Sulęcin

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Sulęcin
POL Sulęcin COA.svg
Sulęcin (Polen)
Sulęcin
Sulęcin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Sulęcin
Fläche: 8,56 km²
Geographische Lage: 52° 26′ N, 15° 6′ OKoordinaten: 52° 26′ 0″ N, 15° 6′ 0″ O
Einwohner: 10.203
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 69-200
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSU
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Gorzów WielkopolskiGubin
Nächster int. Flughafen: Berlin-Schönefeld, Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 19 Ortschaften
Fläche: 319,72 km²
Einwohner: 15.947
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0807043
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Dariusz Ejchart
Adresse: ul. Lipowa 18
69-200 Sulęcin
Webpräsenz: www.sulecin.pl



Sulęcin [su'lɛnt͡ɕin] (deutsch: Zielenzig) ist eine Kreisstadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus mit etwa 10.000 Einwohnern sowie Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Neumark im Tal des kleinen Warthenebenflusses Postumfließ (Postomia). Die umgebende Landschaft ist geprägt durch die Lebuser Seenplatte und zahlreiche Erhebungen, von denen sich die Buchwaldhöhe (Góra Bukowiec) mit 227 Metern besonders hervorhebt. Als nächste größere Stadt ist Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) 45 Kilometer nördlich entfernt. Die Autobahn BerlinPosen führt 16 Kilometer südlich vorbei. Anschluss bestand bis 2013 an die Eisenbahnlinie RzepinMiędzyrzecz (Reppen – Meseritz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zielenzig südlich der Stadt Landsberg an der Warthe auf einer Landkarte von 1905
Zielenzig um 1900
Kirche aus dem 13. bis 14. Jahrhundert, 1951 renoviert
Schulgebäude

Ausgrabungen belegen, dass in der Zielenziger Region schon im 2. Jahrtausend v. Chr. gesiedelt wurde.

In Zielenzig bestand eine slawische Siedlung. 1241 gestattete der Bischof Heinrich von Lebus dem Grafen Mrotzko, in Zielenzig eine deutsche Siedlung zu begründen. Dies ist die älteste erhaltenene Urkunde, in der der Ort erwähnt wurde. 1244 ging Zielenzig an den Templerorden.[2] Dabei wurde es als Stadt (civitas) bezeichnet.

Nach 1253 kam Zielenzig unter die Herrschaft der Markgrafen von Brandenburg, die 1269 hier eine hölzerne Burg errichten ließen. Die Burg wurde noch im selben Jahr im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von Herzog Bolesław von Polen zerstört. 1286 übergab Markgraf Otto VI. das oppidum (Städtchen) Zielenzig wieder an den Templerorden.

Nach 1312 kam Zielenzig an den Johanniterorden. Dieser verpfändete das Städtchen 1318 an den brandenburgischen Markgrafen Woldemar. 1322 kauften die Johanniter Zielenzig vom schlesischen Herzog Heinrich zurück.[3] 1326 huldigten die Burger jedoch dem brandenburgischen Markgrafen Ludwig. Erst seit 1350 gehörte Zielenzig wieder den Johannitern, die es dann bis 1810 besaßen.

Der 1419 in Böhmen ausgebrochene hussitische Bürgerkrieg griff auch bis nach Zielenzig über, wo er großen Schaden anrichtete.

Während der schwedisch-polnisch-brandenburgischen Auseinandersetzungen wurde 1658 in Zielenzig ein Waffenstillstand zwischen Brandenburg und Schweden geschlossen, woraufhin Brandenburg von der polnischen auf die schwedische Seite wechselte.

1733 stattete Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. der Stadt einen Besuch ab. Während der napoleonischen Kriege waren zeitweilig französische Soldaten in Zielenzig stationiert.

Nach der neuen preußischen Kreiseinteilung von 1815 wurde Zielenzig in den neumärkischen Kreis Oststernberg eingegliedert und wurde dessen Verwaltungssitz, der von 1852 bis 1873 wieder nach Drossen verlegt wurde. Zwischen 1821 und 1828 kam es in der Stadt wiederholt zu Feuersbrünsten.[4] Im Jahr 1850 hatte die Stadt 485 Häuser.[4]

Nach der Teilung des Kreises im Jahre 1873 war Zielenzig wieder Kreisstadt. Zu dieser Zeit waren Textilmanufakturen und Mühlen die wichtigsten Erwerbszweige, und die Stadt hatte Mitte des 19. Jahrhunderts 4500 Einwohner. Mit der einsetzenden Industrialisierungswelle entstanden vor den Toren der Stadt Braunkohlentagebaue, die zu der Errichtung einer Brikettfabrik in Zielenzig führten. Durch die Verbesserung der Infrastruktur kam es zu einem Anwachsen der Bevölkerung, 1885 war die Einwohnerzahl auf knapp 5800 angestiegen.

Nach dem Ersten Weltkrieg siedelten sich Betriebe der Holz verarbeitenden Industrie an. Die letzte deutsche Volkszählung 1939 ermittelte 6568 Einwohner.

In einem Schuppen am Bahnhof war vom 30. Oktober 1943 bis Kriegsende der Salonwagen Nr. 1 von Kaiser Wilhelm II. abgestellt.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs fiel Zielenzig am 2. Februar 1945 in die Hände der Roten Armee. Obwohl sie auf keinerlei militärischen Widerstand stieß, wurden die Häuser der Innenstadt von den Soldaten geplündert und in Brand gesteckt, sodass die Stadt schließlich zu fünfzig Prozent zerstört war. Nach Kriegsende wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt und in Sulęcin umbenannt; die deutschen Bewohner wurden vertrieben. Das heutige Sulęcin hat über 10.000 Einwohner (Stand 2014).

Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1850 1875 1880 1890 1933 1939
Einwohnerzahl 4.780[4] 5.732[5] 5.880[5] 5.958[5] 5.856[5] 6.568[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Denkmalsliste der Woiwodschaft sind eingetragen

  • die gotische St.-Nikolai-Kirche, ursprünglich von den Templern erbaut, nach 1945 wiederhergestellt
  • Altstadthäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Zielenzig:

Aus Langenfeld:

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Sulęcin gehören folgende Ortschaften:

  • Trzebów (Trebow)
  • Miechów (Meekow)
  • Żubrów (Herzogswalde)
  • Długoszyn (Langenfeld)
  • Drogomin (Heinersdorf)
  • Brzeźno (Breesen)
  • Rychlik (Reichen)
  • Ostrów (Ostrow)
  • Tursk (Tauerzi)
  • Małuszów (Malsow)
  • Wędrzyn (Wandern)
  • Trzemeszno Lubuskie (Schermeisel)[6][7]
  • Grochowo (Grochow)
  • Wielowieś (Langenpfuhl)[8]
  • Zarzyń (Seeren)[8]
  • Sulęcin (Zielenzig)
  • Długoszynek
  • Kolonia Glisno (Gleißen)
  • Osiedle Żubrów

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Partnerschaften zu den deutschen Städten Beeskow, Friedland (Brandenburg) und Kamen (Nordrhein-Westfalen).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 495–497.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichte des ehemaligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Band 3, Berlin 1832, S. 515–518.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 219–224.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sulęcin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Zur frühen Geschichte bis 1318 siehe Christian Gahlbeck: Zielenzig (Sulęcin). Kommende des Templerordens. In: Heinz-Dieter Heimann, Klaus Neitmann, Winfried Schich u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts (= Brandenburgische historische Studien, Band 14). Band 2. Be.bra-Wissenschaft-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-937233-26-0. S. 1338-1344. In Zielenzig gab es wahrscheinlich keine selbstständige Kommende, es gibt keinerlei Nachweise dafür.
  3. Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 69 ff..
  4. a b c * Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 219–224.
  5. a b c d e Deutsche Verwaltungsgeschichte von Michael Rademacher - Einwohnerzahlen im Landkreis Oststernberg
  6. * Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 214–216.
  7. * W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 486–493.
  8. a b Heinz W. Linke: Chroniken der Ordensdörfer Burschen, Seeren, Langenpfuhl und Tempel, Kreis Oststernberg, Regierungsbezirk Frankfurt/Oder. Heimatbuch des Kreises Oststernberg. Verlag BoD, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5301-2 (eingeschränkte Vorschau).