Zizi Jeanmaire

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Zizi Jeanmaire 1963

Renée Marcelle „Zizi“ Jeanmaire (* 29. April 1924 in Paris; † 17. Juli 2020[1] in Tolochenaz, Schweiz) war eine französische Balletttänzerin, Schauspielerin und Chanson-Sängerin. Bekannt wurde sie in den 1950er Jahren durch ihre Darstellung der Titelrolle in dem Ballett Carmen, das 1949 in London produziert wurde.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren späteren Ehemann und langzeitigen Kollegen, den Tänzer und Choreografen Roland Petit, lernte sie im Alter von neun Jahren während ihrer Ausbildung am Ballet de l’Opéra de Paris kennen. Im Jahr 1954 heirateten die beiden. Ihre gemeinsamen Shows begründeten ihren weiteren Erfolg.

Jeanmaire wurde 1939 Mitglied des Opernballetts. 1944 tanzte sie in den Soirées de la danse im Theater Sarah Bernhardt. 1946 war sie Ballerina des Nouveau Ballet de Monte Carlo und 1947 während der letzten Saison von Colonel de Basils Original Ballet Russe in London. Danach tanzte sie als Hauptstar der von ihrem Mann geleiteten Ballettes de Paris, wo sie vor allem für ihre Energie und ihre Leidenschaft bekannt war. 1949 kreierte sie ihre berühmteste Rolle Carmen zu einem Musik-Arrangement von Melodien aus Bizets gleichnamiger Oper. In Petits Croqueuse de diamants trat sie 1950 erstmals als Chansonette auf. Weitere Rollenkreationen waren unter anderem 1958 Petits La Rose des vents und 1959 Cyrano de Bergerac.

Ihr Erfolg führte sie für einen kurzen Abstecher nach Hollywood, wo sie unter dem Namen Jeanmaire arbeitete und in den Musicals Hans Christian Andersen (1952) und Anything Goes (1956) auftrat. 1953 debütierte sie am Broadway in The Girl in Pink Tights. Im Anschluss daran konzentrierte sie sich auf ihre Arbeit am Ballett und produzierte gemeinsam mit ihrem Ehemann über 60 Shows im Casino de Paris. Zu Jeanmaires Markenzeichen wurde ihre Tanznummer des Lieds Mon truc en plumes. Spätere Kreationen waren Symphonie fantastique an der Pariser Oper (1975) und Die Fledermaus (Marseille 1979). 1979 hatte sie zusammen mit ihrem damaligen Tanzpartner Luigi Bonino einen Auftritt in der deutschen Fernsehshow Die Vico-Torriani-Show, in der sie ein Best of-Medley präsentierte.

Der US-amerikanische Künstler Joseph Cornell war von Jeanmaire besessen, obwohl sich die beiden nur einmal kurz 1949 nach einer Carmen-Vorstellung in ihrer Garderobe miteinander unterhalten hatten. Cornell bewahrte ihr Autogramm auf und sammelte Zeitungsausschnitte und Fotos. In seiner Galerie inszenierte er eine persönliche Ehrerbietung an sie mit dem Titel La Lanterne Magical du Ballet Romantique of Joseph Cornell. Außerdem wird sie zu Beginn des Lieds Where Do You Go To (My Lovely) von Peter Sarstedt aus dem Jahre 1969 erwähnt: „You talk like Marlene Dietrich, and you dance like Zizi Jeanmaire.“

Jeanmaire versuchte sich auch als Sängerin und nahm Chansons von Serge Gainsbourg, Boris Vian oder Jacques Prévert auf.[2] Insbesondere die Lieder von Gainsbourg standen immer wieder im Mittelpunkt ihres Repertoires. So enthielten die Alben Au Casino de Paris (1972) und Bombino (1977) überwiegend Lieder des Chansonniers.[3]

Im Jahr 1998 drehte der Regisseur Mischa Scorer über Jeanmaire die Dokumentation Zizi, Je T’Aime.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1952: Hans Christian Andersen und die Tänzerin (Hans Christian Andersen)
  • 1956: Broadway-Zauber (Anything Goes)
  • 1957: Paradies der Liebe (Folies-Bergère)
  • 1957: Kavaliere (Charmants garçons)
  • 1959: Die Schenke der Verlockung (Guinguette)
  • 1960: Carmen 62 (1-2-3-4 ou Les Collants noirs)
  • 1991: La belle au bois dormant

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zizi Jeanmaire u. a.: Zizi. Zizi Jeanmaire. Assouline, Paris 2002, ISBN 2-84323-389-5.
  • Horst Koegler, Helmut Günther: Reclams Ballett Lexikon. Reclam, Stuttgart 1984, ISBN 3-15-010328-2, S. 226 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Zizi Jeanmaire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E’ morta Zizi Jeanmaire danzatrice e showgirl, moglie di Roland Petit. In: giornaledelladanza.com. 17. Juli 2020, abgerufen am 17. Juli 2020 (italienisch).
  2. Stephanie D’heil: Zizi Jeanmaire. In: steffi-line.de. 5. Februar 2015, abgerufen am 17. Juli 2020.
  3. A Tribute to Gainsbourg: Zizi Jeanmaire interprète de Serge Gainsbourg. In: gainsbourg.org. Archiviert vom Original am 5. November 2004; abgerufen am 17. Juli 2020 (französisch).