Storm Shadow (Marschflugkörper)

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Storm Shadow (Marschflugkörper)

Storm Shadow
Storm Shadow

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Heimische Bezeichnung: Storm Shadow, SCALP
NATO-Bezeichnung: Storm Shadow
Herkunftsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
FrankreichFrankreich Frankreich
Hersteller: MBDA
Entwicklung: 1997
Indienststellung: 2002
Einsatzzeit: im Dienst
Stückpreis: 770.000–1,13 Mio. Euro
Technische Daten
Länge: 5,10 m
Durchmesser: 980 mm
Gefechtsgewicht: 1300 kg
Spannweite: 3,00 m
Antrieb: Microturbo TRI 60-30 Turbojet
Geschwindigkeit: Mach 0,8
Reichweite: ca. 450 km
Ausstattung
Lenkung: Trägheitsnavigationsplattform plus GPS
Zielortung: TERPROM und IIR
Gefechtskopf: 450 kg BROACH Penetrationsgefechtskopf
Zünder: Programmierter Zünder
Waffenplattformen: Flugzeuge
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Storm Shadow ist ein von Großbritannien und Frankreich entwickelter Marschflugkörper. Hersteller ist das europäische MBDA-Konsortium. In Frankreich wurde er unter dem Namen SCALP in den Dienst gestellt.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1997 erteilte das britische Verteidigungsministerium dem Konsortium Matra BAE Dynamics den Auftrag zur Konstruktion eines luftgestützten Marschflugkörpers. Grundlage für den Entwurf bildete der Marschflugkörper Apache. 1998 stieg Frankreich in das Projekt ein. Bereits im Dezember 2000 fand der erste Testflug des Storm Shadow statt. 2002 wurde Storm Shadow bei der britischen Royal Air Force in Dienst gestellt. Die Auslieferung an Frankreich begann 2004.

Im Jahr 2004 begann MBDA auch mit der Entwicklung einer seegestützten Variante der Storm Shadow. Diese trug anfänglich die Bezeichnung SCALP-Naval. Auf der Basis dieser Lenkwaffe wird seit 2007 der MdCN (Missile de Croisière Naval) entwickelt. MdCN soll auf U-Booten und Kriegsschiffen eingesetzt werden und hat eine Reichweite von 1000 km. Ab 2015 soll die schiffsbasierte Ausführung einsatzbereit sein. Die U-Boot-basierte Ausführung soll ab 2018 ausgeliefert werden.[1]

Ende 2015 wurden auf dem britischen Schießübugsplatz in Aberporth Tests mit dem italienischen Eurofighter-Prototyp IPA 2 (Instrumented Production Aircraft) durchgeführt.[2] Alenia Aermacchi, BAE Systems und QinetiQ waren an den Versuchen beteiligt. Getestet wurde das Zusammenwirken der Instrumente von Eurofighter und Storm Shadow sowie die sichere Abtrennung des Flugkörpers beim Abfeuern. Der scharfe Schuss erfolgte am 6. November.

Seit 2002 haben sechs Nationen den Flugkörper eingeführt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugkörper besitzt Tarnkappentechnik und wird durch ein Turbojet-Triebwerk auf eine Marschgeschwindigkeit von Mach 0,8 beschleunigt. Die Navigation erfolgt über ein internes Inertiales Navigationssystem und ein Global Positioning System. Zusammen mit einem TREPROM-System steuert die Storm Shadow ihr Zielgebiet im Tiefflug, in einer Flughöhe von 30–40 m an. Für den Zielanflug verfügt sie über einen Infrarotsensor, über den das Ziel verifiziert wird. Sollte ein Ziel bereits strukturelle Schwachstellen aufweisen, die ein Eindringen des Flugkörpers erleichtern, wird dies automatisch erkannt und der Anflugkurs verändert. Der Einsatz kann mit einem 2-Weg Datenlink auch während des Flugs abgebrochen und der Flugkörper zu einem anderen Ziel umgeleitet werden.

Die Storm Shadow verfügt über einen BROACH (Bomb Royal Ordnance Augmented CHarge) genannten Doppelladungssprengkopf. Dieser dient zur Bekämpfung von verbunkerten Betonbauten. Der Sprengkopf besitzt eine Vorladung, die ein Loch in die Panzerung des Ziels sprengt. Die Hauptladung folgt durch die entstandene Öffnung und detoniert im Gebäudeinneren. BROACH kann 3,4–6,1 m Stahlbeton durchschlagen. Das Ziel kann sich 6,1–9,1 m unter dem Erdreich befinden.[3]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Storm Shadow: Version für NATO-Mitgliedstaaten.
  • SCALP: Version für die Französischen Luftstreitkräfte.
  • Black Shaheen: Version für die Vereinigten Arabischen Emirate. Reduzierte Reichweite von 250 km.
  • MdCN: (Missile de Croisière Naval) Weiterentwicklung der SCALP-Naval. Für den Einsatz ab U-Booten und Kriegsschiffen. Reichweite 1000 km.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Einsatz erfolgte durch die Royal Air Force während der Operation Iraqi Freedom im Jahr 2003. Gemäß britischen Angaben haben alle der 27 abgefeuerten Marschflugkörper ihre Ziele getroffen und vernichtet. Im Verlauf der Durchsetzung einer Flugverbotszone während des Bürgerkrieges in Libyen 2011 setzen die Royal Air Force, die Armée de l’air und die Aeronautica Militare Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow ein. Im Zuge des Anti-Terroreinsatzes gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" setzt die Armée de l’air unter anderem Marschflugkörper vom Typ SCALP ein.[4] Am 27. Juni 2016 gab das britische Verteidigungsministerium an, dass am Tag zuvor Kampfflugzeuge vom Typ Tornado GR.4 erstmals Storm-Shadow-Marschflugkörper im Kampf gegen den IS eingesetzt hatten. Die Ziele waren hierbei Bunker des IS, alle vier eingesetzten Storm Shadows trafen ihr Ziel.[5]

Bestellungen und Einsatzplattformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Flugzeugtypen können die Storm Shadow einsetzen:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Storm Shadow (Marschflugkörper) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Scott: MBDA begins MdCN cruise missile production. In: janes.com, 19. Oktober 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014 (englisch).
  2. Tests mit Storm Shadow. In: Europäische Sicherheit & Technik 1/2016. S. 78.
  3. Norman Friedman: The Naval Institute guide to world naval weapons systems, 1997–1998, S. 518 (englisch).
  4. Mike Markowitz und John D. Gresham: Storm Shadow at War. In: defensemedianetwork.com, 17. Mai 2012, abgerufen am 21. Oktober 2014 (englisch).
  5. RAF uses Storm Shadows against IS bunker | IHS Jane's 360. In: www.janes.com. Abgerufen am 5. Juli 2016.