Tungöl

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Tungöl
Rohstoffpflanze(n)

Vernicia montana, Vernicia fordii, Aleurites cordata

Herkunft

China, Japan

Farbe

hellgelb bis dunkelbraun, klar

Inhaltsstoffe
Ölsäure 14,9 %
Linolsäure bis 10 %
Weitere Fettsäuren Elaeostearinsäure ca. 80 %
Weitere Inhaltsstoffe Tannine, Phytosterole, Saponin
Eigenschaften
Dichte 0,913-0,917
Herstellung und Verbrauch
Wichtigste Produktionsländer China, Japan
Verwendung Pharmazie, Medizin (und Volksmedizin), Bindemittel, Firnisse u.ä.

Tungöl, auch chinesisches Holzöl genannt, ist ein hellgelbes bis dunkelbraunes, geschmackloses, nach Schweinefett riechendes Pflanzenöl. Es wird in Südasien durch Auspressen der Samen baumförmiger Arten der Gattungen Vernicia und Aleurites gewonnen. In China wird meist der Tung- oder Abrasinbaum (Vernicia montana) und der Tungölbaum (Vernicia fordii), in Japan Aleurites cordata genutzt. Das Öl des verwandten Lichtnussbaumes (Aleurites moluccana) wird als Kukuinussöl bezeichnet.

Eigenschaften und Zusammensetzung[Bearbeiten]

Allgemeine chemische Struktur von Ölen wie Tungöl. Darin sind R1, R2 und R3 Alkylreste oder Alkenylreste mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen. Tungöl ist wie andere natürliche Öle ein Gemisch von Triestern des Glycerins.

Tungöl hat eine klare, hellgelbe bis dunkelbraune Färbung und ist vergleichsweise dickflüssig. Der Geruch ähnelt dem von Schweinefett und ist dadurch sehr charakteristisch und unangenehm. Von anderen Pflanzenölen unterscheidet sich Tungöl durch seine besondere chemische Zusammensetzung: Es besteht zu einem Großteil (etwa 80 %) aus dem Glyzerid einer einzigen, dreifach ungesättigten Fettsäure, der α-Elaeostearinsäure. Weiterhin sind Ölsäurereste (etwa 15 %), Palmitinsäurereste (ca. 4 %) und Stearinsäurereste (ca. 1,3 %) – jeweils als Glycerinester gebunden – enthalten. Geringe Anteile der in allen Wolfsmilchgewächsen enthaltenen Di- und Triterpenester machen Tungöl giftig.

Tungöl weist zudem ein sehr charakteristisches Verhalten beim Erhitzen auf, das für die technischen Eigenschaften eine Rolle spielt: Wird es stark erhitzt, resultiert dies in einer starken Erhöhung der Viskosität, die zu einer Gelatinisierung führt. Dabei erhöht sich das spezifische Gewicht, während der Brechungsindex reduziert wird.

Tungöl wird seit Jahrhunderten als wasserabweisendes Öl verwendet, da es sehr tief und selbst in das dichteste Holz eindringt. Es bildet im Vergleich zu den meisten anderen oxidativen Ölen einen feinen, dauerhaften Film, der seine Elastizität behält und sich mit dem Holz bewegt.

Gewinnung[Bearbeiten]

Die Gewinnung des Öls erfolgt durch das Auspressen der Samen in den reifen Früchten, die vorher von der Schale befreit werden. Es kann sowohl warm wie auch kalt extrahiert werden. Die Kerne enthalten 50 bis 60 % Öl.

Verwendung[Bearbeiten]

Wegen der giftigen Inhaltsstoffe ist Tungöl nicht zur Ernährung geeignet. Verwendung findet es vorwiegend zur Herstellung von Lack, teils auch zur Herstellung von Seife und Linoleum, als Schmieröl und als Bindemittel in der Malerei.

Tungöl polymerisiert und oxidiert ähnlich wie Leinöl, trocknet jedoch schneller und bildet eine harzartige, harte, matte Oberfläche. In der Malerei besteht bei alleiniger Verwendung des Tungöls eine hohe Versprödungs- bzw. Rissgefahr. Daher wird es meist in Mischung mit Leinöl bzw. Leinölfirnis verwendet. Bis 20 % dem Leinölfirnis zugesetzt, beschleunigt es die Trocknung und verringert die Quellung durch Wasser. Mit Leinöl gemischt, wird eine besonders gute Haltbarkeit und Witterungsbeständigkeit erreicht. In geringen Mengen dem Schlussanstrich mit Leinölfarben ohne Lösemittel beigegeben, erhöht es deren Glanz und Abriebfestigkeit. In der Elektroindustrie findet Tungöl ein weiteres Einsatzfeld. So werden elektrische Bauteile mit Tungöl bedampft um die Wasserbeständigkeit zu erhöhen.

Einzelnachweis[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

  • P. S. Ku: Zur direkten Bestimmung der Elaeostearinsäure in Holzöl (Tungöl), Fresenius' Journal of Analytical Chemistry 120(1-2): 37, 1940
  • J. Greenfield: Tungoil, J. Amer. Oil Chem. Soc. 36:565, 1959
  • C.L. Franzke, Duong Tan Phuoc & E. Hollstein: Zur Fettsäure-Zusammensetzung der Samen wildwachsender vietnamesischer Ölpflanzen, European Journal of Lipid Science and Technology 73(10): 639-642, 1971

Weblink[Bearbeiten]

Technisches Datenblatt