Roland TB-303

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Roland TB-303

Die TB-303 ist ein analoger Synthesizer des japanischen Unternehmens Roland, der 1981 auf den Markt kam. Mit seinem charakteristischen Klang hat das Gerät die Musikrichtungen Acid House und Acid Techno maßgeblich geprägt und ist auf dem Gebrauchtmarkt inzwischen zu einer Rarität mit Kultstatus geworden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klangsynthese der 303 beschränkt sich auf einen monophonen Analogsynthesizer mit einer durch Drehpotentiometer in Echtzeit veränderbaren einfachen Hüllkurve (erzeugt durch einen Oszillator mit zwei Wellenformen, Sägezahn und Rechteck) und einen Tiefpassfilter (VCF) mit einstellbarer Resonanz. Auf diesem beruht, neben der äußerst charakteristischen Verzerrung, in der Hauptsache der Klangcharakter dieses Synthesizers. Es handelt sich um eine Variation der Moog-Kaskade mit einer Flankensteilheit von nominell 18 dB und rechnerisch 24 dB je Oktave.[1] Da aus Kostengründen darauf verzichtet wurde, einzeln selektierte Bauteile niedriger Toleranz zu verwenden, klingen die einzelnen TB-303-Modelle untereinander nicht genau gleich.

Der integrierte Stepsequenzer kann für jeden Schritt einzeln darauf programmiert werden, den Ton zu halten und die Tonhöhe nicht augenblicklich, sondern als Portamento hörbar langsamer an die programmierte anzunähern (Slide). Aufgrund der billigen Verarbeitung der Tasten neigen diese zum Prellen, so dass es bei altgedienten Geräten oft schwer vorhersagbar ist, wie viele Töne man mit einem Tastendruck eingibt.

Mit einem passenden Kabel (DIN-Sync) kann das Gerät mit den Drumcomputern von Rolands TR-Reihe synchronisiert werden. Einen MIDI-Anschluss besitzt das Gerät nicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliche Entwicklung als Bass-Begleitgerät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gerät erschien 1981 gleichzeitig mit der Roland TR-606, einem ebenfalls mittels Stepsequenzer programmierbaren Drumcomputer im verwandten Design, der seinerseits ein Nachfolger der legendären Roland TR-808 ist. In Deutschland kam das Gerät 1982 auf den Markt. Der Listenpreis betrug 395 US-Dollar, in Deutschland 730 DM.[2] Entwickelt wurde es von Tadao Kikumoto, der später auch die Roland TR-909 entwarf.

Das „TB“ im Namen steht für „Transistor Bassline“ und verrät den ursprünglichen Verwendungszweck des Geräts, das als Ersatz für ein den Musiker begleitenden E-Bassisten gedacht war. Der Synthesizer war ursprünglich für Sologitarristen konzipiert, um diesen mit der Kombination von TB-303 und TR-606 eine kostengünstige Schlagzeug- und Bass-Begleitung zu ermöglichen. Aufgrund seines unnatürlichen Klanges war das Gerät bei der eigentlichen Zielgruppe jedoch nicht erfolgreich, und die Produktion wurde bereits 1984 wieder eingestellt.

Neuentdeckung im Zuge des Acid House[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 entdeckte der in Chicago lebende Musiker DJ Pierre der Gruppe Phuture, Nathan Jones, dass sich mit der 303 durch „extreme“ Einstellungen entgegen dem ursprünglichen Verwendungszweck ein neuartiges, futuristisch anmutendes Zwitschern, Kreischen und Blubbern erzeugen ließ. 1987 brachte er mit Acid Tracks ein 12-minütiges, minimalistisches Stück heraus, das zu weiten Teilen auf diesem an Säure (engl. „acid“) erinnernden Klang der 303 basierte.[3] Der „Acid-Sound“ beruhte unter anderem auf der Selbstoszillation des Filters, also einer hoch eingestellten Resonanz.

Acid Tracks, das bereits vor der offiziellen Veröffentlichung auf dem House-Label Trax Records einige Male im Chicagoer Warehouse gespielt wurde, avancierte sofort zum Hit in der noch jungen House-Szene und sorgte für eine ganze Welle an ähnlichen Tracks, die meist in Kombination mit Drumcomputern wie der TR-808, der TR-606, der TR-909 oder der TR-707 produziert wurden. So begründete Acid Tracks einen neuen, eigenständigen und einflussreichen Musikstil, den Acid House, aus dem sich später auch der schnellere und härtere Acid Techno entwickelte.

Auch heute noch wird der Klang der TB-303 gerne für Produktionen von Techno, House, Goatrance und anderen Stilen der elektronischen Tanzmusik eingesetzt.

Kultstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als das für den „Acid-Sound“ verantwortliche Gerät wurde die TB-303 im Laufe der Jahre immer begehrter. Durch die begrenzte Verfügbarkeit des nur kurze Zeit produzierten Gerätes und die wachsende Nachfrage stieg der Preis auf dem Gebrauchtmarkt enorm. Auch die Versorgung mit Ersatzteilen wurde im Lauf der Zeit immer knapper; laut Roland Deutschland sind weltweit bis auf ein paar mechanische Kleinteile keinerlei Ersatzteile mehr verfügbar. Einwandfreie Gebrauchtgeräte erreichen heute das bis zu Zehnfache ihres ursprünglichen Verkaufspreises; unbenutzte Geräte in ihrer Originalverpackung sind extrem seltene Sammlerware.

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der TB-3 Touch Bassline brachte Roland im Jahr 2014 einen offiziellen Nachfolger der 303 auf den Markt.[4] Das Gerät modelliert mit Hilfe einer „Analog Circuit Behaviour“ genannten Technologie das Schaltungs- und damit das Klangverhalten der TB-303 auf digitalem Wege und bietet einige über das Originalgerät hinausgehenden Effekte und Einstellmöglichkeiten, wird jedoch anders als das ursprüngliche Gerät über einen Touchscreen bedient.[5]

2016 erschien im Rahmen der Boutique-Serie die Roland TB-03, die im Gegensatz zur TB-3 auch optisch einer nahezu exakten Nachbildung des Originalgeräts entspricht.[6]

Nachbauten und Software-Emulatoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der ML-303 von Acidcode und der x0xb0x von Adafruit wurde versucht, technisch identische Klone der TB-303 herzustellen, wobei die ML-303 in der Version 5 und 6 im Idealfall komplett aus Originalbauteilen aus Restbeständen besteht. Sogar die Position der einzelnen Bauteile auf der Platine entspricht dem Original. Damit kommt man dem Sound der echten TB-303 sehr nahe. Die x0xb0x hat allerdings den Vorteil, dass die Klangerzeugung komplett analog ist. Selbst die Bauteile in einer x0xb0x sind die gleichen wie seinerzeit in der TB-303: 2SC2291- und 2SC1583-Transistoren, 2SC536F- und 2SA733P- bzw. 2SA733AP-Transistoren. Diese Bauteile werden von Bastlern aus Restbeständen in aller Welt aufgekauft, um möglichst viele der begehrten x0xb0xen bauen zu können. Die x0xb0x ist Freie Hardware und wird unter der MIT-Lizenz veröffentlicht.

Daneben existieren bis heute zahlreiche Nachbauten, welche die hohe Nachfrage nach der 303 zu erschwinglichen Preisen zu befriedigen versuchen. Beispiele dafür sind die Bassline von Acidlab, der Analogic TT-303 Bass Bot Synthesizer von Cyclone oder die für das Jahr 2019 angekündigte TD-303 von Behringer.

Aufgrund einiger spezieller Eigenarten der in den ursprünglichen Geräten verwendeten elektronischen Bauteile (insbesondere ihrer zum Teil erheblichen Fertigungstoleranzen) ist der Sound einer „echten“ TB-303 mit neuer Technik jedoch nur schwer nachzuahmen. Da aktuelle Vergleichstypen dieser Bauteile „nur“ mit erheblich besseren Eigenschaften erhältlich sind, wird es zunehmend unmöglich, eine TB-303 klanggetreu nachzubauen. Zudem beeinflussen sich verschiedene Bauteile der ursprünglichen TB-303 gegenseitig, was sich ebenfalls nicht ohne Weiteres reproduzieren lässt. Der MB-33 von MAM beispielsweise arbeitet zwar mit einem originalgetreuen Nachbau der Klangerzeugungseinheit, doch die fehlenden Originalbauteile erzeugen einen eher sterilen, „zu“ sauberen Klang.

Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Software-Emulatoren entwickelt, um die Klangerzeugung der 303 am Computer zu imitieren (z. B. Propellerheads ReBirth RB-338 oder Audiorealisms Bassline). Insbesondere das Phänomen der Verzerrung gilt jedoch als sehr schwierig digital zu emulieren, weswegen viele Kenner des originalen 303-Sounds glauben, einen Klon oder Emulator allein daran schon erkennen zu können. Das Hauptproblem bei der Emulation ist die digitale Simulation einer analogen Verzerrung. Abhilfe schaffen hier echte analoge Verzerrer, die hinter den analogen Ausgang des digitalen Klangerzeugers eingemischt werden. Man erzielt sogar mit einer bewusst übersteuerten Eingangsverstärkung des Emulatorsignals auf einem analogen Mischpultkanal meist ein viel besseres Ergebnis als mit den Bordmitteln der meisten Emulatoren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roland TB-303 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.timstinchcombe.co.uk/index.php?pge=diode
  2. https://www.soundandrecording.de/equipment/aciiiiiieeed-bass-synthesizer-roland-tb-303/
  3. Acid Tracks bei Discogs auf Englisch
  4. https://www.rolandmusik.de/products/tb-3/
  5. http://www.djtechtools.com/2014/02/14/welcome-to-rolands-new-aira-tr-8-tb-3-vt-3-system-1-revealed/
  6. https://www.roland.com/de/products/tb-03/