Tarnówka (Powiat Złotowski)

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Tarnówka
POL gmina Tarnówka COA.gif
Tarnówka (Polen)
Tarnówka
Tarnówka
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Złotów
Gmina: Tarnówka
Geographische Lage: 53° 20′ N, 16° 51′ OKoordinaten: 53° 20′ 24″ N, 16° 51′ 1″ O
Einwohner: 1300
Postleitzahl: 77-416
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Złotów–Ptusza (DK 11)
Schienenweg: WałczZłotów,
Bahnhof Ptusza
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 14 Ortschaften
11 Ortsteile Schulzenämter
Fläche: 132,23 km²
Einwohner: 3111
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 24 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3031062
Verwaltung
Adresse: ul. Zwycięstwa 2
77-416 Tarnówka
Webpräsenz: www.tarnowka.pl



Tarnówka (deutsch Tarnowke) ist ein Dorf mit Sitz einer Landgemeinde im Kreis Złotów (Flatow) in der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarnówka liegt in Hinterpommern im Tal der Gwda (Küddow), etwa 13 Kilometer westlich von Złotów, 33 Kilometer südlich von Szczecinek (Neustettin) und 150 Kilometer östlich von Stettin (Szczecin).

Dorf Tarnówka (Tarnowke)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarnowke westlich der Stadt Flatow auf einer Landkarte von 1806

Die Gründungsurkunde des Grundherrn von Koscielecki für das Dorf Tarnowke (die 1945 eingeführte polnische Bezeichnung ‚Tarnówka‘ kommt in Polen siebenmal vor!) wurde im Jahre 1579 ausgestellt, nachdem der Ort nach der großen Pest (1563–1569) neu gegründet worden war; die ersten Kolonisten waren sämtlich evangelische Pommern.[2][3]

Von 1609 bis 1631 war Tarnowke Stadt. Da die Bürgermeister des Schreibens unkundig waren, verfassten und unterzeichneten Pfarrer Samuel Koikow (1609–1617) und Schulmeister Walter (1617–1631) die Protokolle.

In polnischen Urkunden wird Tarnowke immer als deutsches Dorf bezeichnet, auch in dem Befehl von 1732, die evangelische Kirche im Ort (wie auch in den Nachbarorten Ossowke (1940–45 Espenhagen, heute polnisch: Osówka) und Petzewo (1940–45 Deutsch Fier, polnisch: Piecewo)) zu zerstören, um den Katholiken zuvorzukommen.

Die zum Ort gehörende Tarnowker Mühle (Tarnowski Młyn) wurde 1890 zu einer Pappenfabrik ausgebaut. 1940 ging sie an die Papier und Pappe AG in Berlin über.

Vor 1945 gehörte Tarnowke zum Landkreis Flatow im Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen der preußischen Provinz Pommern.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Kurz danach wurde Tarnowke unter polnische Verwaltung gestellt. Zuwandernde Polen begannen nun, sich der Behausungen, Anwesen und Einrichtungen der eingesessenen Dorfbewohner zu bemächtigen und die Einwohner zu verdrängen. Soweit sie nicht geflohen waren, wurden die Einwohner in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die deutsche Ortschaft Tarnowke wurde in Tarnówka umbenannt.

Das Dorf wurde Ortsteil mit Sitz der Gemeindeverwaltung der Gmina Tarnówka im Powiat Złotowski in der Woiwodschaft Großpolen (bis 1998 Woiwodschaft Piła (Schneidemühl)).

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ein-
wohner
Anmerkungen
1766 563 [4]
1852 966 [4]
1864 1.123 darunter zwei Katholiken[5]
1925 1.549 darunter 65 Katholiken, keine Juden[6]
1933 1.608 [7]
1939 1.548 [7]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Kirche von 1582 machte nach einem Brand 1702 einem Neubau Platz. 1732 wurde sie abgerissen.

Ein Neubau entstand 1773 als Fachwerkbau mit Schindeldach und verbrettertem Turm. Eine Inschrift deutet ihr Schicksal an: Durch blinden Eifer sank ich nieder 1732, mit Gottes Hilfe steh ich wieder 1773.

Die Kirche trägt heute den Namen Kościół pw. Nawiedzenia NMP.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit 1579 bestehende evangelische Kirchspiel Tarnowke, in das die Filialkirchen Ossowke (1940–45 Espenhagen, heute polnisch: Osówka), Petzewo (1940-45 Deutsch Fier, jetzt Piecewo) und Sakollnow (Sokolna) eingepfarrt waren, gehörte vor 1945 zum Kirchenkreis Flatow in der Kirchenprovinz Westpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 wurde die Pfarre Tarnówka katholisch und in das Dekanat Jastrowie (Jastrow) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen eingegliedert. Die evangelischen Kirchenglieder werden vom Pfarramt in Piła (Schneidemühl) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen betreut.

Pfarrer 1579–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Samuel Koikow, 1579–1638
  2. Johann Bußmann, 1638–1659
  3. Johann Fabricius (Schmidt), 1660–1703
  4. Daniel Runge, 1703–1726
  5. Johann Christian Weiße, 1726–1732
    (Vakanz 1732–1773)
  6. Johann Michael Runge, 1773–1792
  7. Carl Friedrich W. Peterson, 1792–1836
  8. August G. W. Peterson, 1836–1867
  9. Ludwig Bernhard Gottfried Plähn, 1868–1887
  10. Ernst Georg Gustav Liedtke, 1888–1908
  11. Theodor Wilhelm Johann Hoeppener, 1908–1925
  12. Johannes Schulz, 1926–?
  13. Friedrich Buchholz, 1931–1933
  14. Horst Dinglinger, 1936–1945

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarnowke besaß die älteste Schule des Kreises Flatow.

Gmina Tarnówka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die seit 1983 bestehende Landgemeinde Tarnówka liegt bis auf die Ortschaften Płytica (Plietnitz) und Ptusza (Betkenhammer) am rechten Gwda-(Küddow-)Ufer. Ihre Fläche beträgt 132,323 km², und sie zählt mehr als 3.000 Einwohner, von denen knapp die Hälfte im Dorf Tarnówka leben.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Tarnówka ist in 14 Ortschaften mit 11 Ortsteilen ("Schulzenämter") unterteilt:

  • Ortsteile:
  • Bartoszkowo (Marienhöhe)
  • Osówka (Ossowke, 1940–45 Espenhagen)
  • Piecewo (Petzewo,
    1940–45 Deutsch Fier)
  • Plecemin (Plötzmin)
  • Płytnica (Plietnitz)
  • Ptusza (Betkenhammer)
  • Sokolna (Sakollnow)
  • Tarnowiec
  • Tarnówka I (Tarnowke)
  • Tarnówka II
  • Węgierce (Wengerz)

Übrige Ortschaften: Annapole (Annafeld), Pomiarki, Tarnowiec-Elektrownia und Tarnowski Młyn (Tarnowsker Mühle).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarnówka liegt ein wenig abseits der Verkehrsstraßen, hat jedoch direkte Anbindung an die Kreisstadt Złotów über eine Nebenstraße, die an der Landesstraße 11 (Kołobrzeg (Kolberg) – Poznań (Posen) – Bytom (Beuthen/Oberschlesien)) im Ortsteil Ptusza (Betkenhammer) beginnt. Die übrigen Ortschaften der Gmina Tarnówka sind über kleinere Straßen bzw. Landwege miteinander verbunden.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Tarnówka selbst hat seit 1945 keinen Bahnhof mehr. Der Ortsteil Ptusza hat einen Haltepunkt, ehemals Bahnhof, an der Bahnstrecke Piła–Ustka.

Vor 1945 zogen sich durch das heutige Gemeindegebiet zwei Eisenbahnlinien, die jedoch beide infolge des Zweiten Weltkrieges stillgelegt wurden:

  • die 1914 erbaute Bahnstrecke Deutsch Krone (Wałcz) – Flatow (Złotów) mit den Bahnstationen Plietnitz (Płytnica), Tarnowke (Tarnówka), Wengerz (Węgierce) und Annafeld (Annopole), und
  • die ebenfalls 1914 erstellte Bahnstrecke Jastrow (Jastrowie) – Wengerz (Węgierce), die – noch die Bahnstation Petzewo (1940–45 Deutsch Fier, polnisch: Piecewo) passierend – im heutigen Gemeindegebiet endete. Über Jastrow war sie ehemals bis nach Tempelburg (Czaplinek) verlängert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • N. G. Benwitz: Nachrichten über die Entstehung des Dorfes Tarnowke, und insbesondere über die Kirchenangelegenheiten desselben. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 3, Königsberg 1930, S. 321–340.
  • Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Topographie des Flatower Kreises. In: Preußische Provinzialblätter. Andere Folge, Band 7, Königsberg 1855, S. 54–55.
  • Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorm 1867, S. 286–288.
  • Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Bechtermünz, Augsburg, 1996, ISBN 3-86047-181-3.
  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Teil 1: Die Kirchspiele und ihre Stellenbesetzungen. Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreussen e. V., Hamburg 1968 (Sonderschriften des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V. 11, ISSN 0505-2734).
  • Heimatbuch für den Kreis Flatow – Grenzmark Posen-Westpreußen – Provinz Pommern. Herausgegeben vom Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow mit Unterstützung des Patenschaftskreises Gifhorn. Druck: Karl Neef oHG (Wittingen), Gifhorn 1971.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Topographie des Flatower Kreises. In: Preußische Provinzialblätter. Andere Folge, Band 7, Königsberg 1855, S. 54–55.
  3. Benwitz (1830), S. 321–340.
  4. a b Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorm 1867, S. 300.
  5. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868. Ortschaft-Verzeichnis des Regierungsbezirks Marienwerder, S. 12–13, Nr. 195.
  6. http://gemeinde.tarnowke.kreis-flatow.de/
  7. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/flatow.html#ew39flatotarnow