Valerius Geist

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Valerius Geist in 2011

Valerius Geist (* 2. Februar 1938 in Nikolajew, damals UdSSR) war ein Biologe der Alberta Society of Professional Biologists und ist emeritierter Professor der Umweltwissenschaften der Fakultät Umweltgestaltung an der University of Calgary in Alberta, Kanada.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Valerius Geist wurde 1938 in Nikolajew am Schwarzen Meer geboren. Seine Mutter Olga Geist und sein Vater Alexej Antonowich Shutov waren beide Schiffbauingenieure. Im Zweiten Weltkrieg wurde sein Vater nach Murmansk versetzt. 1943 kamen Olga Geist und ihr Sohn Valerius als Flüchtlinge nach Wieselburg in Österreich. Dort wurde er auf den Familiennamen der Mutter umbenannt. Danach wurden beide in Flüchtlingslager nach Waldenburg, Schlesien, und dann in den Böhmerwald umgesiedelt. Von dort flohen sie in den Westen nach Marburg. 1953 wanderten sie nach Kanada aus. Er trat einem Kanadischen Schützenregiment bei, den Regina Rifles, in Regina, Hauptstadt der Provinz Saskatchewan. 1957 begann er sein Zoologiestudium an der University of British Columbia.

Aus Marburg stammte auch seine Ehefrau Renate Geist, geborene Brall, die er aber erst 1957 als Student an der Universität in Vancouver, British Columbia, kennenlernte. Renate Geist war Biologin und Bakteriologin sowie Lehrerin und berufliche Übersetzerin, die zwei Bände von Bernhard Grzimeks Enzyklopädie übersetzte.[1] Er heiratete sie 1961 und lebte mit ihr bis zu ihrem Tod 2014 in Vancouver Island, British Columbia.[2] 1961 ging er mit Renate in die nördliche Wildnis, um Wildschafe und Schneeziegen zu studieren. Seine nächsten Nachbarn waren zwei Familien der Tahltan Indianer, die etwa 60 km von ihnen entfernt lebten. Er blieb dort zwei Jahre, während Renate zurückging, als sie ihre erste Tochter erwartete. Seine dortige Forschung des Verhaltens der Stone’s Schafe wurde der Kern seiner Dissertation 1966.

Forschung und Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1966 promovierte er an der Universität British Columbia mit der Dissertation Verhalten und Evolution amerikanischer Bergschafe.[3]

Seine Studien vollendete er 1967 bis 1968 in Deutschland in Seewiesen am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie unter Konrad Lorenz. Seine fachlichen Schwerpunkte innerhalb der Biologie sind Verhaltensbiologie und soziale Dynamik großer Säugetiere in Nordamerika, insbesondere die Evolution von Huftieren und Wölfe.[4][5] Seit 1977 übt er als Gründungsmitglied und erster Direktor des Programms Umweltwissenschaften in der Fakultät Umweltgestaltung eine Lehrtätigkeit an der Universität Calgary aus. Geist war Präsident der heute nicht mehr existierenden Naturschutz-Organisation Wildlife Heritage Ltd. Diese beschäftigte sich mit der Taxonomie und Ökologie großer Säugetiere im Verhältnis zu ihrem gesetzlichen Schutzstatus, industriellen Entwicklungen und Konflikten bei der Landnutzung und entwickelte Kriterien zur Bewertung der Umweltauswirkungen. Er verfasste Gutachten über Lebensräume und Verhalten der Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung, über gesetzliche Regelungen, auch über das Problem von Kollisionen von Wildtieren mit Fahrzeugen in den USA und Kanada. Er setzte sich beim Senat des Bundesstaates Montana und beim parlamentarischen Ausschuss für Umweltschutz für die Erhaltung der Wildtiere ein und im Bundesstaat Ottawa für nachhaltige Entwicklung.

Anfangs unterstützte er die Haltung von Wild in Ranchen als Form, die Tiere zu nutzen und gleichzeitig zu schützen. Dann warnte er jedoch, dass die Empfehlung der Regierung von Alberta, dies zu tun, sowohl wissenschaftlich als auch ökonomisch ein Fehler sei. Als dann wegen Kalamitäten durch Krankheiten und wegen des Zusammenbruchs des Marktes für das Wildbret der dort gehaltenen Tiere viele Rancher gezwungen waren, ihre Tiere zu schlachten und ihre Betriebe zu schließen, fand das Bestätigung.[2]

Valerius Geist hat einen reichen Erfahrungsschatz mit den Tieren der Wildnis[6] und ist ein Freund der waidgerechten Jagd. Geist stellte auch Theorien zur Lebensweise des Neanderthalers auf. Er sieht dessen Aussterben in der letzten Kaltzeit des Pleistozäns eher in Zusammenhang mit dem Verschwinden der großen langhaarigen Säugetiere, die seine Lebensgrundlage darstellten, und weniger mit der Ausbreitung des Cro-Magnon-Menschen. An Skeletten von Neandertalern fand er Verletzungen, die denen moderner Rodeo-Reiter ähneln. Als Ursache vermutet er eine Jagdweise, bei welcher Jäger auf das Beutetier sprangen und versuchten, es von oben her zu töten.[7]

Geist ist aktives Mitglied im Boone and Crockett Club[8], im Internationalen Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes und Mitglied der IUCN. [9]

Geist weist auf die Übertragung von Echinokokkus-Infektionen durch Wölfe auf Haushunde hin, die dann beim Menschen zur zystischen Echinokokkose führen.[10][11] Beim Verhalten des Wolfes gegenüber dem Menschen beschreibt Geist sieben Stufen von starker Scheu und Meiden der Nähe des Menschen bis hin zu Angriffen auf Menschen, die unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden können und auch stattgefunden haben.[12][13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geist erhielt 2003 den Elk Foundation’s Olaus Murie Award. 2004 wurde ihm der Wilderness Defenders Award von der Alberta Wilderness Association verliehen.[14]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Valerius Geist, Dale E. Toweill: Living on the Edge – The Mountais Goat’s World. Boone and Crockett – Falcon Pr 2013. ISBN 978-0-940864-65-8
  • Valerius Geist: Life Strategies, Human Evolution, Environmental Design: Toward a Biological Theory of Health. Springer Verlag 1978, Neuauflage 2011. ISBN 978-1-4612-6327-2
  • Valerius Geist; Will N. Graves: Wolves in Russia – Anxiety Through the Ages. Detselig Enterprises 2007. ISBN 978-1-55059-332-7
  • Devra G. Gleiman (Hrsg.), Valerius Geist (Hrsg.), Melissa C. McDade (Hrsg.), Joseph E. Trumpey (Illustrator): Grzimek’s Animal Life Encyclopedia: Mammals. Gale 2003. ISBN 978-0-7876-5788-8.
  • Valerius Geist: Mountain Sheep and Man in the Northern Wilds. Blackburn Pr. 2002. ISBN 978-1-930665-47-7
  • Valerius Geist: Whitetail Tracks: The Deer’s History and Impact in North America by Valerius Geist, Krause Publications 2001.
  • Valerius Geist, Michael H. Francis (Fotograf): Moose: Behavior, Ecology, Conservation. Voyager Press Inc. U.S. 1999 ISBN 978-1-55059-332-7
  • Dale E. Toweill, Valerius Geist, Ken Carlson: Return of Loyality – Wild Sheep of North America. Boone and Crockett Club 1999. ISBN 978-0-940864-33-7
  • Valerius Geist: Deer of the World: Their Evolution, Behaviour, and Ecology. Stackpole Books 1998. ISBN 978-0-8117-0496-0
  • Valerius Geist: Records of North American Caribu and Moose. Boone and Crockett Club 1997.
  • Valerius Geist: Buffalo Nation: History and Legend of the North American Bison. Voyageur Press 1996. ISBN 978-0-89658-313-9
  • Bruce L. Smith, Daniel A. Pedrotti, Valerius Geist, Bart W. O'Gara, Jack Reneau, Hayden Lambson, Ruby W. Dahl, Susan Reneau: Records of North American Sheep, Rocky Mountain Goats and Pronghorn. Boone and Crockett Club 1996. ISBN 978-0-940864-28-3
  • Ian McTaggart-Cowan, Valerius Geist: Wildlife Conservation Policy. Brush Education 1995. ISBN 978-1-55059-114-9
  • Rick Riewe; E. Fred Roots, Andrew L. Hamilton, M. Hussein Sadar, John McEwen, Valerius Geist: The Role of Science in Environmental Impacts Assessment: Workshop Proceedings (Occasional Publications Series). CCI Press 1994. ISBN 978-0-919058-88-0
  • Valerius Geist, Michael H. Francis (Fotograf): Wild Sheep Country. Northword Press 1993, ISBN 978-1-55971-212-5
  • Valerius Geist, Michael H. Francis: Elk Country (Wildlife Country), Northword Press 1991. ISBN 978-1-55971-128-9
  • Valerius Geist; Michael H. Francis (Fotograf): Antelope Country: Pronghorns – The Last Americans, Krause Publications 2001, ISBN 978-0-87349-279-9
  • Valerius Geist, Michael H. Francis: Mule Deer Country. Northword Pr 1990. ISBN 978-1-55971-076-3
  • Michael Hutchin, Valerius Geist: Behavioural Considerations in the Management of Mountain-Dwelling Ungulates. Mountain Res and Devel 1987.
  • Valerius Geist: Mountain Sheep and Man in the Northern Wilds. Conell University Press 1975. Neuauflage: The Blackburn Press 2002. ISBN 978-1-930665-47-7
  • Valerius Geist: Mountain Sheep: A Study in Behavior and Evolution. Wildlife Behavior and Ecology. University of Chicago Press 1972. ISBN 978-0-226-28572-6

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Valerius Geist (2010): Comments on the report “Ensuring a Future for Canada’s Grizzly Bears” (Digitalisat)
  • Rebuttal: Dr. Valerius Geist Responds To Newsweek Article On Trophy Hunting (2010) (online)
  • Valerius Geist (2009): Wolves – When Ignorance Is Bliss (online)
  • Valerius Geist (2007): Wann werden Wölfe gefährlich für den Menschen? (online)
  • Valerius Geist (2007): Circumstances leading to wolf attacks on people (online)
  • Valerius Geist: Wolves on Vancouver Island (Digitalisat)
  • Wolf Report from biologist Valerius Geist (2006) (online)
  • Beiträge zur Jagd- und Wildforschung Band 39 (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.yatesmemorial.ca/notices/Renate-GEIST
  2. a b Wildlife Scientist Devotes Rich Life to Educating the Public. In: Alberta Wilderness Association, 28. Oktober 2004, abgerufen am 9. Februar 2017. (PDF; 29 kB)
  3. Valerius Geist: On the behaviour and evolution of American mountain sheep In: Universität Britisch Columbia, 4. Oktober 1966, abgerufen am 9. Februar 2017.
  4. Valerius Geist: Archive für Dr. Valerius Geist In: Wolf Education International, abgerufen am 9. Februar 2017.
  5. Valerius Geist: Buffalo Nations. Voyageur Press, 1996. ISBN 978-1-61060-360-7, S. 19–31 (Vorschau in der Google-Buchsuche)
  6. Stefan Willeke: Raubtiere: Fürchtet sich der Wolf wirklich vor Menschen? In: Die Zeit. 16. April 2015, abgerufen am 9. Februar 2017.
  7. Valerius Geist: The Neanderthal Paradigm. In: cogweb.ucla.edu. 19. April 2000, abgerufen am 9. Februar 2017.
  8. Boone and Crockett Club: Valerius Geist. 2008, abgerufen am 9. Februar 2017.
  9. IUCN Publications Volume 2, Nr. 24. 1974, abgerufen am 9. Februar 2017 (PDF; 6,52 MB).
  10. Some information for people in areas where wolves have become common. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  11. Archives for Disease / Echinococcus multilocularis. In: Wolf Education International. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  12. Valerius Geist: Wann werden Wölfe gefährlich für die Menschen? In: Wolf Education International. 19. August 2014, abgerufen am 9. Februar 2017.
  13. Valerius Geist: Wolves: When Ignorance Is Bliss. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  14. Wilderness Defenders Award. In: Alberta Wilderness Association. Oktober 2004, abgerufen am 9. Februar 2017.