Timothy Ray Brown

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Timothy Ray Brown (* 1966 in Seattle, Washington) ist ein US-amerikanischer Übersetzer. Er wurde unter dem Namen The Berlin Patient (übersetzt: Berliner Patient) als erster Mensch, der vom Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) geheilt wurde, bekannt.[1] Er gründete im Juli 2012 die Stiftung cure for AIDS (Timothy Ray Brown Foundation) mit dem erklärten Ziel, eine Heilung für AIDS zu finden.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brown wuchs in Seattle auf und outete sich 1984 als homosexuell. Er emigrierte nach Europa und lebte zunächst in Barcelona.[3] 1989 lebte Brown wieder in Seattle, wo er sich für eine kurze Zeit bei Act Up engagierte.[4] Dann zog er nach Berlin und erlernte dort die deutsche Sprache.

HIV-Infektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 wurde er in Berlin positiv auf HIV getestet. Elf Jahre lang erhielt Brown eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART).[1]

2006 wurde bei ihm eine akute myeloische Leukämie (AML) festgestellt. In der Charité Campus Benjamin Franklin (CBF) in Berlin-Lichterfelde setzte der Hämatologe Gero Hütter zunächst eine Chemotherapie an. Als sie nicht den gewünschten Erfolg brachte, setzte er im Februar 2007 auf eine allogene Stammzelltransplantation. Er verwendete dazu Knochenmark mit einem veränderten CCR5-Gen, der Mutation CCR5Δ32. Anschließend war das HI-Virus bei Brown nicht mehr nachweisbar.[1][5]

Heilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brown ist seither offenbar vom HIV befreit. HIV-Medikamente nimmt er seit 2007 nicht mehr.[6] Nach einer zweiten Stammzelltransplantation im Februar 2008 besiegte er auch die Leukämie.[4] Seit der zweiten Transplantation leidet Brown allerdings unter neurologischen Störungen.

2011 kehrte Brown in die Vereinigten Staaten zurück und lebt seither in San Francisco. Auf einer Veranstaltung der American Foundation for AIDS Research (amfAR) hielt er einen Vortrag zum Thema „Heilung – Noch immer ein Schimpfwort?“.[5][6]

Wissenschaftsstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen haben neue Befunde wissenschaftlichen Streit hervorgerufen. Steven Yukl, Virusexperte von der University of California, San Francisco berichtete 2012 von Bluttests bei Brown, die klären sollten, ob er das HI-Virus tatsächlich besiegt hat. Mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) untersuchte er neun Milliarden Blutzellen Browns auf HIV. Dabei fand er nach mehreren Versuchen im Blutplasma Browns Bruchstücke des Virus-Erbguts. Parallele Tests mit Browns Blut, die Douglas Richman, Pathologe von der University of California, San Diego, durchgeführt hat, führten dagegen zu keinen Funden. Richman hält Verunreinigungen beim Yukl-Test für möglich, zudem sei PCR nicht zuverlässig.[6]

Weitere Implikationen für die Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anthony S. Fauci, Leiter des US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), hält den Fall Browns für einen Proof of Concept, dass es möglich ist, den Kampf gegen AIDS weit über die antivirale Therapie hinaus zu treiben.[7] An der University of Southern California arbeitet die Mikrobiologin Paula Cannon seit 2010 an einer Gentherapie, die auf HIV-Patienten den gleichen Effekt haben soll wie die Stammzelltransplantation bei Timothy Brown.[4][8]

Bislang gibt es noch sechs weitere HIV-Patienten, die eine Chemotherapie und dann eine Knochenmarkspende bekamen und keinerlei Spuren des Virus mehr in ihrem Körper haben. Nur einer der sechs erhielt eine Spende von einem Menschen mit CCR5 Mutation, deshalb wird spekuliert, ob eine Nebenwirkung der Knochenmarkspende das Virus ausgelöscht haben könnte.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Timothy Brown: "The Berlin Patient" (Memento vom 3. Dezember 2011 im Internet Archive), Offizielle Website
  2. Cure for AIDS Coalition & Timothy Ray Brown Foundation. (Memento vom 10. März 2014 im Webarchiv archive.today)
  3. Melissa Healy: HIV patient Timothy Brown is the boy who lived. The Los Angeles Times, 5. Juni 2011, abgerufen am 9. März 2014 (englisch).
  4. a b c Tina Rosenberg: The Man Who Had HIV and Now Does Not. New York, 29. Mai 2011, abgerufen am 9. März 2014 (englisch).
  5. a b Kerstin Decker: AIDS-Heilung: Anatomie eines Wunders. Der Tagesspiegel, 6. Juni 2011, abgerufen am 8. März 2014.
  6. a b c Hartmut Wewetzer: Rätselraten um den „Berliner Patienten“. Der Tagesspiegel, 13. Juni 2012, abgerufen am 8. März 2014.
  7. CNN: Talk of 'cure' at historic AIDS conference, 23. Juli 2012
  8. University of Southern California: Programs in Biomedical and Biological Sciences: Paula Cannon
  9. Clare Wilson: Immune war with donor cells after transplant may wipe out HIV, 3. Mai 2017