Landkreis Büdingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Büdingen
Landkreis Büdingen
Deutschlandkarte, Position des Landkreises Büdingen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 17′ N, 9° 7′ O
Basisdaten (Stand 1972)
Bestandszeitraum: 1852–1972
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Verwaltungssitz: Büdingen
Fläche: 706,16 km2
Einwohner: 87.800 (31. Dez. 1971)
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: BÜD
Kreisschlüssel: 06 1 34
Kreisgliederung: 20 Gemeinden
Landrat: Kurt Moosdorf

Der Landkreis Büdingen war ein deutscher Landkreis in Hessen. Zwischen 1852 und 1972 umfasste er den östlichen Teil der Wetterau und einige Gemeinden im Süden des Vogelsberges. Die Stadt Büdingen als Namensgeber war die Kreisstadt und der Verwaltungssitz des Gebietes.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis grenzte Anfang 1972 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach, Gelnhausen, Hanau und Friedberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtskarte

1852 wurde in der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen Darmstadt der Kreis Büdingen gebildet. Er bestand zunächst aus dem ehemaligen Landgerichtsbezirk Büdingen (ohne Staden) und den Orten Enzheim*), Glauberg, Hainchen und Lindheim.[1]

Als 1874 im Zuge einer Verwaltungsreform die Kreise Nidda und Vilbel aufgelöst wurden, fiel der weitaus größte Teil des Kreises Nidda mit insgesamt 34 Gemeinden an Büdingen. Aus dem Altkreis Vilbel wurden fünf Gemeinden und die selbständige Gemarkung Engelthal in den Kreis Büdingen eingegliedert.[2] Am 1. April 1900 wurde aus Teilen der Gemeinde Kohden die neue Gemeinde Bad Salzhausen gebildet. Die selbständige Gemarkung Engelthal gehörte seit den 1900er Jahren zur Gemeinde Altenstadt.[3]

Das Ende des Großherzogtums und der Übergang auf den Volksstaat Hessen im Jahre 1918 änderten an dieser Zusammensetzung nichts. Am 31. Oktober 1924 wurde aus Teilen der Gemeinde Unter-Widdersheim die neue Gemeinde Grund-Schwalheim gebildet.[4] Der Kreis Büdingen umfasste seitdem 76 Gemeinden, darunter die Städte Büdingen, Nidda und Ortenberg.[3]

Am 1. Oktober 1938 wurden 26 Gemeinden des aufgelösten Kreises Schotten in den Kreis Büdingen eingegliedert.[5] Mit Wirkung vom 1. Januar 1939 erhielten die Kreise in etlichen Ländern des Deutschen Reiches die Bezeichnung Landkreis, darunter auch die des Volksstaates Hessen, und der Kreis Büdingen wurde zum Landkreis Büdingen.[6]

Am 1. April 1954 wurde aus Teilen der Gemeinde Borsdorf die neue Gemeinde Harb gebildet.[7] Der Landkreis Büdingen umfasste seitdem 103 Gemeinden.

Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurden im Landkreis Büdingen ab dem Jahre 1970 zahlreiche Gemeinden fusioniert. Dabei entstanden am 1. Juli 1970 die neue Gemeinde Glauburg und am 31. Dezember 1971 die neue Gemeinde Limeshain. Der Landkreis Büdingen wurde außerdem mehrfach verkleinert:

Diese, sowie weitere Eingemeindungen zur Vorbereitung der Gebietsreform verringerte die Zahl der Städte und Gemeinden des Landkreises Büdingen bis zum Juli 1972 auf nur noch 20.[8]

Am 1. August 1972 kam mit dem Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg das Ende des Landkreises Büdingen:[9]

Hain-Gründau und Mittel-Gründau wollten trotz intensiver Bemühungen des damaligen Büdinger Bürgermeisters Willi Zinnkann nicht in die Stadt Büdingen eingemeindet werden; deren Bürgervertretungen zogen es vor, mit einigen Gemeinden des Landkreises Gelnhausen die Gemeinde Gründau zu bilden. Zwischen 1972 und der Gründung des Main-Kinzig-Kreises im Jahr 1974 wurden die Gemeinden Teil des Kreises Gelnhausen. Als Ausgleich für den „Verlust“ dieser zwei Orte wurde am 1. August 1972 die Gemeinde Wolferborn aus dem Landkreis Gelnhausen in die Stadt Büdingen und damit in den Wetteraukreis eingegliedert.

Letzter Landrat des Landkreises Büdingen war der ab 1946 amtierende Kurt Moosdorf.

Gebiets- und Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Fläche
in km²
Quelle
1852 18.960 [11]
1900 39.032 491,22 [3]
1910 40.827 491,61 [3]
1933 44.648 [12]
1939 60.139 [12]
1950 88.308 [12]
1961 82.563 729,32 [13]
1970 88.101 723,02 [14]
1971 87.800 706,16 [15]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bismarckturm auf dem Taufstein, die Vorlage für das Kreiswappen

Beschreibung: In Blau auf rotem Berg ein silberner Turm.

Das Wappen des Kreises zeigt den aus weißgrauem Basalt bestehenden Bismarck-Turm auf dem Taufstein, die mit 772 Metern höchste Erhebung des Kreises. Der Turm steht auf einem roten Berg, der den Herbstwald versinnbildlicht. Das Wappen ist, da als Wappengrund ein blauer Himmel gewählt wurde, in den alten hessischen Farben blau-weiß-rot gehalten. Das Wappen entspricht den heraldischen Grundsätzen und stellt ein Kreiswappen „von starker Wucht und Symbolkraft“ dar.

Der Entwurf stammt von Pfarrer i. R. Herman Knodt aus Bad Nauheim, dem hessischen Wappenbuchführer. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Landkreises Büdingen im August 1952 verlieh der Hessische Innenminister am 16. Juni 1952 dem Kreis das Recht zur Führung dieses Wappens.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einteilung der Städte (fett gedruckt) und Gemeinden gemäß Heimat-Jahrbuch von 1953:

Kreis Büdingen ab 1852

Altwiedermus3), Aulendiebach, Bindsachsen, Böß-Gesäß4), Büches, Büdingen, Burgbracht, Calbach, Diebach am Haag, Dudenrod, Düdelsheim, Eckartshausen, Enzheim*), Glauberg, Hainchen, Hain-Gründau5), Heegheim, Himbach, Hitzkirchen, Illnhausen4), Kefenrod, Langenbergheim6), Lindheim, Lorbach, Merkenfritz, Michelau, Mittel-Gründau5), Nieder-Mockstadt, Ober-Mockstadt, Orleshausen, Rinderbügen, Rohrbach, Stockheim, Vonhausen, Wenings, Wolf

Kreisreform 1874
Kreisreform 1938
*) Enzheim verlor 1855 seine Selbständigkeit und wurde Ortsteil der Gemeinde Lindheim.
1) Am 1. Juli 1874 vom Kreis Nidda zum Kreis Schotten
2) Am 1. August 1972 als Teil der Stadt Schotten zum Vogelsbergkreis
3) Am 1. August 1972 zum Landkreis Hanau, seit dem 1. Juli 1974 im Main-Kinzig-Kreis
4) Am 31. Dezember 1971 zum Landkreis Gelnhausen, seit dem 1. Juli 1974 im Main-Kinzig-Kreis
5) Am 1. August 1972 zum Landkreis Gelnhausen, seit dem 1. Juli 1974 im Main-Kinzig-Kreis
6) Am 31. Dezember 1970 zum Landkreis Hanau, seit dem 1. Juli 1974 im Main-Kinzig-Kreis
7) Am 1. April 1900 aus Teilen von Kohden neugebildet
8) Am 31. Oktober 1924 aus Teilen von Unter-Widdersheim neugebildet
9) Am 1. April 1954 aus Teilen von Borsdorf neugebildet
Die Gemeinden ohne Fußnote 2, 3, 4, 5 oder 6 gingen am 1. August 1972 im Wetteraukreis auf.

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BÜD zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Juli 1972 ausgegeben. Seit dem 2. Januar 2013 ist es im Wetteraukreis wieder erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1852 S. 221–232
  2. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 28. Darmstadt 12. Juni 1874, S. 249 (Digitalisat).
  3. a b c d gemeindeverzeichnis.de: Kreis Büdingen
  4. „Grund-Schwalheim, Wetteraukreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Reg.Bl. 1938, S. 7f.
  6. § 1 Abs. 3 der Dritten Verordnung über den Neuaufbau des Reiches vom 28. Nov. 1938, (Reichsgesetzblatt) RGBl. 1938 I S. 1675; Die Regelung galt nur in Anhalt, Baden, Bayern, Braunschweig, im Volksstaat Hessen, in Oldenburg, Sachsen, Thüringen und Württemberg; sie galt nicht in Preußen.
  7. „Harb, Wetteraukreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  9. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg vom 11. Juli 1972
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 353.
  11. Philipp A. F. Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. 1854, abgerufen am 28. Juli 2009.
  12. a b c geschichte-on-demand.de (dort auch Wahlergebnisse von 1933)
  13. Volkszählung 1961
  14. Volkszählung 1970
  15. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973