Nord-Süd-Leitung

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Dieser Artikel behandelt eine in den 1920er Jahren errichtete Stromleitung. Zu geplanten Hochspannungsleitungen im Rahmen der deutschen Energiewende siehe Südlink
C1-Mast der Nord-Süd-Leitung nordöstlich von Mannheim

Die Nord-Süd-Leitung, auch Rheinlandleitung genannt, ist eine insgesamt ca. 600 km lange Verbundleitung für Drehstrom-Hochspannungs-Übertragung, die die Umspannanlage Brauweiler mit dem Vermuntwerk der Vorarlberger Illwerke und dem Schluchseewerk verbindet. Sie wurde zwischen 1924 und 1929 von RWE erbaut und am 17. April 1930 in Betrieb genommen.

Zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme ermöglichte sie es erstmals, die elektrische Leistung zwischen den Stromnetzen in Nord- und Süddeutschland bedarfsgerecht und wirtschaftlich zu verteilen und insbesondere Überkapazitäten der Illwerke und des Schluchseewerks für den hohen Energiebedarf des Ruhrgebietes zu nutzen. Die Leitung entwickelte sich zum Rückgrat des deutschen Hochspannungsnetzes, durch sie wurde „ein erster großer Entwicklungsabschnitt in der Errichtung des Parallelbetriebs und in der Integration der größten Netze zum Verbundsystem vollendet“.[1]

Große Teile der Leitung sind noch immer in Betrieb, wobei die Amprion (vormals RWE Transportnetz Strom) den gesamten nördlichen Teil und einen Großteil der südlichen Abschnitte verwaltet. Einzelne Sektionen in den Bereichen Sinsheim, Ludwigsburg und Ravensburg werden von der TransnetBW (ehemals Energie-Versorgung Schwaben) betrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Arthur Koepchen, seit 1917 technischer Vorstand, übernahm das RWE 1923 die Mehrheit an der Lahmeyer AG. Dadurch kam es in den Besitz von Beteiligungen an zahlreichen Energieversorgungsunternehmen im Süden Deutschlands (u.a. der Main-Kraftwerke AG, Kraftwerk Altwürttemberg AG, Lechwerke, Großkraftwerk Württemberg AG). Es stellte sich nun die Frage nach dem Energieaustausch der übernommenen süddeutschen Wasserkraftwerke und der Kohlekraftwerke im Rheinland und in Westfalen.

Schon 1923 war eine erste 220-kV-Leitung von Ronsdorf nach Letmathe als erstes Teilstück eines geplanten 220-kV-Netzes im rheinisch-westfälischen Gebiet errichtet worden, aber eine 220-kV-Fernverbindung der weit auseinander liegenden Kraftwerksstandorte wurde zunächst für technisch und wirtschaftlich zu riskant gehalten. Erst eine Studienreise zu den Unternehmen Southern California Edison Company und Pacific Gas and Electric Company, die bereits einige 220-kV-Leitungen betrieben, überzeugte Koepchen und Ernst Henke (Direktor und juristischer Vorstand) von der Machbarkeit einer Höchstspannungsleitung über eine Distanz von mehreren hundert Kilometern.

Ein Jahr später, 1924, gelangte das RWE ebenso in den Besitz von Konzessionsanteilen der Wasserkraftwerke des Landes Vorarlberg, da die Großkraftwerk Württemberg AG in Vertragsrechte der bisherigen Betreiber, der Bündner Kraftwerke, eintrat. Dieser Vertrag sicherte den Aktionären der RWE insgesamt 600 Millionen kWh an speicherfähiger Jahreserzeugung zu. Die plötzliche Ausdehnung des Konzessionsgebietes bis in die Alpen machte das RWE zu einem Sonderfall unter den deutschen Energieversorgungsunternehmen. Bisher wurde in Deutschland das Verbundnetz mit einer maximalen Spannungshöhe von 110 kV betrieben. Aufgrund des großen Zugewinnes an Energie und der Erwartung weiterer hoher Zuwachsraten bei der Planung beschloss man, die 1924[2] erstmals in Plänen vorgelegte Verbundleitung statt für 220 kV gleich für eine noch höhere Spannung von 300 kV zu dimensionieren. Koepchen ging dabei von einer Leistungsaufnahme über 400 MW je Stromkreis bei einem Hohlseil mit 42 mm Durchmesser aus. Im November 1924 gründete die RWE gemeinsam mit dem Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke, dem Volksstaat Württemberg und dem Land Vorarlberg die Vorarlberger Illwerke.[3]

Dass die Nord-Süd-Leitung durch das Rhein-Main-Gebiet führen sollte, provozierte einen Konflikt mit dem Freistaat Preußen und der staatseigenen Preußischen Elektrizitäts AG, die den dortigen Strommarkt vom Kraftwerk Borken aus beliefern wollten. Die einzelnen Energieversorgungsunternehmen agierten damals noch größtenteils unverbunden als Inselnetze und versuchten daher, Abwerbungen von Großverbrauchern oder Gefährdungen ihrer jeweiligen Versorgungsgebiete zu verhindern. Preußen verweigerte daher die für den Weiterbau ab dem Umspannwerk Kelsterbach sowie die Mainquerung notwendigen Enteignungen und Genehmigungen, bis der Versorgungsvertrag geschlossen war. Der Konflikt wurde 1927 im sogenannten Elektrofrieden, in dem die Grenzen der Liefergebiete festgeschrieben wurden, vorläufig beigelegt.[4]

Auch auf dem Abschnitt zwischen Herbertingen und Umspannwerk Hoheneck wurden die Planer der Trasse vor Probleme gestellt. Der ursprünglich geplante direkte Weg wurde untersagt, um den Verkehr auf dem damaligen Flughafen Böblingen nicht zu beeinträchtigen. Stattdessen schlägt die Trasse dort einen großen Bogen um die benachbarten Städte Böblingen und Sindelfingen. Es kam in diesem Zusammenhang zu einem Rechtsstreit.[5]

Der erste Teilabschnitt der Nord-Süd-Leitung zwischen Neuenahr und Rheinau ging 1926 zur Probe mit 110 kV in Betrieb.[6] Anschließend wurde der Weiterbau nach Norden und Süden in Angriff genommen, zumal die Schluchseewerke sowie die Vorarlberger Illwerke ihre ersten Wasserkraftwerke errichteten.[7]

Die Umspannanlage Brauweiler, nördlicher Endpunkt, wurde in ihrem ersten Bauabschnitt am 28. Oktober 1928 als größte Freiluftschaltanlage Europas in Betrieb genommen.

Zusammen mit der Fertigstellung der Leitung verlegte das RWE 1929 seine Hauptschaltleitung vom Goldenbergwerk nach Brauweiler, wo sich bis heute die Systemführung Netze des Übertragungsnetzbetreibers Amprion befindet. Bereits am 12. Oktober 1929 ging der Abschnitt von Brauweiler über Koblenz, Kelsterbach und Mannheim-Rheinau bis nach Hoheneck in Betrieb, zusammen mit der Verbindung Goldenbergwerk–Brauweiler. Gleichzeitig begann die Hauptschaltleitung auf dem neuen Gelände mit ihrer Arbeit, die Lastverteilung und -übernahme der Kraftwerke und Stationen sicherzustellen.[8]

Am 10. April 1930 wurde mit Inbetriebnahme der Umspannwerke Herbertingen und Bludenz erstmals der parallele Verbundbetrieb zwischen rheinischen Kohlekraft- und alpinen Wasserkraftwerken aufgenommen.[8] Möglich wurde er durch die Fertigstellung des Vermuntwerkes als größtes Wasserkraftwerk Österreichs, das über die Umspannanlage Bürs an die Verbundleitung angeschlossen wurde.

Obwohl die Leitung mit 220 kV betrieben wurde, war sie – als weltweit erste Verbundleitung – von Anfang an vorausschauend für die erwartete höhere Spannungsebene 300 kV ausgelegt.[9] Allerdings wurde ein 300-kV-Netz in Deutschland nie verwirklicht, da die ab den 1950er Jahren benötigten höheren Transportleistungen als Spannungsebene 380 kV verwendeten.

Südlich von Kelsterbach verlief die Nord-Süd-Leitung zusammen mit zwei anderen Leitungstrassen sehr nah westlich am Flughafen Frankfurt vorbei. Da der Flughafen 1936, einige Jahre nach dem Bau der Leitungen, zum Verkehr zugelassen wurde, war es vonnöten, die Leitungen umverlegen zu lassen. Die 1946 hierzu aufgenommenen Planungen wurden jedoch kurze Zeit später wegen Materialmangels wieder zurückgestellt. Erst mit dem Bau der Leitung Aschaffenburg–Kelsterbach 1949, die in einer neuen Trasse den Flughafen 5 km weiter westlich umgeht, wurde das Projekt wieder aufgenommen und spätestens mit Inbetriebnahme der verlängerten Nordbahn 1957 auch fertiggestellt.[10][9]

1964 wurde ein Stromkreis der Sektion Ludwigsburg-Hoheneck–Herbertingen–Tiengen auf 380 kV umgestellt. Auch zwischen Herbertingen und dem Abzweig nach Obermooweiler wird auf der Trasse nach Bürs ein Stromkreis mit 380 kV betrieben. Der Abschnitt von Hoheneck nach Brauweiler wurde, obwohl die Energieerzeugung im rheinischen Revier immer weiter steig, nie auf eine höhere Spannung umgestellt, da schon in den 1950er Jahren die 380-kV-Leitung Rommerskirchen–Bürstadt–Hoheneck als erste 380-kV-Leitung in Deutschland den Abtransport der größeren Energiemengen bewerkstelligen konnte.

Trassenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südliche Abschnitte der Nord-Süd-Leitung bis Pfungstadt. Diese Teile sind heute noch in Betrieb.

Südliche Teile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die südlichen Stränge der Hochspannungsverbindung beginnen zum einen im österreichischen Umspannwerk Bürs bei Bludenz, zum anderen im Umspannwerk Tiengen an der schweizerischen Grenze. Beide Leitungen führen durch Oberschwaben und treffen sich am Umspannwerk Herbertingen, von wo aus sich eine einzelne Hochspannungsleitung fortsetzt. Alle diese Leitungen verlaufen auf C3-Masten.

Auf ihrem weiteren Weg zum Umspannwerk Hoheneck quert die Trasse die Schwäbische Alb und umgeht im Landkreis Böblingen den damaligen Flughafen Böblingen. Schließlich wird in nordöstlicher Richtung das Umspannwerk Hoheneck erreicht.

Von Hoheneck läuft die Leitung auf C1-Masten durch das Neckartal bis Heilbronn und folgt dann etwa der A 6 bis zum Umspannwerk Mannheim-Rheinau. Von dort verläuft sie nordwärts entlang der Bergstraße zum Umspannwerk Pfungstadt.

Rhein-Main-Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Pfungstadt existiert die ursprüngliche Leitung nicht mehr. Sie führte zunächst entlang der A 5 westlich an Darmstadt vorbei in nördliche Richtung, bis sie auf einige 110- und 220-kV-Leitungen vom Umspannwerk Urberach traf. Kurz vorher, bei Gräfenhausen, wurde über einen Leitungsabzweig eine Verbindung zum Umspannwerk Urberach über die 380 kV-Leitung Bürstadt–Urberach eingerichtet.

Dann passierte sie den Flughafen Frankfurt am Main, dessen Ausbaumaßnahmen mehrmals Trassenverlegungen erforderten. Zuletzt lief die Leitung gemeinsam mit anderen nach Querung der Riedbahn auf niedrigen Masten durch den Mönchbruch am Flughafengelände westlich vorbei bis zur A 3 und dann parallel zu dieser östlich bis zum Umspannwerk Kelsterbach.

Hinter Kelsterbach querte die Leitung den Main und führte am Umspannwerk Marxheim vorbei, an das die Leitung über einen 220 kV-Stromkreis angeschlossen war.

Nördlicher Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Marxheim verlief die ursprüngliche Trasse zunächst östlich, dann westlich der A 3 über den Taunus nach Rheinland-Pfalz, wo sie den Rhein querte und zum Umspannwerk in Koblenz-Wallersheim führte.

Danach führte sie westlich des Rheines parallel zur 380-kV-Leitung Rommerskirchen–Hoheneck, der ältesten 380-kV-Freileitung Deutschlands, über die Höhen der östlichen Eifel nach Nordrhein-Westfalen. Die flache Ebene der Kölner Bucht wurde erreicht und Bonn westlich umgangen, ehe das einige Kilometer westlich von Köln gelegene Umspannwerk Brauweiler und damit der Endpunkt der Leitung erreicht wird.

Nur der Abschnitt von Sechtem nach Brauweiler ist heute noch auf den ursprünglichen C2-Masten verlegt, der Rest der Leitungstrasse wird stattdessen von einer 380-kV-Leitung genutzt.

Verwendete Maste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesamte Leitung war ursprünglich auf Freileitungsmasten mit Dreiebenenanordnung installiert. Der größte Teil der Leitung südlich Pfungstadt liegt noch heute auf Originalmasten.

Für die 1926 in Betrieb genommene Sektion von Hoheneck über die Umspannwerke Rheinau, Kelsterbach und Koblenz bis Bad Neuenahr wurde der C1-Mast verwendet, für die anderen Abschnitte Maste der Typen C2 und C3, je nach erwarteter Eislast. Der Wechsel von C2/C3- auf C1-Masten findet dabei heute im Umspannwerk Hoheneck statt, früher noch einmal auf freier Strecke an der Landesgrenze von Rheinland-Pfalz zu Nordrhein-Westfalen westlich des Grafschafter Ortsteils Oeverich. Einzelne C3-Maste wurden nördlich von Hoheneck bei Querungen von Autobahnen oder Flüssen eingesetzt.

C1-Mast: vorn ein Abspannmast, dahinter Tragmaste

C1-Mast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der C1-Mast ist für zwei Drehstromkreise mit einer Spannung von 220 kV in Dreiebenenanordnung als Tonnenmast ausgelegt, wobei die beiden unteren Traversen miteinander verstrebt sind und bei Tragmasten einen etwas geringen Abstand zueinander aufweisen. Sie wurden auf den zuerst errichteten Teilstrecken eingesetzt.

Heute findet man C1-Maste noch auf großen Teilen des Abschnitts von Pfungstadt über Mannheim-Rheinau nach Hoheneck. Bei Wiesloch und im Abschnitt LeingartenNeckarwestheim wurde die Nord-Süd-Leitung mittlerweile auf gemeinsamen Trassen mit anderen Leitungen verlegt, die Originalmaste wurden auf diesen Abschnitten abgebaut. Bei Grombach wurde der Leitungsverlauf aufgrund der Einrichtung eines Autobahn-Behelfsflugplatzes auf der nahen A 6 nachträglich geändert und niedrige Einebenen- und Donaumaste eingesetzt. Auch wurden einzelne Masten durch Neukonstruktionen ersetzt.

C2/C3-Mast

C2- und C3-Mast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Tonnenmaste mit drei separaten Traversen können für Drehstromleitungen mit ein oder zwei Stromkreisen bis 380 kV verwendet werden. Sie sind konstruktiv gleich aufgebaut, der C3-Typ ist durch Verwendung verstärkter Bauteile für die vierfache Eislast ausgelegt.

Noch heute existiert der größte Teil der C3-Masten südlich von Hoheneck, während die auf dem nördlichen Abschnitt befindlichen C2-Masten schrittweise demontiert werden.

Auch die 1928 errichtete Schaltleitung vom Kraftwerk Goldenberg nach Brauweiler, die teilweise parallel zur Nord-Süd-Leitung verläuft, ist auf solchen Masten verlegt. Sie wird heute allerdings nur noch mit 110 kV betrieben.[11]

Demontagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neue 380-kV-Leitung Marxheim–Koblenz, die die hier abgebaute Nord-Süd-Leitung ersetzt

Marxheim–Koblenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Abschnitt wurde in den Jahren 1979–80 im Zuge der Errichtung des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich vollständig abgebaut und durch eine neu errichtete 78 Kilometer lange 380-kV-Leitung ersetzt – eine der wenigen 380-kV-Leitungen in Deutschland, die fast durchgehend auf Tonnenmasten installiert sind.[12] Einer der beiden Stromkreise wird mit 220 kV betrieben. Im Jahr 2008 wurde diese Leitung generalsaniert und ein Betrieb mit zwei 380-kV-Stromkreisen ermöglicht.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Hünfelden zweigt davon eine auf Donaumasten verlegte 380-kV-Leitung zum Umspannwerk Offheim ab und führt von da weiter zum Umspannwerk Dauersberg. Diese Leitung wurde 2009 errichtet und ersetzt die in den 1930er Jahren errichtete 220-kV-Leitung Koepchenwerk–Limburg–Kelsterbach, die zwischen Limburg und Kelsterbach größtenteils demontiert wurde.

Kurz vor Erreichen der Umspannanlage in Wallersheim quert die Leitung den Rhein mit zwei Spannfeldern. In diesem Bereich trägt sie auch zwei Stromkreise der 110-kV-Ebene. Das Umspannwerk selbst wurde im Jahr 2010 um eine 380-kV-Schaltanlage erweitert, seitdem läuft der 380-kV-Stromkreis nicht mehr an der Anlage vorbei nach Weißenthurm.

Pfungstadt–Marxheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Bau der Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens musste das Umspannwerk Kelsterbach mitsamt aller Leitungsverbindungen verlegt werden. Neben der Erdverkabelung der zuführenden Leitungen wurde beschlossen, die Nord-Süd-Leitung zwischen Pfungstadt und Marxheim komplett abzubauen. Dies geschah auch im Hinblick auf die Umstrukturierungsmaßnahmen im deutschen Stromnetz, die mittelfristig den Wegfall der 220-kV-Höchstspannungsebene vorsehen. Auch wurde das Umspannwerk Kelsterbach um eine 380-kV-Anlage erweitert und in eine räumlich kompaktere Innenraumschaltanlage umgebaut.

Schon 2005 wurde eine mit 220 kV betriebene, aber bereits für 380 kV ausgelegte Direktverbindung zwischen Pfungstadt und Marxheim eingerichtet. Diese liegt auf der 380-kV-Trasse zwischen Pfungstadt, Griesheim, Trebur, Bischofsheim und Marxheim.[13]

Von 2007 bis 2008 wurde der Leitungsabschnitt Pfungstadt–Kelsterbach abgebaut. Der 220-kV-Abzweig nach Urberach existiert noch, ist aber spannungslos und endet an einem Abspannmasten der Leitung nach Urberach blind.

Der Abschnitt zwischen Kelsterbach und Marxheim wurde 2009 durch eine 380-kV-Leitung ersetzt, die bei Marxheim von der bestehenden Leitung von Pfungstadt nach Kriftel anzweigt, wozu die Originalmasten abgebaut und durch Donaumasten ersetzt wurden. Das Umspannwerk Marxheim wird zwar noch passiert, aber nicht angebunden, da es über keine 380-kV-Schaltanlage verfügt.

Koblenz–Sechtem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Umstrukturierungsmaßnahmen im deutschen Stromnetz sowie der im Zuge der Energiewende benötigten neuen Nord-Süd-Trassen von Höchstspannungsleitungen wurde und wird der Leitungsabschnitt von Wallersheim nach Brauweiler sukzessive in eine 380-kV-Leitung umgewandelt. Die Originalmasten werden hierbei durch andere Bauformen ersetzt. Anfang 2009 wurde mit dem Abbau der C1-Masten zwischen Koblenz-Wallersheim und Weißenthurm begonnen[14]. Aufgrund bereits bestehender Höchstspannungsleitungen wurde keine Ersatzleitung gebaut, im ehemaligen Trassenkorridor verläuft heute eine 110-kV-Leitung als Ersatz für benachbarte 110-kV-Trassen.

Ein Jahr später begannen die Umbauarbeiten zwischen Weißenthurm und der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Seit Februar 2011 ist die Originalleitung zusammen mit einer alten 110-kV-Leitung in diesem Abschnitt vollständig demontiert und eine 33 Kilometer lange, kombinierte 380/110-kV-Leitung in Betrieb.[15]

Im Mai 2012 folgte der rund 30 Kilometer lange Abschnitt von der Landesgrenze nach Sechtem.[16] Auch hier wurde neben der Nord-Süd-Leitung eine alte 110-kV-Leitung demontiert und die Systeme auf 92 neue Masten übertragen. Im Anschluss wurden die alten Leitungsmasten abgebaut. Mit der Fertigstellung im November 2013 konnte die neue Leitung dann auch mit 380 kV in Betrieb gehen, da sie nun an das 380-kV-Umspannwerk in Sechtem angeschlossen ist.[17] In ihrem Endausbau soll diese Höchstspannungsleitung bis zur Umspannanlage in Wesel verlaufen, wo derzeit ein Anschluss an das niederländische Stromnetz errichtet wird. Die Leitungsverbindung dient dann auch dem Transport von im Norden Deutschlands erzeugter Windenergie in die Ballungszentren im Süden.

Im März 2017 wurde mit bauvorbereitenden Arbeiten für das letzte Teilstück zwischen Sechtem und Brauweiler und weiter bis nach Rommerskirchen begonnen. Geplantes Fertigstellungsdatum ist 2019. Dann werden die letzten C2-Masten demontiert.[18]

Umbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch entlang der noch bestehenden Abschnitte, die größtenteils auf den Originalmasten aus den 1920er Jahren verlegt sind, wurden an zahlreichen Stellen einige Umbauten durchgenommen. Vereinzelt mussten Masten versetzt oder neu gebaut werden, weil sie Straßen oder Baugebieten im Weg standen, mitunter wurden jedoch auch im Trassenraum Veränderungen vorgenommen.

  • Vieles spricht dafür, dass der Tiengener Zweig ursprünglich an einem Abzweigmast südlich des Dorfes Wolfartsweiler bei 47° 59′ 43″ N, 9° 26′ 51″ O an den Bludenzer Zweig fest angekoppelt war und erst 1943, als die Mittelstufe des Schluchseewerks in Betrieb ging, separat zum Umspannwerk Herbertingen geführt wurde.
  • Zwischen dem Umspannwerk Grünkraut und der österreichischen Grenze wurden alle C3-Masten durch moderne Konstruktionen ersetzt.
  • 2008 wurde ein 380 kV-Abzweig der Leitung von Rommelsbach nach Metzingen gebaut und hierzu ein neuer Abzweigmast errichtet.
  • Zwischen Neckarwestheim und Leingarten wurde in der Leitungstrasse eine 380-kV-Leitung gebaut, die zusätzlich die 220-kV-Kreise der Nord-Süd-Leitung mitführt.
  • Im Abschnitt zwischen den Umspannwerken Ludwigsburg-Hoheneck und Mannheim-Rheinau wurde im Jahr 2003 ein Stromkreis entbehrlich; daher wurden auf diesem Teilstück zwischen dem 10. November und den 16. Dezember 2003 die beiden untersten Leiterseile demontiert, um eine bessere Nutzung des Platzes unter der Leitungstrasse zu ermöglichen. Aus statischen Gründen wurde ein vierter, jetzt spannungsloser Leiter als Ankerphase auf den Masten belassen. An einem Mast bei Leingarten wurden auch die Querstreben umgesetzt.
  • Die Leitung kreuzt die A6 westlich der Anschlussstelle Bad Rappenau auf sehr niedrigen Einebenenmasten und passiert das Dorf Grombach auf neueren Donaumasten, bevor sie westlich von Grombach wieder auf die C1-Originalmasten wechselt. Dieser Umbau wurde erforderlich, weil südlich von Grombach ein Autobahn-Behelfsflugplatz eingerichtet wurde. In der Ortschaft Grombach selbst wurden um 2009 neue Masten mit zwei Traversen errichtet, die nur für einen Stromkreis ausgelegt sind.
  • Im Sommer 2009 wurde ein Abschnitt der Leitung zwischen Leimen und Schatthausen auf die Trasse der 220-kV-Hochspannungsleitung Neurott-Hüffenhardt umverlegt, um einem Neubaugebiet in Nußloch Platz zu machen.

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rommelsbach – Herbertingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Reutlingen-Rommelsbach und Herbertingen plant der Betreiber Amprion, die Nord-Süd-Leitung auf 61 km auf vollständigen 380-kV-Betrieb umzurüsten und die 220 durchschnittlich 43 m hohen Originalmasten in diesem Abschnitt durch 181 Neukonstruktionen in Form von durchschnittlich 55 m hohen Tonnenmasten Typ D zu ersetzen. Auch die Leiterseile werden ersetzt, statt Zweierbündel werden Viererbündel zum Einsatz kommen, wodurch die Übertragungsleistung von 1000 auf 1800 MVA pro Stromkreis steigt.[19] Die Inbetriebnahme der neuen Leitungsverbindung ist für das Jahr 2019 vorgesehen.[20]

Vier der Originalmasten aus dem Jahr 1928 sollen allerdings erhalten werden: Ein etwa 700 m langes Leitungsteilstück bei Eningen unter Achalm bleibt als Industriedenkmal bestehen, die neue Leitung wird hier südlich der jetzigen Trasse verlaufen.[21]

Pfungstadt – Weinheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2022 plant Amprion den Bau einer neuen 380-kV-Verbindung zwischen den Umspannwerken Urberach, Pfungstadt und Weinheim mit Fortführung nach Daxlanden bei Karlsruhe durch TransnetBW. Diese wird größtenteils im Trassenraum der Nord-Süd-Leitung im Bereich von Pfungstadt bis Rheinau errichtet, so dass die Originalmasten, darunter die letzten voll beseilten C1-Masten, dann abgebaut werden.[22][23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bildergalerie der Nord-Süd-Leitung – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Nord-Süd Leitung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Übersichten auf OpenStreetMap[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Norbert Gilson: Der Irrtum als Basis des Erfolgs. Das RWE und die Durchsetzung des ökonomischen Kalküls der Verbundwirtschaft bis in die 1930er Jahre, in: Helmut Maier (Hrsg.): Elektrizitätswirtschaft zwischen Umwelt, Technik und Politik: Aspekte aus 100 Jahren RWE-Geschichte 1898–1998, Freiberg 1999, S. 75.
  2. Udo Leuschner: Kurzschluß, Münster 2007, S. 268; ders.: Basiswissen RWE errichtete die erste „Verbundleitung“, abgerufen am 8. Februar 2014.
  3. Ulrich Pleitgen: In Gedanken bei Arthur Koepchen (1878 - 1954), abgerufen am 4. November 2016
  4. Norbert Gilson: Der Irrtum als Basis des Erfolgs. Das RWE und die Durchsetzung des okonomischen Kalküls der Verbundwirtschaft bis in die 1930er Jahre, in: Helmut Maier (Hrsg.): Elektrizitätswirtschaft zwischen Umwelt, Technik und Politik: Aspekte aus 100 Jahren RWE-Geschichte 1898–1998, Freiberg 1999, S. 82.
  5. Landesarchiv Baden-Württemberg
  6. Norbert Gilson: Der Irrtum als Basis des Erfolgs. Das RWE und die Durchsetzung des okonomischen Kalküls der Verbundwirtschaft bis in die 1930er Jahre, in: Helmut Maier (Hrsg.): Elektrizitätswirtschaft zwischen Umwelt, Technik und Politik: Aspekte aus 100 Jahren RWE-Geschichte 1898–1998, Freiberg 1999, S. 78.
  7. RWE AG: Chronik 1921-1930. Abgerufen am 16. Juni 2015.
  8. a b VDE Chronik der Elektrotechnik: Stromerzeugung, Stromübertragung und Stromverteilung. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  9. a b Der Staats-Anzeiger für das Land Hessen, Jahrgang 1956, Nr. 2 erwähnt auf S. 38 ein Enteignungsverfahren zugunsten des Betriebes einer 220/300-kV-Hochspannungsfreileitung von Kelsterbach nach Rheinau.
  10. Chronik Flughafen Frankfurt am Main: Aus dem Nachlaß von Verkehrsdirektor Rudolf Lange der Flughafen Frankfurt AG, Seite 167. Abgerufen am 2. April 2017.
  11. Jahr 1928 Chronik der Elektrotechnik, abgerufen am 8. Mai 2016
  12. Die Drucksache 9/1631 vom 11.10.1979 listet auf S. 4 die Hochspannungsfreileitung Koblenz–Marxheim als zurzeit in Bau befindlich.
  13. Erläuterungsbericht Hochspannungsleitungen. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  14. Energie Mittelrhein vom 6. Februar 2009: Älteste deutsche Hochspannungsleitung wird abgebaut. Abgerufen am 3. Juni 2014.
  15. Amprion: Wesel-Koblenz. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  16. Amprion: Projektbeschreibung. Abgerufen am 3. Juli 2015.
  17. Zeitung für kommunale Wirtschaft vom 27. November 2013: Leitung von Weißenthurm nach Sechtem in Betrieb. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  18. Amprion: Bauvorbereitung für die Freileitung zwischen Rommerskirchen und Bornheim-Sechtem. 3. März 2017, abgerufen am 19. März 2017.
  19. Alb-Bote: Neue Leitung, alte Trasse. Abgerufen am 12. Juli 2015.
  20. Amprion: Höchstspannungsleitung Reutlingen-Herbertingen. Abgerufen am 12. Juli 2015.
  21. Reutlinger General-Anzeiger vom 1. Juni 2016: Spannende Infotermine für die geplante Stromleitung. Abgerufen am 27. November 2015.
  22. Amprion: Projektbeschreibung Urberach-Weinheim. Abgerufen am 15. September 2016.
  23. TransnetBW: 380-kV-Netzverstärkung Weinheim–Karlsruhe. Abgerufen am 15. September 2016.