Storndorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Storndorf
Gemeinde Schwalmtal
Koordinaten: 50° 39′ 19″ N, 9° 15′ 37″ O
Höhe: 375 (358–391) m
Fläche: 8,19 km²[1]
Einwohner: 752 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36318
Vorwahl: 06630
Evangelische Kirche in Storndorf

Storndorf ist ein Ortsteil von Schwalmtal im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gut 800 Einwohner zählende Dorf liegt im Norden des Vogelsberges. Storndorf ist die erste von der Schwalm durchflossene Ortschaft, welche etwa vier Kilometer südlich entspringt. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3162 und 3164.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste schriftliche Belege datieren aus dem Jahre 1238. Die Schreibweise des Ortsnamens war sehr verschieden, da man damals noch keine feste Rechtschreibung kannte. So schrieb man 1238 Stozrendorff oder auch Sozrendorff. 1293 hieß es Storrendorff und im 14. Jahrhundert Stormendorf und Sturmdorff. Im nächsten Jahrhundert brauchte man immer mehr die Form Storindorff und ab 1500 wird meist die Bezeichnung Storndorff angewandt[3].

Im Mittelalter waren die Landesherren über Storndorf die Landgrafen von Hessen. Viele Rechte über den Ort waren als Lehen an die „Familie von Storndorf“ vergeben. Im Jahre 1600 war eine Storndorfer Linie so stark verschuldet, dass deren Hälfte von Storndorf („die Hälfte des Dorfes Storndorf und die Hälfte der außerhalb des Gerichts Storndorf liegenden Güter“) an die Landgrafen zurückfiel.[4] Am 9. August 1634 stellte Landgraf Georg II. von Hessen seinem Hofrat Ludwig von Seebach als Ausgleich für ausgebliebene Gehaltszahlungen einen Lehensbrief auf die zurückgefallene Hälfte von Storndorf aus. Mit dem Aussterben der Familie von Storndorf gab es ab 1713 neben dem hessischen Anteil nur noch seebachische Hälfte an Ort und Gericht Storndorf.[5]

1753 wurde die evangelische Kirche erbaut. Noch bis etwa Ende der 1960er-Jahre verdienten sich etliche Einwohner ein Zubrot als Besenbinder.

Vom 17. Jahrhundert bis 1939 hatte Storndorf eine jüdische Gemeinde. Sie hatten eine Synagoge, eine Schule, ein rituelles Bad (Mikwe) und einen eigenen jüdischen Friedhof. Die Gemeinde gehörte dem orthodoxen Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz in Gießen an.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen bildet Storndorf zusammen mit weiteren acht zuvor selbstständigen Ortschaften seit dem 31. Dezember 1971 die Gemeinde Schwalmtal.[6]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick, die Territorien, in denen Storndorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Storndorf das Amt Ulrichstein für den hessischen Anteil und das Gericht Storndorf für die seebachische Teil zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Storndorf zuständig war. Die Familie von Seebach trat ihre Rechte am Gericht Storndorf 1821 an den Staat ab.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[12] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1961: 768 evangelische (= 88,17 %), 91 katholische (= 10,45 %) Einwohner
Storndorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
951
1840
  
1.053
1846
  
1.030
1852
  
993
1858
  
964
1864
  
936
1871
  
931
1875
  
973
1885
  
934
1895
  
872
1905
  
805
1910
  
831
1925
  
746
1939
  
735
1946
  
1.022
1950
  
939
1956
  
873
1961
  
871
1967
  
862
1970
  
906
2005
  
890
2010
  
814
2015
  
772
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Storndorf gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, einen Kindergarten mit Betreuung von ein bis sechs Jahren und eine Grundschule. Des Weiteren befinden sich in Storndorf zwei Bäckereien, ein Dorfladen, mehrere Kneipen und eine KFZ-Werkstatt.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Storndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Storndorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b „Zahlen, Daten, Fakten“. In: Internetauftritt. Gemeinde Schwalmtal, abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv)
  3. Deggau, Alfred: Storndorf. Beiträge zum Geschichtsbild eines Vogelsberger Dorfes unter dem Adel. Herausgegeben vom Geschichts- und Altertumsverein der Stadt Alsfeld. Alsfeld 1956
  4. Die Herren von Storndorf. In: Website zu Storndorf. Kulturverein Storndorf, abgerufen am 8. Januar 2018.
  5. Die Herren von Seebach. In: Website zu Storndorf. Kulturverein Storndorf, abgerufen am 8. Januar 2018.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 210, 281 (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  10. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 428 (online bei Google Books).
  11. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 6 ff. (online bei Google Books).
  12. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).