Wer liefert was

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Unternehmenssitz von Wer liefert was? seit April 2013
Letzte Buchausgabe aus dem Jahr 2000

„Wer liefert was“ ist eine Datenbank, die sich als online Business-to-Business-Plattform (B2B) bezeichnet. Das Unternehmen wurde 1932 als unabhängiges und branchenübergreifendes Nachschlagewerk für gewerbliche Einkäufer gegründet und bietet heute im Internet Personen, die beruflich einkaufen oder Einkaufsentscheidungen vorbereiten, eine kostenlose Anbietersuche sowie Produktsuche.

Das Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 27. Mai 2019 ist „Wer liefert was“ Teil der Unternehmensmarke „Visable“, die gleichzeitig als neuer Arbeitgeber für die rund 370 Mitarbeiter fungiert.[1] Die B2B-Plattform bleibt als Marke bzw. Angebot von „Visable“ bestehen. Der Geschäftsführer der neuen Unternehmensmarke ist Peter F. Schmid, der bis dato auch Geschäftsführer von „Wer liefert was“ war.[2]

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1932 kam die erste Buchausgabe von „Wer liefert was“ auf den Markt. Herausgeber des unabhängigen und branchenübergreifenden Nachschlagewerks für gewerbliche Einkäufer war die Leipziger Messe. Die Buchausgabe erschien einmal im Jahr und wurde bis zum Jahr 2000 aufgelegt. 1948 wurde nach der Teilung Deutschlands der „Wer liefert was“-Verlag in Hamburg neugegründet. 1970 erschien die gesamte Buchausgabe auch auf Mikroplanfilm. 1986 wurde zum ersten Mal eine CD-ROM veröffentlicht. Um den Nutzern die eingetragenen Daten online zugänglich zu machen, wurde Bildschirmtext genutzt. 1990 wurden im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung die West- und Ostausgaben von „Wer liefert was“ in Hamburg zusammengeführt. 1995 erschien „Wer liefert was“ im Internet. 1996 wurde das Internetangebot um ein Shop-System erweitert. Den Inserenten standen damit erweiterte Funktionen zur Verfügung, z. B. die Möglichkeit direkter Anfragen über das Internet. 2000 wurde „Wer liefert was“ eine Tochtergesellschaft des schwedischen Konzerns Eniro (nach eigenen Angaben der führende Suchmaschinenbetreiber der nordischen Länder). „Wer liefert was“ veröffentlichte die letzte Buchausgabe. 2004 wurde die letzte CD-ROM von „Wer liefert was“ veröffentlicht. 2005 wurden für die Datenbank erweiterte Suchfunktionen implementiert. 2007 übernahm das italienische Unternehmen Seat Pagine Gialle für 115 Millionen Euro 100 Prozent der Anteile von „Wer liefert was“, 2008 kaufte Bisnode, europäischer Anbieter digitaler Wirtschaftsinformationen, „Wer liefert was“. 2012 verkaufte Bisnode „Wer liefert was“ an die private deutsche Investmentgesellschaft Paragon Partners.[3] Im April 2013 wurde mit der Neugestaltung der Homepage auf das Fragezeichen im Produktnamen verzichtet.[4] Seit Oktober 2015 bietet „Wer liefert was“ neben der Anbietersuche auch eine Produktsuche im Internet an. Im Februar 2017 erwarb die schweizerische Beteiligungsgesellschaft Capvis gemeinsam mit dem bestehenden Management von „Wer liefert was“ das Unternehmen.[5]

Die Datenbank im Internet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit sind über 590.000 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Informationen und Kontaktdaten bei „Wer liefert was“ eingetragen. Hierbei handelt es sich um Hersteller, Großhändler, Händler oder Dienstleister aus allen Branchen.

Zielgruppe der Datenbank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wer liefert was“ wird von Personen genutzt, die beruflich nach Anbietern von Produkten und Dienstleistungen suchen. Meist sind dies Einkaufsentscheider, die sich in einem Einkaufsprozess befinden. Dabei handelt es sich um Personen mit unterschiedlichen Positionen innerhalb eines Unternehmens, zum Beispiel Assistenten, Projektleiter, professionelle Einkäufer, technische Leiter oder die Unternehmensführung.

Suchsystematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Recherche wird durch die Zuordnung der verzeichneten Firmen zu bestimmten Produkt- und Dienstleistungsrubriken gewährleistet. Der Nutzer erhält bei der Abfrage eines Suchbegriffs Verweise auf mehrere Produktrubriken, mit deren Hilfe er die Recherche punktuell eingrenzen kann. So werden zum Beispiel bei dem Suchbegriff „Schrauben“ alle indizierten Schraubenarten wie „Holzschrauben“, „Metallschrauben“ oder „Raumfahrtschrauben“ aufgelistet – aber auch Schrauben für spezifische Branchen, wie „Schrauben für den Turbinenbau“ oder „Schrauben für die Medizin- und Zahntechnik“. Themenverwandte Rubriken werden ebenso aufgeführt. In der ausgewählten Rubrik erhält der Nutzer dann die entsprechenden Anbieter inklusive Kontaktdaten – je nachdem was der Werbetreibende bezahlt. Bestimmte Kontaktdaten erscheinen nur gegen Bezahlung.

Mit Hilfe von Filtern lassen sich die Treffer weiter differenzieren. So können die Nutzer eine Selektion nach Hersteller, Großhändler, Händler oder Dienstleister vornehmen oder die Treffer geografisch eingrenzen. Zudem können auch nur Unternehmen mit Zertifizierung angezeigt werden.

In einer gesonderten Unternehmensabteilung werden die über 50.000 Produkt- und Dienstleistungsrubriken bearbeitet und mit den rund 490.000 Suchbegriffen verknüpft. So führt das Suchsystem auch bei nicht exakten Suchbegriffen zu den passenden Firmeneinträgen. Daher handelt es sich bei Wer liefert was um eine Datenbank mit einem manuell betreuten Verzeichnis und keiner automatisch indizierenden Suchmaschine. Gleichzeitig überprüft und qualifiziert der Betreiber einmal jährlich alle Informationen der gelisteten Unternehmen. Dadurch erhält der Nutzer nach Angabe des Betreibers immer aktuelle Informationen und keine „Adressleichen“.

Die Kontaktdaten werden mithilfe eines mehrstufigen Qualitätssicherungskonzepts, bestehend aus einer Plausibilitätsprüfung, einem automatischen Systemabgleich sowie einer manuellen Datenprüfung, qualifiziert. Eine gezielte Manipulation der Anbieter durch Indexspamming oder Alphabet-Tricks (d. h. den Eintrag vieler „A“s oder „1“en) ist dabei nicht möglich.

Werbekunden erhalten eine Platzierung über den kostenlosen Einträgen je nach gebuchtem Paket. Zurzeit gibt es drei mögliche Pakete. Innerhalb der gebuchten Pakete und innerhalb der kostenlosen Einträge erfolgt jeweils eine alphabetische Sortierung. Kritiker weisen darauf hin, dass dadurch eine neutrale alphabetische Sortierung praktisch nicht mehr gegeben sei. So erschienen in vielen Rubriken auf der ersten Seite nur zahlende Kunden.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nutzung sowie der Standardeintrag sind bei „Wer liefert was“ kostenlos. Der Dienst finanziert sich über Werbeeinnahmen und bietet Anbietern von Produkten und Dienstleistungen eine Plattform für Internetwerbung im B2B-Bereich über bezahlte Kategorieeinträge. Bezahlte Einträge sind ein Instrument im Suchmaschinenmarketing, um Werbung an der Stelle zu platzieren, wo potenzielle Kunden suchen. Anders als beim Keyword-Advertising der allgemeinen Suchmaschinen nach einem Auktionsmodell funktionieren die bezahlten Einträge in diesem Verzeichnis über Kategorien mit einer festen Jahresgebühr, die je nach Kunden variiert. Die Preise sind abhängig von der gebuchten Kategorie sowie dem Ranking. Erste Preisübersichten finden sich direkt auf der Webseite, detailliertere Preise im Kundenbereich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Managementkompass Business-Suchmaschinen. F.A.Z.-Institut für Management-, Markt und Medieninformationen GmbH, 2005.
  • Managementkompass Suchmaschinenmarketing im B-to-B. F.A.Z.-Institut für Management-, Markt und Medieninformationen GmbH, 2007.
  • Lukas Stuber: Suchmaschinenmarketing. Orell Füssli, 2004.
  • Michael Glöggler: Suchmaschinen im Internet – Methoden, Ranking, Websites. Springer, 2005.
  • Carsten Welp und Marcel Machill (Hrsg.): Wegweiser im Netz. Bertelsmann Stiftung, 2003.
  • Yvonne von Bischopinck und Michael Ceyp: Suchmaschinen-Marketing. Springer, 2007.
  • Christian Sywottek (Brand eins 7/2018): Das Re-Start-up

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Süddeutsche Zeitung: Visable tritt gegen Internet-Riesen an 27. Mai 2019
  2. Unternehmenswebsite: Unser Management
  3. Bisnode schliesst Verkauf von „Wer liefert was“ ab. (Memento vom 12. Mai 2012 im Internet Archive) bisnode.com, 23. Februar 2012
  4. Nach Recherche bei archive.org zwischen dem 3. April (Memento vom 3. April 2013 im Internet Archive) und dem 23. April 2013 (Memento vom 23. April 2013 im Internet Archive)
  5. Unternehmenswebsite: Pressebereich

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 33′ 13,5″ N, 9° 59′ 7,3″ O