Wolf-Eberhard Barth

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Wolf-Eberhard Barth (* 1941 in Johannisburg, Ostpreußen) ist ein deutscher Forstbeamter, Kynologe und Naturschützer. Er gilt als ein Pionier des Naturschutzes innerhalb der niedersächsischen Landesforstverwaltung und war von 1994 bis 2004 erster Leiter des Nationalparks Harz. Bekannt ist er zudem durch sein Buch Naturschutz – das Machbare, einem Standardwerk des praktischen Naturschutzes.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf-Eberhard Barth kam 1941 als Sohn des Heeresforstbeamten Matthias Barth und dessen Frau Ingeborg in einem Forsthaus in Johannisburg in den Masuren zur Welt. Sein Vater war in dieser Zeit Revierförster in Lissuhnen bei Arys. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete seine Mutter mit ihm und seiner Schwester Barbara 1944 zunächst zum Gut ihrer Schwester nach Tirschtiegel. Im Januar 1945 gelang es ihr dann, zusammen mit ihren Kindern in einem Pferdewagen-Treck nach Goslar zu ihren Eltern zu fliehen. Ihr Mann starb im Juli 1945 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.[1] Wolf-Eberhard Barth wuchs fortan in Goslar auf. Nach dem Abitur am Ratsgymnasium studierte er Forstwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen und der ETH Zürich. Noch während seines Referendariats in der Niedersächsischen Landesforstverwaltung wurde er 1969 in Göttingen mit der Dissertation Der Hannoversche Schweißhund als Beispiel der Entwicklung eines deutschen Jagdhundes promoviert. Nach seiner Übernahme in den Staatsdienst wurde Barth 1974 zum Leiter des Forstamtes Oderhaus im Harz bestellt.

Da Barth das Nachsuchenwesen auch aus Tierschutzsicht jagdethisch für sehr wichtig einstufte, ergab es sich in dem Hochwildforstamt fast automatisch, dass er auch in der Praxis ein engagierter Führer von Hannoverschen Schweißhunden wurde, um krank geschossenes Wild rasch aufzuspüren.[2] Barth absolvierte von Oderhaus aus überregional – im Urlaub auch in Namibia – viele hundert Nachsuchen auf Hochwild. Aus seinem Zwinger „Vom Oberharz“ gingen etliche besondere Leistungshunde hervor. Mehr als 20 Jahre lang war der Forstmann im Vorstand des Vereins Hirschmann aktiv, und vertrat den Verband 1983 mit Birko vom Oberharz bei der Internationalen Schweißhundverbandssuche in Ungarn. Barth ist Inhaber der goldenen Leistungsnadel des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) für erschwerte Nachsuchen.[2]

Bereits während seiner Zeit als Forstamtsleiter und Naturparkbeauftragter der Landesforstverwaltung im Landkreis Goslar setzte er durch, die Finanzmittel für den Naturpark zu jeweils zur Hälfte für den aktiven Naturschutz und für die Erholungsförderung zu verwenden. Dank seiner Initiative wurden mehr als 100 Feuchtbiotope im und am Harz angelegt. Barth veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Beiträge in Fachpublikationen und hielt Vorträge und konzipierte Ausstellungen. Seine Erfahrungen auf dem Gebiet des Naturschutzes fasste er 1987 in dem Buch Praktischer Umwelt- und Naturschutz. Anregungen für Jäger und Forstleute, Landwirte, Städte- und Wasserbauer sowie alle anderen, die helfen wollen zusammen. Durch die zweite, vollständig neubearbeitete und gestaltete Auflage unter dem Titel Naturschutz – das Machbare. Praktischer Umwelt- und Naturschutz für alle (1995) wurde es ein Standardwerk auf seinem Gebiet. Durch seine Arbeit erwarb sich Barth den Ruf, ein Pionier des Naturschutzes innerhalb der niedersächsischen Landesforstverwaltung zu sein, dem es immer wieder gelang, auch die örtliche Bürgerschaft in Naturschutzaktionen einzubinden. Als die niedersächsische Landesregierung nach vierjähriger Vorbereitung zum 1. Januar 1994 den Nationalpark Harz als elften deutschen Nationalpark ins Leben rief, wurde der leitende Forstdirektor Wolf-Eberhard Barth zum Gründungsleiter ernannt. In dieser Funktion engagierte er sich für die Wiederauswilderung von Luchsen im Harz, womit 1999 begonnen wurde. Zuvor hatte er bereits ab 1978 mit der Auswilderung von Auerhühnern Erfahrungen sammeln können. Dieses Projekt wurde jedoch wegen mangelnder Erfolgsaussichten im Jahr 2003 eingestellt.

In seiner aktiven Dienstzeit unterstützte Barth die Gründung des Nationalparks Eifel.[3] Er gehörte auch zu den Unterzeichnern der im Jahr 2004 veröffentlichten „Göttinger Erklärung“ des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“.[4]

Nach 30 Jahren Leitungsfunktion innerhalb der Landesforstverwaltung ging er Ende Oktober 2004 in den Ruhestand. Sein Nachfolger als Nationalparkleiter wurde Andreas Pusch.

Da Barth in seiner Zeit als Nationalparkleiter sowohl aus Zeitmangel als auch im Interesse der Sache des Naturschutzes in einem Nationalpark die Jagd aufgegeben hatte und sein letzter Hannoverscher Schweißhund eingegangen war, stand für Barth schließlich vor der Frage, welcher Hunderasse er und seine Frau sich künftig zuwenden wollten. Die Wahl fiel auf einen Rhodesian Ridgeback. Während eines Urlaubs in Südafrika gab es im Jahr 2002 ein Treffen mit dem international bekannten Ridgeback-Experten Scotty Stewart in Johannesburg, bei der Barth viel über die afrikanische Jagdhunderasse und ihren Einsatz etwa im Krüger-Nationalpark erfuhr. Noch während des Urlaubs suchten sich Barth und seine Frau eine Hündin aus, die der Forstmann in der Heimat bald auch jagdlich mit gutem Erfolg führte. Seither setzt er sich im Rhodesian-Ridgeback-Club E.L.S.A. e. V. für diese Hunderasse ein.[2]

Daneben betätigt sich Barth als Lehrbeauftragter der Technischen Universität Clausthal.

Wolf-Eberhard Barth, der seit 1981 mit der Künstlerin und Tierpräparatorin Anna Barth verheiratet ist, lebt mit seiner Frau in Schulenberg im Oberharz.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hannoversche Schweißhund als Beispiel der Entwicklung eines deutschen Jagdhundes. Hannoversch-Münden (Göttingen) 1969 (Dissertation).
  • Der Hannoversche Schweißhund. Ein Beispiel der Entwicklung einer deutschen Jagdhundrasse (= Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Freie und Hansestadt Hamburg. Heft 2). Hamburg 1970.
  • Tourismus in Waldgebieten. Erfahrungen über Steuerungsmöglichkeiten von Touristenströmen. In: Neues Archiv für Niedersachsen. Band 31, Nr. 3, 1982, S. 270–289.
  • als Bildautor: Feuchtgebiete in der Gemeinde. Eine Handreichung der U.A.N. Schriftenreihe des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Heft 11, S. 17–23. Hannover 1986.
  • Praktischer Umwelt- und Naturschutz. Anregungen für Jäger und Forstleute, Landwirte, Städte- und Wasserbauer sowie alle anderen, die helfen wollen. Hamburg/ Berlin 1987. (2., vollständig neubearbeitete und gestaltete Auflage unter dem Titel Naturschutz – das Machbare. Praktischer Umwelt- und Naturschutz für alle. Ein Ratgeber. Hamburg 1995, ISBN 3-490-11418-3)
  • Der Nationalpark Harz geht uns alle an! In: Bericht der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover, Bericht 139, Festschrift zum 200-jährigen Bestehen der NGH. Hannover 1997, S. 7–17.
  • Mitten in Deutschland. Wiederansiedlung des Luchses im Harz. In: Nationalpark. Nr. 116, 2002, S. 44–47.
  • mit Stephanie Glagla-Dietz: Naturwalddynamik als Leitbild für ökologische Vernetzungen durch wildnisartige Grünbrücken und Natur-Korridore. Sankt Andreasberg 2004 (gekürzt erschienen in Lebensraumkorridore für Mensch und Natur. (= Naturschutz und Biologische Vielfalt. Heft 17). Bundesamt für Naturschutz, Bonn 2005, ISBN 3-7843-3917-4, S. 127–148).

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Natur ist eine Seelen-Tankstelle für alle Menschen.“

Wolf-Eberhard Barth: 2003[3]

„Wir dürfen nämlich nicht unterschätzen und kleinreden, daß heute viele Hunderassen durch ehrgeizige Schönheitszüchter/innen gefährdet sind, die mehr um die eigene Geltung als um die Gesundheit und Zuchteignung ihrer Vierbeiner besorgt sind.“

Wolf-Eberhard Barth: 2007[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ingeborg Barth feierte ihren 100sten Geburtstag. Gemeindeblatt Neuendettelsau; abgerufen am 20. Januar 2008.
  2. a b c d Barths Seite über den Rhodesian Ridgeback; abgerufen am 10. Dezember 2007.
  3. a b Seelen-Tankstelle für die Menschen. In: Aachener Zeitung, 3. November 2003; abgerufen am 10. Dezember 2007.
  4. Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ – Unterzeichner; abgerufen am 10. Dezember 2007.