Phineo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
PHINEO
Rechtsform gemeinnützige Aktiengesellschaft
Gründung Dezember 2009
Gründer Andreas Rickert, Daniel Rahaus, Klaus Becker
Sitz Berlin
Motto damit Engagement wirkt
Schwerpunkt Analyse- und Beratungshaus für wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement
Umsatz 36,2 Mio. Euro (2020)
Beschäftigte 64 (52,5 VZÄ)
Website www.phineo.org

Phineo ist ein Analyse- und Beratungshaus in der Rechtsform einer Gemeinnützigen Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin.

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde nach zweijähriger Vorarbeit 2009 durch Klaus Becker, Daniel Rahaus und Andreas Rickert gegründet. Operativ tätig ist die gemeinnützige Aktiengesellschaft seit Mai 2010. Sie finanziert sich überwiegend über Gesellschafter und Förderpartner. Gesellschafter und Finanziers sind die Bertelsmann Stiftung, die Deutsche Börse, die Schöpflin Stiftung, KPMG, PricewaterhouseCoopers, die Warth & Klein Grant Thornton AG sowie eine Privatperson.[1]

Ideelle Gesellschafter sind die Aktive Bürgerschaft, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die gemeinnützige Organisation New Philanthropy Capital. Strategische Partner sind der Deutsche Spendenrat und die Stiftung Charité.[1] Hauptamtlicher Vorstand ist Andreas Rickert. Kontrolliert wird der Vorstand durch den ehrenamtlich tätigen Aufsichtsrat. Beschlüsse fasst die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft. Daneben existiert ein ehrenamtlicher Beirat, dem u. a. Rita Süssmuth, Regine Sixt, Thomas Druyen, Sandra Thier und Eckart von Hirschhausen angehören.[2]

Phineo ist Mitglied im Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und gehört dem Trägerkreis der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und der Bundesinitiative Impact Investing an.[3][4][5]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Organisation ist es, Transparenz über Strukturen und Wirkung gemeinnütziger Arbeit herzustellen.[6] Dadurch sollen etwa Stiftungen, Unternehmen, Philanthropen, Privatspender und die Öffentlichkeit, aber auch die staatliche Verwaltung und gemeinnützige Organisationen in die Lage versetzt werden, wirkungsorientierter zu handeln und mehr für die Gesellschaft zu bewirken. Gemeinnützige Organisationen etwa erhalten kostenlose Beratung und Hilfestellung, wie sie mehr Wirkung erzielen können.[7] Durch die Präsentation wirksamer „Leuchtturmprojekte“ in vielen zivilgesellschaftlichen Teilbereichen verfolgt das Unternehmen zugleich das Ziel, dass die Zivilgesellschaft auch zahlenmäßig wächst.[8][9]

Analyseverfahren

Die Phineo-Analyse ist ein Verfahren, um die Wirkung und den Erfolg gemeinnütziger Aktivitäten nach Ansicht des Unternehmens einschätzen zu können. Hierbei werden Organisationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und des Wirkungspotenzials ihrer Projekte bewertet. Die Analyse besteht aus einem vierstufigen Verfahren. Das Verfahren steht gemeinnützigen Organisationen jeder Art und Größe offen. Die Analyse ist kostenlos und wird über die Geldgeber finanziert. Organisationen, die das Verfahren erfolgreich abschließen, erhalten das Wirkt-Siegel, ein kostenloses Spendensiegel.[10][11]

Spendensiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PHINEO Wirkt-Siegel

Das Unternehmen vergibt seit 2010 ein Spendensiegel, das Wirkt-Siegel.[12] Das Wirkt-Siegel erhalten gemeinnützige Organisationen nach einer eingehenden Analyse ihres Wirkungspotenzials. Im Juni 2020 trugen ca. 300 Organisationen das Wirkt-Siegel. Unter anderem wurden ausgezeichnet Klasse2000, Big Brothers Big Sisters Deutschland, HIPPY Deutschland, wellcome, Parents as Teachers, Education Y, Work and Box Company, Seniorpartner in School, Balu und Du, Terre des Femmes, SchlaU-Schule, Joblinge und ROCK YOUR LIFE!.[13]

Themenreports[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen veröffentlicht regelmäßig sogenannte „Themenreports“, in denen das zivilgesellschaftliche Engagement in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen sowie besonders wirkungsvolle gemeinnützige Projekte vorgestellt werden. Themen waren unter anderem Inklusion für Menschen mit Behinderung, Klimaschutz, Kinderarmut, musikalische Erziehung, Integration, MINT-Bildung, Gesundheitsthemen, Non-Profit-Journalismus oder Engagement gegen Rechtsextremismus.[14][15][16] Hier arbeitet Phineo gemeinsam mit Partnern wie etwa der Amadeu Antonio Stiftung, Schöpflin Stiftung, DFL Stiftung, Children for a better World, Sozialhelden oder auch Pfizer.

Deutschland rundet auf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen analysiert pro bono seit 2011 alle Projekte, die im Rahmen der Spendenkampagne Deutschland rundet auf Spendengelder erhalten.[17][18] Die geförderten Projekte konnten bislang ca. 11 Millionen Euro an Spendengeldern einwerben (Stand: 31. Juli 2021).[17]

Skala-Initiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2016 riefen Phineo und die deutsche Unternehmerin Susanne Klatten die SKala-Initiative ins Leben. Die Skala-Initiative fördert bundesweit 93 gemeinnützige Organisationen mit einem Fördervolumen von aktuell rund 88 Millionen Euro (Stand: August 2020).[19] Unterstützt werden Organisationen, die nachweislich eine große soziale Wirkung erzielen.[20][21][22]

Teil der SKala-Initiative ist der SKala-Campus, eine Lern- und Austauschplattform für sozial engagierte Menschen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Bedarfsanalysen im Zuge der SKala-Initiative ergaben, dass viele Non-Profit-Organisationen und Engagierte Unterstützung benötigen, insbesondere zu den Themen wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Wirkungsorientierung und Organisationsentwicklung. Der SKala-Campus reagiert auf diese Bedarfe.[23]

Wirkungstransparenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phineo veröffentlichte bis Ende 2016 unter anderem auch drei umfangreiche Studien zur Wirkungstransparenz großer und bekannter Spendenorganisationen in Deutschland. 2012 in Kooperation mit der Zeitschrift Capital, 2014 und 2016 mit Spiegel Online.[24][25][26][27]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Kritik stößt die Organisation wegen Ihrer Nähe zu Wirtschafts- und Finanzinstitutionen.[28] Auch die Fokussierung auf das Thema „Wirkungstransparenz“ wird kritisch betrachtet.[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Website von www.phineo.org, abgerufen am 24. November 2020
  2. Website von phineo.org, abgerufen am 20. September 2021
  3. SEND: Netzwerk. In: Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. Abgerufen am 22. Mai 2019.
  4. Trägerkreis der Initiative Transparente Zivilgesellschaft. In: Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  5. Über uns – Bundesinitiative Impact Investing. Abgerufen am 28. Februar 2021.
  6. Website von VENRO – Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe, Transparenzinitiativen im Internet, abgerufen am 27. März 2015
  7. Wilke, Burkhard: Die Wirkungsdebatte am Beispiel von PHINEO, in: Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (20/2010), abgerufen am 27. März 2015
  8. Website von www.phineo.org, abgerufen am 24. November 2020
  9. Florian Diekmann, Christian Rickens: Forderung nach Regulierung: „Der gemeinnützige Sektor ist intransparent“. In: Spiegel Online. 20. November 2013, abgerufen am 17. März 2015.
  10. Das Phineo-Analyseverfahren, Website von www.phineo.org, abgerufen am 24. November 2020
  11. Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), abgerufen am 27. März 2015
  12. Spenderberatung – Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), abgerufen am 27. März 2015
  13. Prämierte Spendenprojekte, Webseite von www.phineo.org, abgerufen am 24. November 2020
  14. Website von www.phineo.org, abgerufen am 24. November 2020
  15. Website der Peter Ustinov Stiftung, abgerufen am 27. März 2015
  16. Ausgezeichnet gegen Rechts, Netz-gegen-Nazis.de, abgerufen am 27. März 2015
  17. a b Website von Deutschland rundet auf. Abgerufen am 20. September 2021.
  18. Betterplace. Abgerufen am 24. November 2021.
  19. www.skala-initiative.de, Website der Spenden-Initiative, abgerufen am 24. November 2020.
  20. BMW-Erbin: Susanne Klatten plant Millionenspenden, Spiegel Online, abgerufen am 12. September 2017.
  21. Die Spenden-Revolution der stillen Milliardärin, Welt.de, abgerufen am 12. September 2017.
  22. Warum BMW-Erbin Klatten 100 Millionen Euro spendet, RBB-online.de, abgerufen am 12. September 2017.
  23. Über den SKala-Campus, www.skala-campus.org, abgerufen am 8. Februar 2021.
  24. Rangliste: So transparent arbeiten die großen Spendenorganisationen, Spiegel Online, 28. November 2014, abgerufen am 27. März 2015
  25. Transparenz-Test: Die Rangliste der 50 Top-Spendenorganisationen, Spiegel Online, 28. November 2014, abgerufen am 27. März 2015
  26. Transparenz von Organisationen: Der große Spenden-Check , Spiegel Online, 30. November 2016, abgerufen am 12. September 2017
  27. Viele Mängel bei großen Spendenorganisationen, unter www.focus.de, 15. November 2012, abgerufen am 27. März 2015
  28. Wer tut wirklich Gutes, wenn er Gutes tut?, Der Paritätische Berlin, abgerufen am 27. März 2015
  29. Eine Kritik an der Idealisierung von Wirkungstransparenz, auf http://wigwam.im/, abgerufen am 27. März 2015