Vennquerbahn

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Jünkerath – Weywertz
Strecke der Vennquerbahn
Streckennummer: 3003 (Jünkerath – Losheim (Eifel) – Grenze)
Kursbuchstrecke (DB): zuletzt 248 k
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Eifelbahn von Trier
Bahnhof, Station
0,0 Jünkerath
   
Eifelbahn nach Hürth-Kalscheuren
   
Jünkerather Kurve von Abzw Glaadt
   
Abzw Niederkyll
   
4,2 Stadtkyll
   
5,830 Rheinland-Pfalz / Nordrhein-Westfalen
   
7,4 Kronenburg
   
9,290 Nordrhein-Westfalen / Rheinland-Pfalz
   
10,5 Hallschlag
   
15,120 Rheinland-Pfalz / Nordrhein-Westfalen
   
Deutschland / Belgien (1949–1958)
   
16,3 Losheim (Eifel)
   
19,7 Deutschland / Belgien (1920/1925–1940, 1945–1949 und ab 1958)
   
23,3 Losheimergraben
   
26,1 Honsfeld
   
29,6 Büllingen
   
34,1 Bütgenbach
   
Vennbahn von Aachen-Rothe Erde
   
38,2 Weywertz
   
Vennbahn nach Sankt Vith

Die Vennquerbahn zweigte in Jünkerath nach Nordwesten von der Eifelbahn in Richtung Belgien ab und fädelte sich bei Weywertz in die Vennbahn ein. Sie war zuletzt eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn. Oft wird ihr auch die weiterführende Strecke des Vennbahnsystems über Malmedy nach Stavelot zugerechnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke wurde bereits 1904 geplant, in erster Linie aus strategischen Gründen als eine Verlängerung der Bahnstrecke Dümpelfeld–Hillesheim–Lissendorf mit Anschluss an die Vennbahnstrecke. Die zweigleisige Nebenbahn-Neubaustrecke Dümpelfeld–Jünkerath–Weywertz wurde am 1. Juli 1912 feierlich eröffnet.[1] Hintergrund für den ab 1909 unter Hochdruck voran getriebenen Bau der Bahnlinie war der sogenannte Schlieffen-Plan. Dieser sah für den Fall einer militärischen Konfrontation mit Frankreich einen schnellen deutschen Vorstoß über das neutrale Belgien nach Frankreich vor, da die deutsch-französische Grenze von den Franzosen mit Sperranlagen befestigt worden war und als schwer überwindlich galt. Über die nur rund 150 Kilometer lange deutsch-belgische Grenze sollte daher der Hauptstoß der deutschen Armeen führen. Deswegen wurde seit der ersten Marokkokrise, in deren Folge sich die bereits bestehenden Spannungen mit Frankreich erheblich verschärften, im potentiellen Aufmarschgebiet des deutschen Heeres in der Westeifel zahlreiche Bahnstrecken neu errichtet oder ausgebaut. Als eine der wenigen Ost-West-Verbindungen nach Belgien mit Anschluss an das Bahnnetz des Nachbarlandes kam der Vennquerbahn eine herausragende Bedeutung zu; sie wurde daher nach den strengen Kriterien der deutschen Armeeführung errichtet, mit mäßigen Steigungen für Transportzüge mit bis zu 110 Achsen, durchweg zweigleisig, weitgehend ohne niveaugleiche Bahnübergänge, mit viergleisigen Ausweichbahnhöfen in Kriegszuglänge (680 Meter) alle drei Kilometer, gut ausgebauten Entladestationen und ergänzender Infrastruktur für die Versorgung der Dampfloks mit Wasser und Kohle. Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) war die Vennquerbahn folglich eine zentrale Versorgungsader der deutschen Armeen an der Westfront, über die pausenlos die Transportzüge nach Belgien und Frankreich rollten.[2]

Mit dem Versailler Vertrag musste die Region Eupen-Malmedy an Belgien abgetreten werden. Die Vennquerbahn unterstand nun von Weywertz bis Losheimergraben (Grenze) der Belgischen Staatsbahn. Die Teilstrecke Losheim–Jünkeralh (Kylltalbahn) verblieb bei den Preußischen Staatseisenbahnen. Das zweite Gleis wurde 1930 auf Druck der belgischen Seite abgebaut und im Bereich der Deutschen Reichsbahn (DR) der vereinfachte Nebenbahnbetrieb eingeführt. 1935 wurde die Jünkerather Kurve Abzw Glaadt–Abzw Niederkyll stillgelegt, am 1. Januar 1942 aber wieder in Betrieb genommen.

Viadukt der Vennquerbahn bei Bütgenbach mit einem Museumsbahnzug.
US-Soldaten passieren am Jahresende 1944 das zerstörte Viadukt.

Mit dem Bau des Westwalls ab 1936 wurde die Strecke wieder stark genutzt, und zwar für den Transport der Baumaterialien und der Arbeitskräfte. Aus diesem Grunde wurde die Sicherung der Bahnlinie 1938 wieder vom vereinfachten Nebenbahnbetrieb auf Regelbetrieb umgestellt. Im Westfeldzug 1940 war die Strecke kurzfristig wieder ein wichtiger Transportweg der deutschen Armee und erlebte erneut starken Verkehr. Beim Rückzug der Wehrmacht im September 1944 wurden wichtige Brücken der Strecke von deutschen Pionieren gesprengt, darunter der markante Viadukt von Bütgenbach. Der provisorische Wiederaufbau erfolgte allerdings noch während des Krieges durch US-Pioniere und nach Kriegsende durch die wieder zuständige belgische Staatsbahn im Westen sowie im Ostteil durch die Reichsbahn (ab 1949 Deutsche Bundesbahn). Nach der endgültigen Beseitigung der Kriegsschäden erfolgte am 8. Juli 1947 die Wiederaufnahme des Verkehrs, der in den ersten Nachkriegsjahren zunächst noch relativ intensiv war, bald aber drastisch zurück ging, so dass eine schrittweise Einstellung des Personenverkehrs bald darauf folgte: 1952: Losheim (Eifel) – Weywertz, 26. Mai 1963: Jünkerath – Losheim (Eifel). Da der Personenverkehr, abgesehen von den ersten Nachkriegsjahren, immer nur ein Schattendasein führte und das Güteraufkommen ohne militärische Transporte gering war, erfolgte 1956 erneut die Umstellung auf vereinfachten Nebenbahnbetrieb.

Am 8. Oktober 1981 wurde auch der verbliebene Güterverkehr Jünkerath–Losheimergraben (Buchholz) eingestellt und die Strecke auf der deutschen Seite gesperrt. Vier Jahre nach der Stilllegung für den Gesamtverkehr ließ die NATO die Strecke jedoch überraschend reaktivieren, und zwar für militärische Zwecke. In den Jahren 1985–86 wurden dafür Investitionen in Millionenhöhe getätigt, und am 11. Oktober 1986 fand die offizielle Wiedereröffnung statt. Die seit 1986 zulässige Höchstgeschwindigkeit war nach DB-Angaben (Stand 2002) 50 km/h, Streckenklasse: D 4, Radsatzlast: 22,5 t, Meterlast: 8 t/m.[3] Nach der Wiedereröffnung gab es vorrangig Schwerlastverkehr mit Militär-Güterzügen, der teilweise in Doppeltraktion durchgeführt wurde. Die unregelmäßig verkehrenden Züge beförderten Kettenfahrzeuge (Panzer, Panzerhaubitzen) für Großmanöver der in Deutschland stationierten NATO-Streitkräfte zum Truppenübungsplatz Elsenborn und wieder zurück. Entladebahnhof war Sourbrodt an der in Weywertz anschließenden Vennbahn. Im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes (1991) reduzierte die NATO ihr Übungsprogramm in Elsenborn allerdings Schritt für Schritt und so wurde der militärische Verkehr in den 90er Jahren immer weiter reduziert. Mit dem letzten Panzertransport am 18. Oktober 1999 wurde der von der NATO bestellte Verkehr endgültig eingestellt. Seither gab es nur noch einige wenige grenzüberschreitende Sonderfahrten. Die Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft im Bergisch-Märkischen Raum (EBM) kündigte an, die Strecke Jünkerath–Bundesgrenze zum 1. Juli 2000 von der DB Netze[4] zu übernehmen und betrieb auf deutscher Seite bis 2001 noch sporadischen Güterverkehr mit teils dampflokbespannten Holzganzzügen für das Sägewerk der HILO Holz GmbH[5], das sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Losheim befindet.[6] Bereits 2001 gab die EBM den Güterverkehr nach Losheim aber wieder auf. Die Bahnlinie fiel damit an die DB Netze zurück, die jedoch kein Interesse mehr an einem Weiterbetrieb hatte und wegen angeblicher Oberbaumängel die Sperrung anordnete, obwohl die Strecke erst 15 Jahre vorher komplett saniert worden war. Im Jahr 2002 bot die DB die nach dem Wegfall der lukrativen NATO-Nutzung offenbar lästig gewordene Bahnlinie zum Verkauf an; die DB prognostizierte für die kommenden fünf Jahre ohne nähere Begründung einen Investitionsbedarf von 905.000 Euro, insbesondere für die Brücken.[7] Da bis zum Ablauf der Frist im Januar 2003 kein Angebot eingereicht wurde, erfolgte am 15. Juni 2003 die endgültige Stilllegung und im Spätherbst 2004 der überraschend zügige Abbau der Gleise. Die von den Kommunen erwogene Nutzung als Draisinenstrecke war damit obsolet.

Auf belgischer Seite wurden noch mindestens bis Anfang 2004 Holztransporte über Stavelot, Malmedy und Weywertz zum Sägewerk in Büllingen durchgeführt[8]; nach anderen Quellen verkehrte der letzte belgische Güterzug am 4.10.2006 nach Büllingen[9]. Am 9. Oktober 2004 fand die vermutlich letzte von belgischer Seite organisierte Sonderfahrt bis Büllingen statt[10]. Ab Ende 2006 wurde auch dieser Teil der Strecke sukzessive abgebaut.

Bis 2001 wurde die in Weywertz anschließende Vennbahn noch als Museumsbahn genutzt. Die historischen Züge fuhren dabei auch über den westlichen Teil der Vennquerbahn nach Bütgenbach, wo durch die Eisenbahnfreunde ein neuer Haltepunkt in unmittelbarer Nähe zum dortigen Erholungsgebiet errichtet worden war. Bei diesen touristischen Fahrten wurde das markante Bütgenbacher Viadukt überquert. Zum Umsetzen der Lok wurde bis zum Bahnhof Büllingen gefahren, in der Regel allerdings ohne Fahrgäste.

Anfang 2013 beantragte die DB Netz die Freistellung von Bahnbetriebszwecken der Trasse ab Kilometer 1,118 (in Jünkerath nahe der GSM-R-Basisstation).[11]

Fahrradweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbindung in Weywertz an die Vennbahnstrecke

Die unter den Preußen angelegte Eisenbahnstrecke Jünkerath–Weywertz liegt heutzutage in den Ländern Belgien und Deutschland. Die Anlage eines grenzüberschreitenden Radweges auf der Eisenbahntrasse erfolgte in langjährigen Bauabschnitten. Zunächst war auf deutscher Seite vom Kreis Euskirchen die Einrichtung einer Draisinenstrecke geplant. Den Anliegerkommunen war die von der DB geforderte Pachtsumme (20.000 Euro pro Jahr) jedoch zu hoch; ohne ein neues, besseres Angebot zu unterbreiten, schuf die Deutsche Bahn umgehend vollendete Tatsachen und ließ die Gleise auf deutscher Seite noch im Herbst 2004 demontieren. Ab Ende 2006 wurden die Gleise im belgischen Teil der Strecke ebenfalls sukzessive abgebaut.

Fortan stand die Folgenutzung als Fahrradweg auf der Agenda; die Planungen verzögerten sich jedoch durch die Beteiligung der zwei Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die sich zunächst nicht über die Verteilung der Kosten einigen konnten. Nicht zuletzt deswegen ließ Beginn des lange beschlossenen Bauvorhabens einige Jahre auf sich warten. Erst im Jahr 2013 startete der schrittweise Umbau der Trasse als Radweg. Dabei mussten allein auf deutscher Seite 29 Brücken entlang der Strecke saniert bzw. ersetzt werden. Es wurden 5 Mio. Euro in den Bau des 20 Kilometer langen deutschen Abschnittes investiert[12]. Der neue Radweg hat wenig Gefälle und entlastet u.a. die parallel zur Strecke verlaufende Bundesstraße vom Radverkehr. Im April 2015 wurde der Fahrradweg von Jünkerath bis zur Landesgrenze komplett fertiggestellt und am 3. Mai 2015 offiziell eröffnet. Die Strecke ist durchgängig asphaltiert und verläuft ab Jünkerath-Glaadt bis zur Einmündung in den Vennbahn (Radweg) Vennbahnradweg vor Weywertz (Belgien) bis auf zwei Ausnahmen kreuzungsfrei ausschließlich auf der ehemaligen steigungsarmen Trasse und ist damit besonders kinder- und familienfreundlich. Auf belgischer Seite wird der Fahrradweg nahtlos weiter geführt. Der asphaltierte Abschnitt in Belgien endet derzeit jedoch etwa 3 Kilometer hinter der Staatsgrenze zwischen Buchholz (Losheimergraben) und Honsfeld; danach folgt ein zuletzt auf etwa 5 Kilometer geschrumpfter, mit Split und Altmaterial befestigter und Abschnitt, der nur für geländegängige Fahrräder geeignet ist (Stand Mai 2016). Ein Lückenschluss wird diskutiert, lässt aber weiter auf sich warten. Ab Bütgenbach auf Höhe Wirtzfeld bis zur Einmündung in den Vennbahnradweg ist die Oberfläche wieder durchgängig asphaltiert. Die Strecke Losheimergraben–Weywertz (18,1 km) ist als RAVel L.45a geführt und beschildert und ins belgische RAVeL-Netz eingebaut[13].

Im Zuge der Realisierung des Radweges wird auch die Verbesserung der ÖPNV-Anbindung von Kall nach Hellenthal-Losheim angedacht. Radler könnten dann mit einer auch Fahrräder befördernden Buslinie („Fahrradbus“) zum Startpunkt ihrer Tour fahren. Unabhängig davon bietet sich für Radfahrer ab Weywertz schon jetzt der attraktive Anschluss über den gut ausgebauten Vennbahnradweg nach Süden via St. Vith und Pronsfeld nach Prüm und nach Norden bis Aachen Rothe Erde an; dort endet der Fahrradweg unmittelbar am Bahnhof der DB.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Hoppstädter: Die Entstehung des Eisenbahnnetzes im Moseltal und in der Eifel. Nach den Akten des Staatsarchivs Koblenz bearbeitet. Manuskript Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. 1963

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vennquerbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Die Vennquerbahn Weywertz–Losheim–Jünkerath verbindet Eifel- und Vennbahn
  2. Achim Konejung: Das Rheinland und der erste Weltkrieg. Regionalia-Verlag, Rheinbach 2013.
  3. http://www.eifelbahn.de/strecken/004203.htm
  4. http://www.eifelbahn.de/ev/aktuelles2000.htm
  5. HILO Holz GmbH
  6. http://www.eifelbahn.de/5/00025C.HTM
  7. http://www.eifelbahn.de/strecken/004203.htm
  8. http://www.alles-schnucke.de/die-vennbahn/vennquerbahn/index.php
  9. Eisenbahnfreunde Jünkerath e.V. - Jünkerath - Weyw. In: www.eisenbahnmuseum-juenkerath.de. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  10. Bild von der letzten Sonderfahrt im Oktober 2004. Abgerufen am 22.10.2016.
  11. Eisenbahn-Bundesamt – Außenstelle Frankfurt/Saarbrücken –: Öffentliche Bekanntmachung gemäß § 23 Absatz 2 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes – Freistellung von Bahnbetriebszwecken betreffend einen Teil der Strecke 3003 Jünkerath–Losheim-Grenze – Vom 6. Februar 2013 (Az. 551pf/128 - 2012#034 / 55122 - 12 - 0667 e; BAnz AT 18.02.2013 B9)
  12. http://www.ksta.de/aus-der-nachbarschaft/trasse-der-vennquerbahn-kyll-radweg-zwischen-juenkerath-und-losheim-wird-freigegeben,16064582,30556584.html
  13. Ganz locker über 28 Brücken radeln, Kölnische Rundschau, abgerufen am 6. Juni 2011