Wenings

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Wenings
Stadt Gedern
Wappen der ehemaligen Gemeinde Wenings
Koordinaten: 50° 23′ 7″ N, 9° 11′ 49″ O
Höhe: 339 m ü. NHN
Fläche: 19,44 km²[1]
Einwohner: 1328 (2004)[2]
Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 63688
Vorwahl: 06045

Wenings ist ein Stadtteil von Gedern im hessischen Wetteraukreis. Der 1.300 Einwohner zählende Ort liegt am Südhang des Vogelsbergs im Tal der Bleiche auf etwa 340 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isenburg im Heiligen Römischen Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgmannenhaus Moritzstein

In einem Besitzverzeichnis der Johanniter zu Nidda wurde Wenings anlässlich einer Schenkung des Grafen Bertholds im Jahr 1187 als Weninges erstmals urkundlich erwähnt.[3]

Wenings gehörte zunächst den Herren von Büdingen. Nachdem diese im Mannesstamm ausgestorben waren, fiel der Ort an die Grafen von Isenburg. Durch die hohen Vorkommen an Eisen wuchs Wenings im Mittelalter zu einem beachtlichen Dorf. Zum Schutz der Siedlung wurde schon früh ein bepflanzter Wall und ein hundert Schritte breiter und dichter Hain angelegt, in dem sich bis zum 16. Jahrhundert Wölfe befunden haben sollen.

Den guten Beziehungen Luthers von Isenburg und Büdingen (1286–1340) zu Kaiser Ludwig dem Bayern war es zu verdanken, dass Wenings am 29. Mai 1336 die Stadtrechte verliehen wurden.[4] Hierdurch erhielt Wenings auch das Recht, eine Befestigungsanlage zu errichten. Bis zur Fertigstellung der Ummauerung mit ihren fünf Wehrtürmen dauerte es jedoch weitere 100 Jahre. Die befestigte Stadt bot hernach nicht nur der eigenen, zwischenzeitlich auf 400 Bürger angewachsenen Bevölkerung Schutz, sondern diente auch in Kriegszeiten als Rückzugsort für die Menschen der umliegenden Dörfer.

Als 1596 Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg und Büdingen die Stadtrechte aberkennen wollte, widersetzten sich die Einwohner von Wenings. Es kam zur sogenannten „Rebellion der Stadt Wenings gegen ihre Landesherrschaft“. Die heftigen Auseinandersetzungen der Einwohner mit den Landesherren in Büdingen („die Weningser, sie huldigen nicht!“) endeten 1603 mit einem Vergleich vor dem Reichskammergericht in Speyer. Wenings erhielt hierdurch seine Privilegien zurück.
siehe auch Burg Moritzstein

Von dem im 18. Jahrhundert gebauten Schloss Moritzstein – nach seinem Erbauer, Graf Moritz von Isenburg Birstein – steht heute nur noch das Burgmannenhaus. Die regierenden Grafen der Grafschaft Isenburg-Birstein waren zwar 1744 Reichsfürsten geworden, die Reichsunmittelbarkeit ist jedoch mit dem Ende des alten deutschen Reiches (die Niederlegung der Kaiserkrone durch den Kaiser und die Entbindung vom Treueid an ihn von 1806) untergegangen.

Isenburg im Rheinbund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Juli 1806 trat der seit 1803 regierende Fürst, Carl von Isenburg-Birstein, mit dem ehemaligen Reichsterritorium dem Rheinbund (amtlich: Confédération du Rhin) bei, einer Konföderation dessen Protektor (Protecteur de la Confédération) Napoleon Bonaparte war (per Volksabstimmung Empereur par la volonté nationale – Kaiser durch den Willen der Nation). Carl wurde dadurch souverainer Fürst über alle isenburgische Lande; außenpolitisch und militärisch hatte aber Napoleon zu bestimmen.

Das ehemalige Reichsfürstentum wurde mit den mediatisierten ysenburgischen Grafschaften in Büdingen, Meerholz und Wächtersbach zu einem einheitlichen Staat im modernen Sinne (Fürst Carl führte z. B. die Schriftlichkeit der Verwaltungsentscheidungen ein, gründete eine Diener-Witwen- und Waisenkasse, eine Feuerversicherung für die Gebäude, regelte die unentgeltliche Impfung gegen die Pocken durch die Amtsärzte und die Invalidenversorgung nach dem Militärdienst). Carl gehörte nach der Niederlage Napoleons (Völkerschlacht bei Leipzig) zu den Besiegten (die Isenburger Gemeinden hatten hohe Kriegslasten zu tragen), das Gebiet seines Fürstentums wurde besetztes Feindesland, nach dem Wiener Kongress kam es 1815 zu Österreich, aber nur für ein Jahr, danach teilten sich 1816 der Großherzog von Hessen-Darmstadt und der Kurfürst von Hessen-Kassel das Land, die Stadt fiel an das Großherzogtum Hessen.

Stadt im hessischen Kreis Büdingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1852 und 1972 gehörte Wenings zum Kreis Büdingen. Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schloss sich die Gemeinde Wenings am 31. Dezember 1971 freiwillig mit anderen Nachbargemeinden der Stadt Gedern an.[5] Wie für alle Stadtteile von Gedern wurde auch für Wenings ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

675 Jahre Stadtrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 feierte der Ort Wenings die 675. Wiederkehr der Verleihung des Stadtrechts. Das über das gesamte Jahr dauernde Veranstaltungsprogramm beinhaltete u. a. Geschichtsvorträge, Musikveranstaltungen und Stadtführungen sowie ein Festzug mit Mittelaltermarkt und Oldtimer-Traktoren-Ausstellung.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Juni 1967 wurde der Stadt Wenings im damaligen Landkreis Büdingen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Über einem silbernen, mit zwei schwarzen Balken belegten Schildfries in Rot ein schreitendes, rechtsgewendetes silbernes Lamm, das mit dem rechten Fuß einen goldenen Kreuzesstab umschließt, dessen obere Enden kleeblattförmig auslaufen.[6]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch kurz vor Verlust der Eigenständigkeit verschwistert sich Wenings im Juli 1970 mit der französischen Stadt Nucourt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesangverein 1843 Wenings e. V.
  • Freiwillige Feuerwehr e. V.
  • Landfrauenverein Wenings
  • V.f.R. Wenings 1956 e. V.
  • Verschwisterungsverein Wenings/Nucourt e. V.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henry Kaufman (* 1927 in Wenings), US-amerikanischer Ökonom, Gründer der Investment- und Beratungsfirma Henry Kaufman & Co.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronik „650 Jahre Stadt Wenings“, 1986
  • Hans-Velten Heuson: Der Moritzstein zu Wenings und das Lehen der Reyprechte zu Büdingen. in: Büdinger Geschichtsblätter IX/X, 1980-981, S. 235–238
  • Hans-Erich Kehm: Wenings eine alte Stadt
  • Literatur über Wenings in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wenings, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. Dezember 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Ortshomepage
  3. Karl Christian Eigenbrodt, Urkunden. in: AHG 2, Darmstadt 1841, S. 117–139, Nr. 32.
  4. Urkunde im Wortlaut (Memento vom 9. Oktober 2007 im Internet Archive)
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352.
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Wenings, Landkreis Büdingen, Regierungsbezirk Darmstadt vom 14. Juni 1967. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 26, S. 739, Punkt 626 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).