Testbenzin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Testbenzin
Andere Namen
  • Testbenzin, allgemein [1]
  • Testbenzin, aromatenhaltig [2]
  • Testbenzin, aromatenfrei [3]
  • Siedegrenzbenzin
  • Waschbenzin
  • Lackbenzin
  • Terpentinersatz, Terpentinölersatz
Kurzbeschreibung farbloses, flüchtiges Lösungsmittel
Herkunft

fossil

Eigenschaften
Aggregatzustand flüssig
Siedebereich
  • Typ 1: 130-185 °C
  • Typ 2: 140-200 °C
  • Typ 3: 150-190 °C
  • Typ 4: 180-220 °C
  • Typ 5: 130-220 °C [2][4]
Flammpunkt

> 21 °C

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​304​‐​315​‐​336​‐​411
P: 201​‐​210​‐​280​‐​301+310​‐​403+233​‐​501Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R- und S-Sätze R: 10​‐​51/53​‐​65​‐​66
S: 23​‐​24​‐​62
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Testbenzine sind raffinierte Benzine aus der Gruppe der Schwerbenzine[5], bei denen der Siedepunkt zwischen 130 und 220 °C liegt und der nach Abel-Pensky (DIN 51755) ermittelte Flammpunkt über 21 °C.[6] Die Testbenzine werden nach den DIN-Normen 51632-1 und 51632-2[7] – abhängig vom Siedebereich – in fünf Gruppen und zusätzlich in Normalware und Entaromatisierte Ware[8] unterteilt. Testbenzin ist eine flüchtige Organische Verbindung (VOC) mit mittlerer Flüchtigkeit. Der Name Testbenzin bezieht sich darauf, dass das Benzin für einen bestimmten Bereich (Flammpunkt, Siedebereich) getestet ist. Testbenzine werden als Verdünnungs- und Lösungsmittel sowie Reinigungsmittel verwendet.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Testbenzin ist eine farblose Flüssigkeit mit benzinartigem Geruch. Testbenzine nach DIN 51632 setzen sich zusammen aus verschiedenen flüssigen Kohlenwasserstoffen, vorwiegend Aliphaten: n-, iso- Alkane (Paraffine), die aber bei Entaromatisierter Ware aus synthetischen Iso-alkanen (paraffinen)[9] produziert werden. Alkene, sowie Cycloaliphaten (Cycloalkane-, alkene), zusätzlich sind Aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten, in der Regel unter 25 % („aromatenarm“);[8] („geruchlos“) Aromaten < 2%. Es wird aus den Fraktionen Schwerbenzin; C7 - C9 (Kohlenstoffatome), (Sdp. 100 – 150 °C), Naphtha; C9 - C11, (Sdp. 150 - 180 °C) und Petroleum; C12 - C14, Sdp. 180 - 250 °C)[10] hergestellt .C[11][12].

Aus seiner Zusammensetzung ergibt sich der spezifische Flammpunkt und Siedebereich des Testbenzins[13][14] und seine Eignung für bestimmte Anwendungen.

Relevante Kennwerte für den Verwendungszweck sind.

Molare Masse [kg mol-1]; Dichte bei 15 °C DIN 51757 [kg/ m³]; Dichte bei 20°C DIN 53217; Reinheit DIN 8592 (Gaschromatographie GC) [%]; Form; Aussehen (visuell); Geruch DIN 13725 (Filterpapierprobe); Geruchsschwelle DIN 13725 [ppm; μg/ l; mg/ m3]; Farbzahl DIN 1557 (Saybolt)-, (Hazen)-, (APHA) [mg/ l PT] ; Farbe (Platin-Cobalt-Skala); Flammpunkt Abel DIN 51755 [°C]; Flammpunkt Pensky Martens DIN 51756 [°C]; Explosionsgrenze UEG, OEG DIN 51649 [% V]; Zündtemperatur DIN 51794 [°C]; Entzündbarkeit; MAK Wert [ppm ; mg/ m3]; DNEL/DMEL und PNEC-Werte [ppm/ mg/ m3][15]; Letale Dosis LD [mg/ kg]; Siedebereich DIN 51751 [°C]; Erstarrungsbereich DIN 51570; DIN ISO 3841 [°C]; Schmelzpunkt/ Gefrierpunkt [°C]; Dampfdruck bei 20 °C [hPa] Dampfdichte (Luft=1); Verdampfungsgeschwind. (Ether=1) DIN 53170; ; Wassergehalt DIN 51777 [%]; pH-Wert; Aromatengehalt GC [%]; Benzol-, Toluol-, Xylolgehalt GC [mg/ kg]; Schwefelgehalt GC DIN 51400 [ppm ; mg/ kg]; n-Hexangehalt GC [%]; VOC- Wert, Lösungsmittelgehalt]] [g/ l; %]; Kinematische Viskosität DIN 51562 bei 20 °C [mm²/ s]: Kinematische Viskosität DIN EN ISO 3104 bei 40 °C [mm²/ s]; Oberflächenspannung DIN 14370 20 °C [mN/ m]; Stockpunkt DIN 51583; DIN 23015 [°C]; Pourpoint DIN 51597; DIN ISO 3016 [°C]; Lösetemperatur vom Clear Point DIN 53408 (5 % S-PVC; K-Wert 71) [°C]; Kauributanolwert ASTM-D-1133; Anilinpunkt DIN 51775 [°C]; Doctortest DIN 51765; Abdampfrückstand DIN 53172 [g/ l]; Auslaufzeit / Viskosität DIN 53211 DIN (4mm Becher); neu ISO 2431 (3,4,5,6 mm Becher) [s]; Löslichkeit [g/ l]; Lösemitteltrennprüfung ADR/ RID [%]; Säurezahl DIN 53402 [mg KOH/ g]; Kupferkorrosion DIN 51759; Volumenausdehnung [% ; 1/K (K-1)]; Wärmeleitfähigkeit [W/ mK]; Heizwert [MJ/ kg]; Verdampfungswärme ΔHv [KJ/ kg]; Verbrennungswärme ΔHc [KJ/ kg][16]; Wärmespeicherkapazität[17] [KJ/ kg]; Elektrische Leitfähigkeit 20 °C μS/ cm; Brechungsindex nD20 DIN 51423; Klopffestigkeit DIN 51756 [ROZ][MOZ]; Verteilungskoeffizient [log pOW]; Permanganatzahl ASTM-D 1363 (min.); Hydroxylzahl DIN 4629 [mg KOH/ g]; Jodfarbzahl DIN 6162; Glasübergangstemperatur (DSC) Tg [°C]; KN-Code; CAS-Nummer; EG-Nummer

Verwendung[Bearbeiten]

Testbenzin dient als Löse- und Verdünnungsmittel in Produkten wie Klebstoffen und Anstrichen, z. B. Holzschutzmitteln, Lacken, Dispersions- oder Ölfarben. Es wird auch als Reinigungs- und Entfettungsmittel verwendet, hier ist aus Umweltschutz-, Gesundheitsgründen möglichst aromatenfreies "geruchloses" Testbenzin zu verwenden, auch bei der Anwendung auf Kunststoffen, denn die Aromaten im Testbenzin lösen Weichmacher und verspröden so Kunststoffe.

Es wird häufig fälschlicherweise als Terpentinersatz, White Spirit bzw. als Terpentinölersatz[11] sowie Lackbenzin, Sangajol, Kristallöl (Shell) bezeichnet, da man früher für gleiche Verwendung das Naturprodukt Terpentinöl verwendete. Terpentinersatz kann auch zusätzliche Aromaten enthalten oder sogar ganz ohne Benzine hergestellt werden (Terpene, Tetralin, Decalin). White Spirit sind andere Mischungen verschiedenen Typs[18]. Weil echtes Terpentinöl aber wesentlich teurer ist, hat das Ersatzprodukt das Original weitgehend aus dem Handel verdrängt.[19]

Auch wird es als Siedegrenzbenzin bezeichnet, dies ist auch nicht richtig, da Siedegrenzbenzine; Flammpunkt <21°C[20] DIN 51631[7], wie der Name aussagt, die Siedegrenze 60 - 140 °C[4] zwischen Leichtbenzin < 100 °C und Schwerbenzin > 100 °C abdeckt[21], Siedegrenzbenzine können also sowohl Leicht- als auch Schwerbenzine sein.

Auch wird es als Reinigungs-, Waschbenzin bezeichnet, dies ist aber normalerweise Leichtbenzin, Siedegrenzbenzin.

Als Testbenzin werden ebenfalls Produkte bezeichnet, deren Siedebereich auch höher sein kann.[22][14]

Die Hersteller solcher Produkte, halten sich an die internationale Normbezeichnung und diese umfasst einen Siedebereich zwischen 90 - 230 °C, CAS-Nr. 64742-81-1 (White Spirit Type 1); 8052-41-3 (US. White Spirit), neu werden bei Typen unter der EC Nr. 919-446-0 zusammengefasst ; 64742-48-9 (White Spirit Type 3 aromatenfrei) ; 64791-92-0 (White Spirit Type 2) ; 64742-88-7 (White Spirit Type 0)[23] auch gibt es Mischungen die CAS-Nr.64742-95-6 Shellsol[4] enthalten, daher sollte man immer das Sicherheitsdatenblatt einsehen, um über die Inhaltsstoffe des Produkts genau informiert zu sein. Denn die internationale Bezeichnung, stimmt mit der DIN Norm, sowie den deutschen Namensbezeichnungen, nicht überein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zu Testbenzin, allgemein in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. 4. 2008 (JavaScript erforderlich)
  2. a b c d e Eintrag zu Testbenzin, aromatenhaltig in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 17. März 2013 (JavaScript erforderlich)
  3. Eintrag zu Testbenzin, aromatenfrei in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. 4. 2008 (JavaScript erforderlich)
  4. a b c Druckereichemikalien: Daten und Fakten zum Umweltschutz 2, Werner Baumann, Thomas Rothardt, Springer-Verlag, 07.03.2013, S. 321, 322
  5. Eintrag zu Schwerbenzin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. August 2015.
  6. Eintrag zu Testbenzine. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. August 2015.
  7. a b RÖMPP Lexikon Chemie, 10. Auflage, 1996-1999: Band 1: A - Cl, Jürgen Falbe, Manfred Regitz, Georg Thieme Verlag, 14. Mai 2014, S. 392.
  8. a b Eintrag zu Benzin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. August 2015.
  9. chemgapedia Struktur und Konstitution der Alkane
  10. Organische Chemie: Eine Einführung für Lehramts und Nebenfachstudenten, Adalbert Wollrab, Springer Verlag, 2014, S. 277.
  11. a b Eintrag zu Testbenzine. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 30. April 2014.
  12. Die Eigenschaften von Testbenzin. Auf: ib-rauch.de im September 2005
  13. Fachlexikon für Putze & Beschichtungen – Testbenzin. Auf: putz-dekor.org
  14. Das Gefahrstoffbuch: Sicherer Umgang mit Gefahrstoffen nach REACH und GHS, Herbert F. Bender, John Wiley & Sons, 02.12.2013
  15. Verbrennungwärme
  16. Wärmespeicherkapazität
  17. en.wikipedia White Spirit
  18. Unterschiede zwischen Terpentinersatz und Terpentin. Auf: terpentin.net
  19. Lehrbuch der Lacktechnologie, Brock / Goeteklas / Mischke, Vincentz Network GmbH & Co KG, 1998, S. 95
  20. Chemie für Ingenieure für Dummies, Uwe Böhme, John Wiley & Sons, 2012, S. 325
  21. Sicherheitsblätter zum Download. Auf: moellerchemie.com
  22. Encyclopedia of Toxicology, Bruce Anderson, Ann de Peyster, Shayne C. Gad, P.J. Bert Hakkinen, Michael Kamrin, Betty Locey, Harihara M. Mehendale, Carey Pope, Lee Shugart, Academic Press, 31.05.2005