hamburg wesentlich prominenter tragen als das Logo der Deutschen Bahn. Auch die auffällige verkehrsrote Farbgebung der Räder unterscheidet sich deutlich vom zurückhaltenderen Silbergrau von Call-a-Bike.

Name und Geschichte des Systems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name StadtRAD wurde in und für Hamburg gefunden. StadtRAD Lüneburg ist mit gleicher Funktionsweise wie in Hamburg seit 2013 mit sieben Stationen in Betrieb.[15]

Bis zum 28. Februar 2011 verlangten Entleihung und Rückgabe die Eingabe eines jeweils vierstelligen Öffnungs- bzw. Quittungscodes, die dem Nutzer bei Entleihung vom Terminal bzw. telefonisch und bei der Rückgabe am Fahrrad mitgeteilt wurden. Auch war es bis zu diesem Zeitpunkt nur möglich, ein StadtRAD an Stationen mit freien Stellplätzen zurückzugeben. Waren alle Plätze an einer Station belegt, wurde dem Nutzer nach Benachrichtigung des Betreibers ein zusätzliches Zeitguthaben von 15 Minuten gutgeschrieben, das er dazu nutzen konnte, eine alternative Station zu finden. Diese Regelung hatte zu Unmut von Nutzern geführt, weil manche Stationen zu bestimmten Zeiten häufig voll waren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: StadtRAD Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Planungen für den Veloroutenausbau schreiten voran / Bill: „Ausbau Radverkehr nimmt Fahrt auf“ In: bundesverkehrsportal.de, 22. März 2018, abgerufen am 23. März 2018.
  2. StadtRAD – Zahlen 2013 bis 2015. Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Martina Koeppen (SPD) und Martin Bill (GRÜNE) vom 25.07.16 und Antwort des Senats, Drucksache 21/5383. 2. August 2016, abgerufen am 6. August 2016.
  3. Vortrag zu StadtRAD Hamburg am 14.10.2016
  4. Presseportal: Ströer ist exklusiver Vertriebspartner der Deutschen Bahn AG für das Fahrradmietsystem Call a Bike, 5. Oktober 2006.
  5. Dennis Tschirschwitz, Sebastian Peters, Hubert Deja; Seminararbeit Wirtschaftsinformatik; Fahrradvermietung 2.0 (Memento des Originals vom 17. August 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/winfwiki.wi-fom.de
  6. StadtRAD Hamburg-Kundenkarte in Form eines Schlüsselanhängers online bestellen
  7. StadtRAD Hamburg plant eine Erweiterung des Entleihsystems mit RFID-Karten (Memento vom 7. Dezember 2011 im Internet Archive)
  8. Das neue Stadtrad Hamburg: Präsentation zum Pressetermin 29.06.2018
  9. Welt Online: Nicht nur bei Sonne: Radverkehr nimmt deutlich zu. 4. Juni 2010.
  10. Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: Mehr StadtRAD in Eimsbüttel, der HafenCity, an der Uni und im Stadtpark, 6. Juli 2011.
  11. Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: Präsentation Februar 2012 (PDF; 2,4 MB)
  12. Antrag Rot-Grün 2015 in der Hamburger Bürgerschaft zum weiteren Ausbau, Drucksache 21/448 (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gruenefraktion-107d.kxcdn.com
  13. Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Wieland Schinnenburg, Finn-Ole Ritter (FDP) vom 18. November 2013 und Antwort des Senats, Drucksache 20/9999
  14. Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Heike Sudmann (DIE LINKE) vom 01.09.11 und Antwort des Senats, Drucksache 20/1418. buergerschaft-hh.de, 9. September 2011, abgerufen am 1. November 2016 (PDF; 20,3 kB).
  15. Pressemitteilung Stadt Lüneburg März 2013 (Memento vom 8. März 2013 im Internet Archive)