Ultranet

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Mit dem Begriff Ultranet wird eine geplante parallele Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) und Wechselstromübertragung in Deutschland bezeichnet.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ultranet (Deutschland)
Konverter bei Osterath
Konverter bei Osterath
Konverter Philippsburg
Konverter Philippsburg
Geplante Ultranet-Konverterstandorte

Die erste geplante Trasse stellt ein Gemeinschaftsprojekt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion und TransnetBW dar und soll über ca. 340 km[1] zwischen den Netzverknüpfungspunkten Meerbusch-Osterath in Nordrhein-Westfalen und Philippsburg in Baden-Württemberg verlaufen.[2] Von Teilen der Wissenschaft wird die Notwendigkeit der Errichtung der Trasse bestritten.[3] Hintergrund für den Beginn der Trasse in Meerbusch ist nach Angaben von Vertretern der Bundesnetzagentur[4], dass die Trasse zunächst vor allem zum Transport von Strom aus den Braunkohlenkraftwerken im rheinischen Braunkohlenrevier, der am Umspannanlage Osterath eingespeist wird, nach Süddeutschland vorgesehen ist. Eine spätere Erweiterung der Trasse von Meerbusch nach Norden ist nach Angaben von Amprion für 2023Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren geplant. Die Baukosten für die Trasse von Meerbusch-Osterath nach Philippsburg werden von Amprion auf 1 Mrd. Euro geschätzt[5], wovon auf jeden der beiden Doppelkonverter 300–400 Mio. Euro entfallen.[6]

Im Zuge der Errichtung des Ultranets werden auf nachgerüsteten Drehstromtrassen zusätzliche Leiterseile für eine HGÜ-Übertragungsstrecke angebracht, um mit den gleichen Masten eine größere elektrische Leistung transportieren zu können. Die Errichtung zusätzlicher Masten ist auf diesem Wege auf weiten Strecken der Trasse nicht erforderlich.

Im Gegensatz zu Drehstromverbindungen, die sich in Stromnetzen mit mehreren Abzweigungen direkt zusammenschalten lassen, ist die stromgeführte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung auf die Übertragung zwischen zwei Punkten beschränkt und benötigt an diesen Endpunkten technisch aufwändige Stromrichterstationen (Konverter), um die Verbindung zum Drehstromnetz herzustellen. Vermaschung ist erst mit spannungsgeführten Stromrichterstationen möglich. Diese werden an allen Endpunkten benötigt und sind in der Regel nicht mit stromgeführten Stromrichtern kombinierbar.

Die Standortentscheidung für den am nördlichen Ende der Leitung zu errichtenden, etwa 10 Hektar großen[7] Doppelkonverter, der im Nahbereich des Netzverknüpfungspunktes Osterath liegen muss, ist bislang nicht abschließend gefallen. Zunächst wurden von Amprion sechs mögliche Standorte untersucht.[8] Am 3. Dezember 2014 hat Amprion der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die endgültige Entscheidung zwischen einem Standort im Norden von Kaarst und einem Standort im Westen von Dormagen fallen wird.[9] Das Gebiet um Osterath ist im Vergleich zum Südende der Leitung dichter besiedelt; es gibt erheblichen Widerstand der Bevölkerung.[10][11][12]

KKW Philippsburg 2006, geplanter Konverterstandort auf dem Kraftwerksgelände links hinter den beiden Kühltürmen, rechts die vorhandene Drehstrom-Schaltanlage

Für den südlichen, ebenfalls etwa 10 ha großen Konverter hat sich TransNetBW für einen Standort auf dem Gelände des KKW Philippsburg entschieden.[13]

Modellvorhaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Mitteilung von Amprion und TransnetBW von Ende April 2012 wurde die Hybridleitungstechnik bereits in einer Pilotanlage beim Kraftwerk Datteln erfolgreich getestet. Erste praktische Erfahrungen mit Konvertern für die benötigte Leistung (2000 MW)[2] der geplanten Ultranet-Leitung gibt es in Europa in Frankreich und Spanien, wo 2015 eine grenzüberschreitende HGÜ-Leitung mit 2000 MW[14] (Projekt „Inelfe“) in Betrieb genommen wurde.[7] Nach Angaben von Amprion am 24. September 2014 weist der derzeit größte Konverter in Deutschland, dessen Inbetriebnahme noch aussteht, eine Leistung von 800 MW auf.[15] In China und Indien werden Konverter mit Leistungen bis 8000 MW betrieben.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berichterstattung auf der Website von TransnetBW. Abgerufen am 10. Februar 2016
  2. a b Angaben auf der Website der Amprion GmbH. Abgerufen am 27. November 2017
  3. Berichterstattung in der Sendung Monitor im ARD-Fernsehen am 22. Februar 2014, abzurufen bei Youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=eb-vUq9qvjQ (Memento vom 30. Oktober 2014 im Internet Archive)
  4. Zwei Experten der Bundesnetzagentur folgen Einladung der Initiative. In: Westdeutsche Zeitung, am 7. März 2014
  5. Broschüre der Amprion GmbH zum Ultranet. Abgerufen am 16. September 2014
  6. Beantwortung von Fragen der Gemeinden und Städte des Rhein-Kreis Neuss zum Konverterbau durch die Amprion GmbH. Hier Frage/Antwort Nr. 50
  7. a b c Angaben auf der Website der Amprion GmbH. Abgerufen am 27. November 2017
  8. Gohr fast ideal. In: Westdeutsche Zeitung, 17. Juni 2014
  9. Konverter: Kaarst ist erste, Gohr zweite Wahl. In: Rheinische Post, 4. Dezember 2014.
  10. 4700 Unterschriften gegen den Stromkonverter. In: Rheinischen Post, 15. September 2014
  11. 1800 bilden eine Menschenkette gegen Konverterbau. In: Westdeutsche Zeitung, 3. März 2013.
  12. Großräumige Raumwiderstandsanalyse mit Standortbewertung für den Standort des nördlichen Konverters. Kurzfassung eines Gutachtens, Website der Amprion GmbH, abgerufen am 17. September 2014
  13. "Gute Entscheidung": Stromkonverter wird in AKW Philippsburg gebaut. In: KA-News, 4. Juni 2016.
  14. Ready for the future: Siemens erects power converter stations for HVDC link between France and Spain as part of the Trans-European Network. Siemens, 12. Januar 2011, abgerufen am 27. November 2017 (PDF, englisch).
  15. Auskunft von Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon im Rahmen einer Bürgerversammlung am 24. September 2014 in Kaarst