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Stadt ohne Maske

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Film
Titel Stadt ohne Maske
Die nackte Stadt
Originaltitel The Naked City
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1948
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Jules Dassin
Drehbuch Malvin Wald
Albert Maltz
Produktion Mark Hellinger
Musik Frank Skinner
Miklós Rózsa
Kamera William H. Daniels
Schnitt Paul Weatherwax
Besetzung

sowie im Abspann unerwähnt (Auswahl)

Stadt ohne Maske, auch Die nackte Stadt (OT: The Naked City), ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film noir von Jules Dassin aus dem Jahr 1948. Er zählt neben Filmen wie Geheimagent T und Kennwort 777 zum Subgenre des semidokumentarischen Film noir.[1] Die von 1958 bis 1963 produzierte US-Fernsehserie Gnadenlose Stadt basiert auf dem Film.

Ein junges Modell, Jean Dexter, wird in ihrem New Yorker Apartment getötet. Wenig später tötet einer der beiden Täter den anderen, als dieser im betrunkenen Zustand sein schlechtes Gewissen über die Tat äußert, und wirft ihn in den Hudson River. Am nächsten Morgen findet Jeans Haushälterin findet sie tot in der überlaufenden Badewanne.

Leutnant Muldoon und seine Kollegen von der Mordkommission der New Yorker Polizei finden bald heraus, dass Dexter betäubt und dann ertränkt wurde. Aufgrund des Tathergangs kann die Polizei rekonstruieren, dass es mindestens zwei Mörder des Opfers gab, das, wie sich herausstellt, mit einer Diebesbande in Verbindung stand, die sich auf Schmuck spezialisiert hat. Die Suche nach einem mysteriösen Mann namens Henderson, der mit dem Model in Verbindung gestanden haben soll, läuft dagegen erstmals in Leere.

Von Ruth Morrison, wie Dexter ein Model, führt die Spur zu Frank Niles, der mit Ruth verlobt ist, aber auch mit Jean Dexter liiert war. Die meisten von Niles’ Aussagen über sein Leben und seine beruflichen Tätigkeiten erweisen sich als Lügen. Im Laufe der Ermittlungen wird Muldoon klar, dass Niles und Jean Dexter in eine Reihe von Juwelendiebstahlen in New Yorks besserer Gesellschaft involviert waren. Selbst Ruth stahlen sie Schmuck, und sie beginnt langsam das wahre Gesicht ihres Verlobten zu erkennen.

Selbst als Niles beinahe selbst einem Mordanschlag zum Opfer fällt, schweigt er zunächst aus. Aber als sich die Beweise für Niles’ Diebstähle auftürmen, bringt Muldoon ihn dazu, die wahre Identität des mysteriösen Henderson zu enthüllen. Dieser stellt sich heraus als das Pseudonym von Dr. Stoneman, ein angesehener Arzt, mit dem Jean eine Affäre hatte. Dessen gesellschaftliche Kontakte nutzte die Diebesbande für ihre Einbrüche aus, was der Arzt mit sich machen ließ, da er Jean verfallen war.

Aber sowohl Stoneman als auch Niles haben für die Mordzeit jeweils Alibis. Inzwischen wurde jedoch das zweite Mordopfer der Nacht, der Mittäter Peter Backalis, aus dem Hudson River gefischt. Weil Backalis ein Juwelendieb war, vermutet der junge Detective Halloran bald eine Verbindung zum Mordfall Jean Dexter. Halloran beginnt mit seiner Suche nach dem Willie Garzah, einem Harmonika spielenden Akrobaten und Wrestler, weil dieser schon früher einige Diebstähle mit Backalis durchgeführt hatte. Etwa zur selben Zeit enthüllt der inzwischen wegen seiner Diebstähle verhaftete Niles der Polizei, dass Backalis und Garza die Diebstähle durchgeführt hatten. Es wird ersichtlich, dass die beiden Jean Dexter wegen eines Streits über ihre Anteile getötet hatten.

Detective Halloran hat nach diversen Befragungen inzwischen Garzah in seinem Versteck ausfindig gemacht. Obwohl Garza ihn zunächst niederschlägt, kann sich Halloran an der sich anschließenden Verfolgung beteiligen. Garza wird auf der Williamsburg Bridge gestellt und von der Polizei eingekreist. Er klettert immer höher auf einen Brückenpfeiler und stürzt nach einem Schusswechsel mit den Beamten schließlich getroffen in die Tiefe. Der Erzähler schließt, dass nach der Aufklärung der Mordfall Jean Dexter aus den Schlagzeilen schnell verschwinden wird, wenn auch einige Menschen noch an sie denken würden, und dies nur eine von acht Millionen New Yorker Geschichten sei.

Stadt ohne Maske entstand im Sommer 1947 vollständig „on location“ (= am Handlungsort statt im Filmstudio). Dassin genoss weitgehende Freiheiten, obwohl Produzent Mark Hellinger (Rächer der Unterwelt, Zelle R 17) zunächst Einwände gegen das Drehen außerhalb der Studios gehegt hatte. Da Koautor Albert Maltz jedoch im Zuge der gegen linke Filmkünstler gerichteten Kampagnen der McCarthy-Ära Berufsverbot erhielt, fielen seine „humanistischen“ Ambitionen wie die Bebilderung kontrastierender ökonomischer Lebensstandards der Schere zum Opfer.[2]

Hellinger, der selbst das Voice-over eingesprochen hatte, starb noch vor der Premiere des Films im Alter von nur 44 Jahren. Hellinger hatte, vor seinem Einstieg in das Filmgeschäft, in den 1920er- und 1930er-Jahren als Kriminalreporter gearbeitet und dabei einige New Yorker Unterweltgrößen wie auch die Polizei der Stadt näher kennengelernt.

Stadt ohne Maske wurde am 3. März 1948 in New York uraufgeführt.[3][4] Am 29. November 1949 lief der Film in den deutschen Kinos an. Am 12. April 1962 wurde er in der BRD unter dem neuen Titel Die nackte Stadt wiederaufgeführt.[5]

Dassin konnte noch einen weiteren Film (Gefahr in Frisco) in den USA drehen, bevor er (ebenso wie Maltz) wegen seiner früheren Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Berufsverbot erhielt. Er emigrierte Anfang der 1950er Jahre nach Europa.[6]

Der junge New Yorker Stanley Kubrick, der damals eine Karriere als Regisseur anstrebte, machte während der Dreharbeiten Fotos von den Dreharbeiten und Filmsets. Laut Kubricks Biografen Kolker und Abrams lässt sich ein Einfluss von betont realistischen Kriminaldramen wie Stadt ohne Maske auch in Kubricks frühen Filmen finden.[7]

Stadt ohne Maske war ein einflussreicher Film für das amerikanische Nachkriegskino. Selbst wohl von europäischen Filmen aus dem Italienischen Neorealismus beeinflusst, waren das Drehen an Originalschauplätzen sowie die scheinbar realistische Darstellung des Polizeialltags als „Slice of Life“–Geschichte für einen damaligen amerikanischen Mainstream-Film sehr ungewöhnlich. Gemeinsam mit anderen Filmen aus dem Jahr 1948 wie Zelle R 17 (ebenfalls von Hellinger produziert) oder Kennwort 777 stand Stadt ohne Maske dabei für ein Kino, dass stärker Geschichten „von der Straße“ erzählte statt in glamouröse Filmwelten zu entführen.[8]

Bei Rotten Tomatoes hält Stadt ohne Maske, basierend auf 28 Kritiken, eine positive Wertung von 86 %.[9]

„Ein fantasievoll zusammengestellter Blick auf das Leben auf New Yorks Straßen […] Das Drama ist größtenteils oberflächlich und nicht mehr als ein konventionelles ‚Stück aus dem Leben‘ – eine routinierte und wenig aufschlussreiche Episode in der täglichen Polizeiarbeit. […] Immerhin hat Herr Hellinger innerhalb dieses Themenspektrums ansehnliche Arbeit in diesem, seinem letzten Werk abgeliefert, das spontan und nicht einstudiert daherkommt.“

Bosley Crowther, The New York Times[10]

„Von William Daniels […] mit einem wunderbaren Auge für Raum, Größe und Licht fotografiert. Ein visuell majestätisches Finale. Ansonsten rührselig und naiv.“

„Die unspektakuläre Handlung bietet Regie und Kamera Gelegenheit, an Originalschauplätzen authentisch, detailliert und sehr eindringlich das facettenreiche Bild der Riesenstadt zu zeichnen.“

„„The Naked City“ ist wie das gelungene Kind eines Dokumentarfilms und eines Film noir aufgebaut. (...) Eine einzelne interessante Geschichte verblasst angesichts der Dimensionen der Stadt. Die Stadt selbst ist die interessanteste Figur in diesem Film; Städte haben oft eine eigene Persönlichkeit, und New York gilt gemeinhin als die bedeutendste. „Die nackte Stadt“ ist der erste filmische Versuch, einen solchen Ort wie ein Lebewesen zu beschreiben – so nah wie möglich daran, ohne ihn zu vermenschlichen.“

Brian Eggert, Deep Focus Review[12]

1949 wurde Stadt ohne Maske mit dem Oscar für die beste Kamera (William H. Daniels) und den besten Schnitt (Paul Weatherwax) ausgezeichnet. Autor Malvin Wald erhielt für die beste Originalgeschichte eine Oscar-Nominierung.

2007 wurde der Film als „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam“ in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.

Einzelnachweise

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  1. Georg Seeßlen: Kino der Angst. Geschichte und Mythologie des Film-Thrillers, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-17350-6, S. 120–121.
  2. Brian Neve: Film and Politics in America. A Social Tradition. Routledge, Oxon 1992, S. 120–121, 150.
  3. Stadt ohne Maske in der Internet Movie Database.
  4. Stadt ohne Maske auf Turner Classic Movies.
  5. 1 2 Stadt ohne Maske im Lexikon des internationalen Films.
  6. Zusatzmaterial auf der DVD-Veröffentlichung von Night and the City, Criterion Collection, USA 2005.
  7. Robert P. Kolker, Nathan Abrams: Kubrick: An Odyssey. Faber & Faber, 2024, ISBN 978-0-571-37037-5 (google.de [abgerufen am 15. März 2026]).
  8. The Naked City (US 1948). In: itp Global Film. 3. September 2022, abgerufen am 15. März 2026 (englisch).
  9. The Naked City | Rotten Tomatoes. Abgerufen am 15. März 2026 (englisch).
  10. „[…] a fancifully selective observation of life in New York's streets, police stations, apartments, tenements, playgrounds, docks, bridges and flashy resorts. […] The drama is largely superficial, being no more than a conventional „slice of life“ — a routine and unrevealing episode in the everyday business of the cops. […] There are countless more fascinating facets to this city than the work of cops with crime and countless more striking characters in it than genial detectives and mumbling crooks. However, within that range of interest, Mr. Hellinger has done a vivid job in this, his appropriate valedictory, which comes to you spontaneous and unrehearsed.“ – Rezension in der New York Times vom 5. März 1948, abgerufen am 25. Dezember 2012.
  11. „Photographed by William Daniels […] with a lovely eye for space, size, and light. A visually majestic finish. Otherwise, mawkish and naive.“ – James Agee: Agee on Film. Criticism and Comment on the Movies. Modern Library, New York 2000 (EA 1964), ISBN 978-0-375-75529-3, S. 299.
  12. The Naked City. In: Deep Focus Review. 17. März 2007, abgerufen am 15. März 2026 (amerikanisches Englisch).