Valerian Trifa

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Valerian Trifa (bürgerlich Viorel Trifa; * 28. Juni 1914 in Campeni; † 27. Januar 1987 in Cascais) war ein rumänisch-orthodoxer Priester und faschistischer Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Schäfers wurde als erstes von sieben Kindern geboren. Von 1931 bis 1935 studierte er an der Universität in Chișinău Theologie. Ab 1936 studierte er an der Universität Bukarest Philosophie und von 1939 bis 1940 in Berlin Geschichte.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trifa war Mitglied der faschistischen und antisemitischen Eisernen Garde. Im Jahr 1940 wurde er zum Präsident der Nationalen Union Rumänischer Christlicher Studenten (NUCRS) gewählt. In einer Radioansprache vom 20. Januar 1941 hetzte er in Bukarest gegen Juden. Am nächsten Tag wurden daraufhin in Bukarest tausende Juden verfolgt und einige hundert umgebracht. Im Jahr 1941 putschte die Garde erfolglos gegen den rumänischen Staatsführer Ion Antonescu. Die Führer der Garde, darunter auch Trifa, flohen in das Deutsche Reich. Trifa kam 1941 in ein SS-Erholungsheim in Berkenbrück.[1] Als Gast der Nazi-Regierung lebte er in relativ guten Verhältnissen. Im Jahr 1942 wurde er in Abwesenheit durch das rumänische Militärgericht zu lebenslanger harter Arbeit verurteilt.

1944 war Trifa Sekretär des orthodoxen Bischofs Visarion Puiu in Wien.

Karriere in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ging Trifa nach Italien. Im Jahr 1945 wurde er Professor für Alte Geschichte an einer katholischen Hochschule in Rom. Im Jahr 1950 immigrierte er nach Michigan in die Vereinigten Staaten. Gegenüber der Einwanderungsbehörde behauptete er, ein NS-Opfer und als Gefangener der Gestapo im Konzentrationslager Dachau gewesen zu sein. Zwei Jahre später wurde er Bischof der Rumänisch Orthodoxen Kirche in Amerika. Trifa ließ sich in den USA zum Priester weihen. Seinen Namen änderte er in Valerian. Durch seine Redekunst erwarb er sich hohes Ansehen in der rumänisch-orthodoxen Kirche. Er schaffte den Aufstieg vom einfachen Gemeindepriester zum Bischof und schließlich zum Erzbischof der Diözese von Detroit. Seine Gemeinde in Grass Lake wuchs auf 35.000 Mitglieder. Im Jahr 1955 durfte Bischof Trifa auf Vorschlag des damaligen Vizepräsidenten Richard Nixon das Eröffnungsgebet vor dem US-Senat sprechen. Trifa wurde als Mitglied in den Vorstand des Nationalrats der Kirchen in den USA aufgenommen. Zwei Jahre später erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im Jahr 1970 wurde er Erzbischof der Rumänisch-Orthodoxen Diözese Detroit.

Enthüllungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rumänische Einwanderer beschuldigten Trifa, an der Ermordung von Juden im Zweiten Weltkrieg beteiligt zu sein. Er soll ein Anhänger Adolf Hitlers und ein Führer der Eisernen Garde in Rumänien gewesen sein. Sie behaupteten auch, dass Trifa der Herausgeber der Zeitung der Eisernen Garde, der Libertatea, gewesen sein soll. Die Zeitung rief ebenfalls zu Gewalt gegen Juden auf. Trifa bestritt, Mitglied der Eisernen Garde gewesen zu sein, und sah sich als Opfer einer Verwechslung. Der New Yorker Zahnarzt und rumänische Flüchtling Charles Kremer bemühte sich zwanzig Jahre um Ermittlungen in diesem Fall. Kremer reiste nach Rumänien und Israel, um dort Beweise gegen Trifa zu sammeln. Er hatte seine Verwandten durch die Eiserne Garde verloren. Bereits 1953 hatte die CIA ein Dokument vorliegen, dass der Geistliche einer der Anführer des Aufstands der Eisernen Garde im Januar 1941 gewesen sei. Trifa halfen die guten Beziehungen zu FBI-Chef Edgar Hoover weiter. Hoover betrachtete Trifa als wichtige Persönlichkeit im Kalten Krieg. Männer wie Trifa verhinderten, dass Immigranten mit kommunistischen Regierungen in ihren Heimatländern sympathisierten.

Erst Mitte der 1970er Jahre nahm das Justizministerium die Ermittlungen auf und bat hierbei die westdeutsche Regierung um Mithilfe. Bei deutschen Nachforschungen wurden zwanzig Postkarten von einem Viorel Trifa gefunden. Durch Handschriftenanalysen konnte eine Übereinstimmung der Unterschriften zwischen dem Verfasser der deutschen Postkarten und dem Bischof ausgemacht werden. Auf einer Postkarte entdeckte man einen Fingerabdruck. Die Staatsanwälte bezweifelten jedoch, dass die Beweise gegen Trifa ausreichen würden. Neben den Handschriften hatten sie nur jahrzehntealte Augenzeugenberichte. Ein mutmaßlicher Fingerabdruck auf der Postkarte konnte zunächst nicht gesichert werden, da die deutsche Regierung eine Beschädigung der Postkarte befürchtete. In den 1970er Jahren wurden Fingerabdrücke noch mit einem Pulver sichtbar gemacht. Erst mehrere Jahre später konnte durch neue gerichtsmedizinische Techniken ein Fingerabdruck auf Schriftstücken sichtbar gemacht werden, ohne die Postkarte dabei zu beschädigen. Mit Hilfe der Lasertechnologie konnte der Fingerabdruck auf einer vierzig Jahre alten Postkarte gesichert werden. Der Fingerabdruck auf einer von Trifa 1942 verfassten Postkarte während eines Kuraufenthalts in Bad Mergentheim war identisch mit dem Fingerabdruck auf dem amerikanischen Einreisedokument. Der vierzig Jahre alte Fingerabdruck war der älteste latente Abdruck, den je eine Justizbehörde entdeckt hat. Daraufhin gab Trifa die amerikanische Staatsbürgerschaft auf. Nach zwei Tagen wurde die Verhandlung gegen ihn abgebrochen, da Trifa einer Verfügung zu seiner Abschiebung zustimmte.

Letzte Jahre im Asyl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweiz, Italien und Deutschland verweigerten seine Aufnahme. Zwei Jahre bemühte sich Trifa um Asyl. Im Jahr 1984 konnte er schließlich nach Portugal einreisen. Dort lebte er in Estoril. Im portugiesischen Exil starb Trifa drei Jahre später an einem Herzinfarkt. Sein Leichnam wurde in die USA überführt. Trifa fand sein Grab in Michigan am Sitz der Rumänisch-Orthodoxen Kirche.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fall „Valerian Trifa“ ist für die Entwicklung der Kriminaltechnik von besonderer Bedeutung. In der Reihe Medical Detectives (Dokument des Todes) wurde der Fall behandelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu das Verzeichnis der in Berkenbrück untergebrachten rumänischen Flüchtlinge in Gerhard Köpernik: Faschisten im KZ. Rumäniens Eiserne Garde und das Dritte Reich. Berlin 2014, S. 146.