Theodor Frings

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Theodor Frings (* 23. Juli 1886 in Dülken; † 6. Juni 1968 in Leipzig) war ein deutscher germanistischer Mediävist und Linguist.

Leben[Bearbeiten]

Grabstätte Theodor Frings auf dem Südfriedhof in Leipzig

Der Sohn eines Buchbinders bei Krefeld studierte Germanistik und Romanistik in Leipzig und Marburg. Während seines Studiums wurde er Mitglied beim Verein Deutscher Studenten in Marburg.[1] Er promovierte 1911 bei Ferdinand Wrede in Marburg mit dem Thema „Studien zur Dialektgeographie des Niederrheins zwischen Düsseldorf und Aachen“. 1915 folgte die Habilitation bei Rudolf Meißner in Bonn, 1917 wurde er a.o. Professor an der Universität Bonn. 1919 wurde Frings dort ordentlicher Professor für deutsche und niederländische Philologie, 1927 Professor für Germanistik an der Universität Leipzig bis zu seinem Ruhestand 1957. Er nahm auch zahlreiche Gastprofessuren im Ausland wahr, so 1922/23 an der Universität Amsterdam. Er lehrte kommissarisch weiter bis zum Tod 1968.

1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat. 1938 bezeichnete er das völkische und nationalsozialistische Institut für geschichtliche Landeskunde, IGL, in Bonn als eines »der erfolgreichsten wissenschaftlichen Institute Deutschlands« und eines »der wachsamsten Grenzinstitute deutscher Geschichtswissenschaft«.[2] Als "zweiter Gründervater" des IGL heuerte er nach der alliierten Befreiung Deutschlands kurzfristig wieder am Institut an.[3]

Frings zog dann in die Sowjetische Besatzungszone. In den Jahren 1946 – 1965 war er Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Auch leitete er das Institut Deutsche Literatur und Sprache der Deutschen Akademie der Wissenschaften im Osten Berlins.

Frings war überzeugt, dass die Sprachgeschichte ein wesentlicher Kern der Menschheitsgeschichte ist.

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Gedenken an Theodor Frings verleiht die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig den Theodor-Frings-Preis. 1949 erhielt er den Nationalpreis der DDR II. Klasse für Wissenschaft und Technik. 1961 erhielt er als Teil des Kollektiv des Deutschen Wörterbuches den Nationalpreises der DDR I. Klasse für Wissenschaft und Technik. 1954 wurde er mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber und 1959 in Gold ausgezeichnet.[4][5]

Trivia[Bearbeiten]

Kurz vor seinem Tod verlieh ihm die Dülkener Narrenakademie die Ehrendoktorwürde.

Werke[Bearbeiten]

  • Grundlegung einer Geschichte der deutschen Sprache. Max Niemeyer, Halle (Saale) 3. erweit. Aufl. 1957
  • Geschichte des Rheinlandes von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart. 2 Bände. Von Hermann Aubin, Th. Frings u.a., G. D. Baedeker, Essen 1922[6]
  1. Politische Geschichte
  2. Kulturgeschichte
  • Rheinische Sprachgeschichte. Essen 1924. 54 S.
  • Aus der Wortgeographie der Rhein- und Niederlande. Heidelberg 1924, in: Beiträge zur germanischen Sprachwissenschaft. Festschrift für Otto Behaghel. S. 194–232 (Germanische Bibliothek. II. Abt. Bd 15) 1959 B 974
  • Sprache und Siedlung im mitteldeutschen Osten. Leipzig 1932. (Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philol.-histor. Klasse. 84,6) Z 2824 b-84,6 Frings Eduard Sievers. [Mit einem] Schriftenverzeichnis von Elisabeth Karg-Gasterstädt. Leipzig 1933. (Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philol.-histor. Klasse. 85,1) Z. 2824 b-85,
  • Sprache und Siedlung im mitteldeutschen Osten. Berlin 1933, in: Forschungen und Fortschritte 9. S. 3, Z. 602-9
  • Die Grundlagen des Meißnischen Deutsch: ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der deutschen Hochsprache. Halle (Saale) 1936. 24 S., Fr 52 083
  • Die Stellung der Niederlande im Aufbau des Germanischen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, 91, Halle 1969–1971, S. 39–105
    • Die Stellung der Niederlande im Aufbau des Germanischen. Halle 1944
  • Über die neuere flämische Literatur. Elwert, Marburg 1918[7]
  • mit Hermann Aubin und Josef Müller: Kulturströmungen und Kulturprovinzen in den Rheinlanden. Röhrscheid, Bonn 1926
  • Die Ortsnamen auf -lar u. die niederländischen Baumnamen des Typus Hazelaar »Haselnußstrauch«, Z. dt. Altertum, 66, S. 46-49
  • mit W. von Wartburg: Französisch und Fränkisch, In: Zeitschrift für romanische Philologie, 57, S. 193-210

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Louis Lange (Hrsg.): Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten. Anschriftenbuch 1931. Berlin 1931, S. 61.
  2. Zitate: IGL-Archiv, Akte IGL 105, Korrespondenz Franz Steinbach 1929-1964; sowie Frings an Deutsche Literaturzeitung, 14. April 1938
  3. So beschäftigte ihn seit den frühen 1950er Jahren die Eneide-Dichtung des aus dem Gebiet des heutigen Belgien stammenden mittelalterlichen Autors Henric van Veldeken. Er gab sie 1964 - von ihm ins Limburgische zurückübersetzt - heraus. Quelle für sein Zwischenspiel in Bonn 1945/1946: Bernd-A. Rusinek, Das Bonner Institut für Rheinische Landeskunde, in Ulrich Pfeil Hg.: Deutsch-französische Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen im 20. Jahrhundert. Ein institutionengeschichtlicher Ansatz. Oldenbourg, München 2007, S. 31 - 46. Volltext bei Perspectivia.net
  4. Neues Deutschland, 7. Oktober 1954, S. 4
  5. Berliner Zeitung, 4. Oktober 1959, S. 3
  6. Inhaltsverzeichnisse beider Bände bei Deutsche Nationalbibliothek, online
  7. beruht auf einem Kolleg 1917-1918