Werner von Selchow

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Werner Ludolph Erdmann von Selchow (* 1. Februar 1806 in Danzig; † 23. Februar 1884 in Brandenburg an der Havel) war ein preußischer Landwirtschaftsminister.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selchow studierte Jura. 1828 war er Gerichtsreferendar in Danzig, dann in Marienwerder. In Rettkewitz besaß er ein Rittergut. Von 1843 bis 1845 war er Landrat des Kreises Lauenburg-Bütow, von 1846 bis 1851 des Kreises Lauenburg.[1]

1848/49 war er Mitglied der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt. Dort gehörte er der Casinofraktion und später der Fraktion Café Milani an.

Anschließend wechselte er aus der Provinz nach Berlin. 1849 „Hilfsarbeiter“ (eine Art Assistent) im preußischen Ministerium des Innern. Im Jahr 1850 war Selchow Mitglied im Volkshaus der Erfurter Union. Außerdem war er bis 1852 Mitglied der Rechten in der zweiten Kammer des Preußischen Abgeordnetenhauses. Dem Abgeordnetenhaus gehörte er erneut von 1863 bis 1870 an, er schloss sich keiner Fraktion an.[2]

1851 ging er wieder in die Provinz; zunächst als Vizepräsident der Regierung in Liegnitz, von 1853 bis 1855 Regierungspräsident in Liegnitz. Von 1856 bis 1862 war er Regierungspräsident in Frankfurt an der Oder, 1862 wurde er Oberpräsident der Provinz Brandenburg und Mitglied des Preußischen Staatsrats.

Im Dezember 1862 wurde er als Landwirtschaftsminister in das erste Ministerium des neuen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck berufen. Diese Funktion übte er bis zu seiner Pensionierung 1873 aus. Von 1863 bis 1870 war er auch wieder Mitglied des Abgeordnetenhauses (Rechte, fraktionslos).

Nach seiner Pensionierung ließ er sich auf dem Gut Karolinenthal bei Rettkewitz, Kreis Lauenburg in Pommern, nieder; 1874 fungierte er dort als Amtsvorsteher des neu gebildeten Amtsbezirks Rettkewitz.[3]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Enkelin Anni von Gottberg war in der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der Bekennenden Kirche.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Berlin-Schmargendorf ist die Selchowstraße nach ihm benannt;[4] möglicherweise ist er auch Namensgeber für eine Straße in Berlin-Adlershof.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus (1867–1918). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien, Band 3)
  • Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5181-5 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5)
  • Heinrich Best und Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Droste, Düsseldorf 1996, ISBN 3-7700-5193-9 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 8)
  • Bärbel Holtz (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 4/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11827-0, S. 646. (Online; PDF 1,9 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Band 1: Die Geschichte. Königsberg 1858, Anhang S. 86. (Online)
  2. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 363 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  3. Extra-Blatt zum Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cöslin vom 16. März 1874, S. 2.
  4. Eintrag auf der Webseite des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.