Wernitzgrün

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Wernitzgrün
Koordinaten: 50° 17′ 25″ N, 12° 22′ 0″ O
Höhe: 615 m
Einwohner: 330
Eingemeindung: 1. Januar 1999
Eingemeindet nach: Erlbach
Postleitzahl: 08258
Vorwahl: 037422
Wernitzgrün (Sachsen)
Wernitzgrün

Lage von Wernitzgrün in Sachsen

Wernitzgrün, Landwüster Straße
Wernitzgrün, Blick vom Hofgarten

Wernitzgrün ist ein Ortsteil der Stadt Markneukirchen im Vogtlandkreis, Sachsen und staatlich anerkannter Kurort (Luftkurort). Er wurde am 1. Januar 1999 nach Erlbach eingemeindet und kam mit dieser Gemeinde am 1. Januar 2014 zur Stadt Markneukirchen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Wäldern umgebene Luftkurort in bis zu 700 Metern Höhenlage im sächsischen Vogtland gehört seit 2014 zur Musikstadt Markneukirchen im obervogtländischen Musikwinkel. Die Ortsflur grenzt im Südosten an die Staatsgrenze zu Tschechien. Im Ort befindet sich ein seit 2008 auch wieder für den Autoverkehr geöffneter Straßengrenzübergang nach Luby (Schönbach) in Tschechien. In der Nähe liegen die Badeorte Bad Elster, Bad Brambach, Franzensbad, Marienbad und Karlsbad im sächsisch-böhmischen „Bäderfünfeck“. Nach der Klassifizierung des DDR-Forschungsinstituts für Bioklimatologie aus dem Jahr 1978 eignet sich das Klima von Wernitzgrün "in besonderem Maße für den Aufenthalt von Herz- und Kreislaufkranken". Wernitzgrün liegt im Elstergebirge und gehört zum Naturpark Erzgebirge/Vogtland.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markneukirchen Hetzschen Eubabrunn
Schönlind Nachbargemeinden
Landwüst Horní Luby (Ober Schönbach)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Wernitzgrün wurde im Jahr 1378 als "Wernesgrune" erstmals urkundlich erwähnt. Später lag der Ort wüst. Erst im 18. Jahrhundert ließ das Rittergut Erlbach "untern Teils" hier ein Vorwerk und Häuser für Erlbacher Fröner errichten.[1] Wernitzgrün gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Voigtsberg[2], nach 1856 zum Gerichtsamt Markneukirchen und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Oelsnitz.[3]

In der Zeit des Nationalsozialismus war Wernitzgrün mit zwei Gasthöfen und Privatquartieren Zielort der politischen Ferienorganisation "Kraft durch Freude" und zeitweilig eine „Sommerfrische“ für prominente Filmschaffende um den Regisseur Veit Harlan (1901–1964), der mit seiner dänischen Frau, der als Inkarnation der blonden Deutschen eingesetzten Filmschauspielerin Kristina Söderbaum (1912–2001), ein altes Gehöft am sogenannten Pascherberg dafür hergerichtet hatte. Harlan, der den antisemitischen NS-Propagandafilm Jud Süß gedreht hatte, und die Söderbaum, die wegen ihrer dramatischen Rollen mit Freitodszenen in Gewässern „Reichswasserleiche“ genannt wurde, verbrachten mit zahlreichen damals populären Schauspielern, wie Heinrich George oder Paul Klinger, Ferientage in Wernitzgrün. Harlans Bruder Peter (1898–1966), der sich später als Lautenist und Veranstalter der mittelalterlichen Musiktage auf der lippischen Burg Sternberg in der Musikwelt einen Namen machte, betrieb um diese Zeit im benachbarten Markneukirchen seine Werkstatt für Instrumentenbau.

Am 3. Oktober 1938 kehrte Adolf Hitler mit einigem propagandistischem Aufwand nach der Annexion des Sudetenlandes infolge des Münchner Abkommens über den Grenzübergang Wernitzgrün nach Deutschland zurück. Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich die Stabsabteilung der sogenannten "Kampfgruppe Mangold" der Wehrmacht im "Gasthof zur Linde" einquartiert, um von hier Spähtruppunternehmen gegen die anrückenden Besatzungstruppen der US-Armee im Raum Eger zu unternehmen. Die Amerikaner besetzten Wernitzgrün am 8. Mai 1945 aus Richtung Landwüst.

Die erst 1935 bis 1937 neu errichtete großzügige Grenzanlage mit dem Zollamt und vier Zweifamilienhäusern wurde in der DDR-Zeit ab 1966 zur „Erholungsanlage des Zentralkomitees der SED“ umgestaltet. Ein ständiges Wachkommando der Staatssicherheit sorgte dafür, dass die Minister, darunter auch der Chef der Staatssicherheit, Erich Mielke, hohe Parteifunktionäre und ausländischen Gäste in dem eingezäunten, streng abschirmten Waldgebiet unter sich blieben. Dorfbewohner hatten nur als Arbeitskräfte Zugang. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Wernitzgrün im Jahr 1952 zum Kreis Klingenthal im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der im Jahr 1990 als sächsischer Landkreis Klingenthal fortgeführt wurde und 1996 im Vogtlandkreis aufging.

Am 1. Januar 1999 erfolgte die Eingemeindung Wernitzgrüns nach Erlbach.[4] Beim Zusammenschluss Erlbachs mit der Stadt Markneukirchen 2014 wurde Wernitzgrün ein Ortsteil der Musikstadt. Heute hat der Ort etwa 330 Einwohner. Es gibt einen Fußballverein, eine Freiwillige Feuerwehr, einen Schützenverein sowie eine Schalmeienkapelle. Vor dem Ersten Weltkrieg war Wernitzgrün mit über 20 Drechslereien der Hauptstandort für die Fertigung von Wirbeln für Streichinstrumente. Die Meisterwerkstatt für den Klarinettenbau von Gunnar Meinel (Deutscher Musikinstrumentenpreis 1992 und 2000) besuchte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2000 auf seiner ersten Reise durch die neuen Bundesländer.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[5]
1583 5 besessene Mann, 2 Häusler
1764 4 besessene Mann
1834 208
1871 411
Jahr Einwohnerzahl
1890 557
1910 684
1925 693
1939 657
Jahr Einwohnerzahl
1946 698
1950 690
1964 531
1990 378

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimat- und Geschichtsverein Erlbach unter Mitwirkung von Ute Schindler, Heide-Marie Luther, Lore Dittmann, Helga Voigtmann und Helmuth Eßbach: Ortsgeschichte von Wernitzgrün. Vogtland-Druck Markneukirchen 2003
  • Helmar Meinel: Der Tag, an dem der Führer kam. Anthologie In unserem Alter – Lebensgeschichten. Rowohlt Verlag Reinbek 1992, ISBN 3-499-13093-9 und "Es begann mit dem Drei-Liter-Adolf", BoD-Verlag Norderstedt 2007, ISBN 9783837004762.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wernitzgrün – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Wernitzgrün im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Vorwerk Wernitzgrün auf www.sachsens-schloesser.de
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 74 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Oelsnitz im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Wernitzgrün auf gov.genealogy.net
  5. Vgl. Wernitzgrün im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen