Strukturierte Finanzierungen

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Unter Strukturierten Finanzierungen (englisch structured finance) versteht man in der Bankpraxis die Zusammensetzung einer Finanzierung aus mehreren Elementen. Strukturierte Finanzierungen unterscheiden sich von der reinen Kreditvergabe durch komplexe wirtschaftliche, rechtliche und steuerrechtliche, ggf. auch tatsächliche Vorgaben, die bei der Gestaltung der Finanzierung zu berücksichtigen sind. Deshalb bedürfen strukturierte Finanzierungen individuell auf den Finanzierungsfall angepasster Lösungen. Aufgrund der erhöhten fachlichen Anforderungen bestehen für strukturierte Finanzierungen in den Banken regelmäßig besondere Einheiten, die meist dem Investmentbanking zugeordnet sind.

Wirtschaftlich betrachtet wird es sich bei strukturierten Finanzierungen zumeist um Cash-Flow-basierte Finanzierungen handeln und um solche, bei denen der Investor nicht mit seinem gesamten Vermögen dem Finanzierungsrisiko ausgesetzt sein will. Da Banken bei Cashflow-basierten Finanzierungen über das übliche Kreditgeberrisiko hinaus letztlich auch ein dem unternehmerischen Risiko angenähertes Risiko eingehen, ist der Bedarf an Information und die Überwachung (monitoring) des Kreditnehmers bzw. Finanzierungsgegenstandes sowie der Wunsch nach Einflussmöglichkeiten und Handlungsoptionen deutlich größer als bei der üblichen Kreditvergabe, die auf die Kapitaldienstfähigkeit des Kreditnehmers, also dessen Bonität und nicht auf die Tragfähigkeit des dem Finanzierungsgegenstand zugrunde liegenden Business Case abstellt. Bei strukturierten Finanzierungen stehen deshalb für die Rückzahlung gewährter Kredite nicht die (finanzierten) Vermögenswerte und deren potenziellen Zerschlagungswerte im Vordergrund der Kreditvergabeentscheidung, sondern die für die Zukunft erwarteten Cash-Flows, aus denen Zins und Tilgung gewährleistet sein muss. Dies spiegelt sich in der Kreditdokumentation wider, die in solchen Fällen oft aus einer Vielzahl umfangreicher Dokumente besteht.

Typische Beispiele strukturierter Finanzierungen sind

Literatur[Bearbeiten]

  • Früh/Müller-Arends in Bankrecht und Bankpraxis (hrsg. v. Wolfgang Gößmann/Thorwald Hellner/Jürgen Schröter/Stephan Steuer), Band 2, Rn. 3/84a.
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