Universitätsklinikum Bonn

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Universitätsklinikum Bonn
Logo
Trägerschaft Anstalt des öffentlichen Rechts
Ort Bonn
Koordinaten 50° 42′ 6,1″ N, 7° 6′ 11,2″ OKoordinaten: 50° 42′ 6,1″ N, 7° 6′ 11,2″ O
Ärztlicher Direktor Wolfgang Holzgreve
Versorgungsstufe Klinikum der Maximalversorgung
Betten 1.232 Planbetten (2014)
Ärzte 1004,43 (2014)
Zugehörigkeit Universität Bonn
Gründung 1783/1. Januar 2001
Website http://www.ukbonn.de/
Bettenhaus 1 mit Notfallzentrum
Biomedizinisches Zentrum
Versorgungszentrum
Venusberg, nördlicher Bereich, von Westen aus gesehen
Venusberg, südlicher Bereich, von Westen aus gesehen
Venusberg, Gesamtansicht von Süden aus

Das Universitätsklinikum Bonn (kurz UKB) als selbständige Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) ist Nachfolgerin der bisherigen Medizinischen Einrichtungen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Das UKB übernimmt Aufgaben der Krankenversorgung einschließlich der Hochleistungsmedizin und im öffentlichen Gesundheitswesen. Für Forschung und Lehre der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn stellt es die Krankenversorgung sicher. Der überwiegende Teil der Kliniken, Institute und Lehreinrichtungen liegt auf dem Bonner Venusberg, unmittelbar am Naturschutzgebiet Kottenforst.

Das Universitätsklinikum besitzt (Geschäftsbericht 2014) 32 Kliniken, 1004,43 Ärzte (gerechnet in Vollkräften) und etwa 7.000 Mitarbeiter (5698,46 Vollkräfte).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1776 wurden an der Maxischen Akademie und späteren kurfürstlichen Universität Bonn (1784–1798), der Vorläuferin der heutigen, 1818 neugegründeten Universität, medizinische Lehrstühle eingerichtet. Auf diese wurden nicht nur rheinische, sondern auch Professoren aus Frankreich und Wien berufen. Nach der Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen und der anschließenden Machtübernahme durch die Preußen gründeten diese 1818 die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn neu – mit Lehrstühlen u.a. für Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe. Dafür entstanden in den Räumen des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses, damals wie heute das Universitäts-Hauptgebäude am Hofgarten, Kliniken für (Innere) Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe. Wegen des gestiegenen Platzbedarfs zogen diese Kliniken später im Deutschen Kaiserreich in Neubauten an der Theaterstraße im Gebiet der heutigen Beethovenhalle um.

Nach der Zerstörung durch einen Luftangriff am 18. Oktober 1944 wurden Teile des Klinikums in den Bunker im Dransdorfer Berg verlegt. In der Folge wurde beschlossen, die Flakkaserne auf dem Venusberg auszubauen und das Klinikum dauerhaft dorthin zu verlagern. Die Arbeiten begannen 1946, und am 28. November 1949 konnten die chirurgische und medizinische Klinik auf dem Venusberg einen Regelbetrieb aufnehmen. Andere Kliniken wie die Kinderklinik, die Medizinische Poliklinik und die Zahnklinik blieben im Tal.

Die medizinische Fakultät erlebte weiterhin ein stetiges Wachstum mit verschiedenen neuen Fachgebieten, manche davon in eigenen Kliniken. Um den modernen Anforderungen gerecht zu werden, wurde das Universitätsklinikum Bonn am 1. Januar 2001 in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt.

Das neue UKB-Logo symbolisiert die Symbiose von Forschung, Lehre und Krankenversorgung: Das Biomedizinische Zentrum legt sich – stellvertretend für Forschung und Lehre – schwungvoll in einem grauen Farbton um einen blauen Quader. Dieser steht für das markante "Bettenhaus I" des UKB, das auch das interdisziplinäre Notfallzentrum beherbergt, und symbolisiert somit die Krankenversorgung. Im alten Logo war der Turm des Verwaltungsgebäudes im Nordosten des Klinikgeländes abgebildet, der noch bis in die jüngere Zeit als Wasserreservoir diente.

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurzeit plant die Universität eine Umstrukturierung und Zentralisierung ihrer Standorte. In diesem Zusammenhang soll der universitäre Standort auf dem Venusberg gestärkt werden, in den Plänen der Stadt und Universität wird er als Campus Venusberg ausgezeichnet. Es ist geplant, dorthin die Poliklinik und die Kinderklinik zu verlagern,[1] so dass nur noch das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in der Innenstadt verbleibt.

In einem Architektur-Wettbewerb konnte der Siegerentwurf des Neubaus Eltern-Kind-Zentrum (ELKI) entschieden werden, der im Wesentlichen die Räume und Funktionen der Kinderklinik Adenauerallee ersetzen und mit der Geburtshilfe zusammenführen wird. Der bisherige Standort der Kinderklinik in der Adenauerallee im Bonner Stadtgebiet ist stark sanierungsbedürftig und durch die 6,5 km große Entfernung vom Rheinufer zum Campus Venusberg und den dort vorgehaltenen und mitgenutzten Strukturen der Krankenversorgung im Betrieb unwirtschaftlich.

Der Standort Wilhelmstraße mit der ehemaligen Medizinischen Poliklinik konnte freigezogen und außer Betrieb genommen werden. Hierzu war unter anderem die Schaffung von Ersatzflächen für Labore und die Schaffung von neuen Praktikumsräumen der Physiologie in der Anatomie an der Nussallee erforderlich. Zuvor waren bereits in den letzten Jahren zahlreiche Funktionen auf den Venusberg verlagert worden, insbesondere in den Neubau ZIM, das BMZ I und den Tempelbau.

Im Jahr 2008 gab das Bundesministerium für Bildung und Forschung bekannt, dass in Bonn das Deutsche Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) entstehen wird, in dem international führende Forschung zu Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson stattfinden wird. Dieses Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren wird auf dem Venusberg errichtet und wird dort eng mit dem Universitätsklinikum Bonn, dem Forschungszentrum caesar, dem Max-Planck-Institut für Alternsforschung in Köln und dem Helmholtz-Forschungszentrum Jülich zusammenarbeiten.[1][2]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kliniken/Zentren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Standort Venusberg: Augenklinik, Chirurgisches Zentrum, Dermatologie, Frauenklinik (Zentrum), Innere Medizin (Zentrum), Nervenklinik (Zentrum), Nuklearmedizin, Palliativmedizin, Radiologie, medizinische Poliklinik
  • Standort Innenstadt Bonn: Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Kinderklinik (Zentrum)

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Standort Venusberg: Angeborene Immunität; Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin (IHT); Experimentelle Immunologie; Genomische Mathematik (in Gründung); Hausarztmedizin; Humangenetik; Hygiene und öffentliche Gesundheit; Immunologie und Parasitologie (IMMIP); Medizinische Biometrie, Informatik und Epidemiologie (IMBIE); Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie; Medizinische Biometrie; Medizinhistorisches Institut; Medizinische Mikrobiologie; Molekulare Medizin; Molekulare Psychiatrie; Neuropathologie; Pathologie; Pharmakologie und Toxikologie; Pharmazeutische Mikrobiologie; Rekonstruktive Neurobiologie; Physiologie I; Virologie; Zelluläre Neurowissenschaften
  • Standort Innenstadt Bonn: Anatomie, Biochemie und Molekularbiologie, Physiologie II, Rechtsmedizin, Institut für Patientensicherheit

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genetische Medizin und Genetische Epidemiologie: Sprecher: Markus M. Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik
  • Neurowissenschaften: Sprecher: Christian E. Elger, Direktor der Epileptologischen Klinik
  • Immunologie und Infektiologie: Sprecher: Percy Knolle, Direktor des Instituts für Molekulare Medizin
  • Hepato-Gastroenterologie: Sprecher: Christian P. Strassburg, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, Allgemeine Innere Medizin
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems: Sprecher: Bernd Fleischmann, Direktor des Instituts für Physiologie I

Drei der fünf Schwerpunkte (Neurowissenschaften, Hepato-Gastroenterologie, Herz-Kreislauf-System) sind organbezogen, die Schwerpunkte Genetische Medizin und Immunologie sind organübergreifend.

Forschungsverbünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genetische Medizin und Genetische Epidemiologie

  • BMBF NGFN+ Affektive Störungen und Schizophrenie (M. Nöthen)
  • BMBF Netzwerk Seltene Krankheiten „CURE-Net“ (Reutter)
  • E-Rare Angioedema (S. Cichon)
  • Deutsche Krebshilfe Verbundprojekt Familiärer Darmkrebs (Peter Propping)
  • W3-Schwerpunktprofessur Genomic Bioinformatics (Land NRW) (Lange)

Neurowissenschaften

  • DFG-SFB/TR 3: Mesiale Temporallappen-Epilepsien (2012 auslaufend) (Steinhäuser)
  • DFG-Klinische Forschergruppe KFO 177: Angeborene Immunität bei chronischer Neurodegeneration (Wiederbegutachtung 2010) (Heneka, Klockgether)
  • DFG-Forschergruppe FOR 926: Pathologie und Pathophysiologie des Endocannabinoidsystems (Wiederbegutachtung 2011) (Zimmer)
  • BMBF-BioPharma-Wettbewerb Biopharma-Neuroallianz: Neue Drug Targets und Protektions-Strategien für neurodegenerative Erkrankungen – Identifizierung von microRNAs und deren Ziel-mRNAs (2009 - 2012) (Pfeifer; Müller, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)
  • BMBF Kompetenznetz Degenerative Demenzen (KNDD) (Wiederbegutachtung 2010) (Maier)
  • E-Rare Internationales Netzwerk für spinozerebelläre Ataxien (RISCA) (Wiederbegutachtung 2011) (Klockgether)

Immunologie und Infektiologie

  • Exzellenzcluster "ImmunoSensation: Das Immunsystem als Sinnesorgan" (Hartmann)
  • DFG SFB 704 Molekulare Mechanismen und chemische Modulation der lokalen Immunregulation (Wiederbegutachtung 2013) (Kolanus, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät; Knolle)
  • DFG SFB 645 Regulation und Manipulation von biologischer Informationsübertragung in dynamischen Protein- und Lipid-Umgebungen (Wiederbegutachtung 2012) (Hoch, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)
  • DFG SFB 670 Zellautonome Immunität (Krönke, Universität Köln)
  • DFG-Forschergruppe FOR 854 Post-genomische Strategien für neue antibiotische Wirkstoffe und Zielstrukturen (Sahl)
  • DFG-Klinische Forschergruppe KFO 208 Ursachen und Folgen von Parodontopathien (Wiederbegutachtung 2011) (Deschner, Jäger, Jepsen)
  • W3-Schwerpunktprofessur Nichtkodierende RNA (Land NRW) (E. Latz)

Hepato-Gastroenterologie

  • DFG FB TRR 57 Organfibrose (Wiederbegutachtung 2013) (Trautwein, RWTH Aachen; Sauerbruch)

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

  • DFG-Forschergruppe FOR 917 Nanoparticle-based targeting of gene- and cell-based therapies (Nanoguide) (Wiederbegutachtung 2012) (Pfeifer)
  • NRW-Graduiertenschule Biotech Pharma (Wiederbegutachtung 2011) (Pfeifer; Müller, Mohr, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)

Andere Bereiche

Die Forschungsverbünde der Pharmakologie (BMBF Biopharma-Neuroallianz; DFG-Forschergruppe FOR 917; NRW-Graduiertenschule Biotech Pharma) sind in den kardiovaskulären und neurowissenschaftlichen Schwerpunkt integriert. Auf Universitätsebene bildet die Pharmakologie zusammen mit Instituten der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät das Pharmazentrum.

Im Bereich Onkologie gibt es drei Forschungsverbünde, zwei davon gemeinsam mit der Universität Köln:

  • DFG SFB 832 Molekulare Basis und Modulation der zellulären Interaktionen im Tumormikromilieu (Wiederbegutachtung 2013) (Hallek, Universität Köln)
  • Deutsche Krebshilfe Center for Integrated Oncology Köln/Bonn (CIO) (2. Förderperiode 07/2011 bis 06/2014) (Sprecher M. Hallek, Köln; Ärztlicher Leiter für Bonn: I. Schmidt-Wolf, Med. Klinik I, Bonn)
  • Die in der Zahnmedizin angesiedelte DFG-Klinische Forschergruppe KFO 208 unterstützt den immunologischen Schwerpunkt.

Weitere bzw. jeweils aktuelle Informationen auf der Internetseite des UKB unter „Forschung“

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Mediziner und Wissenschaftler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universitätsklinikum Bonn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b General-Anzeiger vom 7. Juni 2010: Zwei Standorte in der Innenstadt werden geschlossen Abgerufen am 30. November 2010
  2. www.bmbf.de: Schavan: "Bonn wird Standort für Deutsches Demenzzentrum" Abgerufen am 23. November 2011
  3. Erhart Kahle: Kilian, Hermann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 605 f. (Digitalisat).
  4. www.rheinische-geschichte.lvr.de: Paul Martini Abgerufen am 23. November 2011