Tasdorf (Rüdersdorf bei Berlin)

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Tasdorf
Koordinaten: 52° 29′ 31″ N, 13° 47′ 0″ O
Höhe: 50 m ü. NN
Eingemeindung: 31. März 1931
Postleitzahl: 15562
Vorwahl: 033638

Tasdorf ist ein Wohnplatz der Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin in Brandenburg.

Tasdorf ist heute der nördliche Teil des Kernorts der Gemeinde. Er wurde am 31. März 1931 in die Großgemeinde Kalkberge, später Rüdersdorf genannt, eingemeindet.[1] Bis 1931 gehörten zu Tasdorf die Ortsteile Schulzenhöhe und Grüne Linde.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Tasdorf verläuft die B 1/5, die Tasdorf mit dem Ortsteil Herzfelde verbindet. Richtung Westen kommt man zur Ausfahrt Berlin-Hellersdorf, an der sich A 10 und B 1/5 kreuzen. Außerdem gibt es Straßen nach Vogelsdorf (Altlandsberger Straße), Strausberg über Eggersdorf und zum Ortsteil Kalkberge (über Schulzenhöhe).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das eigentliche Tasdorf liegt an der B 1/5 im Norden Rüdersdorfs. Tasdorf besitzt ein kleines Gewerbegebiet (Tasdorf-Süd), ein Postfrachtzentrum sowie eine große Bahnanlage der Mitteldeutschen Eisenbahn GmbH, die hauptsächlich von Zementzügen befahren wird.

Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ausgrabungen von 1994 bis 1995 konnten in Tasdorf 368 Skelette geborgen werden. Die Grabung erbrachte Ausschnitte des Friedhofes mit den Fundamenten zwei sich schneidender Kirchenbauten. Bei der ersten sicher nachzuweisenden Kirche handelt es sich um eine mittelalterliche Steinkirche aus dem frühen 14. Jahrhundert, die exakt nach West-Ost ausgerichtet war. Diese wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts durch eine renaissancezeitliche Steinkirche überbaut, die in ihrer Ausrichtung deutlich nach Nordwest-Südost abweicht. Auf dem umliegenden Friedhof fanden sich die Bestattungen jeweils parallel zu den Kirchenfundamenten angeordnet. Der Ausrichtungswechsel der Gräber im Laufe der Belegungszeit, ermöglichte eine relativ sichere zeitliche Einordnung der Bestatteten in zwei Epochen. So ließen sich 169 Individuen dem späten Mittelalter (13. bis Mitte 16. Jahrhundert) und 199 der frühen Neuzeit (16. bis Beginn 19. Jahrhundert) zuweisen. Die Skelettserie aus Tasdorf wurde für mehrere Jahre Gegenstand umfangreicher Forschungen am Institut für Biologie, AG Humanbiologie der Freien Universität Berlin. Die Untersuchungen zeigten eine Verschlechterung der Lebensbedingungen vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit. Die Säuglingssterblichkeit stieg deutlich an, was auf mangelnde Hygiene, Nahrungsmangel und eine daraus folgende erhöhte Infektanfälligkeit hinweist. Die Zahngesundheit verschlechtert sich ebenfalls: alle untersuchten Parameter, wie Kariesbelastung, Verschleißgrade und Zahnabbau waren in der frühen Neuzeit schwerer ausgeprägt als in den Jahrhunderten zuvor. Die degenerativen Erkrankungen von Schulter, Ellenbogen-, Hüft- und Kniegelenken verstärkten sich im Verlauf der Epochen, besonders bei den Frauen. Kinder wiesen vermehrt Mangel- und Infektionserkrankungen auf. Sowohl im Mittelalter als auch in der frühen Neuzeit kamen insbesondere chronischer Vitamin C-Mangel häufig vor, aber auch Vitamin D-Mangel war öfter nachzuweisen. Auch ließen sich Einzelschicksale erschließen. So litt ein etwa 10-jähriges Kind aus der Frühneuzeit an einer angeborenen Syphilis. Ein 1–3 Jahre altes Kind derselben Epoche starb vermutlich an einem Tumor des Knochenmarks.[2][3][4][5][6][7][8][9][10]

Ehemalige Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulzenhöhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulzenhöhe schließt sich südlich an Tasdorf an und liegt westlich von Kalkberge. In Schulzenhöhe gibt es eine katholische Kirche, ein ev. Gemeindehaus, einen Friedhof, sowie eine alte kleine Grundschule nahe dem Mühlenfließ. Die Ernst-Thälmann-Straße ist die Hauptstraße. Sie verbindet Tasdorf an der B 1/5 mit Schulzenhöhe und der Straße der Jugend nach Kalkberge.

Grüne Linde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grüne Linde ist eine kleine Waldsiedlung im Westen Rüdersdorfs, die zum Teil über die Ortsgrenze nach Schöneiche bei Berlin hinausgeht. Zu erreichen ist dieser Ortsteil über die Straße von Woltersdorf zur B 1/5 und über die Vogelsdorfer Straße, die von Grüne Linde nach Schulzenhöhe zum Museumspark führt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giacomo Meyerbeer (* 5. September 1791 in Tasdorf; † 2. Mai 1864 in Paris), Komponist und Dirigent

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tasdorf (Rüdersdorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage von Rüdersdorf, darin: Tasdorf (31. März 1931)
  2. Projekt Tasdorf. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  3. Bettina Jungklaus, Carsten Niemitz: Hinweise zu unterschiedlichen Lebensbedingungen im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit am Beispiel der Skelettserie Tasdorf, Brandenburg, Deutschland. In: Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien (Hrsg.): Archaeologia Austriaca. Beiträge zur Paläanthropologie, Ur- und Frühgeschichte Österreichs. Band 84/85. Wien 2001, S. 221–232.
  4. Bettina Jungklaus, Carsten Niemitz: Kindersterblichkeit und Krankheitsbelastung im Vergleich zwischen Mittelalter und früher Neuzeit im östlichen Brandenburg am Beispiel der Skeletserie aus Tasdorf. In: Michael Schultz (Hrsg.): Homo - Unsere Herkunft und Zukunft: Proceedings 4. Kongress der Gesellschaft für Anthropologie e.V. (GfA). Potsdam 25. bis 28. September 2000. Cuvillier Verlag, Göttingen 2001, ISBN 978-3-89873-228-4, S. 325–330.
  5. Bettina Jungklaus, Blandine Wittkopp: Die Dorfkirche in Rüdersdorf-Tasdorf. In: Denkmalpflege in Land Brandenburg 1990-2000. Bericht des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseums. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2001, ISBN 978-3-88462-174-5, S. 581–582.
  6. Bettina Jungklaus, Michael Schultz, Carsten Niemitz: Zur Differenzialdiagnose der Mangelerkrankungen in der mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Kinderpopulation aus Tasdorf (Brandenburg). In: Carsten Niemitz (Hrsg.): Brennpunkte und Perspektiven der aktuellen Anthropologie. Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Beiheft 1. 2006, ISBN 978-3-86757-141-8, S. 83–88.
  7. Bettina Jungklaus: Die Krankheitsbelastung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kinderpopulation von Tasdorf (Ldk. Märkisch-Oderland). Ergebnisse der osteologischen – paläopathologischen Untersuchungen. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades des Doktors der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) eingereicht im Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität Berlin. Berlin 2010 (fu-berlin.de [PDF; 10,0 MB]).
  8. Bettina Jungklaus: Neues aus der paläopathologischen Forschung: Krankheiten der Kinder im Mittelalter und der frühen Neuzeit in Brandenburg. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Band 32. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2011, ISBN 978-3-89646-826-0, S. 65–80.
  9. Bettina Jungklaus: Die Kinder von Tasdorf im Lkr. Märkisch-Oderland und ihre Krankheiten in Mittelalter und früher Neuzeit. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg. Konrad Theiss Verlag, 2010, ISSN 0948-311X, S. 135–138.
  10. Bettina Jungklaus: Die Kinder von Tasdorf im Lkr. Märkisch-Oderland und ihre Krankheiten in Mittelalter und früher Neuzeit. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg. Konrad Theiss Verlag, 2010, ISSN 0948-311X, S. 135–138.