Yu der Große

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Yu der Große

(chinesisch ), Nachname (), Vorname Wénmìng (文命), oder Yǔ der Große (大禹), Xià Yǔ (夏禹), Róng Yǔ (戎禹) war der mythische erste Kaiser der semi-legendären Xia-Dynastie und der Nachfolger der fünf mythischen Urkaiser Chinas, die als Kulturheroen und Begründer der chinesischen Zivilisation gelten. In der chinesischen Mythologie spielt Yu eine wichtige Rolle, da es zahlreiche Legenden über ihn gibt, von denen die bekannteste der Flutmythos ist, in der Yu das Land vor Überschwemmungen rettet.[1]

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yu war der Legende nach der Sohn des Gun, der als Minister des Urkaisers Yao dargestellt wird. Im Auftrag Yaos sollte Gun die Überflutung der Gewässer abwehren und errichtete zu diesem Zweck Dämme. Diese hielten jedoch den Wassermassen nicht stand. Als Erster Minister von Yaos Nachfolger Shun übernahm dann Yu dieselbe Aufgabe, an der sein Vater gescheitert war. Indem er zahlreichen ausgeuferten Flüssen Ableitung verschaffte, war ihm bei der Lösung des Problems Erfolg beschieden. Während der acht oder zehn Jahre lang dauernden Arbeiten vollbrachte er übermenschliche Leistungen. Obwohl er damals einige Male an seinem Haus vorbeikam, stattete er aus Pflichtbewusstsein seiner Familie keinen Besuch ab. Er vertrieb auch die wilden Tiere und machte das Marschland zu fruchtbarem Ackerboden.[2][3]

Da Yu sich so durch die Bezwingung der Fluten sehr verdient gemacht hatte, erkor ihn Shun zu seinem Nachfolger. Er teilte das Land in neun Regionen ein, führte einige Kriege, übte aufgrund seiner hohen Tugend die Herrschaft beispielhaft aus und wurde zum Gründer der Xia-Dynastie. Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Qi.[2]

Historizität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Hinweise auf Yu finden sich auf Gefäßen aus der Zeit der Westlichen Zhou-Dynastie (11. Jahrhundert bis 771 v. Chr.), also erst über tausend Jahre nach seiner angeblichen Existenz. In dieser Zeit galt er noch als ein das Land vor den Wasserfluten rettendes göttliches Wesen; erst später wurde er als grandioser menschlicher Wasserbauingenieur betrachtet. In der Zeit der Streitenden Reiche (5. bis 3. Jahrhundert v. Chr.) wurde ihm dann auch die Gründung der Xia-Dynastie zugeschrieben.[4] Die traditionelle Geschichtsschreibung legte sich später für ihn eine Regierungszeit von 2205 bis 2147 v. Chr. zurecht und beschrieb ihn und seine Charaktereigenschaften entsprechend der dann geltenden Ideale für Beamten und Herrscher.

Archäologische Funde lassen mittlerweile auf ein Flutereignis im prähistorischen China schließen, welches zwischen 1900 und 1950 v. Chr. stattgefunden haben soll.[5] Auch wenn dies nicht auf eine Existenz des historischen Yu schließen lässt, sehen sich chinesische Historiker darin bestätigt, die Erlitou-Kultur mit der Xia-Dynastie gleichzusetzen. Gleichwohl wird der Beginn dieser Dynastie nach amtlichen Forschungsergebnissen bereits für um das Jahr 2070 v. Chr. datiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Guter: Lexikon zur Geschichte Chinas. Marix Verlag, Wiesbaden 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Yu the Great – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Da Yu in der Encyclopædia Britannica online
  2. a b Yu, in: Helmut Freydank et al. (Hrsg.): Lexikon Alter Orient, VMA-Verlag, Wiesbaden 1997, ISBN 3-928127-40-3, S. 479 f.
  3. Herbert Franke und Rolf Trauzettel: Fischer Weltgeschichte, Bd. 19: Das Chinesische Kaiserreich, Fischer Bücherei GmbH, Frankfurt am Main 1968, ISBN 3-596-60019-7, S. 24 f.
  4. Roger Goepper: Das alte China, C. Bertelsmann Verlag, München 1988, ISBN 3-570-06749-1, S. 48.
  5. Jonathan Webb, BBC-Bericht: Rocks tell story of China's great flood
VorgängerAmtNachfolger
ShunKönig von China Qi