Vennbahn (Radweg)

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Vennbahn
Logo des Vennbahnradwegs
Gesamtlänge 130 km
Karte
Verlauf der Vennbahn

Distanz- und Höhenangaben
Startpunkt Aachen-Rothe Erde
Zielpunkt Troisvierges
Orte am Weg Aachen-BrandKornelimünsterWalheimRaerenRoetgenLammersdorfKonzenMonschauKalterherbergSourbrodtWeywertzWaimesOndenvalBornSt. VithBurg ReulandTroisvierges
Bodenbelag Schotter, 90 % Asphalt
Höhendifferenz niedrigster Punkt: Aachen 180 m ü. NHN,
höchster Punkt: Sourbrodt 563 m ü. NHN
Schwierigkeit leicht
Verkehrs­aufkommen Radfahrer, Skater und Wanderer
Anschluss an
ADFC-Zertifizierung Qualitätsroute mit vier Sterne
Webadresse http://www.vennbahn.eu/

Der Vennbahnradweg ist ein grenzüberschreitender Fernradweg zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg, der auf der Trasse der zur Zeit Preußens entstandenen ehemaligen Vennbahn über rund 130 km von Aachen durch den Naturpark Hohes Venn-Eifel und den Ardennen nach Troisvierges (dt.: Ulflingen) verläuft. Er ist Teil des RAVeL-Netzes (frz.: Réseau Autonome de Voies Lentes), das ein Wegenetz für Wanderer, Reiter und Radfahrer in der belgischen Wallonie ist und im Oktober 1995 ins Leben gerufen wurde. Im deutschsprachigen Raum erhielt der Wander- und Radweg den Namen Vennbahn und ist in seiner Gesamtlänge als Premiumradweg eingestuft.

Der Rad- und Wanderweg wird von zahlreichen Radfahrern, Skatern und Wanderer angenommen und die Anrainergemeinden versprechen sich für die Zukunft eine Steigerung des lokalen Tourismus. Dies wird dadurch unterstützt, dass bereits einige ehemalige Bahnhofsgebäude zu Raststätten umgebaut worden sind, Hotels und Pensionen sich auf Tagestouristen einrichten und lokal der öffentliche Personennahverkehr so genannte Fahrradbusse als Pendelverkehr zur Verfügung stellt. Im Laufe des Jahres 2013 wurden zwischen Roetgen und Kalterherberg noch sieben Stahlhäuschen im Aussehen eines „Verlorenen Waggons“ aufgebaut, die als Wetterschutz oder Rastplatz gedacht sind.[1]

Im Bereich der Wallonie wurden z. T. die noch existierenden Wartehäuschen der Eisenbahn erhalten und mitunter liebevoll gepflegt (siehe Faymonville).

Entwicklung und Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Belgien den Zugverkehr auf der Vennbahn stillgelegt hatte, wurde zum Erhalt und einer weiteren Nutzung der Trasse eine alternative, touristische Nutzung gesucht. Es entstand durch die Zusammenarbeit der „Euregio Maas-Rhein“ und der Euregio der Großregionen Deutschland, Frankreich und Belgien im Interreg-Projekt IVA die Vennbahnroute als der längste grenzüberschreitende, zusammenhängende Rad- und Wanderweg Europas auf stillgelegten Eisenbahntrassen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 13,6 Mio. Euro (Stand 2012). Finanziell beteiligt sind im Wesentlichen die EU, Deutschland, Belgien (Wallonie und die Deutschsprachige Gemeinschaft), Luxemburg sowie diverse Gemeinden und Firmen.[2]

Die Strecke zwischen Aachen und Schmithof (Grenze) liegt in Deutschland, etwa ab der Grenze nordwestlich von Roetgen bis Grenze Kalterherberg führt die Trasse zwar teilweise durch Deutschland, sie ist aber belgisches Staatsgebiet. Im Bereich der Wallonie führt sie durch mehrere Sprachräume:

französische (hellgrau) und deutschsprachige Gemeinschaft (gelb)

Bei der ehemaligen Exklave Hemmeres verlässt dieser Weg vorübergehend die Trasse und das belgische Hoheitsgebiet und führt für wenige 100 m wieder durch Deutschland. Die Strecke zwischen Lengeres (ab Tunnel Wilwerdingen) bis Ulfingen gehört zu Luxemburg.

Der Vennbahn Rad-/Wanderweg selbst führt überwiegend auf der Bahntrasse, aber auch mal mehr mal weniger parallel daneben.

Belgien arbeitete den auf der Vennbahntrasse verlaufenden Radweg von Raeren über Kalterherberg[3] Sourbrodt, Waimes bis St. Vith als Linie 48 und die Strecke St. Vith-Oudler-Ulfingen als Linie 47 ins RAVeL-Netz ein.[4]

Der Radweg führt von Aachen über Monschau, Waimes und Sankt Vith bis ins luxemburgische Troisvierges (dt. Ulflingen) über insgesamt 130 Kilometer mit eisenbahntypischen sehr geringen Steigungen mit Ausnahme der 12 %-Steigung im Verlauf der dauerhaften Umleitung am Tunnel Wilwerdingen nahe dem belgischen Ort Lengeler und der luxemburgischen Grenze. Sourbrodt ist der höchstgelegene Ort auf der Strecke.

Nachdem auf deutscher Seite die Strecke bis Walheim bereits im Jahr 2008 fertiggestellt worden war, sollten die durch das Gebiet der Städteregion Aachen führenden Teilstücke ursprünglich schon 2011 fertiggestellt werden. Beim Abschnitt Roetgen – Lammersdorf konnte aber erst Ende 2010 mit Vorarbeiten begonnen werden, die Abschnitte Walheim – Roetgen und Lammersdorf – Kalterherberg folgten. Auf letzterem Abschnitt waren es im Besonderen die Birkhuhnvorkommen, die zu einer massiven Verzögerung geführt hatten.[5] [6] Probleme gab es ferner auf deutschem Gebiet bei der Querung der stark befahrenen Bundesstraße 258, der der Sicherheit halber besondere Beachtung geschenkt werden musste. Zunächst wurde eine Brücke angedacht, jedoch entschloss man sich für den Bau einer Unterführung. Eine neuerliche Schwierigkeit tat sich auf, als festgestellt wurde, dass mit Schadstoffen belasteter Erdaushub zwischen Schmithof und Raeren nicht ordnungsgemäß entsorgt, sondern seitlich des Radweges aufgehäuft worden war.

Auf belgischem Gebiet gab es eine Interessenkollision mit dem Naturschutz, da die Route zwischen Kalterherberg und Sourbrodt durch ein Natura-2000-Gebiet führt, in dem die sehr selten gewordenen Braunkehlchen brüten.[7] Diese Probleme wurden aber mit dem Kompromiss, eine Ausweichtrasse zu errichten, ausgeräumt.[8] Im Oktober 2013 konnte die geänderte Route in diesem Teilstück freigegeben werden.[9] Dagegen wird die Teilstrecke von Waimes nach Sankt Vith bereits seit Jahren touristisch genutzt und hat seit Herbst 2007 einen Anschluss nach Prüm in der deutschen Eifel.

Auf der Grenze zu Luxemburg ist der Tunnel Wilwerdingen (790 m) bei Lengeler aus Umweltschutzgründen gesperrt und wird nicht mehr instand gesetzt, was eine asphaltierte Umgehungsstrecke mit einer maximalen Steigung von 12 % (auf 1,3 km) erforderlich machte. Die Gesamtstrecke wurde am 2. Juli 2013 offiziell eröffnet, die Gesamtkosten beliefen sich auf 14,7 Mio. Euro.[10] [11] Am 15. September 2013 wurde in Simmerath-Lammersdorf der letzte Abschnitt nach Kalterherberg offiziell eröffnet.

Rechtliche Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund der besonderen Situation, dass einzelne Abschnitte abwechselnd auf deutschem und belgischem Hoheitsgebiet verlaufen, gilt die jeweilige nationale Straßenverkehrsordnung.[12] Bei einem Unfall ist die zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg einheitlich verwendete kostenlose internationale Notrufnummer 112 zu wählen und der Standort mitzuteilen.[13] Zu diesem Zweck sind auf deutschem Gebiet in regelmäßigen Abständen so genannte Rettungspunkte mit Kilometerangaben, Notrufnummer und eine weitere Nummer, die Hinweise auf den Standort gibt, installiert worden. Dabei ist von Aachen bis hinter Kalterherberg die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man per Handy-Netz zuerst bei den Deutschen Rettungsdiensten und Polizeidienststellen landet. Diese informiert im Bedarfsfalle die belgische Leitstelle, wo ein deutschsprachiger Mitarbeiter sitzt. Dennoch fährt meist der deutsche Rettungsdienst zum Unfallort, weil dieser als erstes alarmiert wurde und oftmals auch als Erster vor Ort sein kann.[14] Diese Regelung besteht bereits seit dem Versailler Vertrag.

Allerdings darf die deutsche Polizei bei Unfall- und/oder Strafanzeigen auf belgischem Hoheitsgebiet nicht tätig werden.[15] Darüber hinaus kann es zu unerwarteten Komplikationen kommen, da deutsches Zivilrecht auf der belgischen Trasse nur dann zur Anwendung gelangt, wenn alle Beteiligten (Verunglückten) aus Deutschland kommen. Auch bei der Höhe des Schmerzensgeldes gibt es wesentliche Unterschiede in Belgien und Deutschland. Im Zweifelsfalle sollte ein Sachverständiger hinzugezogen werden.

Anschlüsse (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An verschiedenen Knotenpunkten des Vennbahnradweges bestehen Anschlüsse sowohl zu weiteren Radfernwegen als auch zu lokalen Radwegnetzen, darunter:

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „European Greenways Award“ der European Greenways Association (September 2013)[19]
  • „Radstrecke des Jahres 2014“ im Rahmen der „Fiets Awards“ (März 2014)[20]
  • „Qualitätsroute mit vier Sternen“, verliehen auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin vom ADFC[21]
  • „Excellent-Award in der Kategorie Region“ beim internationalen Filmwettbewerb „Das goldene Stadttor 2015“ für den Vennbahn-Film „A path of transmission“[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Vennbahn. Auf dem Rad von Aachen nach Luxemburg, Hans-Jürgen Serwe und Gotthard Kirch, GEV (Grenz-Echo Verlag), 2014. ISBN 978-3-86712-079-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vennbahnradweg Aachen-Ulflingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heiner Schepp: In verlorenen Waggons dem Wetter trotzen. In: Aachener Nachrichten vom 29. Mai 2013
  2. Das Interreg Projekt IVA „Vennbahnroute“ im Film
  3. RAVeL-Abschnitt L48 (frz.)
  4. RAVeL-Abschnitt L47 (frz.)
  5. Birkhuhn beschäftigt jetzt Brüssel. In: Aachener Nachrichten vom 28. November 2011
  6. Birkhuhn-Population – NABU übt scharfe Kritik, In: Aachener Zeitung vom 3. Juni 2012
  7. AVES-Ostkantone und die ostbelgischen Naturschutzvereinigungen: Nein zur RAVeL-Streckenführung durch das Rurtal (PDF; 343 kB)
  8. Vennbahnroute wird auf belgischer Seite ausgebaut, In: Aachener Zeitung vom 6. Mai 2013
  9. Freie Fahrt zwischen Sourbrodt und Kalterherberg. In: Vennbahn.eu. EWIV Eifel-Ardennen Marketing, abgerufen am 27. Januar 2014.
  10. Lengeler Tunnel für Radfahrer gesperrt. Tageblatt, 3. Juli 2013, abgerufen am 5. Juli 2013.
  11. Ein Meilenstein in der touristischen Infrastruktur. Aachener Zeitung, 3. Juli 2013, abgerufen am 5. Juli 2013.
  12. es gilt die jeweilige nationale Straßenverkehrsordnung
  13. Internationale Notrufnummer
  14. Andreas Gabbert: Vennbahnradweg: Bei Unfällen kommen meist die Deutschen in Aachener Zeitung vom 28. Januar 2014
  15. Polizeibefugnisse
  16. Stolberger Vennbahnroute
  17. RAVeL L45
  18. PC21 DU NORD. In: Portail des ponts et chaussée. Abgerufen am 10. Februar 2016 (französisch, Nordradweg PC21).
  19. vennbahn.eu: „European Greenways Award 2013“: And the winner is…Vennbahn!
  20. vennbahn.eu: Vennbahn ist „Radstrecke des Jahres 2014“
  21. Mitteilung von der ITB auf kabinett-online vom 6. März 2015
  22. Auszeichnung für Vennbahn-Film auf zukunftsinitiative-eifel.de vom 6. März 2015

Koordinaten: 50° 46′ 21″ N, 6° 7′ 45,4″ O