Thaletec

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Thaletec GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 2007 (1835)
Sitz Thale, Deutschland

Leitung

  • K. H. Bergmann
  • Dr. J. Reinemuth
Mitarbeiter 199
Umsatz 25 Mio. Euro
Branche Maschinenbau, Apparatebau
Website www.thaletec.com
Logo bis Mai 2011
Werksansicht der Thaletec GmbH
Luftbild von Thaletec
Blick in einen emaillierten Rührbehälter mit Ankerrührer
Blick in einen emaillierten Rührbehälter mit Turborührer
Emaillierter Apparat des ehemaligen Eisenhüttenwerks THALE, EHW Thale auf einer Messe in Leipzig, 1973

Die Thaletec GmbH (Eigenschreibung: THALETEC GmbH) in Thale am Harz ist ein Nachfolgeunternehmen des ehemaligen VEB Eisenhüttenwerks Thale, in welchem bis zur Wende in der DDR mehr als 7500 Beschäftigte gearbeitet haben.

Historie[Bearbeiten]

1835 wurde auf Initiative von J. C. W. Bennighaus in Thale ein Emaillierwerk gegründet. Es entstand ein Betriebsteil, dessen Erzeugnisse in der Zukunft den weltweit anerkannt guten Ruf der im Eisenhüttenwerk Thale hergestellten emaillierten Erzeugnisse unter dem Markenname Löwen-Email begründen sollte und aus dem sich das älteste und größte Emaillierwerk Europas entwickelte. Aus geschmiedetem Blech wurde der Mantel des Topfes vorgefertigt und anschließend zur Topfzarge genietet. Die Beschläge, wie Henkel und Griffe, wurden ebenfalls an Topfzarge und Deckel genietet. Die Verbindung Zarge – Boden wurde gefalzt und der Topf nur innen emailliert. Außen erhielt der Topf einen schwarzen Schutzanstrich.

1900 entstand in der Eisenhüttenwerke Thale AG durch die frühzei­tige Anwendung des autogenen Schweißens aus dem Fassbau ein Großschweißwerk, in dem überwiegend Bleche aus dem eigenen Walzwerk verarbeitet wurden. Zu diesem Zeitpunkt gehörten zur Ei­senhüttenwerke Thale AG schon ein Siemens-Martin-Stahlwerk, meh­rere Walzwerke, das Stanz- und Emaillierwerk und eine Gießerei.

1907 wurde dem Großschweißwerk ein Emaillierwerk angegliedert. Dort wurden bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts vorwiegend innen emaillierte Großbehälter für die Getränkeindustrie produziert wie z.B. Ring- und Schraubtanks, Gärbottiche, Flaschenabfüllgeräte und Lagertanks zum Einsatz in Brauereien.

Bis weit in die 1920er Jahre konzentrierte man sich auf die Produktion von emaillierten Großbehältern, vorwiegend für die Getränkeindustrie. Es wurden Ring- oder Schraubtanks, Gärbottiche, Flaschenabfüllgeräte und Lagertanks zum Einsatz in Brauereien gefertigt. Der Großbehälterbau des EHW Thale hatte sich mit seinen Erzeugnissen unter dem Warenzeichen Löwen-Email eine führende Position auf dem Weltmarkt erobert.

1932 entwickelte Dr. Otto Krüger in Thale das säurebeständige Email „Trisorit“ und führte es in die Produktion ein. Höhere Qualitäts­ansprüche erforderten eine Weiterentwicklung der Konstruktionsan­lagen und eine Verbesserung der Schweißtechnik.

1940 begannen der Einsatz des Elektroschweißens und das Röntgen von Schweißnähten im Behälterbau. Während des Zweiten Weltkriegs dominierten Rüstungsaufträge. Große Teile des technischen Potentials wurden auf die Herstellung von Fliegertanks bis 50 m³, Torpedorohre, Seeminen und Bojen umgestellt.

1946 wurden im Behälter- und Apparatebau Kübel, Fässer und die ersten emaillierten Polymerisationskessel 12 m³ produziert. Ab den 1950er Jahren war der Behälter- und Apparatebau mit seinen Erzeugnissen wieder auf Messen im In- und Ausland vertreten.

Das Eisenhüttenwerk Thale und die Stadt Thale blieben im Zweiten Weltkrieg völlig unzerstört und hatten daher für den Wiederaufbau in der sowjetischen Besatzungszone eine große Bedeutung. Das Werk war von 1946 bis 1953 unter sowjetischer Verwaltung (SAG=Sowjeti­sche Aktiengesellschaft). 1946 wurden im Behälter- und Apparatebau Kübel, Fässer und die ersten emaillierten Polymerisationskessel (12 m³) hergestellt.

Ab 1960 begann die Fertigung nach Typisierung und Standardisierung, Planung und Entwicklung einer Taktstraße nach modernsten wissenschaftlich – technischen Erkenntnissen, eines modernen Sandstrahlgebläses, neuer Spezialschneideautomaten und einer Universal-UP–Schweißanlage. Die neuen Technologien erbrachten ein umfangreiches Lieferprogramm mit Absatz im Inland, in die BRD, nach West- und Südeuropa und in den asiatischen Raum. Auf Leipziger Messen konnten das Gütezeichen Q und Messegold erreicht werden. 1968 wurde unter Leitung von Günter Kozlowski das blaue hochsäure- und laugenbeständige Chemiedeckemail ACIBAS entwickelt.

Von 1954 bis 1990 war das Eisenhüttenwerk Thale ein volkseigener Betrieb. Im Rahmen des Programms der Chemisierung der Volkswirt­schaft wurden ab 1960 eine moderne Taktstraße gebaut und ein mo­dernes Sandstrahlgebläse, neue Spezialschneideautomaten sowie eine UP-Schweißanlage eingeführt. 1968 wurde unter der Leitung von Dr. Günter Kozlowski das blaue hochsäure- und laugenbeständige Chemiedeckemail „ACIBAS“ entwickelt.

In den 70er Jahren erfolgten der Hallenneubau der Kleinteilfertigung, die Inbetriebnahme elektrischer Kammer- und Schachtöfen, eine neue Fließstrecke der Zargenfertigung und die Inbetriebnahme der zentralen Bodenfertigung. Bis 1990 fanden die stahlemaillierten Rührmaschinen und Tanks für die Chemie-, Lebens- und Genussmit­telindustrie einen hohen Absatz im Inland, in der BRD, den RGW-Staaten, in West- und Südeuropa sowie im asiatischen Raum. 1971 wurde im alten Tankemaillierwerk die Produktion emaillierter gusseiserner Ausrüstungen für die chemische Industrie vom VEB Emailleguss Radebeul übernommen und bis 1990 fortgeführt. Emaillierung von Rührwerksapparaten bis 4 m³ im Heißpuderverfahren. Die Art der Emaillierung war im Deutschland der Nachkriegszeit einmalig. 1972 wurden neue Hallen für die Kleinteilfertigung fertiggestellt. In der neuen Halle des Tank-Emaillierwerkes gingen die elektrischen Kammer- und Schachtöfen in Betrieb. 1975 brachte eine neue Fließstrecke wesentliche Arbeitserleichterungen und Verbesserungen des Produktionsflusses in der Zargenfertigung.

Die zentrale Bodenfertigung wurde 1977 in Betrieb genommen. Die vorbereiteten Böden konnten auf Schweißmanipulatoren bearbeitet werden. Die 1980er Jahre waren geprägt vom Einsatz der Mikroelektronik, Robotertechnik, Forschung und Entwicklung effektiverer Rühr- und Abdichtsysteme an Rührmaschinen und Einführung von neuen Betriebsnormen.

Nach der Wende stand der VEB Eisen- und Hüttenwerke Thale vor dem Aus. Der jahrzehntelange Investitionsstau und die niedrige Produktivität führten dazu, dass die Treuhandanstalt keinen Investor für das Werk fand. Um das Unternehmen zu retten, kauften Ernst Albrecht, der damals Vorsitzender des Aufsichtsrates der EHW Thale AG war, und der Bremer Kaufmann Hans Henry Lamotte das Unternehmen. Für einen symbolischen Kaufpreis von einer DM wurde das Unternehmen zum 1. Januar 1993 privatisiert. Beide Käufer verpflichteten sich, keine eigenen Erträge aus dem Unternehmen zu ziehen und auch von einem künftigen Verkaufspreis nicht zu profitieren.

Im Verlauf der 1990er Jahre vollzog sich ein starker Wandel im Behälter- und Apparatebau. Die Fertigung wurde auf DIN umgestellt.

Am 28. Mai 1990 wurde aus dem VEB Eisenhüttenwerke Thale die Ei­senhüttenwerk Thale AG mit dem Unternehmensbereich Behälter-, Apparate- und Anlagenbau. Die Produktion ging stark zurück, weil die Mehrheit der Kunden aus dem RGW Bereich nicht in freier Währung bezahlen konnte. Das Werk stand unter Treuhandverwaltung und wurde 1992 privatisiert. 1997 verkaufte Herr Dr. Albrecht die verblie­benen Unternehmensbereiche der EHW Thale AG (EHW Thale Email GmbH und EHW Thale Sintermetall GmbH) an die Schunk GmbH

Im April 1997 erwarben die Schunk GmbH, Heuchelheim, und die Schunk GmbH, Oberhausen die Aktien der Eisen- und Hüttenwerke Thale AG und erhöhten im Anschluss an den Erwerb das Grundkapital der EHW Thale AG von 2,5 auf 14,5 Millionen DM.

Nach dem Verkauf an die Schunk GmbH 1997 wurde eine 4-Strang Emaillieranlage zur Außenbeschichtung von Rohren für Wärmetau­scher zum Einsatz in Kraftwerken und in der chemischen Industrie aufgebaut. Weitere Investitionen wie der Bau eines neuen Emailla­bors konzentrierten sich auf Produkte für die Chemie und die Phar­mazie. Von 2006 bis 2007 wurden die nicht mehr benötigten Ge­bäude des alten Stanz- und Emaillierwerkes, das alte Schalthaus und die Halle 7 abgerissen und diese Flächen abgegeben. Als der Unter­nehmensbereich 2007 keine roten Zahlen mehr verzeichnete, ver­kaufte die Schunk GmbH ihn an drei Privatinvestoren, die das Unter­nehmen THALETEC gründeten.

Eine umfangreiche Dokumentation der Historie des Eisenhüttenwerks Thale kann im Hüttenmuseum Thale besichtigt werden.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Ansicht eines emaillierten Rührbehälters der Bauform BE nach DIN 28136
Schnitt durch einen emaillierten Rührwerksbehälter mit Doppelmantel, dreistufigem Rührwerk und Stromstörer

Die THALETEC GmbH führt damit seit Oktober 2007 die Tradition des Emaillierens von Apparaten und Komponenten für die chemische und pharmazeuti­sche Industrie am Standort Thale fort. Hergestellt werden unter an­derem emaillierte Rührwerksapparate und Lagerbehälter, Rührer und Rührsysteme, Kolonnen und Druckfilter sowie Wärmetauscher und Wärmetauscherrohre. Zwei große Low-Mass- Brennöfen ermöglichen das Emaillieren von Apparaten bis zu 110.000 l Volumen.

Heute ist die Thaletec ein rechtlich selbständiges Unternehmen, welches die Tradition des Emaillierens von Apparaten und Komponenten für die chemische und pharmazeutische Industrie am Standort in Thale fortführt. Die heute angewendeten Verfahren und Technologien beruhen im Wesentlichen auf einer (modernisierten) Weiterführung der in den 1970er bis 1990er Jahren entwickelten, eingeführten und seither erfolgreich angewandten Technologien zur Herstellung emaillierter Apparate.

Schwerpunkt des Unternehmens ist heute das Herstellen von Behäl­tern und verfahrenstechnischen Apparaten speziell nach Kunden­wunsch gemäß aller aktuell gültigen Normen und Richtlinien sowie ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen und Service rund um emaillierte Apparate. Das Unternehmen liefert seine Produkte heute weltweit an eine Vielzahl von Kunden aus der chemischen und phar­mazeutischen Industrie. Seit Gründung der THALETEC GmbH wurden eine Reihe von Innovationen auf dem Markt eingeführt, so zum Beispiel das besonders verschleißfeste Email ABRISIST, eine besonders schnell ansprechende Temperaturmesssonde und spezielle Rührsysteme für hochkomplexe chemische Verfahren und Begasungsaufgaben. Darüber hinaus spielen additive Fertigungsverfahren (3D‑Druck) für emaillierte Bauteile eine zunehmende Rolle im Produktangebot der THALETEC GmbH.

Die Unternehmensphilosophie stellt klar das Schlagwort Made in Germany in den Vordergrund – der größte Teil der Wertschöpfung bei der Entwicklung und Herstellung emaillierter Apparate erfolgt am Standort des Unternehmens in Thale. Auch Zulieferungen kommen zum größten Teil aus Deutschland und zu einem geringeren Teil aus dem europäischen Ausland.

Umfangreiche Investitionsmaßnahmen in die Produktionstechnik sowie in Forschung und Entwicklung, auch in enger Zusammenarbeit mit Hochschulen (z. B. der Hochschule Anhalt), beispielsweise zum Thema Hydroabrasion und über die Optimierung von Stromstörern in emaillierten Rührbehältern, sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen.

Messebeteiligungen[Bearbeiten]

Die Leitmesse der Thaletec ist die im 3-Jahres-Abstand in Frankfurt stattfindende Achema, auf der das Unternehmen bereits 2009 ausgestellt hat. Auch auf der Achema 2012 und 2015 war das Unternehmen wieder mit einem Messestand vertreten.

Museum[Bearbeiten]

Eine gute Übersicht über die Entwicklung des Standortes Thale ist im Hüttenmuseum Thale zu sehen.

Produkte[Bearbeiten]

Hauptprodukte des Unternehmens sind heute

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thaletec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.74788411.032666Koordinaten: 51° 44′ 52″ N, 11° 1′ 58″ O