USS Liberty (AGTR-5)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
USS Liberty
USS Liberty (AGTR-5).jpg
Schiffsdaten
Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten (Nationalflagge) Vereinigte Staaten
Schiffstyp Aufklärungsschiff
Klasse Typ Victory
Bauwerft Oregon Shipbuilding Corporation, Portland
Indienststellung 1. April 1964
Verbleib 1973 auf Abbruch verkauft
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
139 m (Lüa)
Breite 18,9 m
Tiefgang max. 7 m
Verdrängung 7.725 tn.l.
 
Besatzung 358 Mann
Maschinenanlage
Maschine Dampfturbine
Maschinen-
leistung
8.500 PS (6.252 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
21 kn (39 km/h)
Propeller 1
Bewaffnung

Die USS Liberty war formal ein Aufklärungsschiff der United States Navy, das jedoch tatsächlich unter dem Kommando des international operierenden US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) stand. Es diente der elektronischen Kampfführung und der militärischen Aufklärung. Die zu ihrer Zeit hochmoderne Liberty glich äußerlich weitgehend einem Frachtschiff, wies jedoch zusätzliche Antennen auf.

Aufgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde am 1. April 1964 in Dienst gestellt.

Aufgabe der im Mittelmeer stationierten Liberty war die passive elektromagnetische Überwachung, also die Aufzeichnung von Funksprüchen und Radarsignalen zur späteren Auswertung.

1973 wurde es auf Abbruch verkauft.

Der Angriff auf die Liberty 1967[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

USS Liberty, Aufnahme vom 16. Juni 1967
Einschusslöcher an der USS Liberty, Aufnahme vom 16. Juni 1967

Besonderes Aufsehen erregte der Angriff am 8. Juni 1967 auf das Schiff durch israelische Bomber und Schnellboote während des Sechstagekrieges, dessen Hintergründe nie geklärt wurden. Die offiziellen Erklärungen von amerikanischer und israelischer Seite, die von einem Irrtum sprechen, sind bereits unmittelbar nach dem Vorfall und bis heute vielfach bezweifelt worden; man geht überwiegend davon aus, dass Israel wusste, dass es sich um ein amerikanisches Schiff handelte.[1][2][3]

Zu möglichen Motiven der Israelis gibt es unterschiedliche Thesen, etwa dass amerikanische Abhöraktionen verhindert werden sollten[4] oder dass arabische Staaten verantwortlich gemacht werden sollten, um so den USA einen Vorwand für den Kriegseintritt zu bieten.[5]

Am 8. Juni 1967 um 9 Uhr morgens wurde das Spionageschiff unter Commander William McGonagle in internationalen Gewässern 14 Meilen vor der Küste Israels angegriffen. Israelische Kampfflugzeuge (u. a. Super Mystère und Mirage III) beschossen und bombardierten es, bis hin zur Verwendung von 1.000-Pfund-Bomben und Napalm. Außerdem beschossen israelische Torpedoboote die Liberty. Auch die Rettungsboote im Wasser wurden beschossen.[6]

Insgesamt wurden dabei 34 US-Navy-Angehörige getötet und 172 verletzt. Schwer beschädigt wurde sie in den Hafen von Valetta auf Malta gebracht. In beiden Ländern gab es mehrfache Untersuchungen, die den Vorgang als Verkettung unglücklicher Umstände darstellen; gleichwohl nähren Zeugenaussagen, Umstände und Hintergründe des Angriffs bis heute Zweifel an diesen Darstellungen.

Sicher ist, dass die USA wenige Tage vor dem Zwischenfall mitgeteilt hatten, sie hätten kein einziges Schiff in dieser Region des Mittelmeers stationiert (was zu diesem Zeitpunkt auch stimmte). Beide Seiten bestätigten Aussagen über acht israelische Anti-U-Boot-Flugzeuge, die einige Stunden zuvor die Liberty insgesamt zwölfmal überflogen hatten, wonach sie auf den Karten der Luftüberwachung Israels mit einem grünen Magneten als neutrales Schiff markiert wurde. Diese Markierung wurde allerdings nach sechs Stunden entfernt, da die Liberty vom israelischen Radar verschwunden war; man nahm an, dass sie aufs offene Meer hinausgefahren sei, um sich dort mit der 6. US-Flotte zu treffen.

Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1968 wurde der Vorfall diplomatisch beigelegt, wobei Israel 3.323.500 US-Dollar (Kaufkraft 2017: 22.923.199 US-Dollar) Entschädigung zahlte.

Im März 1969 zahlte Israel weitere 3.566.457 US-Dollar als Entschädigung an die verwundeten Männer. Am 18. Dezember 1980 erklärte sich Israel bereit, 6 Millionen US-Dollar zu bezahlen (die USA bezifferten den Sachschaden an der Liberty einschließlich 13 Jahre Zinsen auf 17.132.709 US-Dollar).[7] Die überlebenden ehemaligen Besatzungsmitglieder der Liberty bestehen darauf, dass eine Verwechslung unmöglich gewesen sei; der Angriff auf das Schiff sei bewusst erfolgt, und es handele sich um ein Kriegsverbrechen.

1991 schrieb Außenminister Dean Rusk in seinen Memoiren „As I Saw It“: „Ich war niemals mit der israelischen Erklärung zufrieden. Ihr anhaltender Angriff, der zum Ziel hatte, die Liberty manövrierunfähig zu machen und zu versenken, schließt einen Angriff aus Versehen oder durch einen schießwütigen Befehlshaber aus. Durch die diplomatischen Kanäle lehnten wir es ab, ihre Erklärungen zu akzeptieren. Ich glaubte ihnen damals nicht, und ich glaube es ihnen bis heute nicht. Der Angriff war verbrecherisch.“[8]

Die BBC veröffentlichte über den Vorfall im Mai 2003 die Dokumentation „Dead in the water“.[9]

Der britische Journalist Peter Hounam behauptete in einem 2003 veröffentlichten Buch, nach dem Angriff auf die Liberty seien zwei A4-Jagdbomber vom US-Flugzeugträger America mit Ziel Kairo gestartet, aber zurückgerufen worden. Der Untertitel des Buchs behauptete, die Bombardierung der USS Liberty hätte beinahe einen dritten Weltkrieg verursacht.[10]

Laut einem Bericht der Financial Times vom 12. Januar 2004 sagte ein ehemaliges Mitglied des US-Marine-Untersuchungsgerichts unter Eid aus, dass der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson und Verteidigungsminister Robert McNamara eine Geheimhaltung des Vorfalls angeordnet hätten.

Am 2. Oktober 2007 veröffentlichte die Zeitung Chicago Tribune einen Artikel des Pulitzer-Preisträgers John M. Crewdson, der auf kurz zuvor freigegebenen Dokumenten des US-Außenministeriums sowie neuerlichen Zeugenbefragungen basierte. Diese Dokumente, insbesondere Zeugenaussagen zu Funksprüchen der israelischen Piloten, stützen die Aussagen der Überlebenden, dass es sich um einen gezielten Angriff handelte.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kommandierende Offizier William McGonagle wurde mit der Medal of Honor, der höchsten Tapferkeitsauszeichnung der US-Streitkräfte geehrt. Lieutenant Commander Philip Armstrong und Quartermaster Third Class Francis Brown erhielten die höchste Auszeichnung der US-Marine, das Navy Cross.

Des Weiteren wurden 11 Silver Stars, 20 Bronze Stars, 9 Navy Commendation Medals und 204 Purple Hearts verliehen. Das Schiff selbst erhielt die Presidential Unit Citation.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James M. Ennes: Assault on the liberty. The true story of the Israeli attack on an American intelligence ship. Random House, New York 1979, ISBN 0-394-50512-3.
  • James Scott: The attack on the Liberty. The untold story of Israel's deadly 1967 assault on a U.S. spy ship. Simon & Schuster, New York u. a. 2009, ISBN 978-1-4165-5482-0.

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. USS Liberty Memorial
  2. The Assault on the USS Liberty Still Covered Up After 26 Years.
  3. A military family member’s opinion.
  4. Crypto City entgeht nichts.
  5. Cover-Up Alleged in Probe of USS Liberty.
  6. https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2006/allzu-freundliches-feuer/
  7. William D. Gerhard, Henry W. Millington (1981): Attack on a SIGINT Collector, the USS Liberty.
  8. https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2006/allzu-freundliches-feuer/
  9. http://www.realnews247.com/dead_in_the_water.htm
  10. Peter Hounam: Operation Cyanide: How the Bombing of the USS Liberty Nearly Caused World War Three. 2003, ISBN 978-1904132196.
  11. New revelations in attack on American spy ship. Chicago Tribune, 2. Oktober 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: USS Liberty (AGTR-5) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien