Viri-Galilaei-Kirche

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Die Viri-Galilaei-Kirche ist ein Kirchengebäude in Jerusalem am Nordhang des Ölbergs und Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem. Hier trafen sich 1964 Papst Paul VI. und Patriarch Athinagoras von Konstantinopel.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Kirche ist abgeleitet aus der lateinischen Übersetzung der Bibelstelle Apg 1,11 EU. Im griechischen Original heißt es dort: ἄνδρες Γαλιλαῖοι[1], in der lateinischen Übersetzung demzufolge: Viri Galilaei[2]. Mit diesem biblischen Bezug soll der Ort als derjenige gekennzeichnet werden, an dem die Himmelfahrt Jesu stattgefunden haben soll.

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche steht auf der 810 m hohen nördlichen Kuppe des Ölberges, südwestlich des Auguste-Victoria-Krankenhauses. Rechts und links des Eingangstores ist auf zwei Pfeilern, welche die beiden Engel aus Apg 1,11 EU symbolisieren, die griechische Inschrift zu lesen: ΟΙ ΕΝΔΕΚΑ ΜΑΘΗΤΑΙ ΕΠΟΡΕΥΘΗΣΑΝ ΕΙΣ ΤΗΝ ΓΑΛΙΛΑΙΑΝ (Mt 28,16 EU: „Die elf Jünger gingen hinaus nach Galiläa“).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Tradition, wonach die nördliche Kuppe des Ölberges der Ort der Himmelfahrt Jesu Christi gewesen sei, findet sich erst seit dem 17. Jahrhundert.[3] Noch im 16. Jahrhundert berichtet Bonifatius de Stephanis (1551–1564), Guardian der Franziskaner im St.-Stephanus-Kloster:

„... ein Ort, der Viri Galilaei genannt wird, weil in dessen Hospiz die Galiläer aufgenommen wurden; nicht wie einige unaufhörlich beteuern, dies sei der Ort, von dem Jesus vorausgesagt habe, er werde ihnen (den Jüngern) dorthin vorausgehen (Mk 14,28 EU), denn dieser Ort ist in der Provinz Galiläa ... Hier ist weder eine Kirche, noch eine Gebetsstätte, sondern ... ein Hospiz der Galiläer.“

Bonifatius de Stephanis[4]

Einen Ort der Verehrung stellte dieser geographische Punkt jedoch wohl schon in byzantinischer und frühislamischer Zeit dar. So erwähnt ein georgisches Lektionar, das zwischen 450 und 800 entstand, für die Jerusalemer Gemeinde an dieser Stelle ein Gedächtnis der Patriarchen Lot und Abraham. Christian von Stablo[5] bemerkte in seinem Matthäus-Kommentar, er habe in irgendeinem Buch gelesen, jener Teil von Jerusalem hieße Galiläa, welchen die Galiläer erbaut hätten.[6] Auch Anastas Vardapet zählt im 10. oder 11. Jahrhundert unter insgesamt 70 armenischen Klöstern in Jerusalem vier auf, welche im Gebiet des Berges Galiläa gelegen hätten.[6] Das Gelände des griechischen Patriarchates wird auf Arabisch ebenfalls als kalilaja bezeichnet.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Othmar Keel, Max Küchler: Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 904 ff.
  • Johann Nepomuk Sepp: Jerusalem und das Heilige Land. Pilgerbuch nach Palaestina, Syrien und Aegypten. Band 1, Fr. Hurter'sche Buchhandlung, 1863, S. 577.
  • Rudolf Hofmann: Ueber den Berg Galilaea (Matth. 28, 16.). Ein Beitrag zur Harmonie der evangelischen Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen. Friedr. Voigt, 1856, S. 24ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Viri Galilaei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Aland et al.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. 4., revidierter Druck der 26. Auflage, Deutsche Bibelstiftung, Stuttgart 1981, S. 321
  2. Kurt Aland et al.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Latine. 2. Druck der 1. Auflage, Deutsche Bibelstiftung, Stuttgart 1985, S. 321
  3. vgl. Rudolf Hofmann: Ueber den Berg Galilaea (Matth. 28, 16.). Ein Beitrag zur Harmonie der evangelischen Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen. Friedr. Voigt, 1856, S. 24ff.
  4. zit. n. Othmar Keel, Max Küchler: Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 905.
  5. vgl. Lexikon für Theologie und Kirche, Band 2, 1958, S. 24.
  6. a b c Othmar Keel, Max Küchler: Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 905.

Koordinaten: 31° 46′ 56,3″ N, 35° 14′ 41,8″ O