Thomas Druyen

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Thomas Druyen (2016)

Thomas Druyen (* 2. Juli 1957 in Süchteln, heute Viersen) ist ein deutscher Soziologe. Er ist Institutsleiter an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und forscht über die psychologischen und neuronalen Bedingungen sowie Begleiterscheinungen der Zukunftsgestaltung, der Digitalisierung und des demografischen Wandels. Zudem befasst er sich mit der Psychologie und Lebenswelt der Vermögenden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druyen studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster die Fächer Jura, Soziologie, Publizistik und Philologie sowie Anthropologie an der Universität Colombo. Er beschloss seine Universitätsstudien in Münster 1988 mit den Abschlüssen Magister Artium, 1990 der Promotion zum Dr. phil. und der Habilitation 2004. Im selben Jahr wurde er zum Honorarprofessor am Fachbereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Győr berufen. Dort war er auch von 1999 bis 2004 Direktor am Institut für den Dialog der Generationen. Druyen lehrte ab 2004 am Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und war dort von 2006 bis 2010 Direktor des „Forums für Vermögensforschung“. Zudem war er von 2005 bis 2007 am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Freien Universität Berlin tätig.

Von 2000 bis 2004 war Druyen Vorstand der schweizerischen Peter Ustinov Stiftung. Von 2001 bis 2014 war Druyen Kuratoriumspräsident der von ihm 1999 gegründeten und inzwischen aufgelösten Stiftung „Dialog der Generationen“ in Düsseldorf. Von 2003 bis 2007 arbeitete er bei der LGT Privatbank in Liechtenstein und war Chefredakteur des Kundenmagazins Credo. Zudem war er von 2004 bis 2009 Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Kloster Steinfeld. Seit 2007 ist Druyen ordentlicher Professor des Lehrstuhls für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie und seit 2009 Vorstand des gleichnamigen Instituts sowie des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement, beide an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien.

Von 1996 bis 2013 war Druyen mit der Schauspielerin Jenny Jürgens verheiratet. 2016 heiratete er erneut. Druyen lebt in Düsseldorf.

Wissenschaftliches Forschungsfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demografischer Wandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druyen setzt dem im Allgemeinen negativen Bild des Alters ein positives Altersbild entgegen. Es gelte, das neu gewonnene Potential des Alters zu entdecken und die sich daraus ergebenden Chancen für die Allgemeinheit zu nutzen. Er fordert eine entsprechende gesellschaftliche Neubewertung des Alters und legt unter anderem offen, inwieweit das subjektive Selbstempfinden vieler Älterer fundamental den gesellschaftlichen Ängsten vor dem Altern entgegensteht. Sein 2003 erschienenes Buch ''Olymp des Lebens – Das neue Bild des Alters'' fand Eingang in zahlreiche öffentliche Debatten[1][2] und bereitete zugleich die Grundlage für sein weiteres Forschungsfeld der Vermögenskultur, indem Grundelemente aus der Demografieforschung weiterentwickelt wurden und somit eine gesamtgesellschaftliche Dimension erreichen konnten.[3]

Vermögensforschung, Vermögenskultur und Vermögenspsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinen vermögenskulturellen und -psychologischen Studien untersucht Druyen unter anderem den Einfluss von privatem Geldvermögen auf die Gesellschaft und die Wirkungen großer materieller Vermögen auf die menschliche Psyche. Zu diesem Zweck führte Druyen weltweit Interviews mit Reichen und Superreichen (begonnen bei etwa 30 Mio. US-Dollar Netto-Finanzvermögen bis hin zu mehreren Milliarden US-Dollar frei verfügbaren Kapitalvermögens) und veröffentlichte dazu zahlreiche Bücher und Studien.[4][5] In seinem 2007 erschienenen und viel beachteten Buch „Goldkinder – Die Welt des Vermögens“[6][7][8][9] nimmt Druyen eine Unterscheidung zwischen Reichtum auf der einen und Vermögen auf der anderen Seite vor und prägt den Begriff der Vermögenskultur. Während unter den Reichtumsbegriff all jene quantitativen Variablen gefasst werden, die in irgendeiner Form messbar sind, umfasst der Vermögensbegriff auch seine qualitative Verwendung und seine individuellen Voraussetzungen.[10] Unter Vermögenskultur versteht Druyen die Förderung und Pflege von materiellen und immateriellen Werten zum Schutze der individuellen und gesellschaftlichen Zukunftsfähigkeit.[11][12] Seine Vermögensforschung rückt somit jenen Personenkreis ins Zentrum, der neben selbst gewählten Teilen seines Reichtums auch seine Fähigkeiten, sein Know-how und sein Verantwortungsbewusstsein einsetzt, um die gesellschaftliche Entwicklung mitzugestalten. Neben den gesellschaftlichen Voraussetzungen und Folgen einer so verstandenen Vermögenskultur untersucht Druyen auch die psychischen Wechselwirkungen zwischen außergewöhnlichem materiellem Vermögen und der daraus erwachsenen Geisteshaltung und Lebensgestaltung.[13] Dabei stellte er unter anderem fest, dass Vermögende nicht zwangsläufig glücklicher, der Zukunft in der Regel aber einen Schritt näher sind als der Durchschnittsbürger.[14][15][16]

Siehe auch: Reichtumsforschung

Veränderungskompetenz und -bereitschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seinen Untersuchungen zur individuellen Veränderungskompetenz und -bereitschaft knüpft Druyen an seine Forschungen zum demografischen Wandel an, nimmt hier jedoch eine stärker sozialpsychologisch geprägte Perspektive ein. In diesem Sinne begreift er den demografischen Wandel als Paradebeispiel dafür, dass die Menschen trotz besseren Wissens bevorstehende Veränderungen mehrheitlich verdrängen, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie aktiv zu gestalten. Diese „präventive Inkompetenz“ deckt Druyen in seiner 2015 veröffentlichten Generationenstudie auf, für die Personen aus drei unterschiedlichen Generationen über ihre jeweiligen Zukunftsvorstellungen befragt wurden, zugleich zieht sie sich seines Erachtens durch die gesamte Menschheitsgeschichte.[17] Die Ergebnisse der Studie legten den Grundstein für das Forschungsfeld der Zukunftspsychologie.[18]

Zukunftspsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zukunftspsychologie richtet ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Bereiche der Antizipation und der Prospektion im Rahmen eines von beschleunigtem Wandel, Digitalisierung und Virtualität geprägten Zeitalters. Gesammelt werden Vorstellungen und Fantasien von Zukunft in teils interaktiven Befragungen, bei denen auch Roboter und Avatare zum Einsatz kommen.[19][20][21] In einer konventionellen und bevölkerungsrepräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2018 konnte Druyen zeigen, dass die Deutschen zum einen ausgesprochen belastbar und anpassungsfähig sind, zum anderen aber wenig zukunftsoptimistisch und vorausschauend handeln.[22][23][24] Ziel der zukunftspsychologischen Forschung ist es, die Auswirkungen der Zukunftsvorstellungen und der neuen Technologien auf das Denken und Handeln zu verstehen und daraus handlungsleitende Strategien im Sinne einer Veränderungsoptimierung abzuleiten.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Die große Alterswende | bpb. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  2. - Thomas Druyens : Olymp des Lebens. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  3. Reich heißt nicht vermögend. (marktundmittelstand.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  4. Jens Becker: Buch des Monats: Wie ticken die Reichen? Blätter für deutsche und internationale Politik, Mai 2010, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  5. Die Welt der Reichen: "Ab 300 Millionen Euro auf der sicheren Seite" - manager magazin. In: manager magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  6. Was bewegt ... Thomas Druyen?: Der Vermesser des Reichtums. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  7. Die großen Unbekannten - brand eins online. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  8. Sebastian Siegloch: Thomas Druyen bricht eine Lanze für die gut Betuchten: Reich ist nicht vermögend. In: DIE WELT. 9. Juni 2007 (welt.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  9. FOCUS Online: „Die Sorgen verlagern sich“. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  10. Reich ist nicht vermögend. Über die Verwirklichung des Guten. Soziologie heute, Oktober 2010, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  11. SFU Vermögenskultur. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  12. Portal für Politikwissenschaft - Vermögenskultur. Abgerufen am 22. Oktober 2018 (deutsch).
  13. Schweizer Millionäre schätzen das Militär. In: az Aargauer Zeitung. (aargauerzeitung.ch [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  14. Reichenforscher: „Geld macht nicht zwingend glücklich“. In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  15. Vermögensforscher Druyen: «Superreiche sind der Zukunft näher». (rnz.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  16. Sven Prange, Redaktionsleiter ada: Interview mit Thomas Druyen: Über die Psychologie der Vermögenden. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  17. Demografischer Wandel in Deutschland: Verändern statt Verdrängen. In: Spiegel Online. 21. Januar 2016 (spiegel.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  18. Die psychische Belastung wird steigen. Rheinische Post, 31. Oktober 2015, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  19. IZZ IZZ: A conversation between Pepper and Prof. Dr. Thomas Druyen. 19. September 2017, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  20. IZZ IZZ: Der Avatar von Prof. Druyen erläutert die Zukunftsnavigation. 18. August 2017, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  21. IZZ IZZ: Der Avatar von Prof. Druyen stellt das neue Virtual Future Institute vor. 2. Oktober 2018, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  22. Soziologie: "Die Deutschen sind Reaktionsweltmeister". In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  23. Veränderungs-Studie analysiert - Wie die Deutschen mit ihrem inneren Schweinehund kämpfen. In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  24. IZZ IZZ: Buchvorstellung & Diskussion. 25. April 2018, abgerufen am 22. Oktober 2018.