Wilhelm Molitor

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Domkapitular Wilhelm Molitor, Speyer, um 1860. Privatphoto im Besitz des Verfassers.
Wilhelm Molitor als Student, Zeichnung von Adolph Grotefend (1812–1847), München, um 1840
Schraudolph Fresko aus dem nördlichen Querschiff des Speyerer Doms: "St. Bernhard übergibt das Kreuzbanner an König Konrad III." Der kniende König hat die Gesichtszüge des Domkapitulars Molitor, der mit dem Künstler befreundet war und regen Anteil an der Ausmalung des Domes nahm.
Geburt Christi, linker Flügel des von Wilhelm Molitor 1860 entdeckten Boßweiler Altars, aus dem Umkreis Martin Schongauers, ca. 1485; früher Dom, jetzt St. Ludwig, Speyer

Wilhelm Molitor (eigentlich Georg Wilhelm Molitor, Schriftstellerpseudonyme Benno Bronner und Ulrich Riesler) (* 24. August 1819 in Zweibrücken; † 11. Januar 1880 in Speyer) war ein Verwaltungsbeamter, Schriftsteller bzw. Dichter und Domkapitular in Speyer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugendzeit und Beamtenlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Molitor wurde geboren als Sohn des Appellationsgerichtsrates Joseph Alois Molitor und seiner Frau Aloysia geb. Mayer aus Mainz. Der spätere Oberlandesrichter, Komponist und Heimatkundler Ludwig Alois Molitor (1817–1890) war sein einziger Bruder.[1]

Er ging in Zweibrücken zur Schule, absolvierte das Gymnasium mit der Note vorzüglich und studierte in München und Heidelberg Philosophie und Rechtswissenschaften. Er legte beide juristische Examina ab und trat als Beamter in den bayerischen Staatsdienst ein. Ab 1843 war er bei der Kreisregierung in Speyer tätig. 1846 wurde er Regierungssekretär. Von der revolutionären Regierung der Pfalz wurde er 1849 zur Eidesleistung oder zur Demission aufgefordert. Molitor nahm seinen Abschied und begab sich zu seinem Firmpaten Erzbischof (später Kardinal) Johannes von Geissel in Köln, der ihm zum Theologiestudium in Bonn riet. Drei Semester studierte der Pfälzer dort, danach wieder in München und Heidelberg. Anschließend trat er ins Priesterseminar Speyer ein und wurde am 31. Juli 1851 von Bischof Nikolaus von Weis zum Priester geweiht.

Wirken als Geistlicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Molitor amtierte zunächst als Kaplan in Schifferstadt. Noch 1851 berief man ihn als Domvikar (Bischofssekretär) und bischöflichen Hauskaplan nach Speyer. Schließlich avancierte er zum Geistlichen Rat und wurde am 11. November 1857 ins Speyerer Domkapitel gewählt. Molitor war die "rechte Hand" von Bischof Weis und wohnte bis zu dessen Tod 1869 mit ihm zusammen im Bischofshaus. In der Bistumsverwaltung hatte der Domkapitular als Jurist vor allem kirchenrechtliche, aber auch kunstgeschichtliche Fragen zu bearbeiten. Er unterrichtete zudem Kunstgeschichte und geistliche Beredsamkeit am Priesterseminar. In seiner Funktion als bischöflicher Sekretär begleitete Molitor den Speyerer Oberhirten auf seinen Firm-, Visitations- und sonstigen Reisen. Er nahm auch an den Bischofskonferenzen teil und befreundete sich dabei u. A. mit Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler von Mainz sowie mit dem Münchner Erzbischof und späteren Kurienkardinal Karl August von Reisach, der schließlich die Aufmerksamkeit Papst Pius IX. auf ihn lenkte. Dieser zeichnete ihn 1864 mit dem Doktortitel der Theologie aus und berief den Speyerer Domkapitular in den Jahren 1868 und 1869 zu Vorarbeiten für das vatikanische Konzil nach Rom. An diesem nahm er bis zum vorzeitigen Abbruch infolge des Krieges 1870 teil. Außer in der Seelsorge betätigte sich Molitor nach seiner Rückkehr auch in der Betreuung des katholischen Gesellenvereins Speyer und gründete zudem eine kath. Lesegesellschaft, in der literarische Vorträge gehalten wurden. Seit Ostern 1879 bettlägerig, starb der Priester am 11. Januar 1880 in Speyer und wurde unter großer Feierlichkeit auf dem Domkapitelsfriedhof beigesetzt.

Sonstiges Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1875 wirkte Molitor zwei Jahre lang für den Bezirk Neustadt an der Saale als Abgeordneter im bayerischen Landtag, schied aber aus, da die Politik nicht sein Metier war. Als Schriftsteller und Heimatdichter entfaltete er eine sehr fruchtbare Tätigkeit. Unter den Pseudonymen Benno Bronner und Ulrich Riesler, aber auch unter seinem richtigen Namen verfasste er zahlreiche heimatgeschichtliche, kirchengeschichtliche, theologische und kunstgeschichtliche Werke, aber auch Dramen, Gedichte und Lieder, u.A. den Heimatroman Die schöne Zweibrückerin und ein Jubiläumsbuch über Papst Pius IX. Anlässlich des 800-jährigen Speyerer Domweihe-Jubiläums 1861, dichtete Molitor das bekannte Marienlied "O Königin voll Herrlichkeit", das in der Diözese sehr verbreitet ist, inzwischen fast den Charakter eines Volksliedes hat und auch in die Speyerer Ausgabe des katholischen Gesangbuches "Gotteslob" aufgenommen ist (Lied Nr. 891). Reges Interesse und große Zustimmung fand bei ihm auch die Ausmalung des Kaiserdomes mit historischen Fresken. Der ausführende Maler Johann Schraudolph verewigte Molitor auf einem Monumentalfresko des nördlichen Querschiffes (1960 abgenommen) König Konrad III. (HRR) nimmt von St.Bernhard von Clairvaux das Kreuzbanner entgegen. König Konrad trägt dort Molitors Gesichtszüge. Schließlich entdeckte Wilhelm Molitor 1860, anlässlich einer Visitationsreise mit seinem Bischof, in der uralten Kirche des nordpfälzischen Boßweiler (bei Grünstadt) hinter dem Hochaltar mehrere mittelalterliche bemalte Holztafeln, die dort als Abfall galten. Er erkannte darin sofort Teile eines äußerst wertvollen Flügelaltars, der wieder zusammengesetzt und restauriert wurde. Er ist unter dem Namen Boßweiler Altar in die Kunstgeschichte eingegangen und gilt heute als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Speyer. Dem 2006 seliggesprochenen Priester Paul Josef Nardini hielt er bei dessen Beerdigung 1862 die später auch im Druck erschienene Leichenrede.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die schöne Zweibrückerin. 1844.
  • Domlieder. 1846.
  • Die Immunität des Domes zu Speyer. 1859.
  • Emmanuel, ein dramatisches Festgedicht zur achten Säcularfeier der Speyerer Domweihe. 1861.
  • Das alte Deutsche Handwerk. 1864.
  • Johannes Cardinal von Geissel. 1865.
  • Die Freigelassene Nero's. Julian, der Apostat. 1865.
  • Das Theater in seiner Bedeutung und in seiner gegenwärtigen Stellung. 1866.
  • Die Großmacht der Presse. 1866.
  • Die Organisation der katholischen Tagespresse. 1867.
  • Weihnachtstraum. 1867.
  • Ueber Göthe's Faust. 1869.
  • Rom: ein Wegweiser durch die ewige Stadt und die römische Campagna. 1870.
  • Maria Magdalena. 1873.
  • Herr von Syllabus. 1873.
  • Piusbuch, Papst Pius IX. in seinem Leben und Wirken. 1873.
  • Cardinal Reisach. 1874.
  • Brennende Fragen. 1874.
  • Des Kaisers Günstling. 1874.
  • Der Caplan von Friedlingen. 1877.
  • Dramatische Spiele. 1878.
  • Die Blume von Sicilien. 1880.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz BrümmerMolitor, Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 438–440.
  • Joseph Schwind: Dr. Wilhelm Molitor (1819–1880) in seinem Leben und Wirken. Nach einem Vortrage zu seinem 100jährigen Geburtstage. Pfälzer Volksbote, Kaiserslautern 1920.
  • Jakob Bisson: Sieben Speyerer Bischöfe und ihre Zeit. 1870 bis 1950. Beiträge zur heimatlichen Kirchengeschichte. Pilger-Verlag, Speyer 1956.
  • Viktor Carl: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. Hennig, Edenkoben 1998.
  • Bernhard Adamy: "Ein ganzer Mensch": Wilhelm Molitor (1819-1880), Jurist - Theologe - Literat, Der Dichter der "Domlieder". In: Herbert Pohl (Hrsg.): "Habent sua fata libelli..." Facetten einer Bibliotheksgeschichte. Annweiler 2015, S. 89-122

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Molitor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Xaver Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speyer, Band 1, S. 27, Mainz, 1852; (Digitalscan)