Trampedachlager

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Der Erinnerungsstein an Claus Trampedach (2012)
Lageplan des Trampedachlagers mit der Position der sieben Baracken. In einem Raum der Baracke 1 befand sich in den 1950er Jahren ein kleiner Lebensmittelladen. Die restlichen Baracken wurden damals bewohnt. Die Baracken 1 und 2 blieben bis heute erhalten und sollen renoviert werden. Die Baracken 3 bis 7 wurden 2012/13 abgerissen.
Das Trampedachlager im Jahr 2005
Die zwei erhaltenen Baracken des Trampedachlagers im Jahr 2015
Baracke des Trampedachlagers (2012)

Das Trampedachlager (auch: Trampedachsiedlung) ist ein Barackenlager aus den 1930er Jahren in Flensburg-Mürwik, am nördlichen Rand der Marineschule Mürwik, das eines der Kulturdenkmale des Stadtteils darstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 war die Anzahl der Offiziersanwärter erheblich gestiegen. In der Folgezeit entstanden das Nord-Lager, später Mützelburg-Lager genannt, bei Twedter Mark sowie das Heinz-Krey-Lager gegenüber der Marinesportschule,[1] dessen Gelände seit 2012 zum großen Teil mit dem Verlagsgebäude des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages überbaut wurde.[2] Das Barackenlager an der Marineschule wurde 1937,[3] also ungefähr zeitgleich mit der Sportschule errichtet.[4][5] Die sieben errichteten Baracken bestanden aus Holz, besaßen pappgedeckte Satteldächer und hatten Sprossenfenster. Die Baracken wurden zunächst zur Unterbringung von Offiziersanwärtern der Luftwaffe genutzt. Nicht weit entfernt lag der Mürwiker Wasserflughafen in Fahrensodde und in Flensburg-Weiche lag der Flugplatz Flensburg-Schäferhaus. Zunächst trug das Barackenlager den Namen Danziglager. Später wurde es nach dem Fregattenkapitän Claus Trampedach umbenannt.[3] Vom 9. April 1938 bis 25. Oktober 1938 war Trampedach Korvettenkapitän auf der Z 14 Friedrich Ihn. Anschließend war er Fregattenkapitän auf der Z 3 Max Schultz, die am 22. Februar 1940 beim Unternehmen Wikinger durch Eigenbeschuss sank. Der beim Lager errichtete und als Kulturdenkmal eingetragene Erinnerungsstein erinnert noch heute an den am 24. Mai 1900 geborenen und am 22. Februar 1940 gestorbenen Claus Trampedach. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden große Teile der benachbarten Marineschule vom Marinelazarett Flensburg-Mürwik genutzt.[1]

Im Februar 1944 hatte Flensburg nur ungefähr 60.000 Einwohner.[6] Doch viele Menschen aus den Deutschen Ostgebieten flüchteten in der Zeit danach vor der anrückenden Roten Armee[7] und gelangten mit Trecks, mit der Eisenbahn oder mit Schiffen nach Flensburg.[6] Das Trampedachlager war am Ende des Zweiten Weltkrieges Teil des Sonderbereichs Mürwik, in dem die nationalsozialistische „Staatsgewalt“ vorerst unangetastet blieb. In der nahegelegenen Marinesportschule befand sich die letzte Reichsregierung, die erst am 23. Mai 1945 von britischen Soldaten verhaftet wurde.[8][9] Bis zum Ende Juli 1945 erhöhte sich die Flensburger Bevölkerung noch auf 102.000 Einwohner (vgl. Einwohnerentwicklung von Flensburg).[6] Für viele der Flüchtlinge endete die Flucht in einem der Barackenlager Flensburgs und für einige in der Trampedachsiedlung.[7] 1948–1951 bekamen verschiedene Familien eine Wohnung in der Trampedachsiedlung, es gehörten offenbar Familien von Bundesbediensteten zu ihnen.[10][11] Seit dem März 1946 befand in der Marineschule die neugegründete Pädagogische Hochschule der Stadt, die sich an ihrem späteren Standort beim Volkspark, den sie 1959 bezog, zur Universität Flensburg entwickelte. 1950 bezog zudem die Zollschule Flensburg Räumlichkeiten der Marineschule.[1] Ungefähr unterhalb des Trampedachlagers am Fördeufer lag damals das Mürwiker Freibad, bei dem unklar ist, wann es eingerichtet wurde. Es wurde aber in dieser Zeit nach dem Krieg von der Flensburger Bevölkerung stark genutzt. Nur wenig ist heute noch über das Lagerleben von damals bekannt. Ein Geburtstagsgruß von 1956 aber berichtet beispielsweise von der Flüchtlingsfamilie Steinwender aus dem Memelland.[12] Seit den 1950er Jahren bemühte sich die Stadt, die Wohnumstände der Flüchtlinge in den verschiedenen Flensburger Lagern zu verbessern, um die Flüchtlingslager der Stadt schließlich schrittweise auflösen zu können. Die letzte Flüchtlingsbaracke Flensburgs in der Westerallee konnte aber erst im Jahre 1966 geräumt werden.[13][14] Wann das Trampedachlager seine Funktion als Wohnsiedlung verlor, ist nicht genau bekannt. Am 7. August 1956 bezog die Bundesmarine das Gelände der Marineschule Mürwik und übernahm offenbar in dieser Zeit auch das Trampedachlager als Unterkunftsmöglichkeit.[1] Das erwähnte Freibad wurde irgendwann nach 1965 wegen Baufälligkeit von der Marine abgerissen.[15] Zuvor, im Jahr 1963, war das städtische Hallenbad im Bahnhofsviertel in der Südstadt eröffnet worden.[16]

Das Trampedachlager war lange Zeit noch komplett erhalten und wurde unter Denkmalschutz gestellt. Zwischen 2012 und 2013 wurden fünf der sieben Baracken aber abgerissen.[17][11] Die Umrisse der abgerissenen Baracken wurden durch neu verlegte Steine im entstandenen militärischen Übungsplatz kenntlich gemacht. Es wurde zudem beschlossen, in einer der Baracken ein Museum einzurichten.[18][11] Direkt unterhalb, wenige Meter entfernt vom Tramepdachlager, befindet sich seit 2012 der Gorch-Fock-Übungsmast für die Kadetten der Gorch Fock, wodurch das Trampedachlager von der gegenüberliegenden Wasserseite, beispielsweise dem Ostseebad, seitdem trotz des umliegenden Baumbewuchses recht gut lokalisierbar ist.[19]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Marineschule: Geschichte der Schule, vom: 11. August 2011; abgerufen am: 25. Oktober 2015
  2. Schlei-Bote Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag: Neues Verlagshaus in Flensburg-Mürwik im Schlei-Boten, vom: 22. November 2010; abgerufen am 25. Oktober 2015
  3. a b Lutz Wilde: Stadt Flensburg (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland / Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2). Wachholtz, Neumünster 2001, ISBN 3-529-02521-6, S. 536.
  4. Broder Schwensen: Marineschule Mürwik. In: Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte). Band 71. Flensburg 2009, ISBN 978-3-925856-61-7.
  5. Über die Marineschule Mürwik, Geschichte, Aufrüstung unter Hitler, abgerufen am: 25. Oktober 2015
  6. a b c Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Baracke – das Zuhause für Flüchtlinge, vom: 30. August 2015; abgerufen am: 25. Oktober 2015
  7. a b Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Marineschule: Das rote Schloss des deutschen Kaisers, vom: 13. Oktober 2010; abgerufen am: 25. Oktober 2015
  8. Broder Schwensen in: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Marineschule Mürwik
  9. Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), Seite 20
  10. Stadtarchiv Flensburg: Wohnungsangelegenheiten Trampedachlager (Mürwik), abgerufen am: 25. Oktober 2015.
  11. a b c Erhalt des Trampedachlagers, Antrag RV-47/2009 der Ratsfraktionen CDU, Grüne, SPD, SSW und WIF an den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Planen am 28.04.2009, abgerufen am: 25. Oktober 2015
  12. Memeler Dampfboot: Wir gratulieren ..., vom 5. Oktober 1965, Seite 245 beziehungsweise Seite 9 des PDF; Zitat: „Helene Steinwender, geb. Meyer, zu ihrem 70. Geburtstag am 6. Oktober. Sie wohnte mit ihrer Familie früher in Memel, [...] Ihr Ehemann, der schon in der Heimat verstorben ist, hatte zuletzt eine Bierstube [...] Wenn ihre Gesundheit durch einen im November 1955 erlittenen Unfall auch etwas nachgelassen hat, so ist sie doch noch geistig überaus rege und an allen Geschehnissen interessiert. Sie wohnt jetzt in ihrem neuen Heim bei ihrer ältesten Tochter Gertraud in Flensburg-Mürwik, Trampedach-Siedlung 5 und wird dort liebevoll auch noch von ihrer Schwester Emly und Schwager Willy Takkin betreut. Die zweite Tochter Eleonore ist in Hamburg beschäftigt, während ihr einziger Sohn Hans mit seiner Familie in Herringen b. Hamm lebt. Wir wünschen dem Geburtstagskind von Herzen alles Gute und weiterhin beste Gesundheit.“
  13. Gerhard Paul und Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, 2015, Seite 176 f.
  14. Vgl. auch: Weiche wo sonst (Memento des Originals vom 24. Mai 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.etsvweiche.de, Seite 10, April 2014; abgerufen am: 2. Mai 2015
  15. Wulf Beeck: Mit Überschall durch den Kalten Krieg: Ein Leben für die Marine, 2013, S. 29
  16. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Hallenbad In: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009.
  17. Trampedachlager: Fünf von sieben Baracken werden abgerissen, vom: 9. Mai 2009; abgerufen am: 25. Oktober 2015
  18. Trampedachlager: Fünf von sieben Baracken werden abgerissen, vom: 9. Mai 2009; abgerufen am: 25. Oktober 2015
  19. „Trockenübung“ an Land, vom: 24. April 2012; abgerufen am: 25. Oktober 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trampedachlager – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 49′ 0″ N, 9° 27′ 38″ O