Walter Cannon

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Walter Bradford Cannon
Walter Bradford Cannon

Walter Bradford Cannon (* 19. Oktober 1871 in Prairie du Chien, Wisconsin; † 1. Oktober 1945 in Franklin, New Hampshire)[1] war ein US-amerikanischer Physiologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Bradford Cannon war der Sohn eines Eisenbahners, studierte am Harvard College bis 1896 Biologie und wurde dort 1897 promoviert. Von 1896 bis 1900 hatte er die Harvard Medical School besucht. Er unterrichtete dort Zoologie und wurde 1902 Assistant Professor.[2]

1906 wurde er Nachfolger von Henry Pickering Bowditch als George Higginson Professor of Physiology an der Harvard University. Diese Professur für Physiologie behielt er bis 1942.

Während des Ersten Weltkrieges (ab 1914) diente er als Präsident der American Physiological Society und beschäftigte sich mit dem Traumatischen Schock als Reaktion auf Bedrohung, unter dem viele Soldaten litten.

Er prägte den Begriff Fight-or-flight-Response, der die Reaktion von Tieren auf Bedrohung beschreibt, und veröffentlichte zu dem Thema (1915) Bodily Changes in Pain, Hunger, Fear and Rage.[3]

Das Konzept der Homöostase (homoestasis) entwickelte er in seinem Buch The Wisdom of the Body (1932).

Die Cannon-Bard-Theorie – die Cannon mit seinem Schüler Philip Bard (1898–1977) erarbeitete – besagt, dass ein „Emotionsreiz“ zwei gleichzeitig ablaufende Reaktionen hervorbringt, die physiologische Erregung und die Wahrnehmung der Emotion. Keine der beiden Reaktionen bedingt die andere. Die Theorie geht davon aus, dass die körperlichen Prozesse von den psychologischen unabhängig sind. 1906 wurde Cannon in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Im Jahr 1932 wurde er in die Leopoldina aufgenommen und 1939 zum auswärtigen Mitglied der Royal Society gewählt. 1942 wurde er Ehrenmitglied der damaligen Akademie der Wissenschaften der UdSSR.[4] 1934 hielt Cannon die George M. Kober Lecture.

Walter Cannon stellte Untersuchungen zum Schluck- und Verdauungsvorgang mit den Röntgenkontrastmitteln Bariumsubnitrat und Bariumsulfat an. Er starb 1945 an Strahlenkrebs.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The mechanical factors of digestion. London 1911.
  • Bodily Changes in Pain, Hunger, Fear and Rage: An Account of Recent Researches into the Function of Emotional Excitement. Appleton, New York 1915.
  • The James-Lange theory of emotion: A critical examination and an alternative theory. In: American Journal of Psychology, 39, 1927, S. 106–124.
  • The Wisdom of the Body. W. W. Norton, New York 1932.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Encyclopedia.com: Walter Bradford Cannon.
  2. Barbara I. Tshisuaka: Cannon, Walter Bradford. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 229.
  3. Walter B. Cannon: Wut, Hunger, Angst und Schmerz: eine Physiologie der Emotionen. Aus d. Engl. übers. von Helmut Junker, hrsg. von Thure von Uexküll. Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1975, Erste engl. Ausgabe 1915
  4. Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724. Walter Bradford Cannon. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 6. September 2015 (englisch).
  5. Barbara I. Tshisuaka: Cannon, Walter Bradford. 2005, S. 229.