Stefan Zweifel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stefan Zweifel im März 2004 in Zürich

Stefan Zweifel (* 22. Dezember 1967 in Zürich) ist ein Schweizer Übersetzer und Journalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Zweifel studierte Philosophie, Komparatistik und Ägyptologie an der Universität Zürich. Seine Doktorarbeit in Philosophie verfasste er gemeinsam mit Michael Pfister über Sade, Hegel und La Mettrie. Bekannt wurde Zweifel durch die ebenfalls mit Michael Pfister erarbeitete Neuübersetzung von Sades Hauptwerken Justine und Juliette, die er bereits im Alter von 17 Jahren begonnen hatte.

Darüber hinaus wirkte er federführend bei Ausstellungen über den Dadaismus und den Surrealismus mit.

Bis 2004 betreute er die dreisprachige Kulturzeitschrift Gazzetta. Er schreibt unter anderem Beiträge für die Neue Zürcher Zeitung, die Weltwoche und die Zeitschriften du sowie Literaturen.

Von April 2007 bis Mai 2014 war er Teilnehmer der Sendung Literaturclub im Schweizer Fernsehen, die auch auf 3sat läuft. Als Nachfolger von Iris Radisch moderierte er sie von September 2012 bis zu seinem umstrittenen Ausscheiden aus dem Kritikerteam, das allgemein im Zusammenhang mit einem Eklat mit der Diskussionsteilnehmerin Elke Heidenreich wahrgenommen wurde: Stefan Zweifel hatte ihr in der Sendung vom 22. April 2014 korrekterweise vorgehalten, dass ein vermeintliches Zitat von Heidegger nicht in dem besprochenen Buch zu finden sei.[1] Zweifel forderte daraufhin, dass die Redaktion der Sendung das fragliche Zitat prüft.[2] Weil diese untätig blieb, forderte er weiter die Absetzung von Redaktionsleiterin Esther Schneider – worauf sich das SRF von ihm trennte. SRF hat einen Zusammenhang zwischen der Trennung und der Kontroverse mit Elke Heidenreich bestritten.[3] Auch Heidenreich betonte in einer Stellungnahme, der Vorgang sei „von der Presse eilig und unreflektiert aufgegriffen“ worden. Sie habe den betreffenden Satz „ohne weiter zu zitieren, mit meinen Worten“ zu Ende geführt, „am Ende offen gelassen, es war deutlich mündliche Rede, es war deutlich nicht mehr Zitat.“ Auch aus ihrer Sicht habe kein Zusammenhang zwischen der Diskussion um Zweifels Ausscheiden als Moderator und der Kontroverse in der Live-Runde bestanden.[4] Dieser Darstellung widersprach Zweifel im Nachhinein.[5] Verschiedene Medien kritisierten das Verhalten des Schweizer Fernsehens: „Schweizer Fernsehen blamiert sich im Streit um den Literaturclub“, schrieb die FAZ.[6] „SRF macht sich zur Lachnummer“ die NZZ.[7] In der Süddeutschen Zeitung stand: „Unerfindlich bleiben die Gründe des SRF für die Degradierung Stefan Zweifels, der – was die Aufgabe eines Kritikers nun mal ist – ein falsches Zitat als solches kenntlich machte.“[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Tobia Bezzola, Michael Pfister (Hrsg.): Der Marquis de Sade und die erotische Fantasie des Surrealismus in Text und Bild. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2001, ISBN 3-7757-1065-5.
  • mit Michael Pfister (Hrsg.): Pornosophie & Imachination – Sade/Lamettrie/Hegel. Matthes & Seitz, München 2002, ISBN 3-88221-836-3.
  • In girum imus nocte et consumimur igni – die situationistische Internationale. JRP Ringier, Zürich 2007, ISBN 978-3-905701-18-0.
  • mit Michael Pfister: Shades of Sade. Eine Einführung in das Werk des Marquis de Sade, Matthes & Seitz, Berlin 2015, ISBN 978-3-95757-119-9.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sade, Karriere eine Wüstlings. (Dokumentation), Format NZZ, 2000.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eklat im „Literaturclub“ – Was steht bei Heidegger? von Jürg Altwegg. In: FAZ am 23. Mai 2014
  2. Zweifel verliert Machtkampf gegen Heidenreich von Benedict Neff. In: Basler Zeitung am 22. Mai 2014
  3. Klarstellung zum Abgang von Stefan Zweifel beim „Literaturclub“. Pressemitteilung des SRF. 25. Mai 2014. Abgerufen am 25. Mai 2014.
  4. Elke Heidenreich: Wie es zum Heidegger-Zitat im „Literaturclub“ kam. In: Tages-Anzeiger vom 27. Mai 2014.
  5. Balz Spörri: Die verlorene Ehre des Stefan Z. Der abgesetzte „Literaturclub“-Moderator wird im Internet diskreditiert. In: SonntagsZeitung. 22. Juni 2014. Abgerufen am 24. Juni 2014.
  6. Das Heidegger-Zitat der Elke Heidenreich von Jürg Altwegg. In: FAZ am 31. Mai 2014
  7. SRF macht sich zur Lachnummer von Rainer Stadler. In: Neue Zürcher Zeitung am 27. Mai 2014
  8. Eklat um Heidenreichs Heidegger-Fälschung. In: Süddeutsche Zeitung am 23. Mai 2014