Wetten (Kevelaer)

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Wetten
Stadt Kevelaer
„In Rot eine sechsblättrige silberne (weiße) Mispelblüte (sogenannte Geldernsche Rose) mit goldener (gelber) Butze und goldenen (gelben) Kelchblättern. Rechts und links vom obersten Blatt je eine goldene (gelbe) Löwenklaue nach Außen gerichtet.“
Koordinaten: 51° 34′ 10″ N, 6° 17′ 35″ O
Höhe: 20 m
Fläche: 25,55 km²
Einwohner: 2626 (31. Aug. 2015)
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 47625
Vorwahl: 02832
Kirche St. Petrus
Kirche St. Petrus

Wetten ist der älteste und zweitgrößte Ortsteil der Stadt Kevelaer im Kreis Kleve im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Er hat etwa 2600 Einwohner und aufgrund der früheren Zugehörigkeit zu den Spanischen Niederlanden ist die Bevölkerung überwiegend katholisch.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wetten liegt südöstlich der Ortschaft Kevelaer im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen, die das Zentrum der gleichnamigen Stadt bildet. Den Nord-Osten des Dorfes durchfließt die Niers. Die östliche Ortsgrenze ist die Issumer Fleuth. An der Issumer Fleuth befindet sich Haus Wankum, ehemals ein Herrensitz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Ursprüngen des Ortsnamens Wetten gibt es verschiedene Hypothesen. Die wahrscheinlichste – urkundliche Belege existieren nicht – besagt, der Name bezeichne etwa einen feuchten Platz am Wasser.[2][3]

Die Entstehung der Ortschaft liegt noch weitgehend im Dunkeln. Zwar konnten vereinzelt archäologische Funde gesichert werden, in vorchristlicher Zeit gilt die gesamte Region aber als siedlungsarm. Auch für die Römerzeit lässt sich trotz der Nähe zur östlich verlaufenden Römerstraße von Xanten nach Tongeren keine Besiedlung nachweisen. Erst nach der fränkischen Landnahme entstanden auch am linken unteren Niederrhein allmählich Einzelhofsiedlungen, die ab dem Ende des 9. Jahrhunderts wegen der Normanneneinfälle durch kleine Schutzburgen, sog. Motten, gesichert wurden.[4] In Wetten sind im wenige hundert Meter östlich vom Ortskern gelegenen Park des ehemaligen Maria-Viktoria-Hauses, heute World House Wetten, die Reste einer Motte, die Ruine des ehemaligen Festen Hauses Alt-Vellar, noch erkennbar.[5] Hier liegt womöglich die Keimzelle eines Weilers, aus dem die Ortschaft entstanden sein könnte.

Urkundlich erwähnt wurde eine Kirchengemeinde in Wetten erstmals im Jahr 1154; es handelt sich dabei um die Bestätigung eines Vertrages zwischen dem verstorbenen Kanonikus Ludolf von Xanten und dem Stift Cappenberg. Unter den namentlich erwähnten Zeugen befindet sich auch der Pastor von Wetten, „Heribertus presbiter de Wettene“.[6] 1792 wurde Wetten von Frankreich für kurze Zeit besetzt und bildete nach dem Frieden von Basel – erneut unter französischer Verwaltung – 1795 mit seinen Nachbargemeinden den Kanton Geldern im Arrondissement de Clèves des Département de la Roer. 1798 bildete es zusammen mit den Bauerschaften Kevelaer, Kleinkevelaer und Twisteden die Bürgermeisterei (französisch: Mairie) Kevelaer. Diese Zugehörigkeit blieb auch nach der französischen Besatzungszeit bis zur Gebietsreform 1969 erhalten. Seither gehört Wetten zu Kevelaer. Am 1. Juli 1969 wurde der Ort in die Stadt Kevelaer eingegliedert.[7] Im Jahr 2004 feierte das Dorf mit einer großen 850-Jahr-Feier die erste nachweislich urkundliche Erwähnung der Ortschaft.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettener Mühle

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteherin ist Beate Clasen (Stand: 2009).

Dörfliches Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dörfliche Leben Wettens wird maßgeblich durch die zahlreichen Vereine des Dorfs geprägt. So wird die jährlich stattfindende Kirmes von einem der „Geselligen Vereine“ ausgerichtet, im Jahr 2019 war dies die „St. Franziskus Bruderschaft“. Neben der Kirmes finden sich Schützenfeste, Karnevalsveranstaltungen sowie der Heimatabend im Wettener Jahreskalender.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wetten liegt verkehrsgünstig zur A57 (Nijmegen-Köln), in Kevelaer befindet sich ein Bahnhof der Deutschen Bahn. Der Wettener Bürgerbusverein bietet eine kostengünstige Linie an, die das Dorf mit zentralen Punkten der Stadt Kevelaer (wie z. B. dem Bahnhof oder Einkaufsmöglichkeiten) und den anderen Ortschaften Kevelaers verbindet.

Das Dorf verfügt über einen katholischen Kindergarten sowie eine katholische Grundschule. Ein Musikpavillon, zwei Sportplätze, Tennisplätze, ein Schießstand, ein Reitplatz mit angrenzender Reithalle sowie eine Turnhalle ermöglichen es den Dorfbewohnern, ein breit gefächertes Freizeit- und Sportangebot wahrzunehmen. Für öffentliche oder sonstige Veranstaltungen kann der Knoase-Saal genutzt werden, der im November 2005 feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde.

In der Dorfbäckerei können sich die Wettener mit dem Nötigsten versorgen. Zudem gibt es ein Küchenstudio und ein Schuhgeschäft sowie ein Friseurstudio und diverse andere Handwerksbetriebe. Alle Produkte des täglichen Bedarfs können im nahe gelegenen Kevelaer erworben werden. Aufgrund einer positiven Nachfragebündelung wird der Wettener Ortskern im Laufe des Jahres 2020 an das Glasfasernetz angeschlossen. Auch Teile der Haushalte im Außenbezirk erhalten sukzessive entsprechende Anschlüsse.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die hier lebenden Mückenschwärme haben der Bevölkerung den Spitznamen Wettese Knoase (niederfränkisch für ‚Wettener Mücken‘) eingebracht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Selders: Zur Kirchengeschichte von Wetten. In: Geldrischer Heimatkalender, Jg. 1996, S. 107–112 (Teil 1) und S. 256–261 (Teil 2), Jg. 1998, S. 184–191 (Teil 3).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Kwiatkowski (unter Einbezug von Teilen eines Typoskripts von Theo Küppers): Haus Wankum. Ein Adelssitz an der Fleuth in Kevelaer-Wetten. In: Geldrischer Heimatkalender, Jg. 2012, S. 26–38.
  2. Schumacher, Karl: Wie entstand der Name meines Heimatdorfes? Über Ortsnamen im Kreise Geldern. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): VHVG. Band 52. Geldern 1931.
  3. Plötz, Robert: Wetten. Ein Versuch einer Ortsnamensdeutung. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e.V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154-2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 11–12.
  4. Hartjes, Dennis: Wetten bei Kevelaer. Territorialgeschichtliche Untersuchung zur Entstehung und Entwicklung einer Ortschaft und ihrer Kirche am linken unteren Niederrhein bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. In: Wolf, Hubert u. Flammer, Thomas (Hrsg.): Junges Forum Geschichte. Band 8. dialogverlag, Münster 2020, ISBN 978-3-944974-49-1.
  5. Brouwers, Peter: Feste Häuser und Rittergüter in Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e.V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154-2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 137–162.
  6. Frankewitz, Stefan: Die Urkunde von 1154. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e.V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154-2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 9 f.
  7. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 78.
  8. Gemeindeverzeichnis 1910, Kreis Geldern. Abgerufen am 17. August 2013.
  9. GenWiki Amt Kevelaer. Abgerufen am 17. August 2013.
  10. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 266.
  11. Fakten zur Ortschaft Wetten, abgerufen am 11. Juli 2020.