Wer die Nachtigall stört

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Dieser Artikel behandelt den Roman. Für den gleichnamigen Film siehe Wer die Nachtigall stört (Film).
Die Spottdrossel ist Staatsvogel in einigen Südstaaten der USA

Wer die Nachtigall stört (Originaltitel To Kill a Mockingbird) ist ein im Jahr 1960 erschienener Roman der US-Amerikanerin Harper Lee. Das Werk handelt von Kindheit, Heranwachsen und vom Rassismus in den Südstaaten der USA. Harper Lee wurde für ihr Werk 1961 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Inzwischen ist Wer die Nachtigall stört zu einem modernen Klassiker der amerikanischen Literatur geworden, der sich weltweit über 40 Millionen Mal verkaufte.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer die Nachtigall stört spielt im Zeitraum von 1933 und 1935 in der fiktiven Kleinstadt Maycomb im Bundesstaat Alabama, inmitten der amerikanischen Great Depression. Es beschreibt eine Kindheit aus der Sicht des aufgeweckten kleinen Mädchens Jean Louise, genannt „Scout“. Die Welt Scouts und ihres älteren Bruders Jem wird von ihrem alleinerziehenden Vater, dem Abgeordneten und Anwalt Atticus Finch (in der älteren deutschen Übersetzung Fink), zusammengehalten. Atticus ist für die Kinder Freund, Vertrauter, Lehrer und Autorität. Während seiner Sommerferien nimmt auch Dill, der ansonsten in der Großstadt lebende Neffe der Nachbarin, an den Unternehmungen der Geschwister teil. Bereichert wird die Gedankenwelt der Kinder durch den mysteriösen Nachbarn Arthur Boo Radley, über den allerhand gruselige Geschichten kursieren und den Jem und Scout noch nie gesehen haben, da er nicht sein Haus verlässt. Trotz ihrer Bemühungen bekommen die Kinder Boo nicht zu Gesicht, doch hinterlässt er ihnen in einem Baum in der Nachbarschaft kleine Geschenke der Anerkennung.

In diese Kindheitsidylle dringt langsam die intolerante Welt des Rassismus ein, der in den Südstaaten überall spürbar ist. Atticus Finch, aufrecht und vorurteilslos, wird vom Richter Taylor – wissend, dass Atticus ein hervorragender Anwalt ist – zum Pflichtverteidiger des schwarzen Farmarbeiters Tom Robinson berufen. Dieser wird beschuldigt, die junge weiße Frau Mayella vergewaltigt zu haben. Atticus nimmt die Verteidigung des Schwarzen an, auch da er sonst nie wieder seinen Kindern in die Augen blicken könne, sagt er. Für die Übernahme des Falles wird Atticus schon bald von vielen Bewohnern Maycombs als „Negerfreund“ angefeindet. Diese Ablehnung bekommen auch seine Kinder zu spüren, etwa durch abfällige Kommentare auf dem Schulhof. In diesem Umfeld von Vorurteilen und Intoleranz, Sein und Schein und Widersprüchlichkeiten versucht Atticus, seinen Kindern auf dem Weg ins Erwachsenwerden beizustehen. Als eine Gruppe Männer Tom im Gefängnis lynchen wollen, stellt sich ihnen Atticus in den Weg, doch gefährdet er dabei sich selbst. Als Scout, Jem und Dill plötzlich vor dem Gefängnis erscheinen, beschämt dies die Männer insoweit, dass sie von ihren Plänen absehen.

Die Verhandlung gegen Tom Robinson wird wie ein Volksfest aufgezogen, die Gerichtshalle ist bis zum letzten Platz besetzt. Da kein Platz unter den Weißen unten im Gerichtssaal mehr vorhanden ist, setzen sich Jem, Scout und Dill – die gegen den ausdrücklichen Wunsch von Atticus an der Verhandlung teilnehmen – zu dem schwarzen Reverend Sykes auf die Galerie mit den Afroamerikanern. Atticus führt im Prozess an, dass Mayella und ihr Vater – der stadtbekannte Schläger und Trinker Bob Ewell – die Jury belügen. Anhand mehrerer Indizien legt Atticus einen anderen Tathergang nahe: Dass Mayella selbst Tom ihre Avancen machte, der verheiratete Tom diese aber ablehnte. Als Mayella den Schwarzen trotzdem küsste, beobachtete dies ausgerechnet ihr Vater. Der verprügelte daraufhin Mayella im Zorn, deren Verletzungen stellte er als Spuren der angeblichen Vergewaltigung durch Tom dar. Obwohl Atticus’ überzeugende Verteidigung normalerweise einen Freispruch nach sich ziehen müsste, beugt sich die weiße Jury dem ungeschriebenen Gesetz, dass der Aussage eines Schwarzen gegenüber der einer Weißen nicht zu glauben sei, und spricht Tom schuldig. Vor allem Jem ist durch die Ereignisse im Gerichtssaal mitgenommen und ist in seinem Weltbild erschüttert. Doch wo sonst das Urteil gegen Schwarze von der Jury in nur wenigen Minuten gefällt worden war, dauerte dies im Fall von Tom erstmals mehrere Stunden.

Atticus rechnet sich gute Chancen für Tom in einem Berufungsverfahren vor einem höheren Gericht aus, doch der Verurteilte wird kurz nach dem Prozess bei einem Fluchtversuch erschossen. Unterdessen ist der ohnehin schlechte Ruf der Ewells in Maycomb noch weiter gesunken, da Atticus diesen im Gerichtssaal als Lügner entlarvt hatte. Ewell sehnt sich nach Rache, spuckt Atticus ins Gesicht und bricht auch in dessen Haus ein. Schließlich greift er Jem und Scout an, als diese von einem Halloween-Fest ihrer Schule im Dunkeln nach Hause zurückkehren. Jems Arm wird von Ewell gebrochen, doch dann taucht ein mysteriöser Fremder auf, der die Kinder rettet und den verletzten Jem zu Atticus trägt. Bob Ewell wird dabei im Gerangel mit dem Fremden erstochen. Im Hause der Finchs bemerkt Scout, dass es ihr Nachbar Boo Radley ist.

Um den menschenscheuen Boo Radley nicht der kollektiven Neugier der Kleinstadt auszusetzen, wird der Tod des Täters im Polizeibericht als Sturz ins eigene Messer dargestellt. Scout kommentiert dieses Verschweigen mit der Bemerkung, dass Boo genau wie eine Nachtigall nicht gestört werden darf. Dieser späte Bezug auf den Titel des Romans stammt vom Verbot Atticus’ an seine Kinder, die Nachtigall (im Original allerdings ein „Mockingbird“, eine Spottdrossel) zu jagen, weil „sie nur schön singt und niemandem etwas zu Leide tut“. Am Ende des Romans begleitet Scout ihren Nachbarn Boo wieder zurück in sein Haus.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Scout (Jean Louise Finch): Die erwachsene Scout fungiert als Ich-Erzählerin und berichtet dabei aus ihrer Kindheit. Zu Beginn des Romans ist Scout sechs Jahre alt, am Ende neun Jahre. Entgegen der anderen Mädchens ihres Dorfes ist die aufgeweckte Scout ein regelrechter Tomboy, die auch schon gelegentlich mit den Fäusten zuschlägt. Im Verlaufe von Wer die Nachtigall stört bringt sie das immer in Konflikte, doch auch dank der Hilfe ihres Vaters lernt sie immer wieder dazu.
  • Atticus Finch: Aus einer angesehenen Südstaaten-Familie kommend, praktiziert Atticus als Anwalt in Maycomb. Seit dem plötzlichen Tod seiner Frau vor einigen Jahren muss er die beiden Kinder alleine auferziehen. Atticus ist im Gegensatz zu den Vätern anderer Kinder mit 50 Jahren bereits älter, trinkt und raucht nicht, stattdessen beschränkt er sich aufs Zeitunglesen. Der als positive Vaterfigur dargestellte Atticus glaubt er an die Unschuld seines schwarzen Klienten Tom, was ihm in Maycomb einige Feinde einbringt.
  • Jem (Jeremy Atticus Finch): Scouts älterer Bruder, zu Beginn des Romans zehn Jahre alt. Er ist Scouts Beschützer und unternimmt mit ihr viele Streiche. Gegen Ende des Romans verliert Jem, bei dem die Pubertät einsetzt, durch den Prozess gegen Tom den Glauben an die Gerechtigkeit der Welt und damit auch seine kindliche Unschuld.
  • Dill Harris: Ein kleingewachsener, intelligenter Junge, der jeden Sommer bei seiner Tante Rachel in der Nachbarschaft der Familie Finch lebt. Seine Mutter und sein Stiefvater vernachlässigen ihn, seinen leiblichen Vater kennt er nicht. Dill, der mit einer wilden Fantasie ausgestattet ist, treibt die Versuche der Kinder an, den Nachbarn Boo Radley aus seinem Haus zu locken.
  • Calpurnia: Die afroamerikanische Haushälterin der Familie Finch, eine selbstbewusste und kluge Frau.
  • Miss Maudie Atkinson: Die Nachbarin der Familie Finch und eine Jugendfreundin von Atticus. Die nette, offenherzige Witwe ist den Kindern von Atticus eine wichtige Bezugsperson und besitzt deren Respekt. Ihre Freizeit verbringt Miss Maudie unter anderem mit Gartenarbeit und Kuchenbacken. Als ihr Haus im Verlaufe des Romanes einmal niederbrennt, zeigt sie sich mutig und nimmt es gelassen.
  • Arthur „Boo“ Radley: Der mysteriöse Nachbar der Familie Finch, vor dem sich alle Kinder von Maycomb fürchten, obwohl sie ihn noch nie zu Gesicht bekommen haben. Seit einem Vorfall in seiner Jugend, bei dem er vor Gericht treten musste, trat er kaum mehr vor die Haustür. Er scheint ein einsamer Mann zu sein, der mit Geschenken Jem und Scout für sich als Freunde gewinnen will. Im entscheidenden Moment des Romanes ist Arthur aber zur Stelle und kann die Kinder vor Bob Ewells Angriff retten.
  • Robert E. Lee „Bob“ Ewell: Der Haupt-Antagonist des Romans, ein rassistischer Trunkenbold und Schläger. Der Witwer lebt von Wohlfahrtsgeldern, die genaue Zahl seiner Kinder kennt niemand in Maycomb wirklich.
  • Mayella Ewell: Die 19-jährige Tochter von Bob Ewell, die bei ihrem grausamen Vater und unzähligen kleinen Geschwistern, die sie versorgen muss, ein so trostloses Leben führt, dass sie schließlich einen schwarzen Mann verführen will. Vor Gericht behauptet sie aber wie ihr Vater, dass Tom sie vergewaltigt hätte. Während des Prozesses ist Mayella überrascht und zugleich wütend darüber, dass Atticus sie freundlich und respektvoll anspricht.
  • Tom Robinson: Der Angeklagte, ein starker, junger Afroamerikaner. Der linker Arm ist seit einem Unfall während seiner Kindheit verletzt, weshalb er die Verletzungen von Mayella – die von einem Linkshändler stammen – kaum verursacht haben kann. Sein Satz, dass er als Schwarzer Mitleid mit der weißen Mayella gehabt habe, bringt die weiße Jury gegen ihn auf. Obwohl Atticus eine Revision beantragt, ist Tom so verzweifelt, dass er aus dem Gefängnis flüchten will und erschossen wird.
  • Tante Alexandra Hancock: Die Schwester von Atticus, die auf Finch Landing, dem Landsitz der Familie, mit ihrem Ehemann lebt. Etwa in der Mitte des Romans verlässt sie Finch Landing, um nach Maycomb zu ihrem Bruder zu ziehen und diesen bei der anstehenden Gerichtsverhandlung zu unterstützen. Tante Alexandra widmet sich daraufhin auch intensiv der Erziehung von Scout, deren burschikoses Wesen sie ablehnt und die sie lieber in eine feminine Southern Belle verwandeln will. Das sorgt regelmäßig Konflikte zwischen Scout und Tante Alexandra.
  • Onkel Jack Finch: Der jüngere Bruder von Atticus, der im amerikanischen Norden als Arzt praktiziert. Der kinderlose Jack ist witzig und freundlich, weshalb Jem und Scout ihn sehr wertschätzen.
  • Francis Hancock: Der verwöhnte Enkel von Tante Alexandra, der etwa genauso alt wie Scout und Jem ist. Francis äußert sich abfallend über Atticus' Verteidigung von Tom, woraufhin Scout ihn kurzerhand verprügelt und dafür eine Strafe erhält.
  • Nathan Radley: Der streng religiöse Nachbar der Finchs und der Bruder von Arthur Radley. Nathan ist im Gegensatz zu Arthur, der bei ihm im Haus lebt, zwar regelmäßig im Dorf anzutreffen, seine Verhaltensweisen sind aber genauso mysteriös. Als Boo den Nachbarskindern etwa kleine Geschenke im Baumstumpf hinterlässt, zementiert Nathan Radley diesen kurzerhand zu.
  • Mrs. Henry Lafayette Dubose: Die hochbetagte Nachbarin der Familie Finch, eine übellaunige Rassistin. Sie beleidigt Atticus für seine Verteidigung von Tom, woraufhin Jem ihren Garten teilweise zertrampelt. Als Strafe muss er der im Sterben liegenden Mrs. Dubose über mehrere Wochen jeden Abend vorlesen. Nach ihrem Tod erfährt Jem von Atticus, dass sie wegen ihrer Schmerzen von Morphium abhängig geworden war, sich aber durch die Ablenkung von Jems Vorlesen von ihrer Morphiumsucht lösen konnte. Atticus bezeichnet Mrs. Dubose als mutige Persönlichkeit, da sie ihre unheilbare Krankheit mit Würde ertragen habe.
  • Stephanie Crawford: Eine unverheiratete Nachbarin der Familie Finch, die sich vor allem für Klatsch und Gerüchte begeistern kann.
  • Rachel Haverford: Eine Nachbarin der Finchs und die Tante von Dill, die sich um ihn während seiner Sommerferien kümmert.
  • Mrs. Grace Merriweather: Eine angesehene Missionars-Dame in Maycomb, die ihr Verhalten gegenüber Schwarzen für das einer vorbildlichen Christin hält. Tatsächlich äußert sie sich aber unbewusst auf paternalistische, herablassende Weise über Afroamerikaner und zeigt dadurch ihre Bigotterie.
  • Mr. Heck Tate: Der Sheriff von Maycomb und ein Freund von Atticus, der ebenfalls gegen den Rassismus von Maycomb steht. An mehreren Schlüsselstellen des Romans ist Sheriff Tate anwesend: Beim Überfall von Bob Ewell auf die Kinder, beim Gerichtsprozess und als Atticus einen tollwütigen Hund erschießt.
  • Richter Taylor: Maycombs Richter, der den Prozess gegen Tom leitet. Taylor ahnt Toms Unschuld und setzt daher mit Atticus einen fähigen Anwalt für die Verteidigung ein; auf das letztliche Urteil der Jury hat er keinen Einfluss.
  • Mr. Horace Gilmer: Ein Anwalt aus der Nachbarstadt Abbottsville, der als Ankläger im Fall Robinson erscheint.
  • Mr. Braxton Underwood: Der Besitzer und Chefredakteur der Lokalzeitung „Maycomb Tribune“ und ein weiterer Freund von Atticus. Obwohl er ebenfalls rassistische Einstellungen hat, wünscht er sich dennoch eine faire Verhandlung für Tom.
  • Dr. Reynolds: Der Dorfarzt von Maycomb, der bei den Krankheitsfällen im Verlaufe des Romans anwesend ist.
  • Dolphus Raymond: Ein wohlhabender Weißer, der außerhalb von Maycomb mit Schwarzen lebt und mehrere gemischtrassige Kinder hat. Die abgestoßenen Bürger von Maycomb schieben seinen skandalösen Lebensstil darauf, dass Dolphus Alkoholiker ist – denn jedes Mal, wenn er nach Maycomb kommt, läuft Dolphus scheinbar betrunken mit einer Flasche herum. In einem Gespräch mit Dolphus findet Scout jedoch heraus, dass in der Flasche nur Coca-Cola ist – Dolphus spielt seine Rolle als Betrunkener vor, damit die Weißen von Maycomb eine Erklärung für sein Verhalten haben und ihn in Ruhe lassen.
  • Link Deas: Tom Robinsons Arbeitgeber, ein weißer Ländereienbesitzer. Während des Prozesses ist er einer der wenigen Weißen auf der Seite von Tom, auch nach dessen Tod unterstützt er Toms Witwe finanziell.
  • Walter Cunningham Jr. und Sr.: Die Cunninghams sind eine arme, ungebildete Hinterwäldler-Familie, die in ihrem Ansehen aber noch über den Ewells steht. Walter Cunningham Jr. geht mit Scout in eine Klasse und gerät mit ihr am ersten Schultag aneinander, woraufhin Jem ihn als Entschuldigung zum Mittagessen zu den Finchs einlädt. Walter Cunningham Sr. ist ein Klient von Atticus, der zunächst auch Tom lynchen will, sich dann aber beschämt umentscheidet. Ein Mitglied der Cunninghams sitzt später in der Jury und sperrt sich über mehrere Stunden gegen eine Verurteilung von Tom.
  • Cecil Jacobs: Ein Klassenkamerad von Scout, der sich wegen des Prozesses über Scout und ihre Familie abfällig äußert, woraufhin diese ihn attackiert. Insgesamt scheint seine Beziehung zu Scout und Jem aber freundschaftlich zu sein.
  • Burris Ewell: Bob Ewells Sohn, der bereits mehrmals sitzengeblieben ist und der während des ersten Schuljahres mit Scout in einer Klasse ist. Die Ewell-Kinder gehen nur am ersten Tag des Jahres zur Schule, anschließend bleiben sie einfach zu Hause.
  • Miss Caroline Fisher: Eine junge Lehrerin mit neuen Lernmethoden, die aus der Stadt ins Dorf Maycomb gekommen ist. Sie ist Scouts Lehrerin in der ersten Klasse und kennt sich nicht mit Maycombs Kultur aus, was ihr einige Probleme und Missverständnisse einbringt.
  • Reverend Sykes: Der Pfarrer der schwarzen Gemeinde von Maycomb. Während des Prozesses sitzt er neben Jem und Scout auf der Tribüne der Farbigen. Er behandelt die Kinder respektvoll und freundlich, auch auf tiefer Dankbarkeit gegenüber Atticus, dass er den Fall übernommen hat.
  • Lula: Eine schwarze Frau in Maycomb, die empört ist, als Haushälterin Calpurinia Jem und Scout in die Kirche der Schwarzen mitnimmt.
  • Helen Robinson: Die Ehefrau und spätere Witwe von Tom Robinson.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman erschien am 11. Juli 1960 in den USA[1] und erhielt im darauf folgenden Jahr den Pulitzer-Preis. Der Roman wurde mittlerweile in über 40 Sprachen übersetzt und erreichte eine weltweite Auflage von über 40 Millionen Exemplaren.[2] Wer die Nachtigall stört wird der literarischen Strömung der Southern Gothic zugerechnet. Die erste deutsche Übertragung stammt von Claire Malignon und erschien zuerst 1962 im Rowohlt Verlag. Sie wurde 2015 von Nikolaus Stingl für eine Neuausgabe überarbeitet.

1962 wurde der Roman von Robert Mulligan mit Gregory Peck in der Hauptrolle verfilmt.

In den USA wird das Buch „von konservativen wie progressiven Kreisen bis heute verdammt.“[3] Die einen stört das negative Bild der US-Gesellschaft, die anderen stoßen sich an der „politisch unkorrekten“ Sprache, zum Beispiel dem Wort „Nigger“. „Von 1990 bis 1999 befand sich das Werk daher regelmäßig unter den Top Ten jener Bücher, die am häufigsten aus dem Unterricht der öffentlichen Schulen verbannt wurden.“[3] Die Stadt Chicago dagegen hat 2001 den Roman zum Thema ihrer Kampagne „Eine Stadt liest ein Buch“ gemacht, für 40.000 Dollar zusätzliche Exemplare angeschafft und diese in ihren 78 öffentlichen Büchereien mehrere Wochen lang gratis verliehen.

Autobiographisches und Bezüge zu Truman Capote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harper Lee hat eine Reihe autobiographischer Elemente in den Roman eingebracht: Die Figur des Atticus Finch ist ihrem eigenen Vater nachempfunden, die Nachbarschaft entspricht der ihrer Kindheit, und auch der mysteriöse Boo Radley war dort zu Hause. Der Freund der Autorin und amerikanische Schriftsteller Truman Capote war wahrscheinlich Vorbild für den Nachbarjungen Dill im Roman. Die Autorin selbst bestreitet, dass es sich um eine Autobiographie handele.[4]

Die Tatsache, dass Truman Capote zur selben Zeit wie Harper Lee im selben Ort Monroeville aufwuchs und die beiden als Kinder befreundet waren, führte zu bis heute anhaltenden Gerüchten. Demnach habe in Wahrheit Capote den Roman geschrieben oder zumindest stark redigiert, der dann unter Lees Namen veröffentlicht wurde.[5] Als Beleg wurde unter anderem angeführt, dass Harper Lee nach dem Erfolg von Wer die Nachtigall stört außer einigen kurzen Essays keine weiteren Werke veröffentlichte. 2006 wurde dieses Gerücht mit dem Fund eines privaten Briefes von Truman Capote an eine Verwandte beendet.[6]

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harper Lees Arbeit am Roman Wer die Nachtigall stört, seine Veröffentlichung und der Erfolg der anschließenden Verfilmung sind auch Thema des Spielfilms Capote. Harper Lee wird hier von Catherine Keener dargestellt.

Urfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch Go Set a Watchman ist eine Vorgängerversion von To Kill a Mockingbird. Dieser Text wurde bereits Mitte der 1950er Jahre geschrieben, also vor Wer die Nachtigall stört. Das Manuskript wurde von Lees Freundin und Anwältin Tonja Carter im Herbst 2014 wiederentdeckt und am 14. Juli 2015 bei HarperCollins (USA) und Heinemann (UK) in einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren publiziert. Es handelt von der erwachsenen Scout in New York, die ihren Vater Atticus in der fiktiven Stadt Maycomb, Alabama besucht, 20 Jahre nach den Geschehnissen von Wer die Nachtigall stört.[7][8] Am 17. Juli 2015 erschien die deutsche Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann unter dem Titel Gehe hin, stelle einen Wächter bei der Deutschen Verlags-Anstalt.[9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wer die Nachtigall stört ... Roman. (OT: To Kill a Mockingbird). Deutsch von Claire Malignon. (Originalausgabe 1962); Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-14281-9; Neuausgabe bearbeitet von Nikolaus Stingl und mit einem Nachwort von Felicitas von Lovenberg, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-498-03808-3
  • Gehe hin, stelle einen Wächter (OT: Go Set a Watchman). Deutsch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Deutsche Verlagsanstalt, München 2015, ISBN 978-3-421-04719-9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. To Kill a Mockingbird – About the Author. Arts Midwest, abgerufen am 11. Juli 2010 (englisch).
  2. eb/AP: Vorgänger von "Wer die Nachtigall stört": Harper Lees Debüt erscheint mit 60 Jahren Verspätung. Spiegel Online, 3. Februar 2015
  3. a b Malte Lehming: Amerikanische Lesart. Der Tagesspiegel, 4. März 2002, abgerufen am 29. Juni 2013.
  4. Harper Lee. In: American Decades. Gale Research, 1998.
  5. http://www.neabigread.org/books/mockingbird/readers-guide/about-the-author/; Wie Truman Capote neidisch wurde auf Harper Lee. Die Welt, 10. Juli 2010 (beide abgerufen am 14. Juni 2015)
  6. Letter Puts End to Persistent 'Mockingbird' Rumor. NPR, 3. März 2006 - Interview von Wayne Flynt durch Melissa Block (abgerufen am 14. Juni 2015)
  7. The Guardian - Harper Lee to publish new novel, 55 years after To Kill a Mockingbird (3. Februar 2015)
  8. The New York Times - Harper Lee, Author of ‘To Kill a Mockingbird,’ Is to Publish a Second Novel (3. Februar 2015)
  9. Felicitas von Lovenberg: Harper Lees Debüt erscheint. Der zweite Hit der Spottdrossel, faz.net, 16. Juli 2015, abgerufen am 28. Juli 2015