Wissenschaftsforschung

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Die Wissenschaftsforschung (auch Wissenschaftswissenschaft, Metawissenschaft oder Scientologie[1]), im angloamerikanischen Raum Science studies genannt, ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das die Produktion, Repräsentation und Rezeption von Wissenschaft mit wissenschaftlichen Methoden (wie zum Beispiel der Szientometrie) untersucht, um herauszufinden und zu beschreiben, wie Wissenschaft funktioniert, wie sie strukturiert ist und wie sie sich entwickelt.

Definition[Bearbeiten]

Die Wissenschaftsforschung setzt sich mit den philosophischen (insbesondere epistemologischen), historischen und sozialen Kontexten von Naturwissenschaft auseinander. Vergleichbar den Cultural studies definiert sich das Feld über den Untersuchungsgegenstand. Damit finden Erkenntnisse und Methoden aus der Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsphilosophie, Wissenschaftssoziologie, Wissenschaftsethnographie, Wissenschaftsethik, Wissenschaftsästhetik und Scientometrie Eingang in die Wissenschaftsforschung. Die Wissenschaftsforschung setzt sich dabei von älteren Ansätzen ab, die den Wissenschaften entweder unkritisch und/oder normativ gegenüberstanden. Zentral hierfür war und ist die Hinterfragung zentraler Dichotomien (Entdeckungs- und Begründungszusammenhang, Wissenschaft und Technologie, Natur und Kultur), anhand derer die Trennung zwischen den Naturwissenschaften und anderen kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen begründet wurde.

Ein erster Programmvorschlag für eine zu begründende Wissenschaftsforschung stammt aus den 1930er Jahren von den polnischen Wissenschaftlern Maria Ossowska und Stanislaw Ossowski.[2] Bekannte deutschsprachige Vertreter der Wissenschaftsforschung sind der Soziologe Peter Weingart (Bielefeld), die Soziologin Helga Nowotny und der Philosoph Gerhard Fröhlich[3] (Linz).

Die Untersuchungsgegenstände umfassen:

Im Rahmen von Evaluationen hat die Wissenschaftsforschung auch Einfluss auf wissenschaftspolitische Entscheidungen.

Wissenschaftsforschung als Studienfach[Bearbeiten]

Studiengänge im Bereich der Wissenschaftsforschung sind in Deutschland und kontinentaleuropäischen Raum im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum noch verhältnismäßig jung. Momentan gibt es in Deutschland mindestens 5 Hochschulen mit Studienangeboten im Bereich der Wissenschaftsforschung und verwandter Gebiete, wie dem Wissenschaftsmanagement oder der Hochschulforschung. Alle Studiengänge werden ausschließlich auf Masterniveau angeboten und sind häufig als berufsbegleitender Weiterbildungsstudiengang ausgerichtet.

Im europäischen Ausland gibt es an folgenden Universität ein Studienabgebot, das in den interdisziplinären Bereich der Wissenschaftsforschung fällt:

Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsforschung[Bearbeiten]

Institutionen in Deutschland[Bearbeiten]

Institutionen in Europa[Bearbeiten]

Fachvereinigungen[Bearbeiten]

  • The Italian Society of Science and Technology Studies (STS italia)
  • La Red de Estudios Sociales de la Ciencia y Tecnología (esCTS)
  • Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung (GWTF)
  • sts im deutschsprachigen raum (dests)
  • Danish Association for Science and Technology Studies (DASTS)
  • European Association for the Study of Science and Technology (EASST)
  • Society for the Social Study of Science (4S)
  • Belgian Science, Technology, Society (BSTS)
  • Sektion Wissenschafts- und Technikforschung der DGS
  • Swiss Association for the Studies of Science, Technology and Society (STS-CH)
  • Interdisciplinary Network for Studies Investigating Science and Technology (INSIST)

Fachzeitschriften[Bearbeiten]

Nachfolgend sind einige für das Feld der Wissenschaftsforschung relevante Fachzeitschriften aufgelistet:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. W. Schingnitz: Die Tatsache Wissenschaft und ihre Geschichte. Zur Grundlegung einer systematischen und historischen Wissenschaftswissenschaft oder Scientologie. In: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. XXI, Heft 3, Leipzig und Berlin 1931.
    Zitiert nach: Paul Hoyningen-Huene, Gertrude Hirsch: Wozu Wissenschaftsphilosophie? Positionen und Fragen zur gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie. Walter de Gruyter, Berlin 1988, S. 230f. (online auf GoogleBooks)
  2. Matthias Kölbel: Wissensmanagement in der Wissenschaft, Berlin: Gesellschaft für Wissenschaftsforschung e.V. c/o Inst. f. Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, 2002, elektronische Bereitstellung 2011.
  3. Liste der Publikationen Fröhlichs, abgerufen am 6. Mai 2014.